[ « 142 143 144 145 146 » ]
Sonntag, 9. September 2007 10:49
Auch die Österreicher sind ein Tätervolk
Der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg findet es ganz „toll“, daß Kardinal Christoph Schönborn die Christenheit als Sündenbock für alle Judenverfolgungen hinstellt. Von Leo G. Schüchter.
Der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg (links) und der Praesident der Israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzikant (rechts) nach einem Gedenken am Judenplatz in der Wiener Innenstadt am Freitag.
Der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg (links) und der Praesident der Israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzikant (rechts) nach einem Gedenken am Judenplatz in der Wiener Innenstadt am Freitag.
(kreuz.net) Papst Benedikt XVI. hielt am ersten Tag seines Besuchs in Österreich vor einer Schrifttafel am Wiener Judenplatz ein stilles Gedenken.

Kardinal Schönborn von Wien hatte die Gedenktafel 1998 anbringen lassen und damit sein Gesellenstück an politisch korrekter Vernebelungstaktik präsentiert.

Der Kardinal stellt in dem Textdie absurde Behauptung auf, daß „christliche“ Haßprediger in der Zeit um 1420 die damaligen Wiener Juden in den Selbstmord oder in die Zwangsverbrennung gehetzt hätten.

Mit Sicherheit sind Haß und Haßreden gegen Juden nicht „christlich“. Die christliche Kirche hat vielmehr für die Juden gebetet, daß sie durch Bekehrung letztendlich doch zum Heil kommen mögen.

Einige mittelalterliche Päpste hätten sich damals „erfolglos gegen den judenfeindlichen Aberglauben“ gewandt, so der Tafeltext weiter.

Genauso hätten später „einige – aber viel zu wenige – Gläubige erfolglos gegen den Rassenhaß der Nationalsozialisten“ gekämpft.

Die Mehrzahl, eigentlich alle – nämlich „die Christen“ – nahmen Hetze und Judenverfolgung „widerstandslos hin, billigten sie“ – so will es der Kardinal wissen – „und wurden zu Tätern“.

Heute bereue „die Christenheit ihre Mitschuld an den Judenverfolgungen und erkennt ihr Versagen“.

Der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg findet es ganz „toll“ und wirklich „sehr schön“, daß die Christenheit als Sündenbock für alle Judenverfolgungen aller Zeiten dargestellt wird.

Er hat allerdings die geschickte Diktion von Kardinal Schönborn nicht richtig verstanden, wenn er den ökumenischen Rundumschlag der Selbstbezichtigung als Hinweis allein auf den „Antijudaismus der frühen Kirche“ interpretiert.

Kardinal Schönborn will mit dem umfassenden Begriff „Christenheit“ natürlich auch die schäbige Judenhetze Martin Luthers einschließen.

Die argumentative Meisterleistung des Kardinals aber ist die rhetorische Hinführung zu der These, daß die Christenheit bei der Judenverfolgung das Tätervolk geworden sei.

Die nationalsozialistischen Schergen waren als Mörder der sechs Millionen getöteten Juden sicherlich die Primärtäter, aber „die Christen“ wurden ebenfalls zu Tätern, weil sie „während der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft“ keinen erfolgreichen Widerstand gegen die Judenverfolgung geleistet hätten.

Das rhetorische Muster, mit dem die Kollektivschuldthese in die Gedenkreden eingeführt wurde, hatte 1985 der damalige deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit seiner Rede zur vierzigjährigen Wiederkehr des Kriegsendes bereitgestellt.

Für die bis dato herrschende marxistisch orientierte 68er Bewegung war vorgängig der Kapitalismus am Faschismus schuld und damit auch an der Judenverfolgung.

Weizsäcker dagegen lenkte den Blick darauf, daß Hitler „das ganze Volk zum Werkzeug seines Hasses […] gegen unsere jüdischen Mitmenschen gemacht“ hätte.

Das Irreführende an der Weizsäcker-Rede ist aber der oft zitierte Satz: Schuld eines ganzen Volkes gibt es nicht, Schuld ist immer persönlich.

Doch dann beginnt der Politiker mit einer Kaskade von Schuldzuweisungen, die genau den scheinbar abgelehnten Kollektivschuldvorwurf neu wiederherstellen:

„Jeder Deutsche“ konnte das Leid der jüdischen Mitbürger miterleben. Keiner konnte nach den Synagogenbränden arglos bleiben.

Jeder konnte sich damals informieren, aber „allzu viele“ wollten es nicht.

Die meisten hätten ihr Gewissen abgelenkt, weggeschaut, geschwiegen. Aber „allzu viele“ beriefen sich nach dem Krieg darauf, „nichts gewußt oder nur geahnt zu haben“.

„Kein fühlender Mensch erwartet von den nachgeborenen Deutschen, ein Büßerhemd zu tragen.“

Aber von der „schweren Erbschaft der Vorfahren“ werden die Deutschen „in Haftung genommen“ – so Weizsäcker.

Mit Bezug auf diese Haftung hat der US-Vize-Finanzminister Stuart Eizenstat im Namen jüdisch-amerikanischer Organisationen dem deutschen Volk im Jahr 1999 eine saftige Rechnung präsentiert – ein Jahr, nachdem die jüdisch-amerikanische Finanzoligarchie die Schweiz erfolgreich erpreßt hatte.

Zehn Milliarden Deutsche Mark verlangten die jüdischen Unterhändler für die nationalsozialistischen Mißhandlungen von Insassen von Konzentrationslagern und die Unterbezahlung von Fremdarbeitern durch deutsche Unternehmen.

Fünf Milliarden bezahlten die deutschen Steuerzahler sowie zusätzlich ein bis zwei Milliarden an Steuerausfällen jener deutschen Firmen, die ihre Zahlungen in den Entschädigungsfond steuermindernd ansetzen konnten.

Daß zwei Drittel der Fremdarbeiterentschädigungen vom deutschen Steuerzahler aufgebracht wurden, der für die Entstehung der Forderungen keine Verantwortung trägt, kann nur mit der Kollektivschuldthese begründet werden oder mit der Bannung der Deutschen als Tätervolk.

Nur auf diesem Hintergrund ist auch die maßlose Medienhysterie zu erklären, mit der auf die Provinzrede des parlamentarischen Hinterbänklers Martin Hohmann 2003 eingeknüppelt wurde.

Hohmann hatte die deutsche Kollektivschuld im Mantel des „Tätervolks“ infragegestellt.

Diese ungeheuerliche Aufmüpfigkeit gegen die politisch korrekte Selbstbezichtigungskultur der Deutschen walzte die Medienphalanx auf breiter Front nieder:

Wir sind Tätervolk! triumphierte damals die Bild-Zeitung und das Spiegel- Magazin sekundierte: Die Deutschen sind das „wahre Tätervolk“.

Auch Kardinal Karl Lehmann geißelte den CDU-Parlamentarier Hohmann.

Aber der Hegelkenner im Kardinalspurpur beherrscht die von Weizsäcker vorgespielte Dialektik der Schuld-Rhetorik weitaus eleganter als die brachiale Medienwalze – ähnlich sein Wiener Kardinalskollege.

Für Österreich bekommt das Bekenntnis „Wir sind Tätervolk“ neben der historischen Dimension übrigens eine überraschende Aktualität.

Als Antwort auf die Papstrede in der Hofburg verteidigte die österreichische Frauenministerin Doris Bures ein angebliches Recht, schwangere Mütter bei dem Vorhaben zu unterstützen, ihre Kinder mit medizinisch relativ ungefährlichen Methoden abschlachten zu lassen.

© Pressebild Robert Jäger, APA-FOTO-POOL
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 98 Lesermeinungen:
Mittwoch, 19. September 2007 13:47
Artois †: @Manuel
Alleine Ihre Parametervergabe „Sehr viele Juden“ entlarvt Sie … Wort Rassismus als Vorwurf gegenüber anderen zu verwenden.
Da irren Sie. Die erhebliche Mitwiekung eben „sehr vieler Juden“ namentlich an der Durchführung der Nürnberger Gesetze und der Vorbereitung und Durchführung der Deportationen, zumindest aus Deutschland, aber sodann auch aus denn Ghettos im GG wurde ja gerade von „vielen Juden“ nach dem Kriege bekannt und beklagt. Ich habe eine ausführliche Literaturübersicht eingestellt, die vor allem jüdische Autoren aufweist – nicht etwa aus selektiven Gründen, sondern weil ich meine, das Deutsche hier tatsächlich zumindest „den Mund nicht zu voll“ nehmen sollten.
Im Unterschied zu rassistischen Kriminellen weigere ich mich Kollektivzuschriebungen á la Tätervolk vorzunehmen und gebe insofern den entsprechenden Vorwurf gern retour.
Dienstag, 18. September 2007 03:17
Manuel: @ Arthritis
Alleine Ihre Parametervergabe „Sehr viele Juden“ entlarvt Sie bereits als das, was Sie sind. Ihre braunen Lügengeschichten bezügl. der Nürnberger Gesetze, den Deportationen und Selektionen, diese seien „weitgehend von Juden“ geführt worden, würzt Ihre ekelerregende Gesinnung.

Auf Grund dessen haben Sie jeden Anspruch verloren, in Ihrem ungebildeten Maulwerk das Wort Rassismus als Vorwurf gegenüber anderen zu verwenden.
Mittwoch, 12. September 2007 17:14
Artois †: @engelhardt
Warum soll ich mit einem rassistischem Nazi-Affen wie Ihnen überhaupt diskutieren? HAben Sie in ihrem depimierendem Leben außer sado-maso Heftchen überhaupt je etwas gelesen?
Dienstag, 11. September 2007 17:28
engelhardt: Belege, Artois, Belege…
…ist wie ueblich das, was den Judenhassern fehlt.
Dienstag, 11. September 2007 17:06
Artois †: @engelhardt
ad 1) Sehr viele Juden haben Hitler zugejubelt und wurden Mitglied seiner Bwegung – daraus müßten Sie ja gü. dem jüdischen Volk ähnliche Schlüsse ziehen, wie gü. dem deutschen.
ad 2) Sehr viele Juden waren Mitglied der dt. Wehrmacht, so z.B. Milch und viele andere, die ich Ihnen nennen kann – in den Grenzen der Gesetze. Und – was folgt daras?
ad 3) Die Nürnberger Gesetze und auch die Deportationen, Selektionen etc. nach 1939/40 wurden weitgehend von Juden durchgeführt – und was folgt daraus?
Dienstag, 11. September 2007 13:06
engelhardt: Jaja, Christoph…
…mal wieder die uebliche Taktik: weil man unfaehig oder unwillens ist, die eigenen Behauptungen zu belegen wird mal wieder auf ad Homimens ausgewichen.

Waere ja noch schoener, wenn jemand wie Du mal kreativ werden wuerde.
Alle Lesermeinungen anzeigen 92 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net