Bevor sie starb, flüsterte Sr. Caritas: „Schutzengel, Schutzengel“
Eine deutsche Benediktinerin, deren Leben vom nationalsozialistischen Deutschland, von der japanischen Kolonialherrschaft, vom Zweiten Weltkrieg, der kommunistischen Machtübernahme in Nordkorea, dem Koreanischen Krieg und vom Exil geprägt war, wurde Anfang der Woche zu Grabe getragen.
(kreuz.net, Seoul) Am Montag starb Schwester Caritas (91) in Taegu im Süden des Landes. Sie gehörte
zu den letzten Überlebenden einer Gruppe von deutschen Benediktinerinnen, die jahrelang in einem nordkoreanischen
Konzentrationslager festgehalten wurden.
Sr. Caritas verschied unerwartet und friedlich, während sie
leise „Schutzengel, Schutzengel“ flüsterte. Das berichtet eine Nachrichtenagentur. Die Benediktinerin
verbrachte über 60 Jahre in Korea.
Ihre Mitschwester, Sr. Bertwina (90), ist jetzt die letzte Überlebende
einer großen Gruppe von Mönchen und Klosterfrauen, die in den 30er Jahren nach Korea kamen. Sr. Bertwina
sagte, daß ihre verstorbene Mitschwester ein erfülltes glückliches Leben verbracht und vor allem ein
ansteckendes Lachen besessen habe.
Die zwei späteren Missionarinnen begegneten sich zum ersten Mal im
Jahre 1932 in einer Schule in Deutschland. Die spätere Sr. Bertwina war damals gerade 18 Jahre alt.
Sr. Caritas sei „wie eine Mutter“ gewesen, erinnert sich Sr. Bertwina. Beide Klosterfrauen lebten im Priorat
der Benediktinerinnen am Stadtrand von Taegu, der drittgrößten Stadt des Landes. Taegu befindet sich
im Südosten der koreanischen Halbinsel: „Wir können uns ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen“, meinte
Sr. Bertwina. Die beiden deutschen Benediktinerinnen hätten in ihren letzten Lebensjahren häufig miteinander
geredet. Dabei sei ihre gemeinsame Zeit im nordkoreanischen Konzentrationslager oft angesprochen worden.
Die Lebensgeschichte dieser Schwestern war gekennzeichnet vom nationalsozialistischen Deutschland, von
der japanischen Kolonialherrschaft, vom Zweiten Weltkrieg, der kommunistischen Machtübernahme in Nordkorea,
dem Koreanischen Krieg, vom Exil und von der Rückkehr nach Südkorea.
„Ich glaube – so Sr. Bertwina –
daß Christus meine verstorbene Mitschwester mit offenen Armen empfangen hat.“ Sr. Caritas habe ihr ganzes
Leben hingegeben, um den Armen und Behinderten zu helfen. Sr. Bertwina erzählt nicht mit Trauer, sondern
mit Dankbarkeit und Glück von ihrem Ordensleben und von Sr. Caritas. „Es gibt keinen Grund, traurig zu
sein. Meine Zeit wird bald zu Ende sein und dann werden wir uns wieder begegnen.“
Das Requiem für Sr.
Caritas zelebrierte der emeritierte Erzbischof von Seoul, Stephen Kardinal Kim. Seine Predigt wurde in
die Zeichensprache der Taubstummen übersetzt.
Der Kardinal, der selber deutsch spricht und in Deutschland
studiert hat, bat persönlich darum, die Messe für Sr. Caritas zu lesen. Er hatte sie wegen ihrer Arbeit
mit den Taubstummen von Seoul schon vor Jahrzehnten kennengelernt. Während seiner Predigt beschrieb er
den Humor der verstorbenen Schwester und ihren grenzenlosen Enthusiasmus.
Sr. Caritas wurde auf einem
Hügel über dem Priorat zu Grabe getragen. Ihre Mitschwester aus Deutschland blieb im Kloster. Der Weg
wäre für sie zu weit gewesen.
Die Jahre 1950 bis 1953 waren wohl die härtesten Jahre im Leben der
Schwestern. Seit den 30er Jahren arbeiteten sie auf dem Gebiet des jetzigen Nordkorea. Kurz vor dem Ausbruch
des Koreanischen Krieges wurden die Klosterfrauen von den Kommunisten verhaftet und in abgelegene Arbeitslager
gesteckt. Die Zustände waren furchtbar und viele Ordensleute starben. 1954 wurden die Überlebenden ins
Exil geschickt. Sr. Caritas hat ihre furchtbaren Erlebnisse und die Qualen im Lager immer heruntergespielt.
„So etwas kann man nicht vergessen“, meint Sr. Bertwina über ihre Erfahrungen im Gefängnis. In seiner
Predigt betonte Kardinal Kim, daß er von den überlebenden Schwestern nie ein schlechtes Wort über ihre
Peiniger gehört habe.
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