11:12:14 | Donnerstag, 23. August 2007
Die katholischen Gemeinden krebsen ohne Ende – aber das könnte ganz anders sein, auch wenn sich Bischöfe und Priester anscheinend damit fatalistisch abgefunden haben.

Dr. Lindemann referiert an der Gustav-Siewerth-Akademie
(kreuz.net, Bierbronnen) Der Massenabfall der Gläubigen ereignet sich seit dem Pastoralkonzil mit einer
Geschwindigkeit und in einer Größenordnung, die alles in der Kirchengeschichte bisher Dagewesene übersteigt.
Auch traditionell-katholischen Gemeinden gelingt es nicht, diesen Trend umzukehren.
Während einer
Gastvorlesung
an der Gustav-Siewerth-Akademie in Bierbronnen im Schwarzwald erläuterte Dr. Wolfgang Lindemann am 28.
Juni, wie man das ändern könnte.
Voraussetzung für jede Neuevangelisierung ist, daß deren Träger,
Priester und Gläubige, normale Katholiken sind. Da dies nur in den Altritusgemeinden noch sicher gewährleistet
ist, sieht Lindemann diese als seine erste Zielgruppe.
Lindemann beruft sich auf die Church Growth- oder
Gemeindewachstumsbewegung unter US-Protestanten. Deren Ziel ist, mehr Menschen zu Christus zu führen
und die Christen eifriger zu machen.
Die meisten Ergebnisse der Church-Growth-Bewegung lassen sich auf
die Kirche übertragen.
Der Ansatz der Church Growth-Bewegung ist einfach. Wachsende, stagnierende und
schrumpfende Gemeinden und geistliche Gemeinschaften werden untersucht und miteinander verglichen.
Dann
versuche man, auf Basis der Bibel und der kirchlichen Lehre Regeln und Prinzipien zu beschreiben, nach
denen Gemeindewachstum geschieht.
Eine stagnierende oder schrumpfende Gemeinde, die wieder wachsen will,
muß diese Regeln und Prinzipien auf ihre Situation anwenden.
Grundsätzlich muß jede Gemeinde wie eine
geistliche Gemeinschaft konzipiert und geführt werden. Das heißt:
– Es muß eine formale Mitgliedschaft
geben, die mit dem Bekenntnis zum Glauben, der Verpflichtung zur Moral und der Bereitschaft zur Mitarbeit
verbunden ist.
– Die Gemeindeleitung muß das Ziel haben, daß ihre Gemeinde qualitativ und quantitativ
wächst, das heißt, daß Nichtkatholiken oder nicht-praktizierende Katholiken zum Glauben kommen und
die Gemeindemitglieder eifrigere Katholiken werden. Natürlich gilt auch die Voraussetzung, daß kirchenfeindliche
Kirchenfunktionäre diese Erneuerung nicht verhindern.
– Die Gemeinde darf nicht als eine Ansammlung
von isolierten Individuen begriffen werden, die einzeln am selben Ort von den Geistlichen betreut werden.
Sondern als ein Gesamtorganismus, ein Leib, der gemeinsam Projekte angeht, die ein Einzelner nicht angehen
kann.
– Die Kunst der Gemeindeleitung besteht darin, die richtigen Projekte für die konkrete Situation
auszuwählen – darunter auch direkte Neuevangelisierung. Aufgabe der Gläubigen ist es, mitzumachen.
– Die Gemeindemitglieder müssen in der Gemeinde über den Kommunionunterricht und die Firmkatechese hinaus
weitergebildet werden. Sie müssen zum Beispiel lernen, wie man den Glauben bezeugt. Auch sollen sie ihre
persönliche Begabung und Berufung finden. Nach Studien sind nur etwa 10% der Gläubigen zur direkten
Evangelisierung geschaffen.
– Personen, die das erste Mal zur Gemeinde stoßen, müssen ein Angebot zum
Einstieg vorfinden. Es muß auch ein Angebot für bereits praktizierende Katholiken geben, die zum Beispiel
durch Umzug neu sind. Für Fernstehende sollte unbedingt ein Glaubenskurs existieren.
– Neben der anonymen
Sonntagsmesse sollte ein möglichst großer Teil der Gemeindemitglieder in kleineren Untergruppen – Hauskreise,
Zellgruppen, Gebetskreise – eingebunden sein.
Alle wachsenden katholischen geistlichen Gemeinschaften
verwenden dieses Wachstumsprinzip. In diesen Gruppen geschieht gegenseitiger Austausch und Beistand, Gebet
und auch Fortbildung und – über das Einladen von Gästen – auch Neuevangelisierung.
Mit Hilfe dieser
Werkzeuge können traditionell-katholische Gemeinden von der Glaubenbewahrung zur Wiedereroberung übergehen.
Die Antievangelisation ist durch Massenmedien und diverse ideologisch agierende Bewegungen, Lobbygruppen,
kommerzielles Marketing, Freimaurerei und Parteien vielfach größer als noch vor fünfzig oder hundert
Jahren.
Die Christen werden entweder lernen, diese Bedrohung mit neuen, besseren Methoden zu parieren –
oder sie werden weiterhin eine leichte Beute der Säkularisierung.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#9
Pio 13:35:08 | Donnerstag, 23. August 2007