10:08:50 | Donnerstag, 30. August 2007
Heute besteht in der Kirche die Gefahr, einer päpstlichen Ansprache bei einer Mittwochsaudienz ein größeres Gewicht beizumessen als einem Dogma – erklärte kürzlich der Obere der Petrusbruderschaft.
(kreuz.net) Während seines ersten Jahres als Generaloberer hat ihn der Durst der Gläubigen nach traditionalistischen
Pfarreien am meisten überrascht.
Das erklärte der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Petrus,
Pater John Berg (37), im Juli bei dem ersten Interview seit seiner Wahl im Juli 2006.
Der US-Amerikaner
sprach mit der lefebvristischen US-Monatszeitung ‘Remnant’.
Zentren mit Sonntagsmessen könnten die Pfarreien
nicht ersetzen – glaubt Pater Berg. Die Familien brauchten „einen Ort, wo sie sich zuhause fühlen“.
Als Beispiel nennt Pater Berg die Tätigkeit der Bruderschaft in der niederländischen Hauptstadt
Amsterdam.
Im Herbst wird die Bruderschaft einen zweiten Pater dorthin senden, um die Seelsorgearbeit zu bewältigen.
Die Petrusbruderschaft ist gegenwärtig dabei, in Amsterdam eine reguläre Pfarrei zu übernehmen, die
von der Erzdiözese geschlossen werden sollte.
Der neugläubige Noch-Pfarrer der dortigen Kirche war
anfangs sehr skeptisch – erinnert sich Pater Berg.
Doch mittlerweile lobe er die „vielen Früchte“, die
durch die Bruderschaft und die Alte Messe in Amsterdam hervorgebracht wurden.
‘Google-Video’: Messe der
Petrusbruderschaft in AmsterdamWarum gibt es Nachwuchs?Die Frage, warum die Petrusbruderschaft – im
Gegensatz zu vielen Diözesen – Nachwuchs besitzt, beantwortet der Generalobere mit einem Hinweis auf
die „priesterliche Identität“.
Junge Männer würden die übernatürliche Seite des Priestertums suchen.
Eine Vorstellung des Geistlichen als Sozialarbeiter oder Ratgeber ziehe keine Berufungen an. Ein solches
Berufsziel könnte man auch in anderen Bereichen umsetzen – ohne die Opfer des Priestertums.
Die priesterliche
Identität werde bei der Petrusbruderschaft durch den Alten Ritus und durch eine theologische Ausbildung
nach dem Heiligen Kirchenlehrer Thomas von Aquin († 1274) gestützt.
Umstrittene KonzilsaussagenDie
Frage, ob es Aufgabe der Petrusbruderschaft sei, zu zeigen, daß schwierige Aussagen des Zweiten Vatikanums –
zum Beispiel über Religionsfreiheit, Ökumenismus, Kollegialität, den interreligiösen Dialog – in Kontinuität
mit dem Lehramt stünden, bejaht Pater Berg.
Er glaubt auch, daß „unklare“ Passagen in den Konzilstexten
keine Aufregung auslösen sollten. Sie müßten nur im Licht der kirchlichen Tradition gelesen werden.
Letztendlich könne es gar keinen Widerspruch geben.
Als Beispiel nennt Pater Berg das Konzil von Ephesus
(431), das eine Ausdrucksweise für die Verbindung der göttlichen und menschlichen Natur in Christus
benützte, die das Konzil von Chalcedon (451) später korrigierte.
Das Problem der heutigen Theologie
sieht Pater Berg weniger im Zweiten Vatikanum als mehr in der Überbewertung kurzlebiger kirchlicher Ereignisse:
„Es gibt eine Gefahr, die volle Spannweite des Lehramtes zu vergessen und einer päpstlichen Ansprache
bei einer Mittwochsaudienz ein größeres theologisches Gewicht beizumessen als dogmatischen Definitionen
eines Ökumenischen Konzils – nur weil letzteres vor mehr als tausend Jahren stattfand.“
Furcht vor der
KlarheitEine Frage nach der Konzelebration mancher seiner Mitbrüder bei den neurituellen bischöflichen
Chrisam-Messen am Gründonnerstag wollte Pater Berg nicht beantworten: „Dieses Thema verlangt mehr als
nur eine kurze Antwort in einem Interview.“
Der Generalobere macht zum Thema nur „einige Bemerkungen“
und erwähnt die „einheitsstiftenden Elementen der Kirche“ – Glaube, Sakramente, Hierarchie.
Die Einheit
zwischen den Priestern einer Diözese gründe nicht in einem bestimmten Ritus – und habe nie darin gegründet.
Der Pater vergleicht die kirchliche Einheit mit der Ehe. Diese Einheit werde in der alltäglichen Arbeit,
nicht durch ein bestimmtes Ereignis, gefördert.
Auf die Kirche umgemünzt bedeute dies, daß die tägliche
Arbeit Seite an Seite mit Diözesanpriestern die Einheit im gleichen Glauben zeige.
Die nächste Frage,
ob die Unierten vor dem Zweiten Vatikanum im Lateinischen Ritus „konzelebriert“ hätten, verneinte Pater
Berg: „Niemals.“
Sie hätten der Messe beigewohnt, aber nicht „konzelebriert“ – auch nicht bei Papstmessen.
Dabei ging der Pater nicht auf den Sachverhalt ein, daß es im Lateinischen Ritus vor der Liturgiereform
gar keine reguläre Konzelebration gab.
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