16:22:04 | Donnerstag, 30. August 2007
Gehen Sie heutzutage vor der Messe in ein Gotteshaus. Sie werden bemerken, daß selbst die Kirche kein heiliger Ort mehr ist. Von Bischof Arthur Joseph Serratelli.

Mahltisch in einer Brüsseler Kirche
(kreuz.net) Im 17. Jahrhundert verwarf René Descartes († 1650) – der Vater der modernen Philosophie –
die philosophischen Traditionen des Aristoteles und der Scholastiker.
Für Descartes beweist nur die
Tatsache, daß wir denken, daß wir existieren: Cogito, ergo sum – Ich denke, also bin ich.
Er verwirft
den Gebrauch seiner Sinne als Fundament der Erkenntnis. Dabei verletzt er die Einheit zwischen Geist und
Körper, welche die klassische Philosophie erkannt hatte.
Im Laufe der Zeit hat sich die Wunde geweitet.
Das Spirituelle und das Materielle sind auseinandergedriftet. Das Heilige und das Weltliche trennten sich.
Neben der modernen Philosophie haben noch andere Gründe zur Trennung zwischen dem Heiligen und dem Weltlichen
beigetragen. Die Manipulation des Menschenlebens im Reagenzglas hat den Respekt vor dem Leben gemindert.
Das Leben ist für einige nicht mehr ein heiliges Geschenk Gottes.
Ebenso hat die Trennung von Sexualität
und Fortpflanzung – verbunden mit einer Kampagne, die Ehe umzudeuten – beigetragen, Gott aus den intimen
Bereichen des menschlichen Lebens zu vertreiben.
Die Ehe ist nicht länger als heilige Institution anerkannt,
die von Gott für Mann und Frau gestiftet wurde, damit sie neues Leben in diese Welt bringen. Damit ist
sogar die Heiligkeit der natürlichen Ordnung, die aus den Händen eines weisen Gottes stammt, verlorengegangen.
Das antiautoritäre Vorurteil, das wir von der sozialen Revolution der 60er Jahre geerbt haben, hat in
vielen ein tiefes Mißtrauen gegen Staat und Kirche eingeprägt.
Einige verwerfen sogar die bloße Idee einer
Hierarchie – einer „heiligen Ordnung“, die von Gott als geistliche Autorität eingesetzt ist.
Deshalb
bedeutet Kirche für einige lediglich die Versammlung von gleichgesinnten Gläubigen, die sich selber
organisieren und ihre eigenen Regeln und Glaubenssätze aufstellen.
Folglich ist die Rolle der Kirche
im spirituellen Bereich weitgehend verdunkelt.
Am ersten Tag des dritten Jahrtausends sagte Prinz Charles
von England: „In einem Zeitalter der Verweltlichung
Liturgiereform:
„Alte Lieder wurden über Bord geworfen.
Die Gitarre ersetzte die Orgel. Einige Priester gingen den Weg der liturgischen Erneuerung und fanden
schließlich heraus, daß er eine Sackgasse war.“
hoffe ich aus ganzem Herzen, daß wir im neuen Jahrtausend
einen Sinn für das Heilige, das uns umgibt, wiedergewinnen.“
Mit dieser Aussage anerkannte er, daß
wir den Sinn für das Heilige verloren haben.
Indem wir in unserer Welt leben, atmen wir die vergiftete
Luft, die uns umgibt. Selbst an den heiligsten Stätten der Kirche gibt es einen Verlust des Verständnisses
für das Heilige.
Mit der Begeisterung, die auf das Zweite Vatikanum folgte, ging ein gutgemeintes Bemühen
einher, die Liturgie zu modernisieren. Es wurde alltäglich, zu sagen, daß die Liturgie dem Kirchgänger
entsprechen müsse.
Alte Lieder wurden über Bord geworfen. Die Gitarre ersetzte die Orgel. Einige Priester
gingen den Weg der liturgischen Erneuerung und fanden schließlich heraus, daß er eine Sackgasse war.
Gleichzeitig ging das Gespür dafür verloren, während der Liturgie in etwas Heiliges einzutreten, das
uns von oben gegeben wird und uns aus uns selber herausholt und in das Geheimnis Gottes hineinführt.
In der Erklärung der Messe wurde die Gemeinschaft betont. Die Messe wurde als Gemeinschaftsmahl betrachtet.
Das war etwas, was jeder gemeinsam machte.
Verschwunden war das Opfer. Verschwunden war das ehrfurchtgebietende
Geheimnis von der Eucharistie als Opfer Christi am Kreuz.
Der Priester wurde nicht länger als eine ausgesonderte,
geweihte Person betrachtet. Er war nichts anderes als die Laien. Damit ging ein tiefer Verlust des Heiligen
daher.
Für den Rückgang der Meßbesucher, der Trauungen, der Taufen und Begräbnisse in den letzten
Jahren kann nicht ein einziger Faktor geltend gemacht werden.
Aber ohne Zweifel hatte der Verlust des
Verständnisses für das Heilige einen bedeutenden Einfluß.
Gehen Sie heutzutage vor der Messe in irgendeine
Kirche. Sie werden bemerken, daß die Stille, die jene einhüllen sollte, die in Gottes Haus stehen, verschwunden
ist.
Selbst die Kirche ist kein heiliger Ort mehr.
Das Sich Versammeln der Gläubigen zur Messe ist
manchmal ebenso laut wie für ein beliebiges Gesellschaftsereignis.
Wir mögen nicht in der Lage sein,
viel gegen den Verlust der Heiligkeit des Lebens in Liedern, Videos und Kinos unserer Zeit zu tun. Aber
wir können gewiß viel tun, einander zu helfen, Gottes Gegenwart in seiner Kirche zu entdecken.
Am ersten
Tag dieses Jahrtausends hat Prinz Charles von England ein optimistisches Signal für die Wiedergewinnung
des Heiligen gegeben.
Er bemerkte frei nach Dante: „Der stärkste Wunsch, der von der Natur zuerst in
den Menschen eingepflanzt wurde, ist das Bedürfnis, zum eigenen Ursprung zurückzukehren.
Da Gott der
Ursprung unserer Seelen ist und die Seele nach seinem Bild geschaffen hat, wünscht die Seele vor allen
Dingen, zu ihm zurückzukehren.“
Es gibt einen Ort, wo wir beginnen können, das Heilige wiederzufinden.
Mons. Arthur Joseph Serratelli (63) ist Bischof von Paterson im US-Bundesstaat New Jersey im Nordosten
des Landes. Der Text erschien Ende Juni auf der Webseite der Diözese.© Bilder:
Cathcon
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