Fruchtbare Verständigung oder Dialog mit einem Lügner?
Die Konfrontation zwischen der Kirche und den spanischen Sozialisten hält an. Doch während sich die spanischen Katholiken mobilisieren, scheint ihnen der Vatikan mit Tatenlosigkeit und beschwichtigendem Diplomatengerede in den Rücken zu fallen.
(kreuz.net, Madrid) Anläßlich des Ad-limina Besuches einiger spanischer Bischöfe kritisierte Papst
Johannes Paul II. letzten Montag die spanische Regierung für die „wachsende Ideologie des Laizismus“.
Der Ad-limina-Besuch (lateinisch: „zur Schwelle“) ist die ordentliche Unterredung, zu der sich die Bischöfe
der Welt alle fünf Jahre nach Rom begeben. Die Vorlage für die Ansprache, die der Papst üblicherweise
während des Besuches hält, wird in der Regel von den angesprochenen Bischöfen selber verfaßt.
Die
Ideologie des Laizismus führe, so der Heilige Vater, zu einer Beschneidung der Religionsfreiheit und
könne in einer offenen Geringschätzung der Religion gipfeln. Es widerspreche der katholischen Tradition
Spaniens, das Religiöse in die Privatsphäre zu verbannen.
In Madrid lösten die Worte des Papstes Unmut
aus. Am selben Abend zitierte das spanische Außenministerium den päpstlichen Nuntius, Erzbischof Manuel
Monteiro de Castro (66), herbei. In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, die spanische Regierung
sei über die Äußerungen von Papst Johannes Paul II. „befremdet“. Es herrsche Erklärungsbedarf.
Spanien
befinde sich „in der Phase der größten religiösen Offenheit seiner Geschichte“, wurde der sozialistische
Ministerpräsident, José Luis Zapatero, drei Tage später in den spanischen Medien zitiert. Zapatero
versicherte seinen „größten Respekt“ gegenüber dem Papst. Allerdings habe ein Großteil der Spanier
die päpstlichen Aussagen als übertrieben empfunden. Die Mehrheit der Bevölkerung stehe hinter der Regierungspolitik.
Selbstverständlich würden die mit dem Heiligen Stuhl geschlossenen Verträge und die Meinung des Papstes
berücksichtigt.
Luis Rodriguez Zapatero (44) war am 16. April letzten Jahres nach einem spektakulären
Wahlsieg vom spanischen Parlament zum Ministerpräsidenten des Landes gewählt worden. Die vor den Wahlen
hoch favorisierte katholisch-konservative Volkspartei („Partido Popolar“) des scheidenden Ministerpräsidenten
José María Aznar wurde ein Opfer ihrer im Volk verhaßten kritiklosen Gefolgschaft während des US-Angriffskrieges
gegen den Irak und der anschließenden Madrider Terroranschläge, die sich im März 2004 unmittelbar vor
den Parlamentswahlen ereigneten.
In wenigen Monaten ihrer Amtszeit hat die Regierung der „Sozialistischen
Arbeiterpartei“ bereits verschiedene Bürgerrechte massiv eingeschränkt. So beschloß sie Gesetzte, welche
die Rechte und den Schutz der Kinder im Mutterleib beschneiden, sowie die Ehe und Familie schwächen.
Letzteres geschah auch durch die staatliche Anerkennung des Homosexuellen-Konkubinats. Konkubinierenden
Homosexuellen ist neuerdings sogar die Adoption von Kindern erlaubt. Ebenso wurde die industrielle Verwertung
von menschlichen Kleinstkindern (Embryonen) zum Gewinn von sogenannten „Stammzellen“ erlaubt. Gegenwärtig
arbeitet die Regierung des Sozialisten Zapatero an antikirchlichen Gesetzen, um die kirchlichen Finanzen
zu schwächen und den staatlichen Religionsunterricht in ein Freifach ohne Benotung umzuwandeln.
Der
Pressesprecher des Vatikans, Joaquin Navarro-Valls – selbst ein Spanier – begrüßte am Donnerstag in
einer Antwort auf den spanischen Regierungschef, daß dieser weiterhin gute Kontakte zum Vatikan halten
wolle. Er bekräftigte aber, daß der Vatikan am Text der Papstrede festhalte. Mit Zufriedenheit nehme
der Vatikan zur Kenntnis, daß die spanische Regierung den Willen bekundet habe, „durch einen anhaltenden,
lebhaften Dialog im gegenseitigen Respekt die fruchtbare Verständigung mit der Kirche beizubehalten“.
Die Zitierung des Apostolischen Nuntius ins spanische Außenministerium erwähnt die Presseerklärung
von Navarro-Valls mit keinem Wort.
Katholische Eltern in Spanien fühlten sich im Streit um den Religionsunterricht
vom Vatikan betrogen. Es gebe klare Verträge zwischen Spanien und der Kirche aus dem Jahr 1979. Obwohl
Zapatero diese Verträge breche, beschränke sich der Vatikan darauf, von „Dialog“ und „Respekt“ zu reden.
Katholische Laien hätten gerade drei Millionen Unterschriften gegen die Entwertung des Religionsunterrichtes
gesammelt. Zweideutige und zahnlose Aussagen aus dem Vatikan würden diese Bemühungen hintergehen.
Unterdessen
meinte ein baskischer Priester gegenüber einer Tageszeitung: „Zapatero behauptet, er respektiere die
Verträge mit dem Vatikan und die Meinung des Heiligen Vaters. Wie? Mittels der Einführung der Abtreibung,
des Homosexuellen-Konkubinats und einer sozialistischen Erziehung der Kinder in den Schulen? Ich frage
mich, wie der Vatikan mit einem Lügner einen Dialog führen will.“
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2 Lesermeinungen
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„Brückenbauer“ Ich glaube, daß diese Vokabel zum ersten Mal in der Zeit des National-Sozialismus auftauchte.
Es bezeichnete die Bischöfe, die aufrichtig den Dialog mit der „hehren Sache“ des Hitlerischen National-Sozialismus
suchten. Das waren die „Brückenbauer“ … wie ironisch, daß dieses Wort nach 1945 unter den freimaurerisch-sozialistischen
Staatsformen wieder auflebte. Ich finde es ausgezeichnet, daß eine der jüngsten Biographien über den
„Jahrhundert-Kardinal“ Franz König genau diesen Titel trägt „Der Brückenbauer“. Dank sei Gott für
diesen dem Autor wohl nicht bewußten Seitenhieb! Es wäre besonders interessant das Verhalten der „Verständiger-Bischöfe“
der 1960er/70er in der national-sozialistischen Ära zu untersuchen. Und sie mit dem Verhalten der Konservativen
der 1960er/70er in den 1930ern zu vergleichen.
Semper idem Auch in der jüngeren deutschen Vergangenheit ging es manchen katholischen Diplomaten darum,
„durch einen anhaltenden, lebhaften Dialog im gegenseitigen Respekt die fruchtbare Verständigung mit
der Kirche beizubehalten“. Aus der Geschichte lernen? Fehlanzeige.