Missionsbischof: Einmal wollte ihm ein Einheimischer seine Frau schenken
Bischof Johannes Jobst wird bald seinen 85. Geburtstag feiern. Der gebürtige Deutsche wirkte als Missionsbischof in Australien. Eigentlich wäre er lieber in seiner bayrischen Heimat geblieben.
(kreuz.net, Tirol) Die „Tiroler Tageszeitung“ berichtete in ihrer Freitagausgabe von den Erfahrungen des
inzwischen in Österreich weilenden Missionsbischofs Johannes Jobst. Der Pallottiner-Missionar, der in
Australien wirkte, wurde von den einheimischen Aborigines liebenswürdig „Pater Bischof“ genannt. Der
gebürtige Bayer feiert in wenigen Tagen sein 85. Geburtstagsjubiläum.
Johannes Jobst wurde am 4. Februar
1920 in Bayern geboren. Eigentlich wollte er in seiner Heimat bleiben, gestand der Pallottiner Missionar.
Doch Gott fügte es anders. Schon ein Jahr nach seiner Priesterweihe wurde er als 31-jähriger nach Sydney
geschickt, um ein Noviziat aufzubauen.
Sieben Jahre später sei der apostolische Nuntius gekommen und
habe gesagt, daß man in Westaustralien einen Bischof brauche: „Ich habe keine Erfahrung“, habe Pater
Jobst eingewendet. „Doch weil ich zugegeben hatte, der Sache nicht gewachsen zu sein, glaubte der Nuntius,
ich sei der richtige.“
Mit 38 Jahren übernahm Pater Jobst als Apostolischer Vikar das Missionsgebiet
Kimberley. Kimberley ist ein dünn besiedeltes Gebiet von 773.000 Quadratkilometern Fläche im Norden
von Westaustralien. Zum Vergleich: Die Schweiz umfaßt 41.000 Quadratkilometer. Ein „Apostolischer Vikar“
verwaltet ein pastorales Gebiet, das wegen besonderer Umstände noch nicht zur Diözese erhoben ist. Er
besitzt die Rechte aber nicht notwendigerweise die Weihen eines Bischofs.
Mit 46 Jahren wurde Pater Jobst
zum Oberhirten der Diözese Broome ernannt. Broome ist eine Küstenstadt in der Kimberley-Region und zählt
rund 33.500 Seelen.
Zu Beginn seiner Tätigkeit als Apostolischer Vikar legte Pater Jobst die enormen
Distanzen mit einem Geländewagen zurück: „Ich fuhr im Monat 2000 Kilometer auf Buschwegen. Dann entschloß
ich mich, fliegen zu lernen.“
Für die Aborigines war die Ankunft des Priesters ein Volksfest. Viele
von ihnen hatten zum ersten Mal einen Priester gesehen. Pater Jobsts Ankunft war auch deswegen eine Sensation,
weil er mit dem Flugzeug kam. Erst im Alter von 78 Jahren hat Bischof Jobst das Fliegen aufgegeben.
„Die
Flüge waren manchmal wirklich abenteuerlich,“ erinnert sich Bischof Jobst. Während der langen Stunden
über den Wolken habe er oft den Rosenkranz gebetet. Als Landepisten dienten ihm kurze, holprige Schneisen
im Busch. Die improvisierten Landebahnen wurden beim Anflug nicht selten von Känguruhs überquert.
Zur
Regenzeit konnte das Wetter blitzartig umschlagen. Einmal erlebte Bischof Jobst einen dramatischen Sandsturm.
Nach einer legendären Landung war das Kontrollpersonal von den Flugkünsten des Bischofs so begeistert,
daß es in Applaus ausbrach.
In seinem Buch „Erinnerungen eines fliegenden Missionsbischof in Australien“
beschreibt der Bischof zahlreiche weitere Episoden aus seinem bewegten Leben.
Bei den australischen Ureinwohnern
herrscht nicht nur Freude über den Bischof. „Damals waren dort sehr viele kirchenfeindlich eingestellt“,
kommentierte Bischof Jobst.
„Für mich bestand die Hauptaufgabe der Missionierung darin, die Menschen
aus ihrem Elend herauszuholen. Das war nur mit Schulbildung möglich.“ An der Missionsschule wurde er
von den Aborigines-Kindern „Pater Bischof“ genannt.
Bei einer Gelegenheit verschlug es dem erfahrenen
Bischof die Sprache. Ein Aborigine, bezeichnenderweise „Whisky“ genannt, klagte über Probleme mit seiner
Frau. „Er beschwerte sich, daß sie ihm nicht gehorchen würde“, schildert Bischof Jobst. Weil der Einheimische
keine Lösung des Problems finden konnte, meinte er allen Ernstes zum Bischof: „Dann kannst du sie haben.“
Heute wohnt der gebürtige Deutsche bei der Familie eines verstorbenen Freundes, Univ.-Prof. Franz Auberle,
in Tirol in Westösterreich. In seinem Wohnort in Patsch unweit von Innsbruck ist er, wie er selbst zu
sagen pflegt, im „aktiven Ruhestand“ und hilft immer wieder gerne in verschiedenen Pfarreien aus.
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