11:40:25 | Donnerstag, 30. August 2007
Prof. Hilberath
Nicht nur die Liturgie ist auf den Hund gekommen. Es wird auch immer klarer, daß die Theologie mit den Zähnen am Boden schleift. Ein Kommentar.

Prof. Bernd Jochen Hilberath
© uni-tuebingen.de(kreuz.net) Bernd Jochen Hilberath (59) – Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung in Tübingen –
leidet unter der jüngsten
Erklärung der Glaubenskongregation.
Entsprechend äußerte sich der Professor
kürzlich vor der liberal-katholischen, österreichischen Wochenzeitung ‘Die Furche’.
Das Dokument sei
„für die ökumenische Bewegung ein Schlag, man könnte sagen eine Katastrophe“.
Hilberath – der sich
als Theologe versteht – sieht die Problematik vor allem in den numerischen Mehrheiten und erklärt sich
die Erklärung mit einer Verschwörungstheorie:
Er glaubt, daß „bestimmte Kreise, die ich im Blick auf
unsere Kirchenlandschaft als Minderheit bezeichnen würde“, Anfragen an den Vatikan gestellt haben, um
von ihm die Antworten zu bekommen, die sie sich wünschen.
Hier werde versucht, zu einem „alten Modell
von Kirche“ und einem damit verbundenen Modell von Ökumene zurückzukehren.
Zu Hilberaths Darstellungsweise
ist anzumerken, daß die Begriffe „alt“ und „neu“ – außer bei der Unterscheidung der alten und neuen
Heilsökonomie – keine theologischen Kategorien sind.
In der Theologie geht es nicht um „alt“ oder „neu“,
sondern um wahr oder falsch.
Theologisch gesehen besitzt das Wort „neu“ keinen guten Klang: „Neuerer“
war in der Kirchengeschichte ein Synonym für „Ketzer“ – also jener, der etwas erfindet, was die Kirche
nicht von Christus empfangen hat.
Ähnliches gilt für die Begriffe „Mehrheit“ und „Minderheit“.
Wenn
Hilberath seinen theologischen Überlegungen solche numerische Kategorien zugrundelegen will, dann wird
er Jesus Christus auf der Seite der Minderheit seiner und die Kirche auf der Seite der Minderheit unserer
Zeit finden.
Um die fehlende Apostolizität der evangelischen Gemeinschaften zu kompensieren, schlägt
Hilberath die etwas billige Unterscheidung zwischen „grundsätzlicher Apostolizität“ und „apostolischer
Nachfolge im Amt“ vor.
Solch eine Unterscheidung kann man „grundsätzlich“ natürlich treffen. Aber sie
wird fatal, wenn diese beiden Aspekte derselben Medaille gegeneinander ausgespielt werden.
Doch genau
das tut Hilberath. Er möchte die Frage der apostolischen Sukzession der Ämter „vielleicht auch einer
größeren Flexibilität“ unterwerfen.
Daß er mit dem Feuer spielt, fällt ihm nicht auf.
Leichtfertig
postuliert er – in einer angemessenen taktischen Unschärfe – eine Kirche, die sich vom Konkreten ins
Grundsätzliche und von der Gegenwart in die Abstraktion theologischer Spekulationen verflüchtigt.
Was
ist die von Hilberath konstruierte „grundsätzliche Apostolizität“ letztlich? Nach welchen Kriterien
kann sie einer Gemeinschaft zugeschrieben werden oder nicht?
Erlaubt es die „grundsätzliche Apostolizität“
jedem seine private Kirche zu gründen? Den Reformatoren so gut wie der Legion von Predigern, die in Südamerika
oder Afrika ihre eigene Kapelle aufsperren?
Hat sich Hilberath schon einmal Gedanken über das Ende einer
Kirche gemacht, die sich immer mehr in Abstraktionen auflöst? Ist das die Kirche des fleischgewordenen
Sohnes Gottes?
Auf eine entsprechende Frage der ‘Furche’ erklärt der Ökumeniker, daß man als Reaktion
auf die Erklärung der Glaubenskongregation „einfach weitermachen“ solle.
Ob es für so profunde Ratschläge
ein eigenes ‘Institut für Ökumenische Forschung’ in Tübingen braucht?
Ein Theologe, der – zugegeben
auf einem recht niedrigen Niveau – das Primat der Tat verteidigt, predigt damit auch das Ende der Theologie.
Hilberath setzt noch einen drauf. Er teilt mit, nicht zu glauben, daß die jüngsten Aussagen der Glaubenskongregation
eine „authentische Interpretation des Konzils“ darstellten.
Eine kühne These. Man wäre brennend interessiert
gewesen, wo „das Konzil“ die Relativierung der apostolischen Sukzession verkündigt.
Doch der Professor
schweigt. Er scheint die Brisanz seiner Aussage nicht zu erkennen.
Hw. Hilberath scheint auch nicht zu
wissen, daß das Lehramt den „authentischen Interpreten“ des Konzils darstellt, so wie das Oberste Gericht
eines Landes der „authentische Interpret“ des Gesetzes ist.
Mit solchen Details verdirbt man sich am
Tübinger ‘Ökumenischen Institut’ offenbar nicht den Tag.
‘Die Furche’ lenkt den Professor sodann auf
die Freigabe der Alten Messe hin. Es geht im gleichen Stil weiter.
Alte MesseMit der Alten Messe werde
ein Bild von Kirche, von „Abendmahl“, von Opfer, von Priestertum transportiert, das nach dem Konzil „nicht
mehr“ ungebrochen gelten könne.
Wie man sieht, hat sich der Glaube der Kirche – in der Version von Hilberath –
nach dem Zweiten Vatikanum geändert.
Schließlich wird der Professor von ‘Die Furche’ auch auf den „umstrittenen“
Papst angesprochen: Medienexperten würden raten, die katholische Marke „Papst“ noch bewußter einzusetzen.
In seiner Antwort präsentiert Hilberath wieder eine unglückliche Unterscheidung:
„Wenn der Papst die
Marke ist, dann wird ja – bildhaft gesprochen – der Autoverkäufer anstelle des Autos beworben“ – glaubt
er.
Gott sei unsere Marke, und alle anderen seien dazu da, diese Marke zu präsentieren.
Nein, lieber
Herr Professor, die Sache ist verzwickter. Nicht nur als Verkäufer hat uns Christus eingesetzt, sondern
als Miterben, Miteinverleibte, Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus – auch den Papst (Details
im Epheserbrief Kapitel 3 Vers 6).
Die Kirche und der Christ sind etwas Konkretes, Reales, Gegenwärtiges,
Greifbares und Übernatürliches, an dem man sich stoßen und worüber man stolpern kann.
Beide sind
so konkret, real, gegenwärtig, greifbar und übernatürlich, daß man sie nicht mit einigen Theologensprüchen
aus der Welt interpretieren kann.
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