10:00:01 | Freitag, 7. September 2007
Ein deutscher Weihbischof freut sich sehr über das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ – „eine grandiose Entscheidung“.
(kreuz.net, Köln) Der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick (79) ist „sehr froh und sehr dankbar“,
daß der Heilige Vater die Alte Messe freigegeben hat: „Er hat eine grandiose Entscheidung getroffen.“
Der Weihbischof äußerte sich Ende August im Interview mit der Kölner ‘Kirchenzeitung’.

Der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick
Mons. Dick
hofft auf ein Gegengewicht zur liturgischen Entwicklung nach dem Zweiten Vatikanum. Damals sei der Eindruck
entstanden, als gäbe es eine frei verfügbare Liturgie. In diesem Zusammenhang nennt er drei gängige,
aber irrtümliche Vorstellungen:
· Latein sei abgeschafft.
· In jede Kirche gehöre ein sogenannter
Volksaltar.
· Der Priester müsse immer zum Volk hin zelebrieren.
Zur Zelebrationsrichtung erklärte
der Weihbischof, daß die Feier zum Volk hin keine Alleingeltung beanspruchen könne. Die orthodoxe Liturgie
zeige, daß eine wesentliche Hilfe zu echter Mitfeier das Nicht-alles-sehen-können sein
Problem am Mahltisch:
„Wie
soll ein Kind, das die ganze Zeit auf dem Altar die Hostienschale stehen sieht, innerlich eine Ahnung
davon bekommen, daß nach der heiligen Wandlung dort nun etwas ganz Anderes vorhanden ist?“
könne:
„Wie
soll zum Beispiel ein Kind, das die ganze Zeit auf dem Altar die Hostienschale stehen sieht, innerlich
eine Ahnung davon bekommen, daß nach der heiligen Wandlung dort nun etwas ganz Anderes vorhanden ist?“
Der Weihbischof bedauert auch die Priesterzentriertheit am Volksaltar: „Manche wollten, daß der Priester
keine herausragende Rolle spielen solle. Statt dessen aber erscheint er heute häufig als der Herr und
Gestalter der Feier.“
Mit dem Motu Proprio habe sich der Heilige Vater gegen ein Grundmißverständnis
gewandt: „Es ist verhängnisvoll, wenn man eine Form der Liturgie und der Frömmigkeit, die lange hoch
in Ehren war, auf einmal offiziell abwertet oder sogar für schädlich hält.“
Das habe das Konzil nicht
beabsichtigt: „Es geht also auch darum, das Konzil ernst zu nehmen.“
Der Weihbischof erachtet nicht die
neue Liturgie für sich genommen als Problem, sondern das, was mit ihr gemacht worden ist.
Prophetische
Worte:
„Sie dürfen nie Zeichen der Ehrfurcht abschaffen, denn dann schaffen Sie die Ehrfurcht ab.“
Nach
dem Zweiten Vatikanum sei etwas geschehen, wovon vor rund sechzig Jahren der Münchner Professor für
Liturgiewissenschaft die Theologiestudenten – unter ihnen auch Joseph Ratzinger – gewarnt habe: „Sie dürfen
nie Zeichen der Ehrfurcht abschaffen, denn dann schaffen Sie die Ehrfurcht ab.“
Das Bewußtsein, daß
die Liturgie ein heiliges Geschehen ist, in das man hineingeht, sei dadurch vermindert worden.
Benedikt
XVI. habe gezeigt, daß die Alte Liturgie „eben nicht“ abgeschafft ist.
Die Existenz von Mißbräuchen
in der Alten Messe gesteht Mons. Dick „natürlich“ ein: „Aber man hat diese als solche empfunden.“
„Da
hätte keiner gesagt, es sei doch gut und ein Zeichen von besonderer Lockerheit, daß der Pfarrer seinen
Tabak auf den Altar legte.“
Vor dem Konzil seien praktisch alle jungen Theologen Anhänger der damaligen
liturgischen Bewegung gewesen. Weihbischof Dick erklärt, selber dazugehört zu haben:
„Wir wandten uns
gegen eingerissene Mißstände im Ritus und machten uns stark für die Bewußtmachung der Normen und der
Texte der Messe – aus Hochachtung vor der gewachsenen Liturgie, nicht aber um etwas Neues zu schaffen.“
Der Weihbischof hält dies auch für die überwiegende Haltung unter den Konzilsvätern:
„Es sollte
keine neue Liturgie kommen, sondern die überlieferte sollte sinnvoll reformiert werden, indem das, was
sich mißbräuchlich oder irgendwie negativ entwickelt hatte, geändert würde.“ Das sei nicht immer beachtet
worden.
Der Weihbischof hofft, daß mit Inkrafttreten des Motu Proprio am 14. September die neue Messe
in der Gewissenhaftigkeit der Alten zelebriert wird. Der Papst spreche ausdrücklich von der gegenseitigen
Befruchtung der beiden Ritusformen.
Mons. Dick kann sich auch Veränderung in der Alten Messe vorstellen.
Als Beispiele nennt er die Einführung von neuen Präfationen und Heiligenfesten. Es habe auch in der
Alten Messe „immer wieder“ Entwicklungen gegeben.
Der Weihbischof erwähnt die ersten Änderungen der
Messe seit der frühen Kirche im letzten Jahrhundert: die Reform der Osternacht und der Karwoche unter
Pius XII. († 1958) sowie die Einführung des Heiligen Joseph in den Römische Kanon unter Johannes XXIII.
(† 1963).
Weihbischof Dick will auch selber die Alte Messe feiern: „Mich persönlich freut nur einfach
die Möglichkeit, gelegentlich auch in der alten Ritusform zu zelebrieren, in der ich geweiht worden bin.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.