16:13:29 | Montag, 10. September 2007
Im Fall des aufständischen Ex-Administrators der abgefallenen Pfarrei Röschenz steht die Diözese vor verschiedenen Szenarien. Von Dr. Lukas Brühwiler-Frésey.

Der suspendierte Ex-Pfarradministrator von Röschenz, Franz Sabo
(kreuz.net, Röschenz) Kürzlich hat das Kantonsgericht des Halbkantons Basel-Land entschieden, daß der
vom Basler Bischof vorgenommene Entzug der Missio canonica des Ex-Pfarradministrators von Röschenz, Franz
Sabo, das rechtliche Gehör verletzt habe und deshalb ungültig sei.
Wie kann das Bistum nach diesem
Urteil weiter vorgehen? Zwar liegt die Urteilsbegründung noch nicht vor. Doch es ist klar, daß mehrere
Szenarien in Betracht kommen.
1. Das Bistum kann das umstrittene Urteil akzeptieren und die Hände in
den Schoß legen. Das stünde aber im Widerspruch zu seiner bisherigen Politik und zum vom Zweiten Vatikanum
geprägten Selbstverständnis der Kirche in ihren Beziehungen zum Staat. Nichts tun würde auf eine Kapitulation
hinauslaufen.
2. Das Bistum kann erklären, daß es das Gerichtsurteil nicht anerkennt und der Entzug
der Missio canonica bestehen bleibt. Der Vorteil dieser Lösung läge darin, daß die Angelegenheit keine
weiteren Wellen aufwerfen würde.
Man könnte sich dann in Zukunft in ähnlichen Fällen bemühen, den
staatlichen Vorschriften besser zu genügen.

Pfarrkirche Röschenz
© Roland Zumbühl, picswiss.ch 3. Das Bistum kann das Prozedere zum Entzug der Missio canonica
nochmals durchführen und dabei versuchen, die ihm vom Kantonsgericht vorgeworfenen Fehler nicht mehr
zu begehen.
Damit würde die Diözese aber das staatliche Gericht anerkennen, was ihrer bisherigen Haltung
widerspräche. Außerdem würde es riskieren, daß auch der zweite Entzug der Missio canonica an staatlichen
Verfahrensvorschriften scheitern könnte.
4. Das Bistum kann den Entscheid des Kantonsgerichts – wenn
nötig – bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weiterziehen.
Damit würde es den Fall
Röschenz zu einer europäischen Frage machen. Das könnte die Aufmerksamkeit der Gesamtkirche wecken.
Ob diese Strategie gelingen würde, ist aber unsicher. Denn bei dem Streit handelt es sich um ein historisches
Überbleibsel der schweizerischen Rechtsordnung.
5. Das Bistum Basel könnte sich direkt an den Vatikan
wenden. Dieser könnte daran interessiert sein, daß sich staatliche Gerichte nicht in den Entzug einer
Missio canonica einmischen.
Darum könnte der Vatikan das Konkordat zum Bistum Basel kündigen und die
offenen Fragen regeln.
Die Konkordatsfrage ist auch in anderen Bistümern der Schweiz – zum Beispiel
im Bistum St. Gallen – virulent. Es herrscht ein dringender Handlungsbedarf. Sonst wird die Kirche in
der Schweiz mehr und mehr unter die Fuchtel liberal radikaler Vertreter eines partiellen Unrechtsstaates,
wie sie im Kantonsgericht Basel-Land am Werk waren, geraten.
Diese Strategie würde zum Einsturz wesentlicher
Teile des schweizerischen Staatskirchenrechts führen. Das wäre zweifellos mit Getöse verbunden. Auf
lange Sicht würde die Kirche in der Schweiz aber von den Angriffen schismatischer Kräfte befreit und
könnte ihr Profil stärken.
6. Der Bischof könnte über die Gemeinde Röschenz oder einzelne ihrer
Rädelsführer das Interdikt verhängen. Den betroffenen Personen wären dann der Empfang und das Spenden
der Sakramente verboten.
Das Interdikt ist allerdings praktisch nicht leicht umzusetzen und könnte zu
weiteren ungeordneten Streitigkeiten führen.
Der Fall Röschenz zeigt einmal mehr einen Konflikt zwischen
Staat und Kirche auf.
Das Bistum Basel steht hier vor zukunftsweisenden Entscheiden. Es könnte in diesem
Streit durchaus Initiative und Führungsstärke beweisen.
Vorläufig bleibt abzuwarten, ob das Bistum
handeln oder kapitulieren wird.
Der Verfasser ist Präsident der ‘Katholischen Volkspartei Schweiz’.
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Pippifax 09:58:16 | Freitag, 14. September 2007
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lady 22:12:26 | Montag, 10. September 2007
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zeitundewigkeit 20:24:49 | Montag, 10. September 2007
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möchtegern-kathole 19:20:59 | Montag, 10. September 2007
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Pippifax 19:19:27 | Montag, 10. September 2007
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PegasusNbW 18:13:24 | Montag, 10. September 2007
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Pippifax 16:35:27 | Montag, 10. September 2007