10:14:01 | Dienstag, 28. August 2007
Benedikt XVI.
Mit einem Sammelsurium provinzieller Skurrilitäten hat kürzlich ein altliberaler Theologe die Freigabe der Alten Messe kommentiert: „Wir waren wirklich alle froh, als der tridentinische Ritus verboten wurde.“

Benedikt XVI. noch als Kardinal im Mai 2003
© Janusza Stachonia, CC(kreuz.net) Die Alte Messe ist „Ausdruck elitärer katholischer Hochkultur“ – glaubt Markus Arnold (54).
Arnold ist Präsident der
kirchenfeindlichen ‘Christlich- demokratischen Partei’ im Kanton Zürich und
Studienleiter am Religionspädagogischen Institut der Universität Luzern. In seiner Jugend war er vier
Jahre lang Mitglied des Dominikanerordens.
Seine Meinung gab er in einem Artikel zum Besten, den die
‘Neue Zürcher Zeitung’ abdruckte.
Arnold weiß: „Kardinal Joseph Ratzinger war ein Fundamentalist: Er
hütete die fundamentalen, unverbrüchlichen Wahrheiten der Kirche Roms.“
Papst Benedikt XVI. bezeichnet
er als „Ästhet“. Der wahre Glaube allein reiche ihm nicht. Jetzt sei die Schönheit des Glaubens angesagt.
Ein erstes päpstliches Zeichen sieht Arnold darin, daß Benedikt XVI. dem päpstlichen Hofschneiderei
Gammarelli die Treue kündete und „bei der Konkurrenz“ verzierte Pontifikal-Schuhe und „das hermelinumrandete
rote Käppchen aus Renaissancezeiten“ eingekauft habe.
„Sein Vorgänger hätte sich für dieses Geld
ein Paar neue Ski gekauft“ – witzelt er.
Benedikt XVI. erste Enzyklika war entgegen der Befürchtungen
Arnolds kein „dogmatischer Rundumschlag“. Der Papst widme sich darin „auf hohem Niveau“ dem Thema Liebe.
Arnold bezeichnet den Papst als „postmodern!“. In der Postmoderne sei Selbstinszenierung angesagt: „Benedikt
steht für Hochkultur-Milieu und katholische Akademiker-Szene.“
Dazu gehöre für ihn das Latein: „Die
Rehabilitierung der lateinischen Messe war daher ein überfälliger Schritt.“
Verboten sei das Latein
nie gewesen: „Eine gepflegt gestaltete gregorianische Messe ist nicht nur schön, es ist auch für die
Beteiligten die beste Psychohygiene, die ich kenne.“
Dagegen sei der tridentinische Ritus untersagt worden.
Nach Arnold kam der Alte Ritus „zusehends in die Krise“. Er selber habe in Peru einen Priester erlebt,
der in dreißig Minuten drei Messen hintereinander las: „Für jede bekam er ein Schaf. Er lebte davon.“
„Zum Glück hat das Zweite Vatikanische Konzil vor gut vierzig Jahren hier Remedur geschaffen“ – atmet
Arnold auf.

Die Alte Messe füllte in den Niederlanden die Kirchen.
Er glaubt, daß das Konzil den Hochaltar durch einen Altar-Tisch ersetzt habe.
Dieser Tisch
erinnert Arnold daran, daß es bei der Messe angeblich darum gehe, sich des letzten Abendmahles Jesu bewußt
zu werden.
Jetzt könne sich der Priester „mit Ministranten und auch Ministrantinnen“ dem Volk zuwenden.
Man spreche angeblich nicht mehr von „Messe“. Das Wort komme von „ite missa est“:
„Das sagt der Priester
am Schluß und fordert damit die Gläubigen auf, zu gehen.“
Angesichts der Kirchenaustritte können wir –
so Arnold – das Wort „Messe“ heute wirklich nicht mehr brauchen.
Bei der Alten Messe gehe es letztlich
um das „Kirchenbild“ – philosophiert Arnold weiter.
Heute sei der Priester Teil des Kirchenvolkes – „aber
mit einer besonderen Aufgabe“.
Die Kirche sei kein Mysterium mehr, sondern in erster Linie eine Gemeinschaft,
die sich zum „Brechen des Brotes“ versammle:
„Wir waren wirklich alle froh, als der tridentinische Ritus
verboten wurde.“
Die Alte Messe ist für Arnold etwas für akademische Atheisten: „Hochkultur-Milieu“.
So habe ihm einmal ein Universitätsprofessor – ehemaliger Klosterschüler aus Engelberg – erklärt,
nicht zu glauben, daß Jesus gelebt habe:
„Dann wurde er streng, aber die Messe, die Messe müsse wieder
so wie früher auf Lateinisch zelebriert werden, sozusagen als Erinnerung an einen, der nie gelebt hat.“
Damit ist für Arnold „klar“, welches Milieu und welche Szene Papst Benedikt mit seinem Erlaß bedient:
„Hochkultur, katholische Akademiker“.
Tragisch sei nur, daß immer weniger Akademiker Latein könnten.
Etwas zusammenhanglos macht Arnold sodann noch einmal das „Kirchenbild“ aus, das mit der Freigabe der
Alten Messe angeblich gefördert werde: „Priester-Elite gegen Kirchenvolk“ – meinte er klassenkämpferisch.
Ein offenbar gegenwärtig existierendes „gemeinschaftliches Miteinander“ sei vorbei: „Der Priester zeigt
dem Volk die kalte Schulter.“
Das sei natürlich nicht so gemeint, aber so komme es an – so Arnold, der
sich anschließend um die „Folgen von solchen Entscheiden“ sorgt.
„Diese sind zu verantworten“ – sagt
er und meint wohl: Für diese müsse man Verantwortung übernehmen: „Vor allem dann, wenn es um mehr als
Meß-Riten geht.“
So sollten zum Beispiel „Risiken und Nebenwirkungen“ von ökumenisch relevanten Erklärungen
bedacht sein – hüpft er zum nächsten Thema.
Die Frage, ob diese Erklärungen wahr oder falsch sind,
scheint Arnold nicht zu berühren.
Die Verletzungsgefahr sei erheblich – fährt er weiter.
Nächster
Hüpfer: Das gelte auch für die Ernennung neuer Bischöfe: Da stelle sich die kritische Frage, welche
Szenen denn bedient werden sollen, wenn neue Bischöfe nicht auch „im Kirchenvolk verwurzelt“ seien.
Arnold wohnt im Bistum Chur, für das gerade ein
neuer Bischof ernannt wurde.
Die Folgen einer solchen
Personalpolitik seien „verheerend“.
Das sehe man aber nur, wenn man den Gläubigen nicht den Rücken
zuwende.
Der Beitrag von Arnold erhielt in der ‘Neuen Zürcher Zeitung’ einen einzigen Leserkommentar
unter dem Titel: „CVP-Präsident als neuer Religionsstifter“.
Darin stellt ein Heinz I. Ackermann fest,
daß der CVP-Präsident und Theologe Markus Arnold dem Papst theologische Wortklauberei vorwerfe und zugleich
dasselbe tue.
Ackermann vermutet, daß es vielleicht wieder an der Zeit ist, daß es zu einer neuen Reformation
und zu weiteren Absplitterungen von der römisch-katholischen Kirche komme:
„Der Zürcher CVP-Präsident
könnte der neue Religionsstifter werden, einer neukatholischen Religion mit Priestern und Priesterinnen,
ohne Zölibat, Volkswahl der Bischöfe usw.“
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