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Montag, 31. Januar 2005 09:59
Ruanda erinnert sich an seinen Holocaust
1994 wurden in Ruanda 800.000 Menschen in 100 Tagen umgebracht, während der Rest der Welt unbeteiligt zuschaute. Ruanda ist ein armes katholisches Land in Zentralafrika, das kein Erdöl und keinen internationalen Einfluß besitzt.
(kreuz.net, Kigali) Nach dem Zweiten Weltkrieg, als das ganze Ausmaß des jüdischen Holocaust offenbart wurde, sagt die Welt: „Nie wieder!“. Das „Nie“ dauerte fünfzig Jahre.

1994 begann in Ruanda eine extremistische Regierung der Hutu-Mehrheit mit einer systematischen Abschlachtung der wirtschaftlich und politisch einflußreichen Tutsi-Minderheit. 800.000 Menschen wurden in drei Monaten niedergemacht. Die Welt schaute zu.

Viele Bewohner Ruandas, die miterlebten, wie die UNO-Truppen im Jahr 1994 den unbeschreiblichen Schlächtereien tatenlos zuschauten, bezweifeln, daß die Welt heute anderes handeln würde, berichtet ein Reporter der BBC.

Tom Ndahiro, ein Vertreter der „Menschenrechtskommission“ von Ruanda erklärt, daß die westlichen Staaten immer noch nicht bereit seien, Völkermorde in afrikanischen Staaten zu verhindern, solange nicht das eigene nationale Interesse auf dem Spiel stehe.

Dagegen habe der Westen, nach den Worten eines anderen Beobachters, kein kleines Interesse, Waffen nach Afrika zu verkaufen, wodurch solche Katastrophen erst möglich würden.

Als sich der Völkermord in Afrika ereignet, habe im Westen die Meinung vorgeherrscht, daß es sich hier nur um bedeutungslose Neger handle, die in irgendwelche Stammeskonflikte und ethnische Streitereien verwickelt seien.

Auf einem Hügel in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, steht eine Erinnerungsstätte für die 800.000 Menschen, die im Völkermord von 1994 ums Leben kamen. Massengräber, die es in der Gegend überall gibt, enthalten insgesamt ungefähr 250.000 Tote.

In einem speziell errichteten Gebäude werden Besucher über die Greuel aufgeklärt, die sich 1994 ereigneten. Die permanente Ausstellung gedenkt aber nicht nur der frischen Wunden des eigenen Völkermordes. Andere Genozide der Vergangenheit werden ebenfalls präsentiert, so der Völkermord der Hereros in Namibia, der Armenier in der Türkei und der Juden im nationalsozialistischen Deutschland.

Die Ausstellung zeige, stellte eine Besucherin fest, wie die Nationalsozialisten damit begannen, Menschen auszugrenzen und ihre Nasen und Augen zu messen, um die Andersartigkeit von Menschen zu beweisen: „In Ruanda hat man das gleiche gemacht, als man die Tutsis tötete. Man maß ihre Nasen, Augen und Körpergröße. Das ist alles sehr ähnlich.“

Die Tutsis wurden in Ruanda wegen ihrer rassischen Identität systematisch eliminiert.

Die Organisatoren der Erinnerungsstätte in Kigali unterrichten die neuen Generationen von Ruanda und hoffen auf diese Weise beizutragen, daß das Versprechen „Nie wieder!“ das nächste Mal wirklich gehalten wird.
1 Lesermeinung:
Montag, 28. Februar 2005 16:39
GerdEric: Wie war da eigentlich die Rolle
der katholischen Kirche?
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