Alte Messe
Atemberaubende Kühnheit
„Das ist eine aufregende Zeit, um katholisch zu sein. Es sei denn, Sie sind ein Aufbruch-Zeitgeistler aus den 70er Jahren, der nicht sterben will.“
Kardinal Ratzinger in Wigratzbad, 1990
Kardinal Ratzinger in Wigratzbad, 1990
(kreuz.net) Mit einem Federstrich hat Papst Benedikt XVI. eine vierzigjährige Kampagne zur Ausrottung der Tridentinischen Messe beendet.

Das erklärte der britische Journalist Damian Thompson am 8. September in einem Kommentar für die konservative britische Wochenzeitung ‘The Spectator’.

Thompson weiß, daß die feierlichen Rubriken des Alten Ritus von liberalen Bischöfen mit Verachtung betrachtet werden.

Doch mit seinem jüngsten Schritt habe der Papst angedeutet, daß die Liturgie der Kirche – „die seit dem Zweiten Vatikanum müde und trostlos geworden ist“ – an der Schwelle einer Erneuerung steht.

Thompsons Konklusion: „Das ist eine aufregende Zeit, um katholisch zu sein. Es sei denn, sie sind ein Aufbruch-Zeitgeistler aus den 70er Jahren, der nicht sterben will.“

In den Jahren seiner Kindheit – so Thompson – sei ihm beigebracht worden, daß der Neue Ritus den Alten völlig ersetzt habe:

„Die einzigen Leute, die an der Tridentinischen Messe teilnahmen, waren grimmige alte Leute mit Hüten und Mänteln aus Kammgarn, die finster über die babylonische Gefangenschaft des Papsttums murmelten.“

Er selber habe über die Alte Messe nur zwei Dinge gewußt: daß sie vom Priester mit dem Rücken zum Volk gelesen wurde – „wie unanständig“ – und daß die meisten Priester, die sie zelebrierten, Anhänger des rebellischen französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre waren.

Diese Leute waren unerklärlicherweise der Tridentinischen Messe und ihren wunderlichen Riten verbunden: die komplizierten choreographischen Verneigungen, Kniebeugen, und Kreuze des Zelebranten, das „heilige Gemurmel“ des Kanons.

Dagegen wurde die Neue Messe vom Priester zum Volk hin und fast immer auf Englisch gehalten: „Sie war für jedermann, auch für solche, die sich gar nicht mochten.“

Trotz einiger Lockerungen des Verbotes der Alten Messe durch Johannes Paul II. habe der Papst den letzten Entscheid über sie in die Hände der Ortsbischöfe gelegt:

„Viele von ihnen zeigten eine empörende Niederträchtigkeit, wenn es darum ging, die neuen Bestimmungen zu verstehen. Der vielbeschäftigte und kranke Johannes Paul II., der vom Tridentinischen Ritus nicht besonders viel hielt, ließ sie walten.“

Die Lage änderte sich in Großbritannien langsam. In den letzten Jahren „zog die Alte Messe eine wachsende Anzahl loyaler junger Katholiken an, die sich auf der Flucht vor geriatrischen »Gottesdienstvorstehern« befanden“.

Doch in vielen englischen Diözesen sei es immer noch leichter gewesen, ein Hexennest aufzutreiben als eine traditionelle Messe:

„Besonders deprimierend war, daß der einzige Kurienkardinal, dem diese Dinge wirklich ein Anliegen waren, kurz vor seiner Pensionierung stand. Doch dann ging er nicht in Pension: Er wurde statt dessen Papst und gab die Alte Messe frei.“

„Das war ein Schritt von atemberaubender Kühnheit.“

Die Feinde der Alten Messe seien davon so schockiert gewesen, daß sie jetzt die Existenz des Motu Proprios entweder ganz leugnen oder seinen Inhalt verfälscht darstellen.

Am meisten ergötzt sich Thompson daran, daß der ehemalige Tridentinische Ritus jetzt ausgerechnet nach jenem Papst benannt wird, der das Zweite Vatikanum einberief:

„Warum nicht? Das war die einzige Messe, die er gekannt hat.“

Der Papst will – so Thompson – mit seinen liturgischen Bestimmungen die „liturgische Zänkerei“ der Vergangenheit überwinden.

Er wisse, daß die große Mehrheit der Katholiken einen nationalsprachlichen Gottesdienst wolle:

„Aber er weiß auch um die Gruppierungen, die das Meßbuch von Johannes XXIII. benützen und zu den blühendsten der universalen Kirchen gehören.“

Das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ hat nach Thompson den Schleier niedergerissen, der den Alten vom Neuen Ritus trennte.

Jetzt gehe es darum, die sozialen Barrieren zu überwinden:

„Damit das geschieht, dürfen sich die ehemaligen Traditionalisten nicht länger für die spirituelle Elite halten. Und die ehemaligen Liberalen sollen ihr Auge auf die erstaunlichen Schätze richten, welche dieser größte der modernen Päpste vom Abfallhaufen zurückgeholt hat.“
      
18 Lesermeinungen
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#18   obelix †   23:21:01 | Sonntag, 16. September 2007
als methusalix @F. Geyer
Florian Geyer: methualix
mesch bleibt mensch und idiot bleibt idiot, egal ob vor 500 jahren, 100 jahren oder 2000 jahren: –> siehe barabbas, judas, arianus, luther, feuerbach, m marx horkheimer, marcuse, boff oder eben methusalix !
Das ist nun wirklich zu viel der Ehre, die Sie mir da angedeihen lassen, F. Geyer! Mich in eine Reihe mit den Geistesriesen Deutscher Nation zu stellen habe ich nun, zumindest als Naturwissenschaftler, nicht erdient. Trotzdem danke für den Versuch.
PS: In den Himmel kann ich, laut Aussage einiger Reaktionärkatholiken auch nie kommen, weil ich „Kinderschlächter“ sein soll. Also ist der Vergleich mit Barabbas auch falsch. So viele Schnitzer in so wenig Worten; o^/ echt traditionell Katholisch!
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#17   Florian Geyer   22:13:36 | Sonntag, 16. September 2007
gotthard
andere länder andere sitten – so ist das nunmal. in der allumfassenden katholischen kirche findet jede kulturelle ausprägungsnorm ihren platz. dass gottesdienst in afrika kulturell begründet eine differente ausprägungsgestalt heben ist durchaus normal das tanzen hüpfen und singen liegt dem volk ja im blut und das soll auch so sein da jedes volk an sich ein gedanke gottes ist und Ihn auch brauchtumsgemäß verehrt. aber im abendläundischen mitteleuropa haben wir unser eigenes brauchtum und brauchen keine bauchtänze und buschtrommeln.
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#16   Gotthard   22:07:25 | Sonntag, 16. September 2007
mal raus aus eurem Sumpf!
hier mal eine Äußerung eines afrikanischen Priesters aus Burundi, der in Deutschland studiert hat:
Du wurdest dann hier mit einer für dich völlig fremden Mentalität konfrontiert. Wie war es für dich, zum Beispiel in …, Gottesdienst mit getragener Orgelmusik und ernstem Gesicht zu feiern: Bei euch sind Messen doch viel fröhlicher.
Raffael: Ich habe mich schon gewundert und mir dann gedacht, wenn das den Leuten gut tut, dann sollen sie das so machen. Ich bin offen für neue Erfahrungen. Aber eigentlich haben die Leute bei euch doch allen Grund, sich bei den Gottesdiensten auch zu bedanken, da könnten sie schon fröhlicher sein im Gottesdienst. Besonders für die Jugendlichen könnte die Kirche bei euch aus meiner Sicht lebendiger gestaltet werden, aber das wird ja bei manchen Gottesdiensten auch so gemacht.
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#15   Bokrug †   16:39:48 | Sonntag, 16. September 2007
Na…
…der Luther hat aber auch wahre Sachen geschrieben…
Gegen den Zinswucher.
Über die Gewissens-Freiheit.
Lesemepfehlungen:
„Wer hat Angst vor Silvio Gesell?“
www.michael-musil.de/…ermann/leseprobe.htm
Gustav Ruhland, Volkswirt
www.vergessene-buecher.de
Warum denn entweder oder…warum entweder sozial und oder spirituell…???
Warum nicht sozial und spirituell und moralisch…?
www.artfond.de/geldseite
www.berndsenf.de
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#14   Florian Geyer   16:32:24 | Sonntag, 16. September 2007
methualix
mesch bleibt mensch und idiot bleibt idiot, egal ob vor 500 jahren, 100 jahren oder 2000 jahren: –> siehe barabbas, judas, arianus, luther, feuerbach,m marx horkheimer, marcuse, boff oder eben methusalix !
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#13   Bokrug †   16:24:00 | Sonntag, 16. September 2007
Schön wäre es…
>>>Demnächst werden sie entdecken, dass es gar keine Hexen und Dämonen gibt<<<
Zumindest letzteres wäre sehr schön…leider gibt es Dämonen, und sie wirken gerade über die schon in den mittelalterlichen Hanse-Städten anzutreffenden Kaufmanns-Logen der Freimaurei. Die arroganten Grossbürger und Patrizier…auch der Fugger, der dem Ordo Bucintoro bzw. Bucentauro in Venedig beitrat war so ein Beispiel…!
www.artfond.de/geldseite
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#12   methusalix †   16:03:50 | Sonntag, 16. September 2007
Ja ja, die Jugend von heute!
Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.
Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte.
Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn ältere das Zimmer betreten.
Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
(Sokrates, gr. Philosoph, 470-399 v.Chr.)
Das üble an dem Spruch ist, dass die erzreaktionären stockkonservativen Katholiken das seit zweitausend Jahren wissen, aber erst heute draufkommen. Nach zweituasend Jahren. Was lernt uns das? Die erzreaktionären und stockkonservativen Katholiken laufen der Zeit seit zweitausend Jahren hinterher.
Demnächst werden sie entdecken, dass es gar keine Hexen und Dämonen gibt. Das ist doch schon was. Es besteht Hoffnung. Sogar für die!
O:)
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#11   r.ruhrgebietler   20:13:42 | Samstag, 15. September 2007
Es lebe der Papst B-XVI
und die hhlg. trid. Opfermesse!
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#10   Horst Metzker   14:28:25 | Samstag, 15. September 2007
Ja auch ich bin ein Aufbruch-Zeitgeistler,
der nicht nur, nicht so schnell sterben will. Doch wie sagte mein alter Freund und herausragende bayrische Philosoph und wegweisender Vordenker Karl Valentin schon: „Ja die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war!“ Doch wußte vor ca. 2.400 Jahren ein gewisser, mit mir Verwandter in Griechenland namens Plato schon, dass die Jungend heut’ zu Tage, also damals, keinen Anstand hat, nicht grüßt, und nur herumhängt, etc. Es hat sich also nichts geändert, es sei denn, die Bestrafung des anders Denkenden, bzw. seine Liquiditierung. Jesus würde in unserer Zeit überleben.
Als 1835 der schwarze Adler von Nürnberg nach Fürth seine Funken und Rauch versprüte, war es für viele Religiöse ein Zeichen den Kreuzes. Wenn ZJs nach einem misslungenen „Bibelstudium“ keinen Erfolg erkennen können, hat man seine Perlen vor die Säue geworfen.
Jedoch liebe Freunde hütet Euch, vor Katalogisierungen der christlichen Werte, und vor allen Dingen, Riten.
Gott weiß um die Gefühle und Wertschätzung derer die egal wie auch immer, ihn verehren. Da braucht er kein Ratschläge weder von „tridentinischen“ noch „römischen“ Christen.
Deshalb sind die ganzen Artikel die zu dem Thema jemals geschrieben wurden, noch geschrieben werden, völlig überflüssig, bzw. Gott beleidigend, kennt er doch, seine „Pappenheimer.“
Schönen Sonntag, Horst Metzker.
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#9   Artois †   09:15:23 | Samstag, 15. September 2007
@Lingen
Von Sedisvakanz kann keine Rede sein. Zumindest können Sie das nicht wissen. Woher auch …
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#8   maliems   01:15:25 | Samstag, 15. September 2007
sediiiiis
welche Sedisvakanz?
(ich dachte, da gibt es einen obskuren gregor den soundsovielten. naja. vergiss et, jung…)
die Kirche ist nicht das Judentum, das ohne Tempel leben muss.
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#7   Pater Lingen   23:38:37 | Freitag, 14. September 2007
Aufregend katholisch?
Nun ja, seit Beginn der großen Sedisvakanz stehen Katholiken tatsächlich vor Problemen, die in dieser Weise und Intensität einiges abverlangen.
Man muss sich als katholischer Priester Vorwürfe gefallen lassen für die vermeintlichen „Verbrechen der Kirche“ wie Kinderschändungen, Ökumene, Anbiederung an die Juden usw. usf.
Nicht jeder ist bereit, mal genauer hinzuschauen, was nun wirklich Sache ist.
Dann kommen die ganzen Verfolgungen, die Christus so eindringlich angekündigt hat: Man wird euch den Gerichten ausliefern; ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; die euch töten, werden meinen, damit Gott einen heiligen Dienst zu erweisen…
Aber man sollte auch heute in diesem perfiden Verwirrspiel nicht den Mut verlieren, sondern an der Wahrheit festhalten und sie weitertragen.
„Die erste, die selbstverständlichste Liebesgabe des Priesters an seine Umwelt ist der Dienst an der Wahrheit und zwar der ganzen Wahrheit, die Entlarvung und Widerlegung des Irrtums, gleich in welcher Form, in welcher Verkleidung, in welcher Schminke er einherschreiten mag. Der Verzicht hierauf wäre nicht nur ein Verrat an Gott und Eurem heiligen Beruf, er wäre auch eine Sünde an der wahren Wohlfahrt Eures Volkes und Vaterlandes“ (Papst Pius XI., Enzyklika „Mit brennender Sorge“, 1937).
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#6   Junonian   23:19:02 | Freitag, 14. September 2007
@alllegutgläubigen
Danke Papst Benedikt XVI.!
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#5   Gotthard   17:50:51 | Freitag, 14. September 2007
Klasse!
Diese Leute waren unerklärlicherweise der Tridentinischen Messe und ihren wunderlichen Riten verbunden: die komplizierten choreographischen Verneigungen, Kniebeugen, und Kreuze des Zelebranten, das „heilige Gemurmel“ des Kanons.
eine tolle Beschreibung des Ritus…
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#4   Maurice Corvisier   17:35:50 | Freitag, 14. September 2007
Vielen Dank für die Erläuterungen, semper reformandus,
jetzt ist der Artikel gleich noch amüsanter und informativer!
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#3   semper reformandus   17:30:43 | Freitag, 14. September 2007
in der Tat ein schöner Text, …
… auch wenn das Original noch mehr Spaß macht:
„The only people who attended the Tridentine Mass were hatchet-faced old men wearing berets and gabardine raincoats, who muttered darkly about Satan’s capture of the papacy“
sind nicht einfach Männer mit „Hüten“ etc., sondern treffend übersetzt solche mit Baskenmützen und Gaberdin-Regenmänteln, also spießige Sonderlinge, die – und das ist im Londoner Milieu aus Sicht des Autors wichtig – nicht gesellschaftsfähig sind. Wer das heutige London kennt weiß aber, dass die dortigen „gesellschaftsfähigen“ Katholiken sich – schon seit Jahren und zunehmend – jeden Sonntag zum Hochamt im Brompton Oratory einfinden, in dem sogar der NOM so zelebriert wird, dass man ihn von der „alten Messe“ kaum unterscheiden kann … dort trifft man keine „Baskenützen“, sondern Covertcoats und Tweedjackets. „Tradi“-Sein ist hier inzwischen „cool“. Diesen Geist atmet der ganze Artikel. Amüsant.
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#2   Maurice Corvisier   17:28:47 | Freitag, 14. September 2007
„… dieser größte der modernen Päpste…“:
Kein Zweifel.
Einverstanden.
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#1   Karl Rahna   15:52:48 | Freitag, 14. September 2007
Nanu?
Einmal ein wirklich schöner Text auf dieser Seite!
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