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Freitag, 28. Januar 2005 08:28
Zölibatsmüdigkeit: In Australien wollen vor allem die Alten nicht
Kürzlich hat sich Australiens liberaler „Nationaler Rat katholischer Priester“ gegen den Priesterzölibat gewandt und bekam öffentliche Unterstützung von einem Weihbischof. Die Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten: Eine andere Priestergruppe des Landes verteidigt jetzt die Ehelosigkeit des Priesters um der Liebe Christi willen.
(kreuz.net, Australien) Die konservative „Australische Bruderschaft des katholischen Klerus“ veröffentlichte gestern eine Stellungnahme zum Priesterzölibat. Anlaß dazu war eine Erklärung des liberalen „Nationalen Rates katholischer Priester“, der sich gegen die priesterliche Ehelosigkeit ausgesprochen hatte.

Die beiden Vereinigungen sind private Zusammenschlüsse von Welt- und Ordenspriestern unterschiedlicher Ausrichtungen. Der „Nationale Rat“ versammelt das liberale Spektrum, während die „Bruderschaft“ die konservativen Kleriker vertritt. Die beiden Organisationen spiegeln die seit dem Zweiten Vatikanum weltweit übliche ideologische Spaltung im katholischen Klerus und Kirchenvolk.

Ungefähr 300 der 1649 australischen Priester sind Mitglieder der konservativen „Bruderschaft“. Die Mehrheit ihrer Mitglieder ist unter 40 Jahre alt. Die Stellungnahme der „Bruderschaft“ reagiert auf Medienberichte, wonach angeblich „alle“ katholischen Priester Australiens den Zölibat ablehnten.

Der liberale „Nationale Rat“ hatte sich im Dezember des vergangenen Jahres mit einer schriftlichen Bitte um Aufhebung des Weltpriesterzölibats an die Vatikanische „Bischofssynode“ gewandt. Die „Bischofssynode“ ist eine vatikanische Stelle, die regelmäßig Beratungen von Bischöfen aus dem Weltepiskopat organisiert. Diese Beratungen finden im Vatikan statt. Dem liberalen „Nationalen Rat“ gehört rund die Hälfte der 1649 australischen Kleriker an. In diese Zahl sind 42 Bischöfe und drei Kardinäle eingeschlossen.

„Die ‘Australische Bruderschaft des katholischen Klerus’ unterstützt die Beibehaltung des Zölibats, weil er ein einzigartiges Zeugnis für den vollkommenen Dienst an Christus und für das Leben der kommenden Welt ablegt“, so der Vorsitzende der „Bruderschaft“, Pfarrer John Walsh aus Sydney. „Angesichts einer Welt, die mit der Verpflichtung zu Keuschheit und Selbstdisziplin große Schwierigkeiten hat, ist das Zeugnis des Zölibats umso bedeutungsvoller.“ Der Zölibat sei ein Zeugnis, das dem gegenwärtigen Trend entgegenlaufe.

Die Argumente gegen den Zölibat stützten sich oft auf eine angebliche „Praxis der westlichen Kirche im ersten Jahrtausend“. Die historischen Grundlagen für diese Argumente seien jedoch häufig äußerst fraglich. Historiker hätten schon seit langem herausgefunden, daß es im ersten Jahrtausend zwar verheiratete Priester gegeben hätte, diese jedoch ab dem Zeitpunkt ihrer Priesterweihe mit ihrer Frau in einer „Josephs-Ehe“ lebten. Oft hätten sich der geweihte Ehegatte und seine Frau auch völlig getrennt.

Pfarrer Walsh unterstrich, daß sich die Mitglieder der „Australischen Bruderschaft des katholischen Klerus“ mit ihren liberalen Mitbrüdern verbunden fühlten. Ein Blick auf die sinkenden Zahlen der Priesterberufungen stelle jedem Priester die gegenwärtige Krise der Kirche in Australien vor Augen: „Wir unterscheiden uns allerdings klar in der Frage nach dem Warum dieser Krise und nach dem vorgeschlagenen Weg aus der Krise heraus.“

In der Zwischenzeit fand der „Nationale Rat“ Unterstützung aus den Reihen verschiedener altliberaler Gruppierungen. Eine Vereinigung, die sich „Zukunftskirche“ nennt, sowie die Bewegung „Ruf zur Tat“ bezeichneten das Schreiben des „Nationalen Rates“ als mutige Vorgehensweise, die einem breiten Anliegen für ein „freiwilliges Zölibat“ Ausdruck verleihe.

Das australische „ABC Radio“ berichtete außerdem, daß der Weihbischof der Erzdiözese Canberra-Goulburn, Patrick Percival Power (62), die Bischöfe aufforderte, die Forderung nach einer Abschaffung des Priesterzölibats entschieden zu unterstützen: „Inwiefern sind wir bereit, die Zeichen der Zeit zu lesen, inwiefern sind wir bereit, auf die Bitten unseres Volkes zu hören?“ fragte sich der Weihbischof in seiner Stellungnahme. Bischof und Weihbischof der Erzdiözese Canberra-Goulburn gehören zum linken Flügel der Australischen Bischofskonferenz.

„Wenn wir weiterhin fortfahren, blind und taub zu sein, werden wir die Menschen in die falsche Richtung führen“, meinte Weihbischof Power.
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