10:04:21 | Montag, 10. September 2007
Am 22. August lief im Bayerischen Fernsehen eine dreiviertelstündige Werbesendung – für die Alte Messe. Eine Filmbesprechung. Von Friedrich Reusch.

Bischof Richard Williamson von der Piusbruderschaft zelebriert ein Pontifikalamt.
© Priesterbruderschaft
St. Pius X.(kreuz.net) Das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) darf nach 20.00 Uhr keine Werbung mehr ausstrahlen – dessen
Regionalsender auch vor 20.00 Uhr nicht.
Dennoch lief kürzlich im Bayerischen Fernsehen ein dreiviertelstündiger
Werbefilm – für die Alte Messe.
Die Sendung aus der Doku-Reihe „Stationen“ beschäftigte sich mit dem
päpstlichen Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ zur Freigabe der Alten Messe, das im September in Kraft
tritt.
Der Verantwortliche für die Sendung, Karl G. Peschke, setzte sich laut Sendebeschreibung zum
Ziel, Freunde und Gegner der Alten Messe zu Wort kommen zu lassen.
Interessant war die Objektivität
in der Auswahl der Gegner.
Es wurden nicht – wie sonst in solchen Sendungen üblich – Vertreter von Berufsnörgler-Organisationen
wie ‘Wir sind Kirche’ vor die Kamera gebeten. Vielleicht hätte es zu lange gebraucht, um ihnen zu erklären,
worum es im Motu Proprio überhaupt geht?
Nein, zu Wort kamen die wahren Feinde der Alten Messe. Man
kann die Vorgestellten in drei Gruppen klassifizieren:
•
die Neoliberalen: Der sogenannte Liturgiewissenschaftler
Hw. Jürgen Bärsch (48) aus Eichstätt durfte seine – wohl eingeübten – Meinungsäußerungen vor einer
betonierten Kraterlandschaft vortragen. Diese erinnerte beim ersten Blick an einen buddhistischen Steintempel
oder an ein Fernsehstudio der 60er Jahre, in dem Roy Black († 1991) seine Schlager vortrug.
Erst langsam
wurde dem Zuschauer deutlich, daß es sich bei der Szenerie um einen Sakralraum mit Altar und Tabernakel
handelte. Dieser Kulisse entsprach, was Hw. Bärsch zum Thema zu berichten wußte:
Altes und neues Meßbuch
seien eigentlich gleich – bis auf den Pluspunkt der Gemeinschaftlichkeit, den nur der Novus Ordo vorzuweisen
hätte.
Verweise auf die stagnierende Zahl der Gottesdienstbesucher seit der Einführung dieses angeblich
gemeinschaftlichen Ritus unterließ er.
•
die Altliberalen: Konsterniert schaute Prälat Lothar Waldmüller,
der Liturgieexperte der Erzdiözese München und Freising, in die Kamera. Er schwärmt davon, daß der
Wunsch nach einer „volkssprachlichen“ Liturgie bis zur Reformation zurückgehe – und damals auch erfüllt
worden sei.
Eine Frage ließ er offen: Wenn die Kirche damals in ihrem Kampf um die lateinische Messe
richtig lag – wie liegt sie dann heute?
Der wichtigste Punkt am Motu Proprio ist für Prälat Waldmüller
offenbar, daß der Papst das Zweite Vatikanum nicht revidieren wolle. Das sei für die Kirche „undenkbar“ –
ereiferte er sich vor dem nicht recht passen wollenden Hintergrund eines goldenen Hochaltars.
Der Prälat
behauptete ferner, daß es dem Papst in erster Linie um die „korrekte“ Zelebration des Novus Ordo ginge.
Ob er glaubt, daß die Rufe nach der Heiligen Messe dann vielleicht verschallen würden?
•
die Neokonservativen:
Am härtesten wird die Heilige Messe bekanntlich von dieser theologisch-lauwarmen Fraktion bekämpft.
Die Neokonservativen wollen die Richtlinien des letzten Konzils mit einem aus den 50er Jahren hinübergeretteten
inhaltsleeren Nachdruck auf Recht und Ordnung durchsetzen.
In der Sendung wurden die Neokonservativen
durch den Bischof von Augsburg, Mons. Walter Mixa, vertreten.
Der Bischof saß in einem Fernsehstudio
und wurde vermutlich in Ausschnitten gezeigt, die direkt nach dem Erscheinen des Motu Proprio aufgenommen
wurden: Er schwadroniert in großem Stil.
Mit dem Grinsen eines Berufspolitikers, der bald eine Wahl
zu gewinnen hat, ermahnte er die Piusbruderschaft mit treuherzigem Gesicht: „Besinnt euch, denkt nach“.
Dann deutete er an, daß eine Ausweitung der Alten Messen in seiner Diözese wohl nicht in Frage komme.
Er würde sich aber in dieser Sache noch mit dem Priesterrat besprechen. Das Ergebnis waren vermutlich
seine
Ausführungsbestimmungen, die er aber inzwischen – vielleicht kam ein Anruf aus Castel Candolfo –
wieder
relativiert hat.
Bischof Mixa erzählte auch von seiner Zeit als Kaplan: „Ich war gern Pfarrer“.
Den Neuen Ritus hat er nach eigenen Angaben mehrmals am Hochaltar zelebriert.
Ein peinlicher, für Neokonservative
typischer Versuch, den Neuen Ritus als spirituell besonders tiefgründig darzustellen, fehlte nicht: Der
Bischof entzückt sich vor der Kamera am Schuldbekenntnis, der im Neuen Ritus von Priester und Gemeinde
gemeinsam gesprochenen wird.
Solche Perlen – so Bischof Mixa mit wiederum treuherziger Miene – „gab es
früher nicht“.
Die Tatsache, daß dieses Schuldbekenntnis in der Neuen Messe eine Option unter vielen
ist, die von den meisten Priestern in der Regel nicht verwendet wird, verschwieg er.
Auf die spirituelle
Tiefgründigkeit von Nicht von Novus-Ordo-Hits wie Disco-, Motorrad- oder Narrenmessen ging er erst gar
nicht ein.
Im Gegensatz zu den blamablen Auftritten dieser drei Herren präsentierte sich
der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater Franz Schmidberger, geradezu als
leuchtendes Beispiel.
Er faßte in seinem Statement kurz zusammen, warum die lefebvristische Tradition
auch nach dem Motu Proprio ihre Existenzberechtigung habe:

Pater Franz Schmidberger, Distriktobere der Piusbruderschaft in Deutschland
© Bild Pater Schmidberger:
Priesterbruderschaft St. Pius X. „Wir freuen uns aufrichtig über diesen mutigen
Schritt von Papst Benedikt XVI., der Kirche die Heilige Messe wieder zurückzugeben.
Natürlich gibt
es darüber hinaus andere Punkte, welche die Kritik des Erzbischofs [Marcel Lefebvre] hervorriefen und
die auch durchaus berechtigt sind: zum Beispiel die Religionsfreiheit, der heute praktizierte Ökumenismus,
der zum Indifferenzismus hinführt, das heißt zur Ansicht, daß alle Religionen Heilswege sind, daß
jeder Mensch gerettet wird. Das sind Dinge, denen wir nicht zustimmen können.“Wenig. Wichtig. Wuchtig.
Zuvor war die Bruderschaft in einer aufschlußreichen Form mit Verweis auf die Gründe ihrer Ablehnung
des Zweiten Vatikanums kurz vorgestellt worden.
Ob gewollt oder nicht – die Sendung wurde zu einem einzigen
Werbefilm für die Alte Messe. Das hing auch damit zusammen, daß die Neue Messe – wie anders nicht zu
vermeiden – in einer Form gezeigt wurde, die deren wahres Gesicht zeigt, auch wenn es noch weit schlimmere
Auswüchse gibt.
Pfarr- und Liturgiealltag

Bildquelle: cathcon.blogspot.com

Bild der Zeitung: cathcon.blogspot.com

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cathcon.blogspot.com

Bildquelle: breviarium.blogspot.com

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Der Fernsehzuschauer
sah Bilder der Alten Messe, zum Beispiel von den Priester- oder Bischofsweihen der Piusbruderschaft in
Ecône, und auf der anderen Seite Bilder von einer neuen Messe in der Münchner Kirchengemeinde St. Florian.
Der Priester der Münchner Stadtgemeinde machte zwischen beleibten kleinen Mädchen – sogenannte Ministrantinnen –
oder von seiner Gemeinde umzingelt, beim eurhythmischen Beten des Vaterunsers um den Altar einen recht
verlorenen Eindruck.
Beim Ecce Agnus Dei wurde nicht gekniet. Trotz des kirchlichen Verbotes, in der
Heiligen Messe profane Gegenstände zu benützen, hantierte der Priester mit langen Glasröhren und blechernen
Gefäßen. Damit dürfte der durchschnittliche Zuschauer eher die Werbekochsendung eines Küchenzubehör-Herstellers
als die Heilige Wandlung assoziiert haben.
Der in dem Film gezeigte kümmerliche Gesang eines volkssprachlichen
Liedes zu Meßbeginn konnte der pompösen Sakralmusik, die in den Ausschnitten über die Alte Messe gezeigt
wurde, das Wasser nicht reichen. Das war aktive Teilnahme der Gläubigen ohne Rücksicht auf Verluste.
Das architektonische Farbenspiel im Sakralraum während der Heiligen Wandlung in der Novus-Ordo-Gemeinde
erinnerte an ein Hippiefestival oder an menschliche Wahrnehmungen unter Drogeneinfluß: Die – offensichtlich
ungewollte – Karikatur der neuen Messe war perfekt.
Zu Wort kam im Film auch Hw. Lorenz Gadient (48),
Spiritual des Eichstätter Priesterseminars.
Er offenbarte die Zerstörungswut der liturgiekonziliaren
Erneuerer und erklärte, welche Riten bei der Neuen Messe weggelassen werden.
Auf der anderen Seite möchte
der Novus Ordo nicht mehr, daß die persönliche Figur des Priesters in den Hintergrund tritt. Im Gegenteil:
Das Individuum des Priesters soll zur Geltung kommen. Deshalb die neuen Meßgewänder.
Was Hw. Gadient
vielleicht nicht weiß: Auch Frauen gehen in der Regel wegen Christus in die Kirche und nicht wegen des
Zelebranten. Es ist also nicht nötig, Normenmaße oder Schönheitscastings für angehende Seminaristen
in Erwägung zu ziehen.
Dem Fernsehzuschauer – egal ob in der Materie zuhause oder nicht – wurde im Film
des Bayrischen Rundfunks deutlich: Der erneuerten Backe-Backe-Kuchen-Liturgie des Neuen Ritus überlassen,
würde die Kirche untergehen.
Dagegen kommen beim Anblick dessen, was in den Kirchen der Tradition an
Gesängen, Gebeten und Handlungen vollzogen wird, die Worte des ehemaligen Kardinals Joseph Ratzinger
in den Sinn, der nach dem Besuch einer altgläubigen benediktinischen Klosterkirche, in der gerade die
Liturgie gefeiert wurde,
ausrief: „Das ist die katholische Kirche!“.
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