Während die Gedenkfeiern zur Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz begangen wurden, leugnet das deutsche Bundesland Brandenburg den armenischen Holocaust. Eine Überlebende: Die Gräber der damals getöteten Armenier sind „immer noch offen“. „Kein Volk der Welt hat jemals etwas Ähnliches erleben müssen.“
(kreuz.net, Berlin) Druck aus der Türkei hat dazu geführt, daß ein Hinweis auf den armenischen Holocaust
aus einem Schulbuch des ostdeutschen Bundeslandes Brandenburg gestrichen wurde.
Das Land Brandenburg
eliminierte einen halben Satz aus einem Geschichtsbuch für 15- und 16-jährige Schüler. Ein türkischer
Diplomat hatte beim sozialdemokratischen Regierungschef des Landes, Matthias Platzeck, interveniert. Das
berichtete die deutsche Tageszeitung „Die Welt“.
Im Kapitel „Krieg, Technologie und Zivilbevölkerung“
sagte das Schulbuch: „zum Beispiel der Völkermord an der armenischen Bevölkerung in Anatolien.“ Diese
Erwähnung ist jetzt aus dem Schulbuch entfernt worden.
Brandenburg sei bisher das einzige deutsche Bundesland
gewesen, daß den türkischen Massenmord an den Armeniern erwähnte.
Zwischen 600.000 und 1.5 Millionen
christlicher Armenier wurde zwischen 1915 und 1916 von der ottomanischen Regierung der Türkei in der
Zeit des Ersten Weltkrieges umgebracht. Die türkische Regierung, welche den Völkermord leugnet, spricht
von 200.000 Toten.
Ein Sprecher der türkischen Botschaft in Berlin kommentierte die Berichte nicht,
sagte aber, daß die Initiative vom türkischen Konsulat in Berlin-Brandenburg, nicht von der Botschaft
selbst ausgegangen sei.
Der Regierungschef des Landes Brandenburg ist ein Mitglied der sozialdemokratischen
Partei von Kanzler Gerhard Schröder. Schröder ist ein starker Verfechter einer Mitgliedschaft der Türkei
in der Europäischen Union. In Deutschland wohnen fast 2 Millionen Türken. Das ist die größte türkische
Minderheit in einem europäischen Land.
Die CDU, die als Koalitionspartner der SPD ebenfalls in der Brandenburger
Regierung sitzt, ist über die Änderung in den Schulbüchern entsetzt. „Das gibt einen fatalen Eindruck“,
meinte ein Vertreter der Partei.
Der Präsident des Zentralkomitees der Armenier in Deutschland Schavarsch
Ovassapian bezeichnete den Schritt als skandalös: „Es ist bedrückend, daß der Inhalt von Schulbüchern
in Brandenburg von Ankara diktiert wird.“
Eine bald hundertjährige Armenierin, die seit Jahren in Deutschland
wohnt und im Massaker Vater und Mutter sowie die ganze Verwandtschaft verloren hat, meinte vor Vertretern
der Presse, daß die Gräber der damals getöteten Armenier „immer noch offen“ seien.
Von Seiten der
Täter habe es keine Wiedergutmachung und keine Anerkennung der Schuld gegeben. Das mache den armenischen
Völkermord zu einer Grausamkeit, wie sie die Welt noch nie gesehen habe. Natürlich könne die Geschichte
nicht rückgängig gemacht werden. Aber eine unverarbeitete, geleugnete und verdrängte Geschichte lasse
den armenischen Toten keine Ruhe.
Kein Volk der Welt habe jemals etwas Ähnliches erleben müssen.
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4 Lesermeinungen
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#4 Laurentius2 07:49:02 | Mittwoch, 2. Februar 2005
Der erste Völkermord Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß – nach meinen Informationen – Hitler
selbst in seinen Frühschriften auf die „Effizienz“ und internationale Folgenlosigkeit dieses Genozids
hinwies. Man kann darüber spekulieren, ob der Armeniermord als ethnische Säuberung des jungtürkischen
Zeitgeistes anno 1915/1916 diesem Teufel nicht einen gedanklichen Anstoß gegeben hat … Hier hat sich
übrigens Frankreich verdient gemacht: Eine französische Marineinfanterieeinheit rettete damals ein von
Türken belagertes Dorf vor der Auslöschung und die französische Nationalversammlung prangerte noch
vor wenigen wenigen Jahren diesen ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts öffentlich an. Unser Dichter
Franz Werfel, der schon früh über diesen Völkermord schrieb, ist hingegen zum höchstgeachteten ausländischen
Dichter im restlichen (Ost)armenien unserer Tage geworden. Alles in der deutsch-türkischen Schule ein
Tabu …
#3 Uwe Schmidt 06:15:36 | Mittwoch, 2. Februar 2005
türken Genauso wie die französische Regierung mehr auf arabische, als jüdische Befindlichkeiten Rücksicht
nehmen muss, weil 10% der Bevölkerung arabisch ist, es aber nicht einmal 1 Mio Juden in Frankreich gibt,
so muss auch Deutschland zuallererst an die türkische Minderheit (etwa 2 Mio von 80 Mio Deutschen) denken,
denn Armenier haben wir kaum in Deutschland.
Ruhe sanft – oder – lebe in Gottes Herrlichkeit Das ist natürlich schandhaft für die Türken, eben so
schandhaft aber für die Deutschen, die solche Geschichtsklitterung mitmachen und stets nur sich selbst
Asche auf’s Haupt streuen. Kein Volk der Welt lud sich nie übergroße Schuld auf gegenüber anderen Völkern.
Man muss um achtbar zu bleiben, sich zu solch offener Schuld bekennen – man muss aber nicht, solche Schuld
als Erblast allen Generationen anhängen. Dass die Türkei diese Vertuschung durchsetzte, beweist ihre
Europa-Untauglichkeit ebenso, wie die Untauglichkeit unserer hörigen Politiker. Dieser Satz der Berichterstattung
ist unchristlich: >>>Aber eine unverarbeitete, geleugnete und verdrängte Geschichte lasse den armenischen
Toten keine Ruhe<<< Denn die Ruhe Verstorbener in der Hemisphäre Gottes, ist nicht vom Verhalten der
Überlebenden abhängig! Ob jemand würdig oder unwürdig bestattet wurde oder überhaupt nicht, vergessen
oder sonst was – berührt das Verhältnis Gott und dieser Verstorbene in Gottes Hemisphäre überhaupt
nicht. Der Satz die Ruhe der Toten nicht zu stören – ihnen ihre Ruhe zu gönnen usw. ist unsinnig und
dem Glauben widersprechend. Bruno-Maria Schulz