Piusbruderschaft
Im Namen der Ökumene: Die neugotische Kirche St. Leonhard geht an den Gott des Bauches
Bereits Anfang Januar war klar: Die neugotische Kirche St. Leonhard in St. Gallen sollte einer weltlichen Nutzung zugeführt werden. Gastronomie, Konzerte, Modeschauen und Kinovorstellung werden künftig im neugotischen Gemäuer Gäste anlocken.
(kreuz.net) Die reformierte Kirche St. Leonhard in der Ostschweizer Stadt St. Gallen wird in Zukunft als Kulturzentrum genutzt. Das Gotteshaus, das 1887 erbaut wurde und der protestantischen Kirchgemeinde gehörte, wurde an einen kapitalkräftigen Architekten verkauft. Dies berichtete die Züricher Tageszeitung ‘Tages-Anzeiger’ in ihrer Donnerstagsausgabe. Der Kaufpreis liegt – so der Präsident der Kirchenbehörde, Karl Gabler – zwar nur „zwischen einem und 100.000 Franken“ (65.000 Euro), aber die Renovation wird ins Geld gehen. Der Verkauf muß am 24. April von der Kirchgemeindeversammlung genehmigt werden.

Der glückliche Käufer ist der Architekt Giovanni Cerfedo. Er plant eine neue Nutzung der Kirche als Kulturzentrum mit Gastronomie, Klassik- und Jazzkonzerten, Modeschauen sowie Theater und Filmvorführungen. Ein genaues Konzept werde er in den nächsten zwei Jahren entwickeln. Für Renovierungs- und Gestaltungsarbeiten sei der Architekt bereit, 4,5 Millionen Franken (2,9 Millionen Euro) zu investieren.

Die Kirche St. Leonhard wurde im September 2004 zum Verkauf ausgeschrieben. Die von Glaubens- und Mitgliederschwund arg gebeutelte protestantische Kirchengemeinde kann sich die 4,5 Millionen Franken teure Renovation des baufälligen Gotteshauses nicht leisten. Ein Abriß kam nicht in Frage, weil die neugotische Kirche unter Denkmalschutz steht.

Cerfeda besitzt in Winterthur, knapp 30 km nördlich von Zürich, bereits drei denkmalgeschützte Liegenschaften aus dem 19. Jahrhundert. Diese erwarb er von der katholischen Kirche.
Für die Kirche St. Leonhard hatte sich auch die Priesterbruderschaft St. Pius X. interessiert. Die Anfrage der von Erzbischof Marcel Lefèbvre in den 70er Jahren gegründeten Bruderschaft wurde jedoch vom protestantischen Kirchenrat einstimmig abgelehnt.

Man bevorzuge eine Nutzung des Gotteshauses für kulturelle Zwecke, hieß es Anfang des Monats. Auf die Anfrage der Bruderschaft würde keinesfalls eingegangen, selbst wenn diese das beste Angebot vorlegen würde. Geld stehe nicht im Vordergrund. Die künftige Nutzung sei entscheidend.

Auch aus ökumenischen Rücksichten auf die katholische Kirche würde man die Priesterbruderschaft St. Pius X. ablehnen, so der Kirchenrat in einer Stellungnahme. Man wolle die einheimischen Katholiken nicht vor den Kopf stoßen. St. Gallen ist historisch eine protestantische Stadt.

In St. Gallen betrachtet man den Verkauf mit gemischten Gefühlen. Es sei nicht verwunderlich, daß sich der als Ästhet bekannte Architekt für eine Kirche klassischer Art interessiere. „Schade“ sei nur, so einige Stimmen aus dem Volk, daß künftig Laufstege und Kinoleinwände zwischen neugotischer Kunst aufgebaut würden, während der Gottesdienst vielerorts von tristen fantasielosen Betonmauern umrahmt sei.
      
2 Lesermeinungen
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#2   Beda   01:00:00 | Montag, 11. Juli 2011
<St. Gallen ist historisch eine protestantische Stadt.>
Ja, die Stadt schon. Aber mitten in der Stadt befand sich das Benediktinerkloster, Zentrum der mächtigen Fürstabtei St. Gallen.
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#1   Dolfus   20:27:09 | Freitag, 28. Januar 2005
Teilkirchen, ein Vergleich
Die eine Teilkirche in vollkommener juristischer Einheit mit dem römischen Pontifex, die Priesterbruderschaft nicht mehr:
Der Vergleich macht Sie sicher: die eine Teilkirche von Apostaten dominiert, die Treugebliebenen werden verfolgt, während die andere der apostolischen Überlieferung vollkommen treu geblieben ist.
Ein Musterbeispiel, wieso die bundesdeutsche und österreichische Kirchensteuer nicht ohne weiteres an die Amtskirche abgeführt werden sollte (das Schweizer Finanzierungssystem kenne ich nicht genau).
Wer ruhigen Gewissens sein möchte, daß sein Geld auch für römisch-katholische und gottgefällige Dinge verwendet wird, der wäre sicher gut beraten, es Österreichs Volksanwalt Ewald Stadler und den, wie man hört, bereits Hunderten Gläubigen gleichzutun, die die Zahlung an die Amtskirche verweigern, um stattdessen die traditionstreue Piusbruderschaft zu unterstützen.
St. Pius V., St. Pius X. und Erzbischof Marcel, bittet für uns!
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