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Dienstag, 1. Februar 2005 15:32
Holocaust-Leugner in Deutschland
Während die Gedenkfeiern zur Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz begangen wurden, leugnet das deutsche Bundesland Brandenburg den armenischen Holocaust. Eine Überlebende: Die Gräber der damals getöteten Armenier sind „immer noch offen“. „Kein Volk der Welt hat jemals etwas Ähnliches erleben müssen.“
(kreuz.net, Berlin) Druck aus der Türkei hat dazu geführt, daß ein Hinweis auf den armenischen Holocaust aus einem Schulbuch des ostdeutschen Bundeslandes Brandenburg gestrichen wurde.

Das Land Brandenburg eliminierte einen halben Satz aus einem Geschichtsbuch für 15- und 16-jährige Schüler. Ein türkischer Diplomat hatte beim sozialdemokratischen Regierungschef des Landes, Matthias Platzeck, interveniert. Das berichtete die deutsche Tageszeitung „Die Welt“.

Im Kapitel „Krieg, Technologie und Zivilbevölkerung“ sagte das Schulbuch: „zum Beispiel der Völkermord an der armenischen Bevölkerung in Anatolien.“ Diese Erwähnung ist jetzt aus dem Schulbuch entfernt worden.

Brandenburg sei bisher das einzige deutsche Bundesland gewesen, daß den türkischen Massenmord an den Armeniern erwähnte.

Zwischen 600.000 und 1.5 Millionen christlicher Armenier wurde zwischen 1915 und 1916 von der ottomanischen Regierung der Türkei in der Zeit des Ersten Weltkrieges umgebracht. Die türkische Regierung, welche den Völkermord leugnet, spricht von 200.000 Toten.

Ein Sprecher der türkischen Botschaft in Berlin kommentierte die Berichte nicht, sagte aber, daß die Initiative vom türkischen Konsulat in Berlin-Brandenburg, nicht von der Botschaft selbst ausgegangen sei.

Der Regierungschef des Landes Brandenburg ist ein Mitglied der sozialdemokratischen Partei von Kanzler Gerhard Schröder. Schröder ist ein starker Verfechter einer Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union. In Deutschland wohnen fast 2 Millionen Türken. Das ist die größte türkische Minderheit in einem europäischen Land.

Die CDU, die als Koalitionspartner der SPD ebenfalls in der Brandenburger Regierung sitzt, ist über die Änderung in den Schulbüchern entsetzt. „Das gibt einen fatalen Eindruck“, meinte ein Vertreter der Partei.

Der Präsident des Zentralkomitees der Armenier in Deutschland Schavarsch Ovassapian bezeichnete den Schritt als skandalös: „Es ist bedrückend, daß der Inhalt von Schulbüchern in Brandenburg von Ankara diktiert wird.“

Eine bald hundertjährige Armenierin, die seit Jahren in Deutschland wohnt und im Massaker Vater und Mutter sowie die ganze Verwandtschaft verloren hat, meinte vor Vertretern der Presse, daß die Gräber der damals getöteten Armenier „immer noch offen“ seien.

Von Seiten der Täter habe es keine Wiedergutmachung und keine Anerkennung der Schuld gegeben. Das mache den armenischen Völkermord zu einer Grausamkeit, wie sie die Welt noch nie gesehen habe. Natürlich könne die Geschichte nicht rückgängig gemacht werden. Aber eine unverarbeitete, geleugnete und verdrängte Geschichte lasse den armenischen Toten keine Ruhe.

Kein Volk der Welt habe jemals etwas Ähnliches erleben müssen.
5 Lesermeinungen:
Montag, 28. Februar 2005 16:37
GerdEric: Von der Redaktion entfernt
Mittwoch, 2. Februar 2005 07:49
Laurentius2: Der erste Völkermord
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß – nach meinen Informationen – Hitler selbst in seinen Frühschriften auf die „Effizienz“ und internationale Folgenlosigkeit dieses Genozids hinwies. Man kann darüber spekulieren, ob der Armeniermord als ethnische Säuberung des jungtürkischen Zeitgeistes anno 1915/1916 diesem Teufel nicht einen gedanklichen Anstoß gegeben hat …
Hier hat sich übrigens Frankreich verdient gemacht: Eine französische Marineinfanterieeinheit rettete damals ein von Türken belagertes Dorf vor der Auslöschung und die französische Nationalversammlung prangerte noch vor wenigen wenigen Jahren diesen ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts öffentlich an. Unser Dichter Franz Werfel, der schon früh über diesen Völkermord schrieb, ist hingegen zum höchstgeachteten ausländischen Dichter im restlichen (Ost)armenien unserer Tage geworden. Alles in der deutsch-türkischen Schule ein Tabu …
Mittwoch, 2. Februar 2005 06:15
Uwe Schmidt: türken
Genauso wie die französische Regierung mehr auf arabische, als jüdische Befindlichkeiten Rücksicht nehmen muss, weil 10% der Bevölkerung arabisch ist, es aber nicht einmal 1 Mio Juden in Frankreich gibt, so muss auch Deutschland zuallererst an die türkische Minderheit (etwa 2 Mio von 80 Mio Deutschen) denken, denn Armenier haben wir kaum in Deutschland.
Dienstag, 1. Februar 2005 17:24
GerdEric: Dieses Thema
muss in seiner ganzen Breite erfosscht und dokumentiert werden,
denn nur dadurch kann ähnliches vehindert werden (so hoffe ich).
Dienstag, 1. Februar 2005 17:21
Bruno-Maria Schulz: Ruhe sanft – oder – lebe in Gottes Herrlichkeit
Das ist natürlich schandhaft für die Türken, eben so schandhaft aber für die Deutschen, die solche Geschichtsklitterung mitmachen und stets nur sich selbst Asche auf’s Haupt streuen.

Kein Volk der Welt lud sich nie übergroße Schuld auf gegenüber anderen Völkern. Man muss um achtbar zu bleiben, sich zu solch offener Schuld bekennen – man muss aber nicht, solche Schuld als Erblast allen Generationen anhängen.

Dass die Türkei diese Vertuschung durchsetzte, beweist ihre Europa-Untauglichkeit ebenso, wie die Untauglichkeit unserer hörigen Politiker.

Dieser Satz der Berichterstattung ist unchristlich:

>>>Aber eine unverarbeitete, geleugnete und verdrängte Geschichte lasse den armenischen Toten keine Ruhe<<<

Denn die Ruhe Verstorbener in der Hemisphäre Gottes, ist nicht vom Verhalten der Überlebenden abhängig! Ob jemand würdig oder unwürdig bestattet wurde oder überhaupt nicht, vergessen oder sonst was – berührt das Verhältnis Gott und dieser Verstorbene in Gottes Hemisphäre überhaupt nicht. Der Satz die Ruhe der Toten nicht zu stören – ihnen ihre Ruhe zu gönnen usw. ist unsinnig und dem Glauben widersprechend.

Bruno-Maria Schulz
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