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Freitag, 28. Januar 2005 08:52
Fruchtbare Verständigung oder Dialog mit einem Lügner?
Die Konfrontation zwischen der Kirche und den spanischen Sozialisten hält an. Doch während sich die spanischen Katholiken mobilisieren, scheint ihnen der Vatikan mit Tatenlosigkeit und beschwichtigendem Diplomatengerede in den Rücken zu fallen.
José Luis Zapatero, spanischer Ministerpräsident
José Luis Zapatero, spanischer Ministerpräsident
(kreuz.net, Madrid) Anläßlich des Ad-limina Besuches einiger spanischer Bischöfe kritisierte Papst Johannes Paul II. letzten Montag die spanische Regierung für die „wachsende Ideologie des Laizismus“. Der Ad-limina-Besuch (lateinisch: „zur Schwelle“) ist die ordentliche Unterredung, zu der sich die Bischöfe der Welt alle fünf Jahre nach Rom begeben. Die Vorlage für die Ansprache, die der Papst üblicherweise während des Besuches hält, wird in der Regel von den angesprochenen Bischöfen selber verfaßt.

Die Ideologie des Laizismus führe, so der Heilige Vater, zu einer Beschneidung der Religionsfreiheit und könne in einer offenen Geringschätzung der Religion gipfeln. Es widerspreche der katholischen Tradition Spaniens, das Religiöse in die Privatsphäre zu verbannen.

In Madrid lösten die Worte des Papstes Unmut aus. Am selben Abend zitierte das spanische Außenministerium den päpstlichen Nuntius, Erzbischof Manuel Monteiro de Castro (66), herbei. In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, die spanische Regierung sei über die Äußerungen von Papst Johannes Paul II. „befremdet“. Es herrsche Erklärungsbedarf.

Spanien befinde sich „in der Phase der größten religiösen Offenheit seiner Geschichte“, wurde der sozialistische Ministerpräsident, José Luis Zapatero, drei Tage später in den spanischen Medien zitiert. Zapatero versicherte seinen „größten Respekt“ gegenüber dem Papst. Allerdings habe ein Großteil der Spanier die päpstlichen Aussagen als übertrieben empfunden. Die Mehrheit der Bevölkerung stehe hinter der Regierungspolitik. Selbstverständlich würden die mit dem Heiligen Stuhl geschlossenen Verträge und die Meinung des Papstes berücksichtigt.

Luis Rodriguez Zapatero (44) war am 16. April letzten Jahres nach einem spektakulären Wahlsieg vom spanischen Parlament zum Ministerpräsidenten des Landes gewählt worden. Die vor den Wahlen hoch favorisierte katholisch-konservative Volkspartei („Partido Popolar“) des scheidenden Ministerpräsidenten José María Aznar wurde ein Opfer ihrer im Volk verhaßten kritiklosen Gefolgschaft während des US-Angriffskrieges gegen den Irak und der anschließenden Madrider Terroranschläge, die sich im März 2004 unmittelbar vor den Parlamentswahlen ereigneten.

In wenigen Monaten ihrer Amtszeit hat die Regierung der „Sozialistischen Arbeiterpartei“ bereits verschiedene Bürgerrechte massiv eingeschränkt. So beschloß sie Gesetzte, welche die Rechte und den Schutz der Kinder im Mutterleib beschneiden, sowie die Ehe und Familie schwächen. Letzteres geschah auch durch die staatliche Anerkennung des Homosexuellen-Konkubinats. Konkubinierenden Homosexuellen ist neuerdings sogar die Adoption von Kindern erlaubt. Ebenso wurde die industrielle Verwertung von menschlichen Kleinstkindern (Embryonen) zum Gewinn von sogenannten „Stammzellen“ erlaubt. Gegenwärtig arbeitet die Regierung des Sozialisten Zapatero an antikirchlichen Gesetzen, um die kirchlichen Finanzen zu schwächen und den staatlichen Religionsunterricht in ein Freifach ohne Benotung umzuwandeln.

Der Pressesprecher des Vatikans, Joaquin Navarro-Valls – selbst ein Spanier – begrüßte am Donnerstag in einer Antwort auf den spanischen Regierungschef, daß dieser weiterhin gute Kontakte zum Vatikan halten wolle. Er bekräftigte aber, daß der Vatikan am Text der Papstrede festhalte. Mit Zufriedenheit nehme der Vatikan zur Kenntnis, daß die spanische Regierung den Willen bekundet habe, „durch einen anhaltenden, lebhaften Dialog im gegenseitigen Respekt die fruchtbare Verständigung mit der Kirche beizubehalten“.

Die Zitierung des Apostolischen Nuntius ins spanische Außenministerium erwähnt die Presseerklärung von Navarro-Valls mit keinem Wort.

Katholische Eltern in Spanien fühlten sich im Streit um den Religionsunterricht vom Vatikan betrogen. Es gebe klare Verträge zwischen Spanien und der Kirche aus dem Jahr 1979. Obwohl Zapatero diese Verträge breche, beschränke sich der Vatikan darauf, von „Dialog“ und „Respekt“ zu reden. Katholische Laien hätten gerade drei Millionen Unterschriften gegen die Entwertung des Religionsunterrichtes gesammelt. Zweideutige und zahnlose Aussagen aus dem Vatikan würden diese Bemühungen hintergehen.

Unterdessen meinte ein baskischer Priester gegenüber einer Tageszeitung: „Zapatero behauptet, er respektiere die Verträge mit dem Vatikan und die Meinung des Heiligen Vaters. Wie? Mittels der Einführung der Abtreibung, des Homosexuellen-Konkubinats und einer sozialistischen Erziehung der Kinder in den Schulen? Ich frage mich, wie der Vatikan mit einem Lügner einen Dialog führen will.“
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2 Lesermeinungen:
Freitag, 28. Januar 2005 10:40
Dolfus: „Brückenbauer“
Ich glaube, daß diese Vokabel zum ersten Mal in der Zeit des National-Sozialismus auftauchte. Es bezeichnete die Bischöfe, die aufrichtig den Dialog mit der „hehren Sache“ des Hitlerischen National-Sozialismus suchten. Das waren die „Brückenbauer“ … wie ironisch, daß dieses Wort nach 1945 unter den freimaurerisch-sozialistischen Staatsformen wieder auflebte.

Ich finde es ausgezeichnet, daß eine der jüngsten Biographien über den „Jahrhundert-Kardinal“ Franz König genau diesen Titel trägt „Der Brückenbauer“.
Dank sei Gott für diesen dem Autor wohl nicht bewußten Seitenhieb!

Es wäre besonders interessant das Verhalten der „Verständiger-Bischöfe“ der 1960er/70er in der national-sozialistischen Ära zu untersuchen.

Und sie mit dem Verhalten der Konservativen der 1960er/70er in den 1930ern zu vergleichen.
Freitag, 28. Januar 2005 10:26
Pelagius: Semper idem
Auch in der jüngeren deutschen Vergangenheit ging es manchen katholischen Diplomaten darum, „durch einen anhaltenden, lebhaften Dialog im gegenseitigen Respekt die fruchtbare Verständigung mit der Kirche beizubehalten“. Aus der Geschichte lernen? Fehlanzeige.
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