Zu viele Ungereimtheiten im angeblichen „Skandal um getaufte jüdische Kinder“
Kirchenfeindliche Kreise scheinen hinter dem Ende Dezember lancierten Skandal um angeblich von der Kirche nach 1945 zurückgehaltene jüdische Kinder zu stecken. Ein in Italien veröffentlichtes ‘Beweisdokument’ war manipuliert. Die Veröffentlichung löste eine internationale Medienkampagne gegen die Kirche aus.
(kreuz.net, Rom) Ende Dezember veröffentlichte die in Turin erscheinende italienische Tageszeitung „Corriere
della Sera“ ein angebliches Dokument des „Heiligen Offiziums“ aus dem Jahre 1946. Es sollte beweisen,
daß der Vatikan die Kirche in Frankreich angewiesen habe, während des Krieges versteckte und getaufte
jüdische Kinder ihren rechtmäßigen gesetzlichen Vertretern vorzuenthalten.
Die wissenschaftliche Dokumentationsstelle
„Vatican Files“ hat jetzt darauf hingewiesen, daß der Artikel des „Corriere della Sera“ das besagte Dokument
manipuliert hat. Der Artikel erschien am 28. Dezember 2004 und löste ein internationales kirchenfeindliches
Medienecho aus. Der linksliberale „Corriere della Sera“ gehört dem Fiat-Konzern.
Der angebliche Text
eines Dokumentes des „Heiligen Offiziums“ vom Oktober 1946 ist in Wahrheit eine ziemlich einseitige Zusammenfassung
eines viel längeren Dokumentes. Das „Heilige Offizium“ ist die gegenwärtige Glaubenskongregation.
Das
Originaldokument wurde nicht im Oktober, sondern im März 1946 vom Heiligen Offizium redigiert. Es handelt
sich um einen in Ton und Schlußfolgerungen sehr nuancierten französischen Text.
Dieses Dokument ist
nicht, wie vom „Corriere della Sera“ berichtet, eine vom Heiligen Stuhl an den damaligen Nuntius in Paris,
Monsignore Angelo Giuseppe Roncalli – dem späteren Papst Johannes XXIII. – geschickte Anweisung. Nuntius
Roncalli pflegte mit dem Heiligen Stuhl nicht auf Französisch, sondern in italienischer Sprache zu korrespondieren.
Der Text ist vielmehr eine Anleitung für einige französische Bischöfe, die den Heiligen Stuhl um Anweisungen
betreffs getaufter jüdischer Kinder in kirchlicher Obhut gebeten hatten.
In Frankreich, wie in allen
anderen besetzten europäischen Ländern, fanden viele Juden jeden Alters und Familien während der nationalsozialistischen
Verfolgungen Schutz und Unterkunft in kirchlichen Häusern und Institutionen.
Die Instruktion des Heiligen
Offiziums muß im Zusammenhang mit einem Brief gesehen werden, den der damalige Oberrabbiner von Jerusalem,
Herr Isaak Herzog, am 12. März 1946 an Papst Pius XII. gesandt hatte.
Der Brief des Oberrabbiners beginnt
mit einer ergreifenden Danksagung an den Papst für die wirksamen Hilfsaktionen des Heiligen Stuhles,
der Bischöfe und des katholischen Klerus zugunsten der Juden während der Verfolgungen. Ähnliche dankbare
Stellungnahmen hatte der Oberrabbiner schon früher abgegeben.
Im zweiten Teil seines Briefes spricht
der Oberrabbiner die Frage von jüdischen Kindern an, deren Eltern vermutlich ermordet worden waren und
die in katholischen Familien Unterschlupf gefunden hatten. Der Oberrabbiner bat den Heiligen Vater, diese
Kinder jüdischen Organisationen zu übergeben.
Der Oberrabbiner spricht in seinem Brief davon, daß
die Katholiken viel zahlreicher seien als die Juden, die in der Folge der Verfolgungen große Verluste
hätten hinnehmen müssen und jetzt darauf angewiesen seien, ihre gemeinschaftliche und religiöse Identität
mit jungen Kräften, die den Glauben der Väter wieder bekennen würden, wiederaufzubauen.
Von Seiten
der Kirche waren es besonders zwei französische Prälaten, die sich mit ihren Fragen zum Schicksal getaufter
Judenkinder an den Nuntius in Paris gerichtet hatten. Es handelte sich um den Koadjutor-Erzbischof von
Cambrai, Seine Exzellenz Emile Guerry, und um den Erzbischof von Lyon, Seine Exzellenz Pierre Gerlier.
Der Koadjutor-Erzbischof von Cambrai informierte den Nuntius, daß die französischen Bischöfe die Anweisung
erlassen hatten, versteckte jüdische Kinder nicht zu taufen, es sei denn, im Falle einer Todesgefahr.
Einige Klosterfrauen hätten aber dieser Anweisung nicht gehorcht und versteckte Kinder getauft.
Nuntius
Roncalli leitete die Frage an den Vatikan weiter.
Im September 1946 schickte das Heilige Offizium ein
Schreiben an Monsignore Tardini, dem Sekretär der Kongregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten.
In diesem Brief waren die im März desselben Jahres verfaßten allgemeinen Normen enthalten, welche getaufte
jüdische Kinder betrafen, die von der Kirche während des Krieges versteckt gehalten worden waren.
Aus
diesem Schreiben publizierte der „Corriere della Sera“ einen einseitigen Auszug. Auch der publizierte
Briefschluß ist für ein vatikanisches Dokument höchst ungewöhnlich.
Monsignore Tardini leitete die
Normen nicht einfach weiter, sondern verfaßte für den Nuntius in Paris auf Grundlage dieser Regelungen
eine Antwort. Darum war sein Schreiben mit dem Wortlaut der Normen des Heiligen Offiziums nicht identisch.
Die Anweisung an Nuntius Roncalli bestanden darin, jeden Fall mit Maß und Sorgfalt einzeln zu betrachten.
Wenn ihm Beschwerden oder Anfragen zur Rückgabe von jüdischen Kindern zur Kenntnis kämen, solle der
Nuntius sogleich darüber ein Dossier anlegen.
Bei der Frage der jüdischen Waisenkinder war es dem Heiligen
Stuhl insbesondere nicht klar, ob die jüdischen Institutionen, welche die Herausgabe der versteckten
Kindern forderten, dazu überhaupt einen Rechtstitel besaßen.
Bei jüdischen Kindern, die ihre Eltern
nicht verloren hatten, war es sehr oft der Fall, daß ihre Taufe im Rahmen der Konversion ihrer Familie
zum Katholizismus geschehen war. Solche Konversionen brachten es im schlimmsten Sturm der Verfolgungen
auch mit sich, daß die Hilfen, die solche Familien von jüdischen Organisationen empfingen, sofort eingestellt
wurden.
Ferner kann nicht ausgeschlossen werden, daß manche Waisenkinder, deren Herausgabe von jüdischen
Organisationen verlangt wurde, sich in eine neue Adoptivfamilie eingegliedert hatten. In diesem Fall wäre
es ein schwerer Mißbrauch gewesen, das Kind seiner neuen Familie gewaltsam zu entreißen.
Die wissenschaftliche
Leitung von „Vatican Files“ fordert jetzt den „Corriere della Sera“ auf, ein Facsimile des der Redaktion
vorliegenden Originaldokumentes zu publizieren. Erst dann sei es möglich, seinen wahren Inhalt in Erfahrung
zu bringen. Ebenso solle der „Corriere della Sera“ die Quellen des Dokumentes offenlegen, die bisher mit
einem allgemeinen Hinweis auf „Archive der Kirche in Frankreich“ angegeben wurden.
„Vatican Files“ äußert
die Vermutung, daß das Dokument, auf welches sich der „Corriere della Sera“ ohne klare Quellenangabe
bezieht, nicht in einem eigentlichen Archiv sondern im „Centre National des Archives de l’Église de France“
(35 rue du Général-Leclerc, 92130 Issy-les-Moulineaux) befindet und dort in der Serie II, EF (Église
de France), Untergruppe: „Comité Catholique de l’Enfance“ enthalten ist.
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2 Lesermeinungen
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also ich kann diese ganzen Greuelberichte über die Freimaurer nicht glauben. Mir scheint, dieser Verein
ist vor allem für diverseste Verschwörungsphantasien gut, aber Beweise bleiben die Verschwörungstheoretiker
notwendigerweise schuldig – was ja den großen Vorteil von Verschwörungstheorien ausmacht. Immerhin kann
damit alles behauptet und erklärt werden und irgendwie kann man die Erklärungen schon so hinbiegen,
dass diese sogar plausibel erscheinen. Aber der größte Vorteil von Verschwörungstheorien ist, dass
sie entlast – von der sonst notwendigen Auseinandersetzung mit dem komplexen Gefüge der modernen Welt,
in der es keine einfachen Verantwortungen für gesellschaftliche Entwicklungen und Phänomene mehr gibt.
Was den „Bericht“ in „Corriere della Sera“ betrifft, so kann man sagen: Typische Freimaurerintrige, über
die internationalen Freimaurermedien gespielt. Was aber Papst Pius XII. betrifft, so hat es auch sein
Gutes, dass er noch nicht selig gesprochen wird. Immerhin hat er die Modernisten eingesetzt und gefördert,
die später die Hl. Kirche verwüstet haben: Roncalli, Montini, Bugnini, Alfrink, Frings, Döpfner, König,
Suenens usw. Im übrigen hat er – wie unlängst besprochen (Vortrag von Hw. DDr. Gregor Hesse) – der altehrwürdigen
Hl. Liturgie die ersten massiven Schläge versetzt und den Liturgiezerstörern „die Rutsche gelegt“. So
vorbildlich Papst Pius XII. in vielen Dingen war, auch theoretisch gg. den Modernismus, so wenig war er
es in der Liturgie und in seiner Personalauswahl. Ohne seine personelle und liturgische Vorarbeit hätte
es wohl weder ein V2 in seiner bekannten Ausprägung (Pastoralsynode, kein ökumenisches Konzil) noch
die Zerstörung der Liturgie vulgo NOM gegeben. Insoferne ist er so vorbildlich auch wieder nicht, dass
es vordringlich wäre, ihn zur Ehre der Altäre zu erheben…