Alte Messe
Er wird selber im Alten Ritus zelebrieren
Ein deutscher Weihbischof freut sich sehr über das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ – „eine grandiose Entscheidung“.
Altritusbischof Fernando Rifan zelebriert ein Alte Messe in London, 31. August 2007
Altritusbischof Fernando Rifan zelebriert ein Alte Messe in London, 31. August 2007
© Vernon Quaintance, traditionalcatholic.org.uk
(kreuz.net, Köln) Der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick (79) ist „sehr froh und sehr dankbar“, daß der Heilige Vater die Alte Messe freigegeben hat: „Er hat eine grandiose Entscheidung getroffen.“

Der Weihbischof äußerte sich Ende August im Interview mit der Kölner ‘Kirchenzeitung’.

Der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick
Der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick
Mons. Dick hofft auf ein Gegengewicht zur liturgischen Entwicklung nach dem Zweiten Vatikanum. Damals sei der Eindruck entstanden, als gäbe es eine frei verfügbare Liturgie. In diesem Zusammenhang nennt er drei gängige, aber irrtümliche Vorstellungen:
· Latein sei abgeschafft.
· In jede Kirche gehöre ein sogenannter Volksaltar.
· Der Priester müsse immer zum Volk hin zelebrieren.

Zur Zelebrationsrichtung erklärte der Weihbischof, daß die Feier zum Volk hin keine Alleingeltung beanspruchen könne. Die orthodoxe Liturgie zeige, daß eine wesentliche Hilfe zu echter Mitfeier das Nicht-alles-sehen-können sein
Problem am Mahltisch:
„Wie soll ein Kind, das die ganze Zeit auf dem Altar die Hostienschale stehen sieht, innerlich eine Ahnung davon bekommen, daß nach der heiligen Wandlung dort nun etwas ganz Anderes vorhanden ist?“
könne:

„Wie soll zum Beispiel ein Kind, das die ganze Zeit auf dem Altar die Hostienschale stehen sieht, innerlich eine Ahnung davon bekommen, daß nach der heiligen Wandlung dort nun etwas ganz Anderes vorhanden ist?“

Der Weihbischof bedauert auch die Priesterzentriertheit am Volksaltar: „Manche wollten, daß der Priester keine herausragende Rolle spielen solle. Statt dessen aber erscheint er heute häufig als der Herr und Gestalter der Feier.“

Mit dem Motu Proprio habe sich der Heilige Vater gegen ein Grundmißverständnis gewandt: „Es ist verhängnisvoll, wenn man eine Form der Liturgie und der Frömmigkeit, die lange hoch in Ehren war, auf einmal offiziell abwertet oder sogar für schädlich hält.“

Das habe das Konzil nicht beabsichtigt: „Es geht also auch darum, das Konzil ernst zu nehmen.“

Der Weihbischof erachtet nicht die neue Liturgie für sich genommen als Problem, sondern das, was mit ihr gemacht worden ist.
Prophetische Worte:
„Sie dürfen nie Zeichen der Ehrfurcht abschaffen, denn dann schaffen Sie die Ehrfurcht ab.“


Nach dem Zweiten Vatikanum sei etwas geschehen, wovon vor rund sechzig Jahren der Münchner Professor für Liturgiewissenschaft die Theologiestudenten – unter ihnen auch Joseph Ratzinger – gewarnt habe: „Sie dürfen nie Zeichen der Ehrfurcht abschaffen, denn dann schaffen Sie die Ehrfurcht ab.“

Das Bewußtsein, daß die Liturgie ein heiliges Geschehen ist, in das man hineingeht, sei dadurch vermindert worden.

Benedikt XVI. habe gezeigt, daß die Alte Liturgie „eben nicht“ abgeschafft ist.

Die Existenz von Mißbräuchen in der Alten Messe gesteht Mons. Dick „natürlich“ ein: „Aber man hat diese als solche empfunden.“

„Da hätte keiner gesagt, es sei doch gut und ein Zeichen von besonderer Lockerheit, daß der Pfarrer seinen Tabak auf den Altar legte.“

Vor dem Konzil seien praktisch alle jungen Theologen Anhänger der damaligen liturgischen Bewegung gewesen. Weihbischof Dick erklärt, selber dazugehört zu haben:

„Wir wandten uns gegen eingerissene Mißstände im Ritus und machten uns stark für die Bewußtmachung der Normen und der Texte der Messe – aus Hochachtung vor der gewachsenen Liturgie, nicht aber um etwas Neues zu schaffen.“

Der Weihbischof hält dies auch für die überwiegende Haltung unter den Konzilsvätern:

„Es sollte keine neue Liturgie kommen, sondern die überlieferte sollte sinnvoll reformiert werden, indem das, was sich mißbräuchlich oder irgendwie negativ entwickelt hatte, geändert würde.“ Das sei nicht immer beachtet worden.

Der Weihbischof hofft, daß mit Inkrafttreten des Motu Proprio am 14. September die neue Messe in der Gewissenhaftigkeit der Alten zelebriert wird. Der Papst spreche ausdrücklich von der gegenseitigen Befruchtung der beiden Ritusformen.

Mons. Dick kann sich auch Veränderung in der Alten Messe vorstellen. Als Beispiele nennt er die Einführung von neuen Präfationen und Heiligenfesten. Es habe auch in der Alten Messe „immer wieder“ Entwicklungen gegeben.

Der Weihbischof erwähnt die ersten Änderungen der Messe seit der frühen Kirche im letzten Jahrhundert: die Reform der Osternacht und der Karwoche unter Pius XII. († 1958) sowie die Einführung des Heiligen Joseph in den Römische Kanon unter Johannes XXIII. († 1963).

Weihbischof Dick will auch selber die Alte Messe feiern: „Mich persönlich freut nur einfach die Möglichkeit, gelegentlich auch in der alten Ritusform zu zelebrieren, in der ich geweiht worden bin.“
      
12 Lesermeinungen
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#12   Aleph †   23:51:47 | Sonntag, 9. September 2007
Sandalen
…und tümpeln auf morastigen Seitenwegen, mit ungekochten Erbsen in den Sandalen. Dann wird wohl die Erleuchtung kommen, dass alles bloß ein Mysterium Fidei ist… :-D :-D :-D
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#11   Weißer Ritter   20:11:50 | Sonntag, 9. September 2007
Änderungen in der alten Messe
Man fragt sich, warum ständig über Änderung in der alten Messe geredet wird – gerade von Leuten, die ihr positiv gegenüberstehen. (Was im Falle des Weihbischofs erst einmal festzustellen bleibt, indem er die alte Messe im Hohen Dom zu Köln zelebriert.)
Wieso fordern diese Personen nicht, daß die Heiligenfeste, die es im alten Ritus gab, nicht ebenfalls im NOM gefeiert werden, wie z.B. der Gedenktag des Hl. Christopherus?
Wo besteht denn zuerst ein Handlungsbedarf?
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#10   Libertas Ecclesiae   18:06:48 | Freitag, 7. September 2007
@ Benedikt
Ihr Wort in Gottes Ohr!
Bioschof Hanke von Eichstätt hat sich in der Tat positiv zum alten Ordo geäußert, allerdings hat er bislang noch keine Taten sehen lassen.
Bischof Mussinghoff von Aachen ließ kürzlich vermelden, dass auf der jüngsten Sitzung des Ständigen Rats der DBK große Einmütigkeit unter den Episkopen bestanden hätte bzgl. einheitlicher Regelungen in der Anwendung des Motu Proprio.
Es ist nicht bekannt, ob Hanke hier abgeweichen wird.
Warten wir mal ab …
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#9   Benedikt   17:22:21 | Freitag, 7. September 2007
@ Krak des Chevaliers
Wieso „endlich“? Hanke von Eichstätt hat sich doch schon x-mal positiv zum alten Ordo geäußert.
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#8   Krak des Chevaliers   16:40:27 | Freitag, 7. September 2007
endlich mal ein deutscher Bischof
endlich mal ein deutscher Bischof, der sich positiv zum Alten Messritus äußert! Manche seiner Amtsbrüder werden es mit Zähneknirschen wahrgenommen haben. Bleibt zu hoffen, dass sich bald noch mehr Episkopen und Priester als Befürworter des Alten Messritus outen und diesen dann auch tapfer gegen den Widerstand der Lehmänner zelebrieren. o^/
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#7   Maurice Corvisier   13:39:48 | Freitag, 7. September 2007
Nun: für einmal darf ich mich mit Gotthard
einverstanden erklären: „wir bitten Dich, erhöre uns“!
Über das, was der mir als persönlich sehr fromme Bischof Dick sagt, freue ich mich ganz besonders.
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#6   Gotthard   13:20:40 | Freitag, 7. September 2007
@ruhrgebietler
Wir bitten dich, erhöre uns!
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#5   r.ruhrgebietler   12:52:13 | Freitag, 7. September 2007
Wir wünschen,
Weihbischof Dick will auch selber die Alte Messe feiern: „Mich persönlich freut nur einfach die Möglichkeit, gelegentlich auch in der alten Ritusform zu zelebrieren, in der ich geweiht worden bin.“
Das seiner Eminenz aus dem Wunsch ein tiefes und dauerhaftes Bedürfnis entsteht, von nun an nur noch die hlg. trid. Opfermesse zu zelebrieren! Nur aus ihr entspringen die Gnaden Gottes für denjenigen, der würdig an ihr teilnimmt!
Weihbischof Dick, werden Sie wieder Jesus Christus ganz treu – nie wieder NOM!!
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#4   Stimme aus dem Tradiland   11:38:35 | Freitag, 7. September 2007
@ santa rita – eigentlich ist der hl. Josef nicht im Kanon des Meßbuches von 1962!
Die Einfügung des hl. Josef in den Meßkanon ist übrigens nicht Bestandteil des Meßbuches von 1962. Denn das von Papst Johannes XXIII. herausgegebene Meßbuch ist Stand 1. 1. 1962, während die Einfügung des hl. Josef erst Ende 1962 (knapp vor Beginn von V2) erfolgte und sofort durchzuführen war.
In aller Regel wurden die 1962er-Meßbücher handschriftlich „ausgebessert“ und im von Papst Paul VI. herausgegebenen Meßbuch von 1965 war der hl. Josef dann ohnedies drinnen.
Was ich noch nicht hinterfragt habe: Wie die Handhabung des Problems in der Tradition erfolgt. Muß ich mich einmal erkundigen.
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#3   santa rita   11:01:03 | Freitag, 7. September 2007
Verehrung des heiligen Josef
Der Weihbischof erwähnt die ersten Änderungen der Messe seit der frühen Kirche im letzten Jahrhundert: die Reform der Osternacht und der Karwoche unter Pius XII. († 1958) sowie die Einführung des Heiligen Joseph in den Römische Kanon unter Johannes XXIII. († 1963).
Die Aufnahme des hl. Josef in den Kanon war eine raffinierte psychologische Operation, um im Bewusstsein der Katholiken die Veränderbarkeit selbst des Messkanons zu implementieren und diese für weitere Veränderungen mental zu konditionieren. Der hl. Josef ist nur benutzt worden, um den Kanon aufzubrechen. Wie sehr die Verehrung des hl. Josef den Machern am Herzen gelegen hat, zeigt sich bereits daran, dass der römische Kanon mitsamt des hl. Josef wenige Jahre später auf dem Müllhaufen der Kirchengeschichte gelandet ist. Man wende nun nicht ein, dass der römische Kanon ja auch im NOM auftaucht. Das hat reine Alibi-Funktion. Man hat dem römischen Kanon den Mini-Kanon zur Seite gestellt und auf den der verdorbenen Menschennatur innewohnenden Hang zur Bequemlichkeit gesetzt. 99 % der Priester sind dann auch in diese psychologische Falle getappt. Wer weiterhin den römischen Kanon verwenden wollte, bekam sofort die Mechanismen des Gruppenzwanges zu spüren (Zwang zum Konformismus, um Ausgrenzung und Ächtung zu vermeiden). Bei der Einführung des hl. Josef in den Kanon wird eine der Hauptstrategien des Feindes deutlich, nämlich das Böse immer unter dem Schein des Guten zu vollziehen.
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#2   Tridentinus   10:17:53 | Freitag, 7. September 2007
Für manche Liturgiewissenschaftler etc.
sind diese Aussagen des Weihbischofs sicher ein „Dicker Hund“, von mir bekommt er dafür ein „dickes Lob“!
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#1   Typ   10:14:45 | Freitag, 7. September 2007
Aha!?
„Wie soll zum Beispiel ein Kind, das die ganze Zeit auf dem Altar die Hostienschale stehen sieht, innerlich eine Ahnung davon bekommen, daß nach der heiligen Wandlung dort nun etwas ganz Anderes vorhanden ist?“
In 90% der Kirchen kann man von 90% der Plätze die Hostienschale überhaupt nicht erkennen.
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