Heiliges Land
Druck aus den USA: Israel verhandelt angeblich wieder mit dem Heiligen Stuhl
Seit Jahren werden die vereinbarten Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der rechtsnationalistischen Regierung in Israel verschleppt. Die Kirche im Heiligen Land leidet unter vielfachen Schikanen durch den jüdischen Staat.
(kreuz.net, Washington) Die Verhandlungen zwischen Israel und dem Vatikan scheinen wieder in Gang zu kommen, nachdem sich die US-Bischofskonferenz mit einem scharfen Brief an die US-Außenministerin, Dr. Condoleeza Rice, gewandt hat. Das berichtete die katholische Nachrichtenagentur „AsiaNews“.

Die Verhandlungsparteien sollen sich am 15.-16. Februar treffen. Die letzte Zusammenkunft war von der rechtsnationalistischen Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon kurzfristig und ohne Angabe von Gründen abgesagt worden. Die katholische Kirche im Heiligen Land ist regelmäßigen Schikanen des jüdischen Staates ausgesetzt.

1993 unterzeichneten der Vatikan und die israelische Regierung eine sogenannte „Grundsatzvereinbarung“. Nachfolgende Verhandlungen hätten eine konkrete Implementierung ermöglichen sollen. Die Verhandlungen werden aber seit Jahren von der israelischen Regierung verschleppt.

In seinem sehr deutlichen Brief an die US-Außenministerin stellt der Präsident der US-Bischofskonferenz, Bischof William S. Skylstad, fest: „Eine Intervention der USA in dieser Angelegenheit ist entscheidend.“ Bischof Skylstad erinnert daran, daß die Verhandlungen auch im Juli 2004 nur aufgrund einer „starken Ermutigung“ der israelischen Regierung von Seiten der USA wieder aufgenommen worden seien. Israel hatte seine Delegation am 28. Dezember 2003 einseitig abgezogen.

Der Präsident der Bischofskonferenz fährt fort: „Leider ist die Wiederaufnahme der Gespräche zögerlich und sprunghaft geblieben.“ Die vatikanische Delegation habe auch den Eindruck bekommen, daß die israelischen Unterhändler nicht die nötigen Vollmachten besessen hätten, um die Unterredungen mit dem nötigen Ernst anzugehen.

In dem ungewöhnlich detaillierten und scharf formulierten Brief bringt die US-Bischofskonferenz zum Ausdruck, daß die USA eine besondere Verantwortung hätten, Israel zu ermutigen, seine Verpflichtungen dem Heiligen Stuhl gegenüber einzuhalten. Der Heilige Stuhl habe den Staat Israel auch in Übereinstimmung mit den Wünschen verschiedener US-amerikanischer Administrationen formell anerkannt und unterhalte jetzt mit ihm diplomatische Beziehungen.

Bischof Skylstad weist darauf hin, daß der Heilige Stuhl diesen Schritt in den Jahren 1993-1994 gesetzt habe, ohne eine vollständige Lösung der offenen Fragen, welche die Kirche betreffen, in der Hand zu haben. Der Heilige Stuhl habe damals den „Versprechungen“ der israelischen Regierung vertraut, daß diese Fragen in weiteren Verhandlungen angesprochen würden. Diese Verhandlungen seien aber von Israel verschleppt worden, wodurch es zu Verzögerungen und Unterbrechungen gekommen sei.

Grundlage für die gegenwärtigen Verhandlungen sind Rechte der Kirche, die auf die Zeit vor der Errichtung des Staates Israel durch ein UNO-Mandat zurückgehen. Dieses UNO-Mandat habe diese Rechte der Kirche ausdrücklich angesprochen und bekräftigt.

Die wichtigsten der offenen Fragen sind die Bestätigung der überlebenswichtige Steuerbefreiung, die der Kirche bisher gewährt wurde, und der Zugang der Kirche zu weltlichen Gerichten, um Dispute über den kirchlichen Besitz zu klären.

„Die Lösung dieser Fragen ist für die Sendung und das Leben der katholischen Kirche und auch für andere christliche Gemeinschaften im Heiligen Land überlebenswichtig“, erklärt der Präsident der US-Bischofskonferenz in seinem Brief. Eine gerechte Lösung dieser ernsthaften Sorgen sei auch für die interreligiösen Beziehungen in der Region und in der Welt von Bedeutung.

Der Brief der US-Bischöfe an Dr. Rice trägt das Datum vom 13. Januar 2005.

Es ist kein Geheimnis, daß das Weiße Haus und das US-Außenministerium, sowie wichtige Mitglieder der beiden parlamentarischen Kammern die Entwicklung der Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel sorgfältig beobachten.

Im Gefolge des Briefes der US-Bischöfe soll jetzt ein neues Datum für die unterbrochenen Verhandlungen anberaumt worden sein. Allerdings hat es dazu keine öffentliche Ankündigung, weder von Seiten des Vatikans noch von Israel, gegeben.
      
1 Lesermeinung
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#1   Rudolphus   19:26:13 | Freitag, 23. Dezember 2005
Brennendes Pulverfaß „Middle East“
Alleine die biblische Bedeutung des Hl. Landes.
Gebe Gott, daß uns ein blutiger Konflikt erspart bleibe. Hat uns nicht das 20. Jahrhundert – das blutigste – bereits genügt?
Redaktion benachrichtigen
Es wurde eine Lesermeinung von der Redaktion entfernt
Weiterlesen:
Heiliges LandEinmarsch in Jerusalem Heiliges LandRamallahs Pfarrer im Gespräch Heiliges LandEin Requiem für Arafat Heiliges LandArafat und die Katholische Kirche: Wer hat das Türschloß geklaut? Heiliges LandSchwere Schikanen gegen die Franziskaner in Jerusalem
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net