Pater Antonio Rosmini
Kult für einen Ketzer?
Der höchst umstrittene Philosoph und Theologe Antonio Rosmini wird bald zur Ehre der Altäre erhoben. Beispiele seiner Irrlehren.
Pater Antonio Rosmini
Pater Antonio Rosmini
(kreuz.net, Novara) Am 18. November wird der italienische Priester, Philosoph und Ordensgründer, Pater Antonio Rosmini († 1855) seliggesprochen. Das berichtete die römische Nachrichtenagentur ‘Zenit’.

Die Zeremonie wird der Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Jose Kardinal Saraiva Martins (75) in der norditalienischen Stadt Novara halten.

Kurzbiographie des künftigen Seligen

Pater Rosmini erblickte am 25. März 1797 in der norditalienischen Stadt Rovereto das Licht der Welt.

Er war ein Sohn wohlhabender Eltern. Im Jahr 1821 empfing er die Priesterweihe.

Schon neun Jahre später gründete er einen eigenen Orden – die Brüder von der Nächstenliebe, die in Italien als Rosminianer bekannt sind.

Gut 30 Jahre nach seinem Tod verurteilte die Inquisition Pater Rosmini
Gut 30 Jahre nach seinem Tod verurteilte die Inquisition Pater Rosmini
Der Bischof von Novara, Mons. Renato Corti, sieht in der Seligsprechung von Pater Rosmini ein einzigartiges Ereignis für die Kirche Italiens.

Sie lege das Augenmerk der Christen auf einen Menschen, der sein Leben der Verknüpfung von Glaube und Vernunft widmete.

Als Irrlehrer verurteilt

Die Thesen von Pater Rosmini erregten ab Beginn der 1830er Jahre den Widerspruch des Lehramtes.

Mehrere seiner Werke landeten bei der Indexkongregation.

Allerdings schätzen die Päpste Gregor XVI. († 1846) und Pius IX. († 1878) Pater Rosmini sehr.

Pius IX. wollte den Pater sogar zum Kardinal machen. Deshalb brauchte Pater Rosmini seine Gegner nicht zu fürchten.

Doch im Mai 1849 verurteilte die Indexkongregation zwei kleinere Werke von Pater Rosmini.

Das Verfahren gegen weitere Bücher des Geistlichen wurde eingestellt.

Im Dezember 1887 – 32 Jahre nach dem Tod des Paters – verurteilte das Heilige Offizium unter Leo XIII. († 1903) im Dekret ‘Post obitum’ vierzig Sätze des künftigen Seligen.

Einige der vierzig verurteilten Irrtümer

1. In der Ordnung der geschaffenen Dinge offenbart sich dem menschlichen Verstand unmittelbar etwas in sich selbst Göttliches, etwas, was zur göttlichen Natur gehört.

2. Wenn wir vom Göttlichen in seiner Natur reden, gebrauchen wir dieses Wort göttlich nicht, um die nichtgöttliche Wirkung einer göttlichen Ursache zu bezeichnen. Wir haben auch nicht die Absicht, von einem Göttlichen zu reden, das durch Teilhabe ein solches ist.

3. In der Natur des Alls – das heißt in den Intelligenzen, die in ihm sind – ist etwas, dem die Benennung des Göttlichen nicht im bildlichen, sondern im eigentlichen Sinn zukommt. Es ist eine Wirklichkeit, die vom Rest der göttlichen Wirklichkeit nicht unterschieden ist.

13. Der Unterschied zwischen dem absoluten Sein und dem relativen Sein ist nicht der, welcher zwischen einer Substanz und der anderen besteht. Er ist viel größer: Das eine ist nämlich ein absolut Seiendes, das andere ist ein absolut Nicht-Seiendes.

Aber dieses andere ist ein relativ Seiendes. Indem aber ein relatives Seiendes gesetzt wird, vervielfacht sich das absolut Seiende nicht. Daher sind das absolute und das relative Seiende absolut nicht eine einzige Substanz, sondern ein einziges Sein.

In diesem Sinn gibt es keine Unterschiedenheit des Seins, vielmehr gibt es eine Einheit des Seins.

Statue von Pater Rosmini in Mailand
Statue von Pater Rosmini in Mailand
© Giovanni Dall’Orto, CC
20. Es widerspricht sich nicht, daß sich die menschliche Seele durch Zeugung vermehrt. Man kann annehmen, daß sie vom Unvollkommenen – nämlich von einer sinnenhaften Stufe – zum Vollkommenen – nämlich zu einer vernünftigen Stufe – voranschreitet.

22. Es ist nicht unmöglich zu denken, daß es durch die göttliche Macht geschehen kann, daß sich vom beseelten Leib die vernünftige Seele trennt. Er selber bestehe weiterhin als Tier fort. In ihm bliebe nämlich als Grundlage des Tieres das tierische Prinzip, das zuvor in ihm als Anhängsel war.

23. Im natürlichen Zustand existiert die Seele des Verstorbenen ebenso, als ob sie nicht existieren würde. Sie kann keine Überlegung über sich selber anstellen und kein Bewußtsein von sich haben.

Deshalb läßt sich sagen, daß ihre Lage dem Zustand ewiger Finsternis und immerwährenden Schlafes ähnlich ist.

25. Nach der Offenbarung des Geheimnisses der Heiligsten Dreifaltigkeit kann ihre Existenz mit rein spekulativen Beweisen aufgezeigt werden […].

26. Die drei höchsten Formen des Seins – nämlich Subjektivität, Objektivität und Heiligkeit, beziehungsweise Realität, Idealität und Moralität, können – wenn man sie auf das absolute Sein überträgt, nicht anders aufgefaßt werden, denn als für sich bestehende und lebende Personen.

Das Wort, insofern es geliebter Gegenstand und nicht insofern es Wort ist – das heißt als in sich bestehender und durch sich erkannter Gegenstand – ist die Person des Heiligen Geistes.

27. In der Menschheit Christi war der menschliche Wille vom Heiligen Geist so hingerissen – dem objektiven Sein, das heißt dem Wort, anzuhangen – daß er ihm vollständig die Herrschaft über den Menschen übertrug. Das Wort übernahm sie, indem es die menschliche Natur mit sich einte.

Daher hörte der menschliche Wille auf, im Menschen persönlich zu sein. Während er in anderen Menschen Person ist, blieb er in Christus Natur.

29. Die katholische Lehre, welche die alleinige Wahrheit ist, ist von folgender Vermutung nicht verschieden:

Im eucharistischen Sakrament wird die Substanz des Brotes und des Weines zum wahren Fleisch und wahren Blut Christi, wenn Christus es zum Ziel seines sinnenhaften Prinzips macht und es mit seinem Leben lebendig macht.

Dies geschieht ungefähr auf die Weise, in der das Brot und der Wein wahrhaft wesenhaft verwandelt werden in unser Fleisch und Blut, weil sie zum Ziel unseres sinnenhaften Prinzips werden.

31. Im Sakrament der Eucharistie ist der Leib und das Blut Christi kraft der Worte nur in dem Maße, das der Quantität [„a quel tanto“] der Substanz von Brot und Wein entspricht, die wesenhaft verwandelt wird.

Der Rest des Leibes Christi ist dort durch begleitende Mitgegenwart.

32. Wer „das Fleisch des Menschensohnes nicht ißt und sein Blut nicht trinkt, hat das Leben nicht in sich“. (Joh 6,54) Trotzdem erlangen die, welche mit der Taufe des Wassers, des Blutes oder der Begierde sterben, sicher das ewige Leben.

Deshalb muß man sagen, daß denen, die in diesem Leben den Leib und das Blut Christi nicht aßen, diese himmlische Speise im künftigen Leben – im Augenblick des Todes – dargereicht wird.

Daher konnte Christus – als er in die Unterwelt hinabstieg – auch den Heiligen des Alten Testamentes sich selber unter den Gestalten von Brot und Wein mitteilen, um sie zur Anschauung Gottes zu befähigen.

34. Um die Selige Jungfrau Maria vor der Erbsünde zu bewahren, genügte es, daß ein winziger Same – vielleicht vom Dämon selbst unbeachtet – im Menschen unversehrt blieb.

Aus dem von Generation zu Generation übertragenen unverdorbenen Samen ging zur rechten Zeit die Jungfrau Maria hervor.

38. Gott ist der Gegenstand der seligmachenden Anschauung, insoweit er der Urheber der Werke nach außen ist.

40. Da Gott sich begrenzten Seienden nicht gänzlich mitteilen kann – auch nicht durch das Licht der Herrlichkeit – kann er den Schauenden im Himmel sein Wesen nur auf die Weise enthüllen und mitteilen, die begrenzen Intelligenzen angemessen ist:

Gott offenbart sich ihnen nämlich, insofern er mit ihnen eine Beziehung hat als ihr Schöpfer, Fürsorger, Erlöser und Heiligmacher.[klein]

Rehabilitierung durch Kardinal Ratzinger

Im Juli 2001 hob die Kongregation für die Glaubenslehre die Verurteilung von Pater Rosmini in einer Notifikation de facto auf.

Immerhin erachtete die Glaubenskongregation das rosminianische Denksystem als manchmal doppeldeutig.

Es beinhalte mißverständliche Begriffe und Ausdrücke, die eine aufmerksame Lektüre erfordern und nur im Licht des allgemeinen Kontextes des Werkes des Autors „geklärt werden können“.
      
31 Lesermeinungen
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#31   Bokrug †   17:37:39 | Samstag, 6. Oktober 2007
@Karl Murx: www.artfond.de/geldseite
Christus bezog sich auf jüdische Propheten-Tradition und Kabbalisten…Ezechiel und Henoch beispielsweise…er bezeichnete sich selbst mit Bezug auf Ezechiel als Metathron.
Das ist Pansophie bzw. PanEN(!)theismus…KEIN Pantheismus.
Paulus zitiert auf dem Areopag in Athen den stoischen Dichter Aratos mit einem panEN(!)theistischen Zitat.
Johannes, wie Paulus ein Vertreter christlicher Gnosis, hat den Logos Begriff natürlich in einem platonischen bzw. mittelplatonischen Sinn gebraucht. Später standen Klemens von Aleandrien und Origenes in seiner Tradition, auch die Begründer des christlichen Mönchstums in Ägypten.
Eine Tradition, die von Duns Scotus und Scotus Eriugena fortgeführt wurde. Siehe auch Athanasius Kircher.
Lesen. Teleologische Auffassung
www.kreuz.net/bookentry.1714.html
Karl Christian Friedrich Krause, Philosoph…
www.bautz.de/…l/k/Krause_k_c.shtml
Christus kommt im AT als Anthropos bzw. Anthropus vor…
Bereits Paulus nahm die Dreiteilung Geist-Seele-Körper vor. Und schrieb im NT: „Euer Körper ist ein Tempel, in dem Gott wohnt.“
Körper, Seele und Geist…jedoch ist der platonische bzw. neuplatonisch zu erklärende Geist (siehe Dionysios Pseudo-Areopagita) primär.
Die Seele kann stoisch aufgefasst werden – der Körper wirkt im Bereich des aristotelischen Logos.
Gott wird in der Bibel als Geist, Licht, Liebe und Wahrheit gedeutet.
Dies sind seine Eigenschaften.
Christliche Gnosis nach Paulus und Johannes setzt den Geist primär: spiritueller Sturz.
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#30   catharina   14:58:15 | Mittwoch, 26. September 2007
Rosmini, Geist und Edelmut
Es scheint unter Männern sog. traditionalistischer Ausrichtung den Hang zu einer verbalen Kraftmeierei zu geben. Beiträge wie die vorangegangenen, kaum eigentlich mit dem Thema des Artikels zusammenhängend, vielmehr dieses nur zum Anlaß nehmend, um zum x-ten Male vermeintlich starke Worte über die kirchliche Hierarchie vom Stapel zu lassen, sind vielsagende Beispiele dafür.
Es muß den aufmerksamen Leser schon besonders peinlich berühren, derartiges gerade im Zusammenhang mit Rosmini vorzufinden, war doch dieser edle Priester (ähnlich übrigens einem Kardinal Newman) einem solchen Gehabe, dem auch er bei weniger vornehmen Personen begegnen mußte, ganz und gar abhold.
Die hohe Wahrheit des Offenbarungsglaubens, die echte, ungeheuchelte Hingabe an den lebendigen Gott und an die unsterblichen Seelen müssen nach seiner Auffassung zu einer feinen Gesinnung, einer Geistigkeit führen, die nicht von der Vielbelesenheit, sondern von der Berührung mit dem Heiligen selbst stammt und diese vor der Welt bezeugt.
Wiederum also eine Seite seines Wesens, die unserer Zeit und gerade denen, die sich hier so machohaft gebärden, viel zu sagen hätte. Oft allerdings wollen es gerade die nicht vernehmen, die es so nötig hätten.
Liebe Leser, müssen wir nicht angesichts einer solchen Gestalt die Bekehrung unser Herzen, unserer Gesinnungen und Gesittungen anstreben?
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#29   Artois †   14:17:06 | Mittwoch, 26. September 2007
@Rudolfus
Natürlich nicht!
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#28   Rudolfus   13:59:21 | Mittwoch, 26. September 2007
Schlechte Christusstatthalter auf dem Thron Petri
Artois:
Paul VI. dürfte ein Schwerstkrimineller gewesen sein, der sich den Stuhl Petri erschlichen hat. Wenn diese Gestalt auch nur einen einzigen rechtmäßigen Akt als Papst gesetzt hätte, wäre der gesamte katholische Glaube widelegt.
Selbst wenn dies auf Paul VI. zuträfe, so wäre er damit wohl kaum ein Einzelfall in der Papstgeschichte.
Wer die Papstgeschichte und die lange Reihe an zwielichten Papstgestalten kennt, wie sie sich seit Jahrhunderten abgespielt hat, wird nicht sagen können, daß ein despotischer oder schlechter Papst wie Paul VI. den katholischen Glauben widerlegen könnte.
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#27   Artois †   13:52:11 | Mittwoch, 26. September 2007
@Rudolfus
Paul VI. dürfte ein Schwerstkrimineller gewesen sein, der sich den Stuhl Petri erschlichen hat. Wenn diese Gestalt auch nur einen einzigen rechtmäßigen Akt als Papst gesetzt hätte, wäre der gesamte katholische Glaube widelegt.
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#26   Rudolfus   13:48:36 | Mittwoch, 26. September 2007
Pauls VI. Verfolgung der 1570 A.D. kanonisierten Römischen Messe war illegitim, Lefebrve im Recht
Dr. Otterbeck:
Papst Paul VI. hat am 11. Oktober 1976 den Traditionsbegriff von Marcel Lefebvre verurteilt; zu Recht, wie man sieht.
Papst Paul VI. (1963-1978 A.D.) hat die 1570 A.D. kanonisierte Hl. Römische Messe zu Unrecht und ohne jegliche rechtliche Legitimation verfolgt.
Zum Erstaunen des Großteils der Kirche auf Erden stellte Papst Benedikt XVI. jetzt in seinem Apostolischen Schreiben SUMMORUM PONTIFICUM vom 07. VII. 2007 A.D. fest, daß das 1570 A.D. durch Papst St. Pius V. endgültig kanonisierte Römische Meßbuch „nie verboten“ war.
APOSTOLISCHE KONSTITUTION (abgedruckt auf Latein in jedem alten römischen Meßbuch)
QUO PRIMUM,
Papst St. Pius V., 14. Juli 1570:
„… Therefore, no one whosoever is permitted to alter this notice of Our permission, statute, ordinance, command, precept, grant, indult, declaration, will, decree, and prohibition. Should know that he will incur the wrath of Almighty God and of the Blessed Apostles Peter and Paul.
Given at St. Peter’s in the year of the Lord’s Incarnation, 1570, on the 14th of July of the Fifth year of Our Pontificate.“
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#25   Artois †   09:35:20 | Mittwoch, 26. September 2007
Man kann schon jetzt
feststellen, daß eine Erhebung Rosminis ein ungültiger und unwirksamer Akt sein wird.
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#24   catharina   09:12:05 | Mittwoch, 26. September 2007
Rosmini – ein Vorbild für Abweichler von Küng bis Williamson
Ein anderer Aspekt der bevorstehenden Seligsprechung:
Rosmini ist, wenn schon nicht in einzelnen Lehrmeinungen, so doch in seiner Gesamthaltung, ein Vorbild der katholischen Philosophen und Theologen.
Vielleicht ist es das, was die Kirchenleitung – außer der von niemandem je ernsthaft bezweifelten Integrität und hohen Tugend des Beatificandus – herausstellen möchte: die Haltung des katholischen Gelehrten gegenüber dem Lehramt.
Man könnte auf diese Weise den Philosophen und Theologen der Gegenwart aufzeigen, was sie zu tun haben, wenn ihre Auffassungen einmal mit denen des bevollmächtigten Amtes aneinandergeraten sollten.
Ja, ist es nicht erfreu- und erbaulich, wenn in einem derartigen Fall von höchster Stelle festgehalten werden kann: „laudabiliter se submisit“? Dann steht in punctis Reinheit der Lehre und Kirchlichkeit einer Selig- und Heiligsprechung wahrlich nichts mehr im Wege.
Solche ehedem Irrenden werden den selbstgerechten Hütern der Orthodoxie ins himmlische Jerusalem vorausziehen!
Daher kann Rosmini auch so verschiedenen Personen wie dem Apostaten Küng und dem Schismatiker Williamson (der nach eigener Aussage eine andere Religion als die konkrete, amtliche Kirche, nämlich die Religion eines platonisch idealisierten und maurrasianisch politisierten Katholizismus, vertritt) leuchtendes Vorbild sein: Ahmet mein Vorbild nach, und ihr werdet Ruhe finden in euren Seelen!
Der Diener Gottes möge ihnen allen die Gnade eines wahrhaft kirchlich-demütigen Glaubens erbitten!
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#23   Montfalcone   08:35:26 | Mittwoch, 26. September 2007
Antonio Rosmini venerabilis
Der Fall ist schon sehr interessant; der Aufsatz und seine Kommentare lenken eigentlich vom Thema ab. In der Tat ist es wahr, daß Antonio Rosmini venerabilis den Spruch der Kirche demütig und klaglos akzeptiert hat; bei ihm von einem Ketzer zu sprechen, ist insofern nicht nur abseitig, sondern sogar, s.v.v., häretisch.
Andererseits ist es sicher richtig, daß die Theorien des verehrungswürdigen Antonio bei allem Interesse und aller Brillianz auch heute noch zumindest überdenkenswert sind und leicht in problematische Richtungen führt. Demgemäß ist schon die Frage erlaubt, inwiefern seine Heiligsprechung sinnvoll sein könnte. Würde diese aber vom Hl. Vater bestätigt, so wäre sie ganz selbstverständlich und frag- und klaglos zu akzeptieren, weil man sonst sich weit, weit schlimmerer Vergehen zuschulde kommen lassen würde als der dann Heilige.
Interessant übrigens in diesem Kontext die Klarstellung vorm. SE Kard. Ratzingers (des Hl. Vaters) auch der notwendigerweise situativen Haltung der Kirche, die selbst zwar ewig und ewig wahr ist, aber auf die Veränderungen der Welt eingehen mußte und muß, sich zu dieser verhalten muß. Eben dadurch ergab sich zur betreffenden Zeit eine Förderung des Aquinatismus, der aber eben das ist: Situatives Eingehen auf die Zeitumstände, nicht ewige Wahrheit…
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#22   sacerdos helveticus   08:27:13 | Mittwoch, 26. September 2007
Rosmini
Den Diener Gotttes Rosmini einen Ketzer zu nennen geht sicher zu weit. Meines Wissens wurden zwar zu seinen Lebzeiten verschiedene seiner Schriften auf den Index gesetzt. Es ging jedoch nicht immer um dogmatische Thesen und Rosminini war immer bereit, sich dem urteil der Kirche zu unterwerfen. Es wurden wohl auch nie Massnahmen gegen ihn verhängt (z.B. Predigtverbot, Suspension) oder weiss jemand vom Gegenteil?
Zum Teil ging es bei den Auseinandersetzungen um Rosmini auch um politische Aspekte seiner Lehre.
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#21   Heinz Josef   08:25:35 | Mittwoch, 26. September 2007
Eine Schande
Aber ist das eine Schande oder gar ein Verbrechen, wenn er zugleich bereit war, einen möglichen Irrtum zu korrigieren? – Dr. theol. habil. Josef Spindelböck.
Lieber Dr. Spindelböck,
was kotz.net hier macht ist eine Schande! Immer wieder lassen diese Feinde der Kirche ihre Masken fallen und zeigen ihr wahres Gesicht.
Heinz Josef
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#20   Catholicus   07:06:26 | Mittwoch, 26. September 2007
kreuz.net agiert unfair und beschmutzt heiligmäßige Menschen
kreuz.net kämpft mit „verdecktem Visier“ (da anonym) und bringt auch Personen ins Zwielicht, die dies nicht verdienen. Das ist in höchstem Maße unfair! Wacht auf, liebe Verantwortliche von kreuz.net: So erweist Ihr der Wahrheit des katholischen Glaubens und dem Wohl der Kirche keinen Dienst!
Ist es nicht heroisch, dass ein persönlich untadeliger Priester wie Rosmini, der sich gedanklich in manchen Dingen geirrt hat, dennoch stets bereit erklärt hat, dem maßgeblichen Urteil der Kirche zu folgen? Ein Ketzer wäre er nur dann, wenn er in einem Irrtum, welcher der Glaubenslehre widerspricht, hartnäckig verharrt hätte. So aber ist er ein Mann, der fromm war und – Gottseidank – auch über Gott und die Welt nachgedacht hat, sich dabei aber (leider) auch in manchen Punkten geirrt hat. Aber ist das eine Schande oder gar ein Verbrechen, wenn er zugleich bereit war, einen möglichen Irrtum zu korrigieren? – Dr. theol. habil. Josef Spindelböck.
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#19   Dr. Otterbeck   00:07:49 | Mittwoch, 26. September 2007
Wer richtet wen?
Papst Paul VI. hat am 11. Oktober 1976 den Traditionsbegriff von Marcel Lefebvre verurteilt; zu Recht, wie man sieht.
Roma locuta, causa finita.
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#18   misterunknown   22:28:50 | Dienstag, 25. September 2007
@Benedikt
Aus den genannten Prämissen ergibt sich nicht zwingend Ihre Konklusion. Allenfalls ist der Umstand den betreffenden Päpsten anzulasten, die Aussagen können Sie aber nicht gegen die Tradition als solcher ausspielen.
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#17   catharina   19:02:45 | Dienstag, 25. September 2007
Ad fontes!
Abgesehen davon, daß die Aufstellungen des Kandidaten für die Seligsprechung, wie sie im Verurteilungsdekret aufgelistet werden, nicht auf eine sehr klare Philosophie und Theologie schließen lassen:
Es müßten wohl wirklich die Quellen selbst studiert und die Thesen in ihrem Zusammenhang gelesen werden.
So kann man der ersten damnatio durch Karl Murx (bestreffend die Fragen der Hypostatischen Union und des Willens in Christus) wohl entgegenhalten, daß Rosmini das „Wort“ – wie aus „Post obitum“ hervorgeht – anders verstanden wissen wollte als im Sinne der zweiten göttlichen Person. Er behandelt augenscheinlich in der lehramtlich und murxistisch beanstandeten These gar nicht das Verhältnis der zwei Naturen in Christus, vielmehr dasjenige der Menschheit Jesu zum Heiligen Geist: Das Wort, insofern es geliebter Gegenstand und nicht insofern es Wort ist – das heißt als in sich bestehender und durch sich erkannter Gegenstand – ist die Person des Heiligen Geistes.
Die Auffassung Rosminis von der Seelenzeugung ist gewiß nicht so einfach, wie sie hier beanstandet wird. Aber sie hört damit nicht auf, eine krause Theorie zu sein. Übrigens kann und darf man wohl auch mit manchen Lehren des Aquinaten, die Zeugung und das Wachsen des Menschen im Mutterschoß betreffend, seine Schwierigkeiten haben. Nur daß es zu Zeiten seiner Heiligsprechung eben noch keinen Möglichkeiten für alle und jeden gab, per kreuz.net den eigenen Senf dazu zu geben und gegebenenfalls das kirchliche Amt zu verurteilen.
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#16   Benedikt   18:44:44 | Dienstag, 25. September 2007
Interessant
Allerdings schätzen die Päpste Gregor XVI. († 1846) und Pius IX. († 1878) Pater Rosmini sehr.
Pius IX. wollte den Pater sogar zum Kardinal machen. Deshalb brauchte Pater Rosmini seine Gegner nicht zu fürchten.
Daraus folgt:
1. Päpste der Tradition schätzten einen Häretiker.
2. Ein Papst der Tradition wollte einen Häretiker zum Kardinal machen.
Das schlägt den Tradis wohl einige Waffen aus den Händen, interessant.
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#15   misterunknown   16:48:02 | Dienstag, 25. September 2007
@…!
Ach Du meine Güte, sind Sie alle komplizierte Sturköppe!!!
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#14   HeinrichvonOfterdingen   16:44:15 | Dienstag, 25. September 2007
Für mich gilt die Notifikation ohnehin nicht, wie ich gerade erstaunt feststellen
musste:
Zugleich behält das Dekret Post obitum in bezug auf die Verordnung der verurteilten Sätze für denjenigen seine objektive Gültigkeit, der sie, abgesehen vom Kontext des rosminischen Denkens, in einer idealistischen ontologischen Sicht und einem Sinn liest, die im Gegensatz zur katholischen Glaubenslehre stehen.
Also um es gerade heraus zu sagen: Für die die des Lesens mächtig sind gilt es nicht.
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#13   HeinrichderZweite   16:30:40 | Dienstag, 25. September 2007
Nach den hier veröffentlichten Sätzen war
er vor allem ein schlechter Philosoph. Ob er deswegen dem Herrn Ratzinger so sympathisch ist? Gleich und gleich gesellt sich gern.
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#12   Karl Murx   16:07:42 | Dienstag, 25. September 2007
@misterunknown: Bitte ein konkretes Beispiel
Kein allgemeines Blabla!
Fall a) der Ursprung der menschlichen Seele nach Rosmini
Fall b) die Natur der menschlichen Vernunft.
Wo wurde er da mißverstanden? Wo wurde in diesen Fällen aus dem Zusammenhang zitiert?
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#11   misterunknown   15:49:48 | Dienstag, 25. September 2007
@Karl Murx /zeitbedingtes Interpretament
„Nach einer vertieften Prüfung der beiden im 19. Jahrhundert promulgierten lehramtlichen Dekrete und unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Geschichtsschreibung und wissenschaftlichen und theoretischen Forschung der letzten Jahrzehnte ist die Kongregation für die Glaubenslehre zu folgenden Ergebnisse gekommen: Die Gründe der lehramtlichen zur Vorsicht mahnenden Besorgnis und Schwierigkeit, die zur Promulgierung des Verurteilungsdekrets Post obitum der »Quaranta Proposizioni« aus den Werken Antonio Rosminis geführt haben, sind nunmehr als überholt zu betrachten. Und zwar aufgrund der Tatsache, daß der Sinngehalt der Sätze, wie er im genannten Dekret verstanden und verurteilt wird, nicht der wahren Auffassung Rosminis entspricht, sondern auf mögliche Schlußfolgerungen aus der Lektüre seiner Werke zurückgeht. Die Frage der Plausibilität der rosminischen Lehre, ihre spekulative Konsistenz und die in ihr zum Ausdruck gebrachten philosophischen und theologischen Theorien oder Hypothesen stehen aber weiterhin theoretisch zur Diskussion. Zugleich behält das Dekret Post obitum in bezug auf die Verordnung der verurteilten Sätze für denjenigen seine objektive Gültigkeit, der sie, abgesehen vom Kontext des rosminischen Denkens, in einer idealistischen ontologischen Sicht und einem Sinn liest, die im Gegensatz zur katholischen Glaubenslehre stehen.“
[Notifikation zur Bedeutung der lehramtlichen Dekrete
bezüglich des Denkens und der Werke des Priesters
Antonio Rosmini Serbati,1.7.2001]
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#10   Karl Murx   15:42:03 | Dienstag, 25. September 2007
@misterunknown: Bitte konkrete Beispiele
Ich hatte vor ein paar Jahren eine Diskussion mit einem der letzten rosminianischen Priester, einem gewissen P.Bellwood.
Der Mann hat Rosmini gewiß nicht Mißverstanden. Bellwood hielt genau an diesen verurteilten Thesen fest. Z.B. daß die Seele des Menschen nicht von Gott geschaffen sei, sondern wie bei den Tieren durch Elternzeugung entstehe. Die Vernunft des Menschen sei keine Fähigkeit einer Geistseele, sondern alle Vernunft sei direkt ein göttliches Licht und eine Gnade. Es gäbe also keine geschaffene Vernunft des Menschen.
Ich hätte gerne den Nachweis, daß diese vorgebliche Sicht Rosminis nicht seiner tatsächlichen Lehre entsprach.
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#9   Heinz Josef   15:41:06 | Dienstag, 25. September 2007
Schade …
das Rom immer erst nach dem Tod oder kurz vor dem Tod eines von der Inquisition verfolgten, diesen rehabilitiert.
Heinz Josef
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#8   Artois †   15:24:03 | Dienstag, 25. September 2007
Rosmini wäre nicht
der erste Häretiker, der wieder zu Kreuze kroch …
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#7   misterunknown   15:10:39 | Dienstag, 25. September 2007
Schreibt so ein Häretiker?
Nach der Verurteilung zeigte der Priester-Graf Rosmini wahre Größe, in einem Brief an den sel. Papst Pius IX. schrieb er:
»Ich will mich in allem auf die Autorität der Kirche stützen, und ich will, daß die ganze Welt weiß, daß ich nur dieser Autorität folge«
Antonio Rosmini, Lettera al Papa Pio IX, in: Epistolario completo, Casale Monferrato, tip. Panc 1892, vol. X, 541 (lett. 634 1)
Wie schön wäre es, so etwas auch von kritischen Theologen der Gegenwart zu hören!
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#6   Hektor.von.Knokke   15:10:20 | Dienstag, 25. September 2007
Und wieder schlägt der Verräter zu:
www.heute.de/…3672,7010161,00.html
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#5   laetare †   15:04:51 | Dienstag, 25. September 2007
tja. sowas aber auch. was lernen wir daraus? Herr Sesboue hatte schon recht, wenn er meinte, mit der
Art, Dinge zu lesen, könne man Problemlos Häresien aus allen Enzykliken der letzten Jahre herauslesen!
Langsam braucht sich weder die Kirche, noch die kreuz.net-community wundern, wenn immer dann, wenn das Thema Häresie von ihnen aufs Tapet gebracht wird, einzig der Verdacht aufkommt, dass jemand unangenehme Wahrheiten angesprochen hat.
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#4   misterunknown   14:59:21 | Dienstag, 25. September 2007
tendenziös interpretiert ?!!
Die durch das Dekret »Post Obitum« indizierten Sätze betreffen elf angebliche Irrtümer R.s (DS 3201-3240) aus allen Gebieten seiner Philosophie u. Theologie wie Ontologismus, Pantheismus u.a. Der vor allem von Laien wie L.M. Billia u. G. Morando geführten Verteidigung gelang der Nachweis, daß die indizierten Thesen oft aus dem Kontext gerissen, ungenau oder gar falsch vom Italienischen ins Lateinische übertragen sind und weitgehend tendenziös ausgelegt wurden.
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#3   Artois †   14:57:06 | Dienstag, 25. September 2007
Wieso ist denn
in Mailand eine Statue von dem? Ist das ein kirchliches oder ein säkulares Denkmal?
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#2   Karl Murx   14:46:28 | Dienstag, 25. September 2007
Menschwerdung als Bessenheit
Der Satz 27 reicht allein schon, um Rosmini zu verurteilen:
In der Menschheit Christi war der menschliche Wille vom Heiligen Geist so hingerissen – dem objektiven Sein, das heißt dem Wort, anzuhangen – daß er ihm vollständig die Herrschaft über den Menschen übertrug. Das Wort übernahm sie, indem es die menschliche Natur mit sich einte.
Der Satz behauptet, daß es in Christus ein menschliches Subjekt gibt, welches dem Sohn, -einem anderen Subjekt-, die Herrschaft über sich selbst übertrug, wobei Wille und Subjekt gleichgesetzt werden.
Das ist nestorianisch und adoptianistisch.
Zwar gibt es einen menschlichen Willen Christi; dieser hängt aber nicht ab von einem menschlichen Subjekt, welches sich dann dem WORT unterwirft, sondern der menschliche Wille Christi hängt in seinem Sein von Anfang an nur vom Suppositum des Wortes ab. Alles was an Christus menschlich ist, hat das personale Dasein im Wort, ohne Umweg über einen geschaffenen Daseinsakt. Die menschliche Natur Christi ist kraft der hypostatischen Union ohne jeden geschaffenen, substantiellen Modus und sie ist auch ohne jede menschliche Existenz. Wo keine menschliche Person, da auch kein menschliches Dasein. Die menschliche Natur Christi, real von seiner Existenz geschieden, hat nur eine einzige göttliche Existenz. Siehe dazu:
Diekamp, Katholische Dogmatik, Band II, Seite 201 – 205
Thomas, III qu.17 a.2 ad 2
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#1   Konrad   14:14:51 | Dienstag, 25. September 2007
Hier feiert mal wieder die Ahnungslosigkeit Triumphe
Rosmini ist eine der reinsten christlichen Gestalten des 19. Jahrunderts, ein italienischer Newman.
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