Ökumene
Kirchliche Berichterstattung auf Asterix-Niveau
Daß Christian Rathner die Katholische Kirche nicht mag, ist sein Bier. Aber als Journalist eines Staatsfernsehens hat er kein Recht, private Animositäten zum Hauptinhalt seiner Beiträge zu machen. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Christian Rathner arbeitet als Journalist beim ‘Österreichischen Rundfunk’. Dort gestaltet er Beiträge für die häufig antikirchliche Religionssendung ‘Orientierung’.

In einer Sendung vom 22. Juli 2007 karikierte er das päpstliche Schreiben über einige Fragen zur katholischen Ekklesiologie.

Rathners Beitrag ist von geringem Informationswert. Anstelle einer fairen Darlegung der Positionen bietet er einen billigen Betroffenheitsjournalismus.

Dabei wäre es nicht schwer gewesen, die theologischen Anliegen des Dokumentes darzulegen.

In dem Schreiben geht es um die Wesensmerkmale der Kirche. Diese werden weder von römischen Monsignores noch von Journalisten oder Protestanten, sondern von drei präzisen Kriterien festgelegt:

• das Band des Glaubens
• das Band der kirchlichen Hierarchie
• das Band der Liturgie

Man kann die Gültigkeit dieser drei Kriterien leugnen. Das hätte aber zur Folge, daß die Kirche Christi, die nach der Aussage des Glaubensbekenntnisses „eine“ ist, in Tausend Sekten zerfallen würde.

Vielleicht wäre das Leuten wie Rathner gar nicht so unrecht.

Ob das der Grund ist, warum er sich in seiner Sendung – statt zu informieren – auf einen oberflächlichen, unsachlichen und emotionalen Rückblick auf das ganz böse Dokument ‘Dominus Jesus’ beschränkt?

Dieses Schreiben wurde im Jahr 2000 von der Glaubenskongregation veröffentlicht. Es kommt aufgrund von präzisen theologischen Kriterien zum Schluß, daß die protestantischen Gemeinschaften nicht „im eigentlichen Sinn Kirche“ sind.

Der Grund ist der obengenannte: Bei den Protestanten werden die Kriterien der Heiligen Schrift und Tradition nicht erfüllt, die für das Zustandekommen von Kirche wesentlich sind.

Es fehlen ihnen unter anderem die von Christus eingesetzte Hierarchie oder die von ihm gewollten sieben Sakramente.

Es ist kein katholisches Privatvergnügen, diese Mängel bei den Protestanten anzumahnen. Die Orthodoxen und Altorientalen unterscheiden sich in der Beurteilung dieser Sachlage nicht von der Katholischen Kirche.

Aber Rathner macht sich erstaunlicherweise nicht die Mühe, sein Publikum über diese Sachverhalte aufzuklären.

Statt dessen verweist er auf die im Jahr 1999 von Katholiken und Protestanten in Augsburg unterzeichnete gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung, wo Katholiken und Protestanten noch Übereinstimmung gefeiert hätten.

Das ist zwar nett. Doch Rathner vergleicht Äpfel mit Birnen.

Denn bei der Rechtfertigungslehre geht es darum, wie unter dem Einfluß der Gnade aus dem Sünder ein Sohn Gottes wird – nicht um die Frage, wie die gerechtfertigten Sünder die eine Kirche bilden.

Auf diesen Unterschied hätte Rathner hinweisen müssen. Tut er aber nicht. Er bleibt bei seiner manipulativen Betroffenheitsrhetorik.

Die – angebliche – katholische Position läßt von Asterix und seinem Ausspruch „Wo ich bin, ist vorn“ zu Wort kommen. Auch nett.

Aber hat Rathner – außer Asterix – in der Katholischen Kirche niemanden gefunden, der ihm das Dokument der Glaubenskongregation hätte erklären können?

Hat die Kirche beim Österreichischen Rundfunk kein Anrecht darauf, daß ihre Positionen sachlich, fair und ohne Vorurteile und Asterix dargelegt werden?

Rathner wird nicht müde Qualifikationen wie „belastend“, „enttäuschend“, „brüskierend“, „anmaßend“ zu wiederholen.

Aber welcher Erkenntnisgewinn liegt in seinem Gejammer?

Zuletzt verweist er auf die Versammlung des ‘Weltkirchenrates’ in Porto Alegre. Dort habe man darauf hingewiesen, daß „alle Kirchen katholisch seien“ – nicht nur die Römische.

„Jede Kirche sei katholisch, aber nicht deren Ganzheit“. Und: „Jede Kirche vollziehe ihre Katholizität, indem sie in Gemeinschaft mit den anderen Kirchen“ stehe.

Rathner hätte seine Zuseher darüber aufklären müssen, daß die Katholische Kirche nicht Mitglied dieser Vereinigung ist. Tut er aber nicht.

Er hätte auch sagen müssen, daß dieses soziologische Verständnis von Katholizität weder das der Tradition noch der Heiligen Schrift ist.
      
13 Lesermeinungen
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#13   Druss   15:55:25 | Mittwoch, 29. August 2007
Seltsam…
Ich bin selbst ein begeisterter Asterix-Leser, kenne alle Bände – aber das angebliche Asterix-Zitat „wo ich bin ist vorne“ ist mir bis dato gänzlich unbekannt; ^-^ Der Beitrag lehrt den aufmerksamen Seher einmal mehr, dass er nicht alles glauben soll was er im Fernsehen sieht – offenbar erst recht nicht wenn es vom ORF kommt ;-)
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#12   Krak des Chevaliers   13:43:48 | Montag, 27. August 2007
Sorry Luther!
Aber Ihr Nickname lässt eher darauf schließen, dass es sich bei Ihnen um einen Erzprotestanten handelt. Das scheint, wenn man Ihre Postings genauer liest, nicht der Fall zu sein. Also dann : nix für ungut – streiten wir gemeinsam für die eine heilige und katholische Kirche. Gott befohlen! o^/
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#11   Luther   13:27:30 | Montag, 27. August 2007
@Krak:
Falls Sie zwei Postings vorher lesen würden, würden Sie sehen, dass ich zitiert habe.
Zuerst hat wi-bi dies geschrieben und ich habe es zitiert.
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#10   Krak des Chevaliers   13:26:04 | Montag, 27. August 2007
Luther – ordinäre Ausdrucksweise
Luther! Sie passen sich der ordinären Ausdrucksweise Ihres historischen Namensvorbildes an. Sehr aufschlussreich! o.O
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#9   aurelia   12:54:35 | Montag, 27. August 2007
aber aber
bitte nicht in diesem ton.
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#8   wi-bi   12:54:26 | Montag, 27. August 2007
Luther
Falsch wohl nur vom katholischen Standpunkt aus. Das dieser der einzig Wahre ist, glaubt man ja auch nur unter gleichen.
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#7   landorganist   12:46:23 | Montag, 27. August 2007
Warum die Aufregung
Herr Rathner ist doch mit seiner Art der Berichterstattung ganz auf +net-Niveau!
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#6   Luther   12:44:27 | Montag, 27. August 2007
Den meisten geht das allerdings am Arsch vorbei.
Den meisten geht das allerdings am Arsch vorbei.
Ok, dann soll der ORF einfach nicht darüber berichten! Fertig! Aber wenn, dann ordentlich und nicht falsch. Es geht auch anders!
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#5   wi-bi   12:27:10 | Montag, 27. August 2007
Pünktchen
Ich habe die Sendung nicht gesehen. Deshalb erlaube ich mir auch kein Urteil darüber.
Sachlichkeit ist bei diesem Thema übrigens auch nicht angebracht. Da klatschen einen die Katholiken halt ihre Theologie um die Ohren. Die Prostestanten betteln um mehr Herzlichkeit. Den meisten geht das allerdings am Arsch vorbei.
Wenn die katholische Kirche denkt anderen den Status „Kirche“ entziehen zu müssen darf sie sich eben nicht wundern, wenn nicht alle ruhig bleiben. Das können Sie von mir aus mit den wirresten theologischen Begründungen fundieren – sie müssen nur jemanden finden, den das auch interessiert.
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#4   Kurt K.   12:15:03 | Montag, 27. August 2007
Kann man
Kann man dieses ominöse Berichtchen irgendwo runterladen und anschauen?
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#3   Pünktchen   12:08:27 | Montag, 27. August 2007
Eines muß man Ihnen lassen, wibi,
Sie haben den Gedanken der „Sachlichkeit“ verabschiedet und setzen sich sogar für ein journalistisches Recht auf Unsachlichkeit ein. Daß die beanstandete Sendung des ORF unsachlich war, haben Sie zumindestest nicht bestritten und Sie können es auch nicht widerlegen!
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#2   wi-bi   11:50:57 | Montag, 27. August 2007
12345
Aber als Journalist eines Staatsfernsehens hat er kein Recht, private Animositäten zum Hauptinhalt seiner Beiträge zu machen.
> Als Journalist hat er sehr wohl das Recht, als Chefredakteur sogar die Freiheit dazu.
Rathners Beitrag ist von geringem Informationswert.
> Das ist wohl eher Standpunktabhängig. Ich gehe sogar davon aus, dass sich die Protestanten über diesen Beitrag gefreut haben.
Dabei wäre es nicht schwer gewesen, die theologischen Anliegen des Dokumentes darzulegen.
> Wäre nicht schwer gewesen, wollte aber trotzdem keiner.
Aber Rathner macht sich erstaunlicherweise nicht die Mühe, sein Publikum über diese Sachverhalte aufzuklären.
> Es ist ja auch sein Beitrag. Vergleichen Sie das mal dem Müll auf dieser Webseite. Das erstaunt mich ja auch wieder immer aufs Neue.
Auf diesen Unterschied hätte Rathner hinweisen müssen.
> Nein, schließlich ist er ja der Chefredakteur. nicht die katholische Kirche.
Tut er aber nicht.
> Sehen Sie…
Hat die Kirche beim Österreichischen Rundfunk kein Anrecht darauf, daß ihre Positionen sachlich, fair und ohne Vorurteile und Asterix dargelegt werden?
> Wieso? Ist der ORF katholisch?
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#1   Luther   11:08:44 | Montag, 27. August 2007
Gut!!
Diesen Leserbrief finde ich gelungen und gut! Wie immer:
Es werden falsche Fakten über die kath. Kirche verbreitet, ohne wirklich darauf einzugehen!
Ich hoffe, der Herr stärkt unsere Kirche weiterhin! Es ist wie mit seinen Verführungen. Wir können nur hoffen und beten, dass er weiterhin SEINE Kirche stärke gegen die gesell. Macht!
Heilige Maria Mutter Gottes, bitte für uns!
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