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Mittwoch, 12. September 2007 13:53
Die Angriffe wurden lange abgewehrt
„Wenn wir das Gebet ändern würden, sähe es aus, als hätte sich die Kirche bis jetzt geirrt“ – erklärte ein großer Papst zur Karfreitagsbitte für die Juden.
Karfreitagsliturgie im neuen Ritus
Karfreitagsliturgie im neuen Ritus
(kreuz.net, Vatikan) Die neukatholische britische Wochenzeitung ‘The Tablet’ befaßte sich Ende August mit zwei Änderungs- vorschlägen des Karfreitagsgebets für die Juden.

Der Text in ‘The Tablet’ stammt von Robert Mickens. Er faßt darin Studien verschiedener Historiker zusammen.

Ein Begehren Napeoleons
Der erste Angriff auf die Karfreitagsbitte erfolgte bereits Anfang des 19. Jahrhunderts.

Das berichtete die Mailänder Tageszeitung ‘Il Corriere della Sera’ Ende August. Die Tageszeitung beruft sich auf einen Aufsatz von Prälat Giuseppe Croce – einem Mitarbeiter des vatikanischen Archivs.

Prälat Croce erklärt, daß Napoleon Bonaparte († 1821) im Frühjahr 1808 nach seiner Eroberung der Toskana allen Kirchen der Region befahl, zwei liturgische Änderungen vorzunehmen.

Erstens sollte das Gebet für den Herrscher im Römischen Kanon durch ein Gebet für Napoleon ersetzt werden.

Papst Pius VII.
Papst Pius VII.
Zweitens erachtete er das Gebet für die Juden als schädlich. Deshalb verlangte er, das Adjektiv „treulos“ abzuschwächen.

Papst Pius VII. († 1823) erlaubte die erste Änderung und wehrte sich entschieden gegen die zweite: „Wenn wir das Gebet ändern würden, sähe es aus, als hätte sich die Kirche bis jetzt geirrt.“

Antrag der ‘Freunde Israels’
Ein Jahrhundert später, im Jahr 1928, verteidigte der Vatikan das uralte Gebet erneut.

Das geht aus Studien des deutschen Kirchengeschichtlers Hubert Wolf aus dem Jahr 2004 hervor.

Der Antrag auf Änderung des Karfreitagsgebets für die Juden stammte vom Verein ‘Amici di Israele’ – Freunde Israels.

Der Verein wurde im Januar 1926 auf Initiative einer jüdischen Konvertitin gegründet und wandte sich gegen einen angeblichen theologischen Antisemitismus.

Den ‘Freunden Israels’ gehörten 19 Kardinäle – unter ihnen der amtierende Kardinalstaatsekretär Pietro Gasparri († 1934) und der Münchner Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber († 1952) –, rund 300 Erzbischöfe und Bischöfe und 3.000 Priester an.

Die Ritenkongregation befürwortet Änderung
Papst Pius XI.
Papst Pius XI.
Papst Pius XI. überwies den Änderungsvorschlag an die Ritenkongregation.

Dort befaßte sich Abt Ildefons Schuster († 1954) vom römischen Benediktinerkloster St. Paul vor den Mauern mit der Frage.

Der exzellente Liturgiker unterstützte das Anliegen der ‘Freunde Israels’ vorbehaltlos.

Er berief sich in seinem Gutachten auf philologische Gründe: „Perfidus“ bedeute inzwischen etwas anderes als ursprünglich in der lateinischen Fassung. Damals habe es mit einem Defizit an Glauben zu tun gehabt. Nun höre man nur das Wort „perfide“.

Die Ritenkongregation sprach sich in der Folge für eine Änderung der Karfreitagsbitte aus.

Vor dem Heiligen Offizium
Damit ging der Vorschlag zur dogmatischen Überprüfung an das Heiligen Offizium – der heutigen Glaubenskongregation.

Zunächst befaßte sich der päpstliche Hoftheologe und Dominikanerpater Marco Sales mit dem Gutachten der Ritenkongregation.

Pater Sales sah in der Reform der Karfreitagsbitte keinen Nutzen.

Die ‘Freunde Israels’ seien eine private Vereinigung: „Wenn man nun die altehrwürdige, bis in die Antike zurückreichende heilige Liturgie auf die einfache Eingabe der einen oder anderen privaten Gesellschaft hin ändern würde, käme man zu keinem Ende.“

Als nächstes könnte irgendein römischer Verein fordern, den Namen von Pontius Pilatus aus dem Glaubensbekenntnis zu streichen – so der Dominikaner.

Er wies auch die philologischen Überlegungen Abt Schusters zurück. „Perfide“ werde gemeinhin der genannt, der das gegebene Wort oder den abgeschlossenen Vertrag bricht.“

Genau das werfe Gott selber den Juden in der Heiligen Schrift vor.

Kardinal Merry del Val als Staatsekretär Pius X.
Kardinal Merry del Val als Staatsekretär Pius X.
Im März 1928 beschäftigte sich der Sekretär des Heiligen Offiziums, Raffaele Kardinal Merry del Val († 1930), mit dem Änderungswunsch für die Karfreitagsbitte.

Kardinal Merry del Val war bis zum Tod des Heiligen Papst Pius X. († 1914) Staatssekretär und beherrschte mehr als sechzig Fremdsprachen.

Der Kirchenfürst erklärte, daß es einen Antisemitismus gäbe, der zu verurteilen sei. Aber was die ‘Freunde Israels’ wollten, sei nicht mehr die Konversion der Juden.

Der Antrag sei „völlig unakzeptabel, ja sogar unsinnig“. Die Liturgie sei durch Jahrhunderte inspiriert und geheiligt.

Sie bringe „die Abscheu für die Rebellion und den Verrat des erwählten, treubrüchigen und gottesmörderischen Volkes“ zum Ausdruck. Für den einzelnen Juden bestünde jederzeit die Möglichkeit, zur Kirche zu konvertieren.

Pius XI. besiegelte die Entscheidung des Heiligen Offiziums für den Erhalt der Karfreitagsbitte.

Die Antragsteller – die ‘Freunde Israels’ und Abt Schuster – mußten ihrem Irrtum vor dem Heiligen Offizium abschwören.

Gleichzeitig verbot Pius XI. die ‘Freunde Israels’ wegen anstößiger Äußerungen und „religiösem Indifferentismus“.

Abt Schuster wurde ein Jahr später, 1929, von Papst Pius XI. zum Erzbischof von Mailand ernannt und zum Kardinal kreiert. Im Jahr 1996 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Die erste Verstümmelung der Karfreitagsbitte geschah im Jahr 1962 durch den Seligen Papst Johannes XXIII.

Im Jahre 1959 ließ er in der Formulierung „pro perfidis Judaeis“ in seiner ersten Karfreitagsliturgie als Papst das Adjektiv „perfidus“ – zu Deutsch: treulos“ – einfach weg.

Im Meßbuch von 1962 verpflichtet er die ganze Kirche zu dieser Verkürzung.

© Titelbild: Daniel Kedinger, CC
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 50 Lesermeinungen:
Montag, 17. September 2007 09:53
Bokrug †: Christus im alten Testament bei Ezechiel und Henoch:Merkabah-Mystik
Anthropos: Christus als von Henoch vorhergesagter Messias…Dan 7, 4 ; Esra 13Anthropos: Im 2.Jh.v.Chr. wurde er im Judentum (Henoch) mit dem Messias identifiziert (aaO 142ff) und als Erstgeschaffener (Protoplast) mit Adam.(aaO 160) Die Degradierung vom Prototyp zum Protoplast fand schon bei den Zervanisten statt. – Colpe 1961,147,150,157 bezweifelt die Identifikation mit Marduk. Vieles an Krealings Theorie ist nicht historisch belegbar.
(385) Hartman 1953,33; Bousset 1907,160ff,238ff und Reitzenstein 1921,117-23,130-33 und 19273,418 verweisen auf Yasna 26,10 und 13,145 im Vergleich zu Dan 7, 4.Esra 13 und den Bilderreden des äth.Henoch 37-71. Ursprüngliche Abkunft des Menschensohnes von Gayômart vermuteten auch Bultmann, Das Evangelium des Johannes, KEK II, Göttingen16 (Vandenhoeck) 1959, 10-12 und Cullmann, Die Christologie des Neuen Testaments, Tübingen2 (Mohr) 1958, 141-54. Dagegen Colpe 1961,152f: Gayômart war nur Auferstehungserster, nicht, wie der Menschensohn (äth.Hen. 46-48;62f;69), Weltenrichter. »Menschensohn (und übrigens auch gnostischer Anthropos) können nicht als Endpunkte einer Geschichte begriffen werden, die der indoiranische Mythus aus sich entlassen hat; dazu fehlen die Zwischenglieder… Weder direkt noch auf dem Umweg über den Menschensohn sind für den gnostischen Urmenschen Aufschlüsse aus dem awestischen Gayômart zu erwarten.«

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Freitag, 14. September 2007 10:14
GerdEric: @Pünktchen
heisst es im kath. Glaubensbekenntnis nicht: „…an Gott und die … Kirche“?
Donnerstag, 13. September 2007 14:41
Bokrug †: @GerdEric:
@GerdEric:

Maria ist nur eine Analogie zum Heiligen Geist: Ruach Elohim. Sophia des AT. Sonnenfrau der Apokalypse.

>>>(Wissen Sie, das NT wurde geschrieben, auf dem Fundament des AT. Was im AT steht Menschen zu vermitteln, die das AT nicht kennen, davon nichts wissen (können), gleichzeitig das AT aber bei diesen zu difffamieren, ist – „unredlich“, lügen.)<<<

NT und diverse Apokryphen wurden geschrieben auf dem Fundament eines AT Kanons, der auch viele Bücher enthält (und enthalten hat) die heute bei den Juden als Apokryphen und Sondergut zählen (die aber tatsächlich auch im Mittelalter von der Kirche zum Lesen empfohlen wurden und werden).

>>>So wurde die christliche Welt christanisiert.
Es wurde vom Heiland erzählt (eine Hoffnung gab/gibt es in jeder Religion), es wurde vom Übel erzählt, es wurde Bezug genommen auf Vergangenes, aber es wurde dabie gelogen, verfälscht<<<

Gelogen und verfälscht haben wohl auch die Juden.

>>>Und deshalb kann es nur richtig sein, wenn man vom Messias erzählern will, dass man zuvor weiss, was der Sinn des Messias ist, nicht aber dass man erzählt, wer Jesus ist, und dann das Bild des Messias darauf hin „korrigiert“, bis dass man es so hat, wie man es haben will.<<<

Oder haben es etwa die Juden so gemacht?

Wollten sie etwa einen anderen Messias haben – nur für Juden? (Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker! Steht im AT).

Im AT kommt Christus als Anthropos bzw Antropos und Atropos oder auch Metat(h)ron und auch Melchsidek vor.

B
Donnerstag, 13. September 2007 14:34
Pünktchen: GerdEric
versucht sich als Hobby-Theologe:

die römisch-katholische Kirche behaupte, daß Gott ohne sie nichts sei!

Kommentar? Überflüssig!
Donnerstag, 13. September 2007 14:31
GerdEric: @Pünktchen
.chen: Ich sage: Jesus IST Gott, der Herr!

Das sagt aber noch nichts über den Anspruch der rkK aus, dass deren Gott ohne die rkK !nichts ist, denn das katholische Glaubensbekenntnis behauptet, dass die Gläubigen an ihren Gott !und die rkK zu glauben haben, beides zwingendes Dogma, somit entmündigt die rkK ihren Gott.
Donnerstag, 13. September 2007 14:26
Pünktchen: Gerdc Eric
Daß Gott, der Herr mehr ist als Prophetie, Königtum und Priestertum, mehr ist als die Thora: DAS war ja gerade die Botschaft Jesu. Und dieses „Mehr“ sei mit IHM, Jesus, und seiner Ankunft angebrochen. Das war ja gerade die für Zeitgenossen des Galiläers so „schockierende“ und verstörende Botschaft!

Ich sage: G’TT der HERR ist ALLES, Jesus ist nichts!

Ich sage: Jesus IST Gott, der Herr!
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