18:16:01 | Dienstag, 21. August 2007
Pius XII.
Als Teil ihres Propagandakrieges warfen französische Flugzeuge Flugblätter mit der ersten Enzyklika von Pius XII. auf die deutschen Truppen. Von Ronald J. Rychlak.

Pius XII. – Apostel Christi für Gerechtigkeit und Frieden
(kreuz.net) Nach seiner Wahl zum Papst im März 1939 nahm Kardinal Pacelli zu Ehren seines Vorgängers
den Namen Pius an.
Der Name bedeutet auf Lateinisch „fromm“.
Pius XII. wählte als Wappen eine Taube,
die in ihrem Schnabel einen Olivenzweig trägt. Sein päpstliches Motto war: „Opus iustitiae pax“ – Das
Werk der Gerechtigkeit ist der Friede.
In seiner ersten auf Radio Vatikan übertragenen Botschaft versprach
er, für die Einheit zu arbeiten. Gleichzeitig rief er zum Frieden auf.
Leider war Pius XII. nicht in
der Lage, den Ausbruch des Krieges zu verhindern.
Im September 1939 marschierte Reichskanzler Hitler
in Polen ein.
Mit Europa im Kriegszustand mußte Pius XII. seine Ziele und seine Taktiken ändern. Statt
viele Appelle an die weltlichen Herrscher zu richten, entschied er sich, den Kriegsopfern zu helfen und
für den Frieden zu beten.
Alle Aktivitäten, welche die Neutralität der Kirche hätten in Zweifel ziehen
können, mußten von nun an streng geheim bleiben.
Die Entscheidung, hinter den Kulissen zu arbeiten,
erlaubte es Pius XII. das zu vollbringen, was eine jüdische Zeitung später „eine der größten Manifestationen
der Menschlichkeit im zwanzigsten Jahrhundert“ nannte.
Die Entscheidung,
hinter den Kulissen zu arbeiten,
erlaubte es Pius XII., das zu vollbringen, was eine jüdische Zeitung später „eine der größten Manifestationen
der Menschlichkeit im zwanzigsten Jahrhundert“ nannte.
Es gab für Pius XII. viele praktische Gründe,
leise zu sprechen, während er gleichzeitig gefährliche lebensrettende Maßnahmen veranlaßte.
Seine
offizielle Neutralität erlaubte es dem Papst, seine Dienste als Vermittler anzubieten. Sie erlaubte dem
Vatikan, auf beiden Seiten der Fronten zu wirken, um Kriegsopfer zu ernähren, zu kleiden und für sie
zu sorgen.
Sie machte es dem Vatikan auch möglich, als Kommunikationsweg zwischen den beiden Seiten
zu dienen.
Sie hat ferner vielleicht die Verfolgung unschuldiger Christen verringert, die in den von
Nationalsozialisten besetzten Gebieten lebten. Außerdem stimmte sie mit dem Verhalten des Vatikans in
früheren Konflikten überein.
Selber gab der Papst allerdings eine andere Erklärung für seine Motive.
In seiner ersten Enzyklika ‘Summi Pontificatus’ über die Einheit der
menschlichen Gesellschaft, die im Oktober 1939 erschien, schrieb Pius mit großer Sorge über den Kriegsausbruch
und legte seinen Friedensplan vor.
Darin schrieb er, daß die Kirche „ dieser Welt ihre mütterlichen
Arme entgegenstrecke, nicht um zu herrschen, sondern um zu dienen. Sie stellt nicht den Anspruch, den
Platz anderer legitimer Autoritäten in der ihnen eigenen Sphären zu besetzen, sondern bietet ihnen nach
dem Vorbild und dem Geist ihres göttlichen Gründers ihre Hilfe an, der »herumging, um das Gute zu tun«
(Apg 10,38).“
Mit einem Zitat von Jesus Christus schrieb Pius XII.: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers
ist.“
Mit anderen Worten erklärte der Papst, daß die Kirche bei der Lösung von Konflikten in der Welt
eine wichtige, aber beschränkte Rolle zu spielen habe.
Die Aufgabe des Papstes sei es, für den Frieden
zu beten und die Betrübten zu trösten. Das bedeute aber nicht, daß er für die politischen Realitäten
blind sei.
‘Summi Pontificatus’ identifiziert den Grund für die damalige Situation als „die immer größer
werdende Menge der Feinde Christi“, welche „die belebenden Wahrheiten und Werte, die im Glauben an Gott
und Christus innewohnen, leugnen oder praktisch vernachlässigen.“
Das war eine klare Anspielung auf
Hitlers Nationalsozialismus.
Pius XII. schrieb auch über „unser geliebtes Polen, das für seine Treue
zur Kirche und für seine Dienste in der Verteidigung der christlichen Zivilisation (…) ein Recht auf
die großzügige und brüderliche Sympathie der ganzen Welt hat, während das Land im Vertrauen auf die
mächtige Fürsprache Mariens – der Hilfe der Christen – auf die Stunde der Auferstehung in Harmonie mit
den Prinzipien der Gerechtigkeit und des wahren Friedens wartet.“
Nachdem die Nationalsozialisten gerade
Polen überrannt hatten, gab es keinen Raum für Interpretationen.
Die Zeitung ‘The American Israelite’
nannte die Enzyklika des Papstes eine „Anklage des Nationalsozialismus.“
Später warfen französische
Flugzeuge als Teil des Propagandakrieges Flugblätter mit der Enzyklika von Pius XII. auf die deutschen
Truppen.
Am gleichen Tag als Deutschland in Polen einmarschierte, telegraphierte Pius XII. dem päpstlichen
Nuntius in Warschau und wies ihn an, eine Überführung polnischer Juden nach Palästina zu organisieren.
Ronald J. Rychlak ist Vizedekan für akademische Angelegenheiten und Professor für Recht an der ‘University
of Mississippi School of Law’. Er ist der Autor des im Jahr 2000 erschienenen Buches „Hitler, the War
and the Pope“ – Hitler, der Krieg und der Papst.Nächstes Mal: „Wir fürchten uns nicht, in ein Konzentrationslager
zu gehen.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.