13:37:01 | Dienstag, 18. September 2007
Die ersten Pioniere haben sich bereits versammelt, um sich in das Geheimnis der Alten Messe einführen zu lassen.
(kreuz.net, Herzogenrath) In der Pfarrei Herzogenrath – nördlich von Aachen – hat die Stunde derer geschlagen,
denen die Alte Messe lieb und teuer ist. Das berichtete Christoph Hahn kürzlich in der ‘Aachener Zeitung’.
18 Priester, Scholasänger und Meßdiener
fanden sich auf Einladung der Laienvereinigung Pro Missa Tridentina
und des Kirchenmusik-Verbandes Sinfonia Sacra in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt und angrenzenden Räumen
zusammen, um sich die Alten Riten wieder anzueignen.
Die Begegnung mit diesen Katholiken hat den Journalisten
Christoph Hahn gelehrt, mit so manchem Klischee aufzuräumen:
„Weder sind die Menschen, die sich im Schatten
der neobarocken Marienkirche versammeln, ein Häuflein verbissener Streiter für das Gestern, die das
Lachen verlernt haben, noch versuchen sie, sich in einer liturgischen Zeitkapsel gegen das Heute und seine
Fährnisse abzuschotten.“
Schulung in Herzogenrath

© pro-missa-tridentina.org

© pro-missa-tridentina.org

©
pro-missa-tridentina.org

© pro-missa-tridentina.org

© pro-missa-tridentina.org

© pro-missa-tridentina.org
Den Teilnehmern sei wichtig und heilig, was über die Grenzen der Zeit hinausgeht und gegenüber dem Auf
und Ab der Moden säure- und hitzebeständig ist:
„Durch starke Ideale und ein oft jahrelanges Engagement
miteinander verbunden, werden Seminare wie das in Herzogenrath und andere Treffen von einem ausgeprägten
Gefühl der Zusammengehörigkeit gekennzeichnet.“
Journalist Hahn erkennt rund um St. Marien in Herzogenrath
das Gefühl eines „geistlichen Aufbruchs“:
„Frühling im Spätsommer – dieses Gefühl trägt die 18 Kursteilnehmer,
von denen viele, auch und gerade die Geistlichen, jung sind.“
An der Veranstaltung kamen ganz verschiedene
Leute zusammen – der Mönchengladbacher Rechtsanwalt Norbert Peter Brüggen, ein leidenschaftlicher Gregorianik-Sänger,
und der in der gleichen Stadt lebende Pfarrer und Kolping-Diözesanpräses, Hw. Franz-Karl Bohnen.
Auch
dessen Herzogenrather Amtsbruder Hw. Guido Rodheudt nahm am Seminar teil und reiht sich in die von Dr.
Michael Tunger von Sinfonia Sacra geleitete Choralschola ein.
Josef Schreiber, der Küster der Kirche,
ließ sich als Ministrant im klassischen Ritus schulen.
Anwesend waren auch zwei Priester aus Westfalen –
der Kirchenrechtler und Latinist Hw. Gero Weishaupt, sowie ein Neupriester, der den übrigen Teilnehmern
in einer Übungspause den Primizsegen spendete.
Aus den Niederlanden reist Hw. Harry van der Vegt an,
der elf Pfarreien zwischen den Städten Zwolle und Deventer – etwa hundert Kilometer nördlich von Amsterdam –
betreut.
Das Training der Priester und Meßdiener übernahmen Pater Miguel Stegmaier von der Kölner
Priesterbruderschaft, ein Chilene mit bayerischen Vorfahren, sowie der schwäbische Subdiakon Dieter Biffart.
Der Theologe und Kirchenmusiker Michael Tunger lehrte die Finessen des gregorianischen Chorals.
Pater
Stegmaier erklärte nicht nur die äußere Form der Riten:
„Verstehen, glauben und tun: Das geht hier
zusammen – weil es so dargestellt wird, daß auch der nicht Geweihte ohne Theologie-Studium einen Zugang
findet.“
Nach den Referaten zogen die Teilnehmer in die Kirche. Dort lernten sie Schritt um Schritt den
Ablauf der Alten Messe.
Pater Stegmaier und Hw. Reinecke, Liturgiewissenschaftler und Schüler des Regensburger
Liturgikers Prälat Klaus Gamber, führten ihre Mitbrüder behutsam an den Alten Ritus heran:
„Denn mögen
die lernwilligen Priester auch noch so engagiert in die Materie einsteigen – die Messe in dieser Form
müssen sie erst noch lernen. Sie ist für die Geistlichen Neuland“ – so Hahn.
Das Seminar dokumentierte
zugleich die Freude von Katholiken, die sich in ihre Liebe zur überlieferten Liturgie und der damit zusammen
hängenden Frömmigkeit von Papst Benedikt bestärkt fühlen.
Die Annäherung an die Alte Liturgie wurde
vom Stundengebet unterbrochen, das wie die Messen auf Latein gehalten wurde.
Der Journalist der ‘Aachener
Zeitung’ zeigt sich beeindruckt:
„Rasch wird deutlich, wie reich in ihrem Spektrum des Ausdrucks die
Eucharistie sein kann: einerseits die in ihrer meditativen Versunkenheit berührenden stillen Messen einzelner
Priester, andererseits die glänzende, Augen und Seele nährende Pracht des von Pfarrer van der Vegt zelebrierten,
von gregorianischem Gesang und etlichen Schwüngen Weihrauch begleiteten Hochamts zum Abschluß.“
Er
ist überrascht: „Mag auch den romtreuen Traditionalisten selbst noch während der aktuellen Debatten
der Wind kräftig ins Gesicht blasen – diese Katholiken wirken deshalb nicht etwa verbissen und lassen
jede militante Rhetorik vermissen.“
Hw. Reinecke, warnte davor, „eine Messe gegen die andere auszuspielen“.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.