13:16:19 | Mittwoch, 22. August 2007
Die Liturgiereform verkaufte das goldene Geschirr und schaffte die Festmähler kurzerhand ab. Streitgespräch bekannter Freunde und Feinde der Alten Messe.
(kreuz.net, Frankfurt am Main) Ein Zusammentreffen der liturgischen Superlative: Am Montag debattierten
der emeritierte Münchener Philosoph
Robert Spaemann (80), der Frankfurter Schriftsteller
Martin Mosebach
(56), der emeritierte Münsteraner Kirchengeschichtler Arnold Angenendt (72) und der Bonner Liturgiewissenschaftler
Albert Gerhards über die Alte Messe.
Austragungsort des Streitgesprächs war das Frankfurter Haus am
Dom – das Bildungshaus des Bistums Limburg.
400 Menschen besuchten die Veranstaltung. Das Bildungshaus
„platzte buchstäblich aus allen Nähten“ – erklärte die deutsche Tageszeitung ‘Frankfurter Rundschau’.
Die vier Redner erzählten auch aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz. Das berichtete Patrick Bahners in
der deutschen Tageszeitung ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’.
Geworden, nicht gemachtMosebach (*1951)
ging von 1962 bis 1975 nicht zur Kirche. Seine Heimkehr ins Vaterhaus schildert er mit biblischen Motiven.
Er habe sehen müssen, daß keine Festmähler mehr gefeiert würden und das goldene Geschirr verkauft
worden sei.
Für den Schriftsteller ist die Alte Messe eine „große Bereicherung“. Er erwartet sich davon
auch Auswirkungen auf den reformierten Ritus, der eine Revision benötige.
In der Alten Messe werde der
Gottesdienstbesucher Zeuge eines wirkmächtigen Vorgangs – einer Mysterienfeier: „Ich trete hinzu und
muß den Ritus als etwas von mir nicht Gemachtes erleben.“
Mosebach prangert ferner den Skandal an, daß
man mit der überlieferten Liturgie jene verächtlich mache, denen wir die Überlieferung unseres Glaubens
verdanken: „Wir tun so, als wären sie einer Kümmerverfassung des Religiösen verfallene Halbheiden.“
Aktive Teilnahme nicht entscheidend
Robert Spaemann (*1927) erinnert an seine Zeit als Ministrant. Damals habe er schnell umlernen müssen,
wenn ein durchreisender Dominikaner die Messe im – nach dem Zweiten Vatikanum abgeschafften – ordenseigenen
Ritus zelebriert hat.
In diesem Sinn plädiert Spaemann für Ritenvielfalt. Die neue und die alte Messe
könnten doch – wenn sie nun einmal in der Welt seien – ganz wunderbar nebeneinander bestehen.
Gleichzeitig
erwartet sich der Philosoph ein Ende der „Quarantäne“ für die Alte Messe. Man solle aufhören die Traditionalisten
„wie Schmuddelkinder zu behandeln“.
Auch in bezug auf die Frömmigkeit gelte: „Konkurrenz belebt das
Geschäft.“
Zur
tätigen Teilnahme in der Messe zeigt Spaemann, daß die Alte Messe der Neuen um nichts
nachsteht. Im Mitsingen sei der Gläubige aktiv und im Lesen der Meßtexte geistig beteiligt.
Umgekehrt
werde bei der Neuen Messe – wenn etwa ein ungeweihter Lektor die Lesung vorträgt – zwar dieser eine Laie
tätig, aber eben nur dieser.
Zudem sei die aktive Teilnahme am Gottesdienst wichtig, aber nicht entscheidend.
Bei früh und lange geübten Riten, wisse jeder, was in der Messe gerade geschieht.
Spaemann sieht ferner
einen seelsorgerischen Erfolg der Alten Messe, die auch von jungen Leuten geschätzt werde.
Unvereinbar:
Kanon und KonzilDer Kirchengeschichtler Hw. Angenendt (*1934) kann in der neuen Messe „anders und intensiver“
beten.
Die aktive Teilnahme der Gläubigen kann sich der Kirchenhistoriker in einer Sakralsprache nicht
vorstellen: „Wenn ich bete, dann in der Sprache, die mir am vertrautesten ist.“
Kirche bedeute gemeinsames
Gebet: „Beim Gottesdienst wird gebetet, und wenn der Kirchturm umfällt.“
Den Römischen Kanon – das
erste Hochgebet – hält Hw. Angenendt als mit dem Zweiten Vatikanum nicht mehr vereinbar.
Pfarr- und
Liturgiealltag

Bildquelle: cathcon.blogspot.com

Bild der Zeitung: cathcon.blogspot.com

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Bildquelle:
breviarium.blogspot.com

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Wie ein Kommunist nach dem Fall der Mauer
Der Liturgieprofessor Albert Gerhards wünscht sich, daß das Heilige in der Neuen Messe stärker zum
Ausdruck kommt. Aber das geschehe nicht automatisch durch die Alte Messe.
Der Professor gesteht Fehler
ein, die im Zuge der Liturgiereform begangen wurden: „Aber deren geistlicher Gewinn muß auch benannt
werden.“
Patrick Bahners ließ sich für seinen Artikel in der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ von Professor
Gerhards Argumentation nicht überzeugen:
„Bis zuletzt hatte er vor der allgemeinen Zulassung der alten
Messe gewarnt. Jetzt verteidigte er tapfer und schlechtgelaunt das nicht näher erläuterte Gute an der
Reform der sechziger Jahre wie ein SED-Vordenker [Sozialistische Einheitspartei Deutschlands] nach dem
Mauerfall die Errungenschaften der DDR.“
Bahners Fazit aus dem Streitgespräch:
„So viel ist seit der
Reform am Altar gemacht worden, daß der alte Gebrauch des Meßritus in der Konkurrenz mit dem neuen bis
auf weiteres den Standard des Nicht-Gemachten bezeichnen wird.“
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