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Freitag, 31. August 2007 10:11
Wer waren die Hexenmacher?
Die christlichen Grausamkeiten an deutschen Frauen schreien heute mehr denn je zum Himmel. Von Hubert Hecker.
Exemplar einer "Karikaturenausstellung" während des evangelischen Kirchentages in Frankfurt, 2001. Der Zeichner Gerhard Glücks legt den Prälaten in den Mund: "Mit der Abschaffung der Gottesgerichte und Hexenverbrennungen haben wir sicher unsere publikumswirksamsten Events verloren."
Exemplar einer „Karikaturenausstellung“ während des evangelischen Kirchentages in Frankfurt, 2001. Der Zeichner Gerhard Glücks legt den Prälaten in den Mund: „Mit der Abschaffung der Gottesgerichte und Hexenverbrennungen haben wir sicher unsere publikumswirksamsten Events verloren.“
(kreuz.net) Es geschah am 2. Dezember 1617 im Städtchen Diez an der Lahn – in unmittelbarer Nähe von Limburg. An diesem Tag hatten sich dort die Schultheißen – Bürgermeister der umliegenden Gemeinden – versammelt.

Der Vertreter aus dem 15 Kilometer entfernten Dorf Niedertiefenbach machte dabei den Vorschlag, den Landesherrn zu einer stärkeren Verfolgung von Hexen und Zauberei zu drängen.

Die anderen Bürgermeister unterstützten den Vorschlag. Sie erklärten sich auch bereit, die entstehenden Gerichtskosten zu bezahlen.

Der calvinistische Landesherr von Nassau-Diez, Graf Ernst-Casimir, beauftragte daraufhin seinen Amtsrat Dr. Martin Naurath, die zu erwartenden Hexenprozesse in die Hand zu nehmen.

Blick in die Zeit der HexenverfolgungBlick in die Zeit der HexenverfolgungKlicken Sie auf das Bild, um die Photomeile mit 11 Bildern zu starten.

Die erste Hexe war die Kremersche aus Staffel, einem heutigen Ortsteil von Limburg. Sie wurde an der Lahnbrücke auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Vorher hatte sie unter der Folter zwei weitere Personen als Teufelskomplizen angeklagt.

Die Gemeinde Offheim – zehn Kilometer nördlich von Diez – mußte für die Verbrennung zwei Wagen Scheitholz liefern. In Offheim wollte man nicht länger zurückstehen und lieferte in Diez ebenfalls mehrere Frauen als hexenverdächtig ein.

Eines dieser Opfer war Dorothea Naumborn, deren Prozeßakten erhalten sind.

Als Zeugen gegen sie trat das halbe Dorf auf. Dorothea soll Pferden geschadet und Hagel herbeigehext haben.

Man warf ihr vor, der Hexerei schon seit zwanzig Jahren nachzugehen.

Zeichnung aus der rechtnationalen Zeitschrift 'Die Fackel' anläßlich der Gründung einer Niederlassung des Jesuitenordens in Frankfurt, 1919: Die Jesuiten werden als aktuelle Hexenjäger dargestellt.
Zeichnung aus der rechtnationalen Zeitschrift ‘Die Fackel’ anläßlich der Gründung einer Niederlassung des Jesuitenordens in Frankfurt, 1919: Die Jesuiten werden als aktuelle Hexenjäger dargestellt.
Schließlich wurde erklärt, daß schon ihre Mutter in einem schlechten Ruf gestanden habe und andere Peinlichkeiten der „fama communis“ wurden vorgebracht.

Ankläger Naurath notierte am 6. August 1618: „Den Leuten aus Offheim ist wegen übermäßiger böser Affektion wenig zu glauben. Die Verdächtigungen sind mehrenteils vom Hörensagen oder eingebildete Meinungen.“

Eine angeforderte Expertise von der juristischen Fakultät der Universität Marburg gab den Rat, die Beklagte zur Erlangung der Wahrheit erst noch einmal zu foltern – „von Rechts wegen“.

Die Ereignisse im Gerichtsbezirk Diez entsprechen dem, was in einer Rezension der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ zu einer Regionalstudie über die Hexenverfolgung gesagt wird:

„Die ‘Hexenmacher’ waren entgegen der überkommenden Meinung nicht die berühmten frauenfeindlichen Inquisitoren, geldgierige Juristen und machthungrige Fürsten, die es natürlich alle gegeben hat, waren nicht mächtige Institutionen wie Kirche und Staat, sondern es waren in der Regel die lieben Nachbarn, Männer wie Frauen. Es waren die ‘ganz normalen’ Bürger, die ihren Haß und ihre Angst in zeittypischer Form Luft machten.“

Der Artikel berichtet auch von einer großen Zahl neuerer Studien, in denen nachgewiesen wurde „daß der Anstoß zur Hexenverfolgung von unten gekommen ist“.

Einer der besten Kenner der Materie, Wolfgang Behringer – Historiker an der Universität des Saarlandes – resümiert:

„Die Untertanen schlossen sich an Rhein und Main, an Mosel, Nahe und Saar förmlich in ‘Ausschüssen’ zusammen, um ihre Obrigkeiten zu Aktionen aufzufordern.“

Weiter: „Die Entdeckung dieser frühneuzeitlichen ‘Bürgerinitiativen’ verändert zunehmend unseren Blick auf die Hexenverfolgung. So schrecklich diese Erkenntnis ist: Hexenverfolgung war populär. Bei den großen Verfolgungen war die Bevölkerung die treibende Kraft.“

In einer Schrift von 1573 zur kursächsischen Kriminalordnung heißt es:

„Wo die Obrigkeit lässig ist, muß das Volk antreiben und nach Kohlen und Feuer rufen, dieweil die Zahl der Unholde zunimmt.“

Wie war es möglich, die historische Tatsache, daß hauptsächlich das Bürgertum die Hexenverfolgung betrieb, über Jahrhunderte zu verschleiern?

Und: Wie konnte die Schuld an der Hexenverfolgung der weitgehend unschuldigen Kirche aufgeladen werden?

Bei Hexenbildern aus dem 19. Jahrhundert müssen immer die Dominikaner und Inquisitionsgerichte als Bösewichter herhalten.
Bei Hexenbildern aus dem 19. Jahrhundert müssen immer die Dominikaner und Inquisitionsgerichte als Bösewichter herhalten.
Als das Bürgertum in der Aufklärungszeit die gesellschaftliche Führungsmacht wurde, begann es, seine unappetitliche Frühgeschichte abzuspalten.

Die Hexenverfolgungen wurden aus der frühbürgerlichen Geschichte verdrängt und der Kirche in die Schuhe geschoben.

Diese Schuldübertragung hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten sehr erfolgreich durchgesetzt.

Die Assoziationskette „Mittelalter, Hexenverfolgung, Inquisition“ ist heute zu einem historisch-kulturellem Code zementiert, der jedem Schulkind eingebleut wird.

Auch die Behauptung von fünf bis neun Millionen Hexenopfer der Kirche ist eine Erfindung der sogenannten Aufklärer.

Zuletzt wurde sie von dem antikirchlichen Romanschreiber Dan Brown aufgewärmt.

Diese Phantasiezahlen beruhen auf der Schrift „Etwas über die Hexenprozesse in Deutschland“, die der Stadtsyndikus von Quedlinburg im Jahr 1784 publizierte.

Darin wurde ein zufälliger lokaler Befund – nämlich dreißig Hinrichtungen im Zeitraum von 1570 bis 1600 – auf alle europäischen Länder und für die Zeit des Mittelalters von den Jahren 600 bis 1600 hochgerechnet. Das Ergebnis dieser Schwindelaktion: neuneinhalb Millionen verbrannte Hexen.

Historiker Behringer von der Universität des Saarlandes beschreibt in seinem Aufsatz „Neun Millionen Hexen“ die Wellen der antikatholischen Hexenverfolgungsliteratur:

Sie wurde im preußischen Kulturkampf von liberalen und protestantischen Kräften produziert. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren rechtsnationale und neoheidnische Gruppen dafür verantwortlich. Sie arbeiteten teilweise mit Förderung des nationalsozialistischen Staates.

Mathilde Ludendorff († 1966), eine Vordenkerin der völkischen Bewegung, ist die Autorin eines solchen Buches unter dem Titel „Christliche Grausamkeiten an deutschen Frauen“.

Der radikale Feminismus in den USA und Europa der 70er Jahre knüpfte daran an und führte publizistisch wieder zu einem rapiden Anstieg der Hexenopferzahlen auf die neun Millionen hin.

Diese Kreise schreckten auch vor einem Vergleich mit dem nationalsozialistischen Judenmord nicht zurück. Frauen als Hexenopfer hätten mehr gelitten als alle Opfer von Rassismus und Völkermord.

Schließlich sprangen auch die Linksideologen der 68er Bewegung auf den Wagen der antikirchlichen Hexenpropaganda.

Die Theorie des Soziologen Gunnar Heinsohn (63) und des Ökonomen Otto Steiger (68), daß damals Kirche und Staat sich gegen Volk und Frauen verschworen hätten, wurde von den kirchenfeindlichen deutschen Magazinen ‘Stern’ und ‘Spiegel’ popularisiert und als Volksvorurteil verfestigt.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 97 Lesermeinungen:
Freitag, 23. Mai 2008 02:01
joschi1988: Einfach lächerlich!!!
Ich bin zutiefst erbost über diesen Artikel!!!
„Hexenmacher“ waren sicherlich zu einem großen Teil Nachbarn und andere Neidhammel, aber DIE KATHOLISCHE KIRCHE begann den „Krieg“ gegen die Ungläubigkeit!!!
Den Vorsitz in den Tribunalen hatten Priester. Das Blut Unschuldiger (aller Hingerichteten) klebt an der Kirche und dann kommen solche Behauptungen … pfui!!
Dienstag, 8. Januar 2008 09:49
Roland_: unschuldig?
Von wegen, „die weitgehende unschuldige Kirche“. Die Hexenverfolgung gehört zu den vielen traurigen Kapiteln der kriminellen Kirchengeschichte. Man halte das Volk über Jahrhunderte in Dummheit und Unbildung, präge ihm ständig ein, daß es böse Geister, Dämonen, Hexen, Zauberer, Teufel usw. gibt und lehne sich dann genüßlich zurück, wenn das demagogische Gift Wirkung zeigt.
Es ist ein Lichtblick, daß es in diesem Meer von Angst und Verbrechen doch Menschen gab, die diesen gewaltigen Betrug erkennen und aussprechen: Graf Spee.
Außer dem Scheiterhaufen, der durch die „sogenannte Aufklärung“ abgeschafft wurde, ist alles noch beim alten. Siehe SPIEGEL von gestern. (Das Wirken des Teufelsaustreibers Gabriele Amort)
Montag, 3. September 2007 20:53
Bokrug †: Jesus…
…stand klar in der Traditiond es Ezechiel und Henoch.
Der jüdischen Merkabah-Mystik.
Bereit im AT kommt die pythagoräische Zahlenmystik vor.
Philo von Alexandrien und Johannes der Täufer nahmen sein kommen vorweg.

Im alten Testament ist von Christus als Metatron die Rede.

Die Sonnenfrau der Apokalypse ist der heilighe Geist bzw. die Sophia als 3. Person der Trinität im pythagoräischen Sinne…

http://www.philos-website.de/autoren/show.php?id=sophia_g.ht…

Der Logos Christus kommt durchaus schon im Alten Testament vor – nämlich als Metathron („der neben dem Throne steht“). Darauf (auf Metatron bzw. Metathron) nämlich bezieht sich Jesus im Neuen Testament:
Mk 14,62 Jesus sagte: „Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen“.
„Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen. Lk 4,4 Provokativ identifiziert sich Jesus in seinem Verhör vor dem Hohen Rat mit dem Menschensohn: „Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn und fragte: Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten? Jesus sagte: Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen. Da zerriß der Hohepriester sein Gewand und rief: Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habe die Gotteslästerung gehört.“ Markus 14, 60-63
Montag, 3. September 2007 20:45
GerdEric: @Bokrug
43Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht?

Nun, weil er wohl schon zuviel Griechisch oder Latein oder sonst was sprach…
und „möglicherweise“ schon mit Ihren „Sternen“-Götzen verseucht war.
Montag, 3. September 2007 20:38
Bokrug †: Bereits im AT kommt pythagoräische Zahlenmystik vor!
Christus vermag zwar auch als JHWH (als zorniger Gott, der Fürst dieser Welt) aufzutreten…er bezieht sich aber klar auf den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, dessen Name EL lautet.

Lukas-Evangelium, Kapitel 8

Abrahamskinder und Teufelskinder
37Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Raum. 38Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. 39Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke. 40Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, wie ich sie von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. 41Ihr tut die Werke eures Vaters. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben EINEN Vater: Gott. 42Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin von Gott ausgegangen und komme von ihm; denn ich bin nicht von selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. 43Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? aWeil ihr mein Wort nicht hören könnt! 44Ihr bhabt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist cein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. 45Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht.
Montag, 3. September 2007 20:34
GerdEric: @Bokrug
In dem hebräischen Original der Sprüche Salomo steht in 9 Vers 10 für HERR JHWH…
auch wenn in der Übersetzung HERR steht.

9 Weisheit und Torheit laden zum Mahle
10 Der Weisheit Anfang ist die Furcht des HERRN, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.
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