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Sonntag, 30. Januar 2005 08:54
kreuzmeldungen
Falsches Mitleid + Kardinal Meisner über jeden Verdacht erhaben + Geschändete Christusfigur + Verzweifelt? Begehen Sie doch Selbstmord + Eine Gänsegeschichte
Falsches Mitleid

Vatikan. Papst Johannes Paul II. wiederholte bei der gestrigen Audienz für die Richter der „Rota Romana“, dem höchsten kirchlichen Appellationsgericht, daß eine Ehe nur annulliert werden könne, wenn ihre Nichtigkeit in einem kanonischen Verfahren wirklich erwiesen sei. Dies berichtete ‘Radio Vatikan’. Der Heilige Vater warnte vor falschen Beweisen und ermahnte die Rotarichter, keine Angst vor der Wahrheit zu haben. Heute würden, so der Heilige Vater, Stimmen laut, die im Namen der Pastoral dafür plädierten, daß auch gescheiterte gültige Ehen annulliert würden. Der Richter, der von der Gerechtigkeit geleitet sei, werde sich nicht von Gefühlen des falschen Mitleids noch von falschen Denkmodellen bestimmen lassen, auch wenn diese in der Gesellschaft verbreitet seien.

Kardinal Meisner über jeden Verdacht erhaben

Deutschland. Die Kölner Staatsanwaltschaft teilte am Freitag ein weiteres Mal mit, daß es in der Dreikönigspredigt von Kardinal Meisner keine Anhaltspunkte für Volksverhetzung oder Beleidigung gebe. Die Staatsanwaltschaft hatte mehrere Anzeigen geprüft, unter anderem jene des Kölner Lokalpolitikers Claus Ludwig von der linksliberalen Liste „Gemeinsam gegen Sozialraub“. Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft fand in den deutschen und internationalen Medien praktisch keinen Widerhall.

Geschändete Christusfigur

Deutschland. Nach einem Bericht der „Aachener Zeitung“ wurde in Eschweiler ein 150 Jahre altes Wegkreuz geschändet. Eschweiler liegt unweit von Aachen in Nordrhein-Westfalen und hat rund 55.000 Einwohner. Das Wegkreuz besteht aus einem Zinkguß-Korpus und einem 3,5 Meter hohen Eichenkreuz. Die denkmalgeschützte Christusfigur wurde von Unbekannten mit roter Farbe besprüht und mit einem Stein- oder Metallgegenstand zerschlagen. Ein Woche lang scheint niemand die faustgroßen Löcher bemerkt zu haben. Geschändet wurde das Kreuz bereits vergangenes Wochenende, polizeilich gemeldet erst letzten Donnerstag.

Verzweifelt? Begehen Sie doch Selbstmord

Belgien. Der Bischof von Namur, 60 km südlich von Brüssel, André-Mutien Leonard (64), stellte vergangenen Donnerstag bei einer Pressekonfernz in Rom die Fastenbotschaft des Heiligen Vaters vor. Bischof Leonard war vor seiner Bischofsweihe ein bekannter konservativer Moraltheologe. Bei der Vorstellung der päpstlichen Fastenbotschaft bemerkte der Bischof, daß die Euthanasie von der belgischen Bevölkerung zunehmend akzeptiert werde, seit der Staat die Tötung alter und kranker Menschen nicht mehr bestrafe. Der Weg hin zur Befürwortung der Euthanasie habe mit sehr dramatischen und berührenden Fällen von Schwerkranken begonnen. Nachdem das kranke und alte Leben vom Gesetz nicht mehr geschützt sei, entstehe auf einmal ein großer Druck, neben dem außerordentlichen und „schockierenden“ auch den Wunsch nach Selbstmord als legitimen Tötungsgrund zuzulassen. Belgien war nach den Niederlanden das zweite Land der Welt, das den ärztlich geförderten Selbstmord legalisierte. Der Bischof berichtete bei der Pressekonferenz, daß viele belgische Ärzte verzweifelte Menschen in den Selbstmord schickten, ohne die lästigen, vom Gesetz vorgesehenen Formalitäten zu erfüllen.

Eine Gänsegeschichte

Ein Haufen schnatternder Gänse wohnt auf einem wunderbaren Hof. Sie veranstalten alle sieben Tage eine herrliche Parade. Das stattliche Federvieh wandert im Gänsemarsch zum Zaun, wo der beredtste Gänsereich mit ergreifenden Worten schnatternd die Herrlichkeit der Gänse dartut. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen, wie in Vorzeiten die Gänse mit ihrem mächtigen Gespann die Meere und Kontinente beflogen haben. Er vergaß nicht, dabei das Lob an Gottes Schöpfermacht zu betonen. Schließlich hat er den Gänsen ihre kräftigen Flügel und ihren unglaublichen Richtungssinn gegeben, dank deren die Gänse die Erdkugel überflogen. Die Gänse sind tief beeindruckt. Sie senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den wohlgenährten Körper, der noch nie den Boden verlassen hat. Sie watscheln auseinander, voll Lobes für die gute Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles. Fliegen tun sie nicht. Sie machen nicht einmal den Versuch. Sie kommen gar nicht auf den Gedanken. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut, der Hof ist sicher und ihr Leben bequem. (nach Sören Kierkegaard, † 1855, dänischer Protestant)
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