15:20:50 | Freitag, 14. September 2007
„Das ist eine aufregende Zeit, um katholisch zu sein. Es sei denn, Sie sind ein Aufbruch-Zeitgeistler aus den 70er Jahren, der nicht sterben will.“

Kardinal Ratzinger in Wigratzbad, 1990
(kreuz.net) Mit einem Federstrich hat Papst Benedikt XVI. eine vierzigjährige Kampagne zur Ausrottung
der Tridentinischen Messe beendet.
Das erklärte der britische Journalist Damian Thompson am 8. September
in einem Kommentar für die konservative britische Wochenzeitung ‘The Spectator’.
Thompson weiß, daß
die feierlichen Rubriken des Alten Ritus von liberalen Bischöfen mit Verachtung betrachtet werden.
Doch
mit seinem jüngsten Schritt habe der Papst angedeutet, daß die Liturgie der Kirche – „die seit dem Zweiten
Vatikanum müde und trostlos geworden ist“ – an der Schwelle einer Erneuerung steht.
Thompsons Konklusion:
„Das ist eine aufregende Zeit, um katholisch zu sein. Es sei denn, sie sind ein Aufbruch-Zeitgeistler
aus den 70er Jahren, der nicht sterben will.“
In den Jahren seiner Kindheit – so Thompson – sei ihm beigebracht
worden, daß der Neue Ritus den Alten völlig ersetzt habe:
„Die einzigen Leute, die an der Tridentinischen
Messe teilnahmen, waren grimmige alte Leute mit Hüten und Mänteln aus Kammgarn, die finster über die
babylonische Gefangenschaft des Papsttums murmelten.“
Er selber habe über die Alte Messe nur zwei Dinge
gewußt: daß sie vom Priester mit dem Rücken zum Volk gelesen wurde – „wie unanständig“ – und daß
die meisten Priester, die sie zelebrierten, Anhänger des rebellischen französischen Erzbischofs Marcel
Lefebvre waren.
Diese Leute waren unerklärlicherweise der Tridentinischen Messe und ihren wunderlichen
Riten verbunden: die komplizierten choreographischen Verneigungen, Kniebeugen, und Kreuze des Zelebranten,
das „heilige Gemurmel“ des Kanons.
Dagegen wurde die Neue Messe vom Priester zum Volk hin und fast immer
auf Englisch gehalten: „Sie war für jedermann, auch für solche, die sich gar nicht mochten.“
Trotz
einiger Lockerungen des Verbotes der Alten Messe durch Johannes Paul II. habe der Papst den letzten Entscheid
über sie in die Hände der Ortsbischöfe gelegt:
„Viele von ihnen zeigten eine empörende Niederträchtigkeit,
wenn es darum ging, die neuen Bestimmungen zu verstehen. Der vielbeschäftigte und kranke Johannes Paul
II., der vom Tridentinischen Ritus nicht besonders viel hielt, ließ sie walten.“
Die Lage änderte sich
in Großbritannien langsam. In den letzten Jahren „zog die Alte Messe eine wachsende Anzahl loyaler junger
Katholiken an, die sich auf der Flucht vor geriatrischen »Gottesdienstvorstehern« befanden“.
Doch in
vielen englischen Diözesen sei es immer noch leichter gewesen, ein Hexennest aufzutreiben als eine traditionelle
Messe:
„Besonders deprimierend war, daß der einzige Kurienkardinal, dem diese Dinge wirklich ein Anliegen
waren, kurz vor seiner Pensionierung stand. Doch dann ging er nicht in Pension: Er wurde statt dessen
Papst und gab die Alte Messe frei.“
„Das war ein Schritt von atemberaubender Kühnheit.“
Die Feinde
der Alten Messe seien davon so schockiert gewesen, daß sie jetzt die Existenz des Motu Proprios entweder
ganz leugnen oder seinen Inhalt verfälscht darstellen.
Am meisten ergötzt sich Thompson daran, daß
der ehemalige Tridentinische Ritus jetzt ausgerechnet nach jenem Papst benannt wird, der das Zweite Vatikanum
einberief:
„Warum nicht? Das war die einzige Messe, die er gekannt hat.“
Der Papst will – so Thompson –
mit seinen liturgischen Bestimmungen die „liturgische Zänkerei“ der Vergangenheit überwinden.
Er wisse,
daß die große Mehrheit der Katholiken einen nationalsprachlichen Gottesdienst wolle:
„Aber er weiß
auch um die Gruppierungen, die das Meßbuch von Johannes XXIII. benützen und zu den blühendsten der
universalen Kirchen gehören.“
Das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ hat nach Thompson den Schleier
niedergerissen, der den Alten vom Neuen Ritus trennte.
Jetzt gehe es darum, die sozialen Barrieren zu
überwinden:
„Damit das geschieht, dürfen sich die ehemaligen Traditionalisten nicht länger für die
spirituelle Elite halten. Und die ehemaligen Liberalen sollen ihr Auge auf die erstaunlichen Schätze
richten, welche dieser größte der modernen Päpste vom Abfallhaufen zurückgeholt hat.“
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