1994 wurden in Ruanda 800.000 Menschen in 100 Tagen umgebracht, während der Rest der Welt unbeteiligt zuschaute. Ruanda ist ein armes katholisches Land in Zentralafrika, das kein Erdöl und keinen internationalen Einfluß besitzt.
(kreuz.net, Kigali) Nach dem Zweiten Weltkrieg, als das ganze Ausmaß des jüdischen Holocaust offenbart
wurde, sagt die Welt: „Nie wieder!“. Das „Nie“ dauerte fünfzig Jahre.
1994 begann in Ruanda eine extremistische
Regierung der Hutu-Mehrheit mit einer systematischen Abschlachtung der wirtschaftlich und politisch einflußreichen
Tutsi-Minderheit. 800.000 Menschen wurden in drei Monaten niedergemacht. Die Welt schaute zu.
Viele Bewohner
Ruandas, die miterlebten, wie die UNO-Truppen im Jahr 1994 den unbeschreiblichen Schlächtereien tatenlos
zuschauten, bezweifeln, daß die Welt heute anderes handeln würde, berichtet ein Reporter der BBC.
Tom
Ndahiro, ein Vertreter der „Menschenrechtskommission“ von Ruanda erklärt, daß die westlichen Staaten
immer noch nicht bereit seien, Völkermorde in afrikanischen Staaten zu verhindern, solange nicht das
eigene nationale Interesse auf dem Spiel stehe.
Dagegen habe der Westen, nach den Worten eines anderen
Beobachters, kein kleines Interesse, Waffen nach Afrika zu verkaufen, wodurch solche Katastrophen erst
möglich würden.
Als sich der Völkermord in Afrika ereignet, habe im Westen die Meinung vorgeherrscht,
daß es sich hier nur um bedeutungslose Neger handle, die in irgendwelche Stammeskonflikte und ethnische
Streitereien verwickelt seien.
Auf einem Hügel in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, steht eine Erinnerungsstätte
für die 800.000 Menschen, die im Völkermord von 1994 ums Leben kamen. Massengräber, die es in der Gegend
überall gibt, enthalten insgesamt ungefähr 250.000 Tote.
In einem speziell errichteten Gebäude werden
Besucher über die Greuel aufgeklärt, die sich 1994 ereigneten. Die permanente Ausstellung gedenkt aber
nicht nur der frischen Wunden des eigenen Völkermordes. Andere Genozide der Vergangenheit werden ebenfalls
präsentiert, so der Völkermord der Hereros in Namibia, der Armenier in der Türkei und der Juden im
nationalsozialistischen Deutschland.
Die Ausstellung zeige, stellte eine Besucherin fest, wie die Nationalsozialisten
damit begannen, Menschen auszugrenzen und ihre Nasen und Augen zu messen, um die Andersartigkeit von Menschen
zu beweisen: „In Ruanda hat man das gleiche gemacht, als man die Tutsis tötete. Man maß ihre Nasen,
Augen und Körpergröße. Das ist alles sehr ähnlich.“
Die Tutsis wurden in Ruanda wegen ihrer rassischen
Identität systematisch eliminiert.
Die Organisatoren der Erinnerungsstätte in Kigali unterrichten die
neuen Generationen von Ruanda und hoffen auf diese Weise beizutragen, daß das Versprechen „Nie wieder!“
das nächste Mal wirklich gehalten wird.
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