10:57:01 | Montag, 27. August 2007
Daß Christian Rathner die Katholische Kirche nicht mag, ist sein Bier. Aber als Journalist eines Staatsfernsehens hat er kein Recht, private Animositäten zum Hauptinhalt seiner Beiträge zu machen. Ein Kommentar.

(kreuz.net)
Christian Rathner arbeitet als Journalist beim ‘Österreichischen Rundfunk’. Dort gestaltet
er Beiträge für die häufig antikirchliche Religionssendung ‘Orientierung’.
In einer Sendung vom 22.
Juli 2007 karikierte er das päpstliche Schreiben über
einige Fragen zur katholischen Ekklesiologie.
Rathners Beitrag ist von geringem Informationswert. Anstelle einer fairen Darlegung der Positionen bietet
er einen billigen Betroffenheitsjournalismus.
Dabei wäre es nicht schwer gewesen, die theologischen
Anliegen des Dokumentes darzulegen.
In dem Schreiben geht es um die Wesensmerkmale der Kirche. Diese
werden weder von römischen Monsignores noch von Journalisten oder Protestanten, sondern von drei präzisen
Kriterien festgelegt:
• das Band des Glaubens
• das Band der kirchlichen Hierarchie
• das Band
der Liturgie
Man kann die Gültigkeit dieser drei Kriterien leugnen. Das hätte aber zur Folge, daß
die Kirche Christi, die nach der Aussage des Glaubensbekenntnisses „eine“ ist, in Tausend Sekten zerfallen
würde.
Vielleicht wäre das Leuten wie Rathner gar nicht so unrecht.
Ob das der Grund ist, warum er
sich in seiner Sendung – statt zu informieren – auf einen oberflächlichen, unsachlichen und emotionalen
Rückblick auf das ganz böse Dokument ‘Dominus Jesus’ beschränkt?
Dieses Schreiben wurde im Jahr 2000
von der Glaubenskongregation veröffentlicht. Es kommt aufgrund von präzisen theologischen Kriterien
zum Schluß, daß die protestantischen Gemeinschaften nicht „im eigentlichen Sinn Kirche“ sind.
Der Grund
ist der obengenannte: Bei den Protestanten werden die Kriterien der Heiligen Schrift und Tradition nicht
erfüllt, die für das Zustandekommen von Kirche wesentlich sind.
Es fehlen ihnen unter anderem die von
Christus eingesetzte Hierarchie oder die von ihm gewollten sieben Sakramente.
Es ist kein katholisches
Privatvergnügen, diese Mängel bei den Protestanten anzumahnen. Die Orthodoxen und Altorientalen unterscheiden
sich in der Beurteilung dieser Sachlage nicht von der Katholischen Kirche.
Aber Rathner macht sich erstaunlicherweise
nicht die Mühe, sein Publikum über diese Sachverhalte aufzuklären.
Statt dessen verweist er auf die
im Jahr 1999 von Katholiken und Protestanten in Augsburg unterzeichnete gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung,
wo Katholiken und Protestanten noch Übereinstimmung gefeiert hätten.
Das ist zwar nett. Doch Rathner
vergleicht Äpfel mit Birnen.
Denn bei der Rechtfertigungslehre geht es darum, wie unter dem Einfluß
der Gnade aus dem Sünder ein Sohn Gottes wird – nicht um die Frage, wie die gerechtfertigten Sünder
die eine Kirche bilden.
Auf diesen Unterschied hätte Rathner hinweisen müssen. Tut er aber nicht. Er
bleibt bei seiner manipulativen Betroffenheitsrhetorik.
Die – angebliche – katholische Position läßt
von Asterix und seinem Ausspruch „Wo ich bin, ist vorn“ zu Wort kommen. Auch nett.
Aber hat Rathner –
außer Asterix – in der Katholischen Kirche niemanden gefunden, der ihm das Dokument der Glaubenskongregation
hätte erklären können?
Hat die Kirche beim Österreichischen Rundfunk kein Anrecht darauf, daß ihre
Positionen sachlich, fair und ohne Vorurteile und Asterix dargelegt werden?
Rathner wird nicht müde
Qualifikationen wie „belastend“, „enttäuschend“, „brüskierend“, „anmaßend“ zu wiederholen.
Aber welcher
Erkenntnisgewinn liegt in seinem Gejammer?
Zuletzt verweist er auf die Versammlung des ‘Weltkirchenrates’
in Porto Alegre. Dort habe man darauf hingewiesen, daß „alle Kirchen katholisch seien“ – nicht nur die
Römische.
„Jede Kirche sei katholisch, aber nicht deren Ganzheit“. Und: „Jede Kirche vollziehe ihre
Katholizität, indem sie in Gemeinschaft mit den anderen Kirchen“ stehe.
Rathner hätte seine Zuseher
darüber aufklären müssen, daß die Katholische Kirche nicht Mitglied dieser Vereinigung ist. Tut er
aber nicht.
Er hätte auch sagen müssen, daß dieses soziologische Verständnis von Katholizität weder
das der Tradition noch der Heiligen Schrift ist.
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