10:50:01 | Samstag, 1. September 2007
Mons. Maximilian Kaller
Von seinen seelsorglichen Anstrengungen blieb wenig übrig. Jetzt soll er seliggesprochen werden.

Bischof Maximilian Kaller
(kreuz.net) Am 4. Mai 2003 wurde in Werl – dem größten Wallfahrtsort des Erzbistums Paderborn – der
Seligspre- chungsprozeß für Bischof Maximilian Kaller eröffnet.
Professor Rudolf Grulich berichtete
Ende Juni in einem Artikel für das Hilfswerk ‘Kirche in Not’ über den Bischof.
Mons. Kaller war der
erste Vertriebenenbischof nach dem Zweiten Weltkrieg. Er starb vor sechzig Jahren am 7. Juli 1947.
Seine
letzte Ruhestätte fand der Bischof in Königstein im Taunus.
In Münster befindet sich das sogenannte
Ermlandhaus. Dort hat der Visitator für die Katholiken des Bistums Ermland seinen Sitz. Dessen letzter
deutscher Bischof war Mons. Kaller.
Unterstützt wird der Seligsprechungsprozeß auch von der heute polnischen
Erzdiözese Ermland mit Sitz in Allenstein. Dort steht. Mons. Kaller in hohem Ansehen.
Maximilian Josef
Johannes Kaller wurde als zweites von acht Kindern am 10. Oktober 1880 im oberschlesischen Beuthen geboren.
Sein Vater Josef war Fabrikant. Er stammte wie seine Ehefrau Berta Salzburg aus einer oberschlesischen
Handwerkerfamilie.
Maximilian besuchte die Schule seiner Vaterstadt Beuthen. Dort legte er 1899 das Abitur
ab. Danach studierte er in Breslau Theologie.
Schon als 23jähriger erhielt er 1903 die Priesterweihe.
Er war zunächst Kaplan in Groß-Strehlitz – Polnisch: Strzelce Opolskie.
Danach kam er im Jahr 1905
als Administrator der Missionsstation Bergen auf die Insel Rügen.
Damals war Breslau noch eines der
größten Bistümer der Welt. Es reichte von Rügen über Berlin und Brandenburg bis in die Beskiden –
die Gebirge in den äußeren West- und Ostkarpaten – und an die damalige ungarische Grenze.
Die vierhundert
Katholiken, die zu Bergen gehörten, wohnten in über dreihundert Dörfern. Darum war die Seelsorgesituation
sehr schwer.
In zwölf Jahren unermüdlicher Arbeit festigte Kaller die Katholische Kirche auf Rügen
und in Pommern.
Im Jahre 1917 übernahm er die Pfarrei St. Michael in Berlin. In der Notzeit des Ersten
Weltkrieges entwickelte Pfarrer Kaller zahlreiche soziale Aktivitäten und machte den Katholizismus in
Berlin präsent.
Beim Aufbau eines umfassenden Sozialwerks für Arbeits- und Obdachlose waren ihm unter
anderem Dr. Carl Sonnenschein und Pater Johannes Maria Haw behilflich.
Seine Ernennung zum Fürstbischöflichen
Delegaten des Delegaturbezirks Berlin scheiterte 1920 am Einspruch des älteren Klerus.
Doch im Jahr
1926 wurde Pfarrer Kaller zum Apostolischen Administrator in Tütz – Tuczno – ernannt.
Die Administratur
umfaßte seit 1920 die beim Deutschen Reich verbliebenen Teile der Bistümer Posen und Kulm – Chelmno –
mit rund 135.000 Katholiken und etwa einhundert Priestern.
1928 verlegte Administrator Kaller den Sitz
der Administratur in das zentraler gelegene Schneidemühl – polnisch: Piła. Dort übernahm er auch eine
Pfarrei.
Mit dem Preußischen Konkordat von 1929 wurde die Apostolische Administratur in eine Freie Prälatur
Schneidemühl umgewandelt.
Die Fuldaer Bischofskonferenz wählte Prälat Kaller – der noch nicht Bischof
war – zum Referenten für Siedlungsfragen, weil er Mitbegründer des Berliner „Verbandes für Siedlungs-
und Wohnungsbau“ gewesen war.
In diesen Jahren entstanden Publikationen, die Prälat Kallers Namen als
Seelsorger bekannt machten.
• 1923 erschien die Schrift: „Aus einer Großstadtpfarrei. Erkenntnisse
und Folgerungen aus einer Pfarrkartei“
• 1926 veröffentlichte Prälat Kaller „Unser Laienapostolat
in St. Michael, Berlin“
• In den Dreißiger Jahren schrieb er unter anderem: „Kreuzbund und Katholische
Aktion“, „Siedlung und Katholizismus“ sowie „Singen und Seelsorge“.
Am 23. Juli 1930 wählte das Domkapitel
von Ermland Prälat Maximilian Kaller auf Vorschlag des Papstes zum Bischof.
Der Berliner Nuntius, Mons.
Cesare Orsenigo konsekrierte ihn am 28. Oktober 1930 zum Bischof.
In zwei Jahren besuchte der neue Bischof
alle 175 Pfarreien seines Bistums. Dieses umfaßte außer dem katholischen Ermland die ganze Diaspora
Ostpreußens.
Bischof Kaller hielt regelmäßige Priesterkonferenzen ab. Er verstärkte die Caritasarbeit.
Kirchen und Kapellen wurden in den Diaspora-Gebieten Ostpreußens errichtet.
1932 konnte er das neue
Priesterseminar in Braunsberg – polnisch: Braniewo – für Ermland, Danzig und Schneidemühl einweihen.
Im gleiche Jahr erschien die erste Ausgabe des ‘Ermländischen Kirchenblattes’.
Bald wurde Bischof Kaller
zum Feind des nationalsozialistischen Regimes. Nach dem Jahr 1937 und dem geheimen Druck der Enzyklika
„Mit brennender Sorge“ wurde die bistumseigene Druckerei beschlagnahmt.
Das Regime verbot alle katholischen
Vereine und Organisationen im Bistum.
Im Jahr 1938, beim turnusgemäßen Ad-Limina-Besuch in Rom lobte
Papst Pius XI. den Bischof wegen seiner unbeugsamen Haltung gegenüber den Nationalsozialisten.
Nach
der Rückgabe des Memelgebietes am 1. März 1939 durch Litauen an Deutschland verwaltete Bischof Kaller
auch die Freie Prälatur Memel – litauisch: Klaipeda.
Der Zweite Weltkrieg traf Mons. Kallers Diözese
hart. Die Nationalsozialisten hoben alle Klöster auf. Viele Priester wurden zum Wehrdienst eingezogen.
Die Geistlichen in der Seelsorge wurden behindert. Manche kamen ins Konzentrationslager.
1942 bot sich
Bischof Kaller an, die Seelsorge im Konzentrationslager Theresienstadt zu übernehmen.
Doch Nuntius Orsenigo
ging auf sein Angebot nicht ein.
Im Februar 1945 wurde der Bischof wegen der nahenden Front gegen seinen
Willen von der berüchtigten Schutzstaffel nach Danzig gebracht.
Von dort ging es weiter nach Halle an
der Saale. Dort erlebte Bischof Kaller im Krankenhaus der Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth
das Kriegsende.
Unter Lebensgefahr kehrte er nach dem Krieg in seine von den Russen besetzte Diözese
zurück. Dort mußte er erleben, daß ihn der polnische Kardinal August Hlond († 1948) zum Rücktritt
zwang.
Der vom Kardinal verjagte Bischof Kaller ließ sich als Vertriebener in Frankfurt am Main nieder.
1946 wurde er von Papst Pius XII. zum päpstlichen Sonderbeauftragten für die heimatvertriebenen Deutschen
ernannt.
Er versuchte von Anfang an eine religiöse Bewältigung des Vertriebenenschicksals im Geiste
der Versöhnung. Das tat er bei Wallfahrten und Predigten bis zu seinem Tod.
Als erster deutscher Bischof
besuchte Mons. Kaller in Chartres das Priesterseminar hinter Stacheldraht von Abbé Franz Stock.
Im November
1946 berichtete er in Rom dem Heiligen Vater vom Leid der Heimatvertriebenen und Ostflüchtlinge.
Bereits
von seelischen und körperlichen Strapazen geschwächt predigte Bischof Kaller im Frühsommer des Jahres
1947 auf zentralen Wallfahrtsgottesdiensten der Heimatvertriebenen in Werl und Vierzehnheiligen.
Am 7.
Juli 1947 starb er nach der Rückkehr von einer Vertriebenenwallfahrt in Frankfurt. Er wurde in Königstein
begraben.
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