13:23:28 | Dienstag, 25. September 2007
Der höchst umstrittene Philosoph und Theologe Antonio Rosmini wird bald zur Ehre der Altäre erhoben. Beispiele seiner Irrlehren.
(kreuz.net, Novara) Am 18. November wird der italienische Priester, Philosoph und Ordensgründer, Pater
Antonio Rosmini († 1855)
seliggesprochen. Das berichtete die römische Nachrichtenagentur ‘Zenit’.
Die
Zeremonie wird der Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Jose Kardinal Saraiva Martins (75) in der
norditalienischen Stadt Novara halten.
Kurzbiographie des künftigen SeligenPater Rosmini erblickte
am 25. März 1797 in der norditalienischen Stadt Rovereto das Licht der Welt.
Er war ein Sohn wohlhabender
Eltern. Im Jahr 1821 empfing er die Priesterweihe.
Schon neun Jahre später gründete er einen eigenen
Orden – die Brüder von der Nächstenliebe, die in Italien als Rosminianer bekannt sind.

Gut 30 Jahre nach seinem Tod verurteilte die Inquisition Pater Rosmini
Der Bischof
von Novara, Mons. Renato Corti, sieht in der Seligsprechung von Pater Rosmini ein einzigartiges Ereignis
für die Kirche Italiens.
Sie lege das Augenmerk der Christen auf einen Menschen, der sein Leben der
Verknüpfung von Glaube und Vernunft widmete.
Als Irrlehrer verurteiltDie Thesen von Pater Rosmini
erregten ab Beginn der 1830er Jahre den Widerspruch des Lehramtes.
Mehrere seiner Werke landeten bei
der Indexkongregation.
Allerdings schätzen die Päpste Gregor XVI. († 1846) und Pius IX. († 1878) Pater
Rosmini sehr.
Pius IX. wollte den Pater sogar zum Kardinal machen. Deshalb brauchte Pater Rosmini seine
Gegner nicht zu fürchten.
Doch im Mai 1849 verurteilte die Indexkongregation zwei kleinere Werke von
Pater Rosmini.
Das Verfahren gegen weitere Bücher des Geistlichen wurde eingestellt.
Im Dezember 1887 –
32 Jahre nach dem Tod des Paters – verurteilte das Heilige Offizium unter Leo XIII. († 1903) im Dekret
‘Post obitum’ vierzig Sätze des künftigen Seligen.
Einige der vierzig verurteilten Irrtümer1. In
der Ordnung der geschaffenen Dinge offenbart sich dem menschlichen Verstand unmittelbar etwas in sich
selbst Göttliches, etwas, was zur göttlichen Natur gehört.
2. Wenn wir vom Göttlichen in seiner Natur
reden, gebrauchen wir dieses Wort
göttlich nicht, um die nichtgöttliche Wirkung einer göttlichen Ursache
zu bezeichnen. Wir haben auch nicht die Absicht, von einem
Göttlichen zu reden, das durch Teilhabe ein
solches ist.
3. In der Natur des Alls – das heißt in den Intelligenzen, die in ihm sind – ist etwas,
dem die Benennung des Göttlichen nicht im bildlichen, sondern im eigentlichen Sinn zukommt. Es ist eine
Wirklichkeit, die vom Rest der göttlichen Wirklichkeit nicht unterschieden ist.
13. Der Unterschied
zwischen dem absoluten Sein und dem relativen Sein ist nicht der, welcher zwischen einer Substanz und
der anderen besteht. Er ist viel größer: Das eine ist nämlich ein absolut Seiendes, das andere ist
ein absolut Nicht-Seiendes.
Aber dieses andere ist ein relativ Seiendes. Indem aber ein relatives Seiendes
gesetzt wird, vervielfacht sich das absolut Seiende nicht. Daher sind das absolute und das relative Seiende
absolut nicht eine einzige Substanz, sondern ein einziges Sein.
In diesem Sinn gibt es keine Unterschiedenheit
des Seins, vielmehr gibt es eine Einheit des Seins.
20. Es widerspricht sich nicht, daß sich die menschliche
Seele durch Zeugung vermehrt. Man kann annehmen, daß sie vom Unvollkommenen – nämlich von einer sinnenhaften
Stufe – zum Vollkommenen – nämlich zu einer vernünftigen Stufe – voranschreitet.
22. Es ist nicht unmöglich
zu denken, daß es durch die göttliche Macht geschehen kann, daß sich vom beseelten Leib die vernünftige
Seele trennt. Er selber bestehe weiterhin als Tier fort. In ihm bliebe nämlich als Grundlage des Tieres
das tierische Prinzip, das zuvor in ihm als Anhängsel war.
23. Im natürlichen Zustand existiert die
Seele des Verstorbenen ebenso, als ob sie nicht existieren würde. Sie kann keine Überlegung über sich
selber anstellen und kein Bewußtsein von sich haben.
Deshalb läßt sich sagen, daß ihre Lage dem Zustand
ewiger Finsternis und immerwährenden Schlafes ähnlich ist.
25. Nach der Offenbarung des Geheimnisses
der Heiligsten Dreifaltigkeit kann ihre Existenz mit rein spekulativen Beweisen aufgezeigt werden […].
26. Die drei höchsten Formen des Seins – nämlich Subjektivität, Objektivität und Heiligkeit, beziehungsweise
Realität, Idealität und Moralität, können – wenn man sie auf das absolute Sein überträgt, nicht
anders aufgefaßt werden, denn als für sich bestehende und lebende Personen.
Das Wort, insofern es geliebter
Gegenstand und nicht insofern es Wort ist – das heißt als in sich bestehender und durch sich erkannter
Gegenstand – ist die Person des Heiligen Geistes.
27. In der Menschheit Christi war der menschliche Wille
vom Heiligen Geist so hingerissen – dem objektiven Sein, das heißt dem Wort, anzuhangen – daß er ihm
vollständig die Herrschaft über den Menschen übertrug. Das Wort übernahm sie, indem es die menschliche
Natur mit sich einte.
Daher hörte der menschliche Wille auf, im Menschen persönlich zu sein. Während
er in anderen Menschen Person ist, blieb er in Christus Natur.
29. Die katholische Lehre, welche die
alleinige Wahrheit ist, ist von folgender Vermutung nicht verschieden:
Im eucharistischen Sakrament wird
die Substanz des Brotes und des Weines zum wahren Fleisch und wahren Blut Christi, wenn Christus es zum
Ziel seines sinnenhaften Prinzips macht und es mit seinem Leben lebendig macht.
Dies geschieht ungefähr
auf die Weise, in der das Brot und der Wein wahrhaft wesenhaft verwandelt werden in unser Fleisch und
Blut, weil sie zum Ziel unseres sinnenhaften Prinzips werden.
31. Im Sakrament der Eucharistie ist der
Leib und das Blut Christi
kraft der Worte nur in dem Maße, das der Quantität [„a quel tanto“] der Substanz
von Brot und Wein entspricht, die wesenhaft verwandelt wird.
Der Rest des Leibes Christi ist dort durch
begleitende Mitgegenwart.
32. Wer „das Fleisch des Menschensohnes nicht ißt und sein Blut nicht trinkt,
hat das Leben nicht in sich“. (Joh 6,54) Trotzdem erlangen die, welche mit der Taufe des Wassers, des
Blutes oder der Begierde sterben, sicher das ewige Leben.
Deshalb muß man sagen, daß denen, die in
diesem Leben den Leib und das Blut Christi nicht aßen, diese himmlische Speise im künftigen Leben –
im Augenblick des Todes – dargereicht wird.
Daher konnte Christus – als er in die Unterwelt hinabstieg –
auch den Heiligen des Alten Testamentes sich selber unter den Gestalten von Brot und Wein mitteilen, um
sie zur Anschauung Gottes zu befähigen.
34. Um die Selige Jungfrau Maria vor der Erbsünde zu bewahren,
genügte es, daß ein winziger Same – vielleicht vom Dämon selbst unbeachtet – im Menschen unversehrt
blieb.
Aus dem von Generation zu Generation übertragenen unverdorbenen Samen ging zur rechten Zeit die
Jungfrau Maria hervor.
38. Gott ist der Gegenstand der seligmachenden Anschauung, insoweit er der Urheber
der Werke
nach außen ist.
40. Da Gott sich begrenzten Seienden nicht gänzlich mitteilen kann – auch
nicht durch das Licht der Herrlichkeit – kann er den Schauenden im Himmel sein Wesen nur auf die Weise
enthüllen und mitteilen, die begrenzen Intelligenzen angemessen ist:
Gott offenbart sich ihnen nämlich,
insofern er mit ihnen eine Beziehung hat als ihr Schöpfer, Fürsorger, Erlöser und Heiligmacher.[klein]
Rehabilitierung durch Kardinal RatzingerIm Juli 2001 hob die Kongregation für die Glaubenslehre die
Verurteilung von Pater Rosmini in einer
Notifikation de facto auf.
Immerhin erachtete die Glaubenskongregation
das rosminianische Denksystem als manchmal doppeldeutig.
Es beinhalte mißverständliche Begriffe und
Ausdrücke, die eine aufmerksame Lektüre erfordern und nur im Licht des allgemeinen Kontextes des Werkes
des Autors „geklärt werden können“.
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