17:14:01 | Mittwoch, 26. September 2007
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz benützte vorgestern das bekannte Säurebad der Dialektik, um das Kirchendokument der Glaubenskongregation in sein Gegenteil zu verkehren.

Karl Kardinal Lehmann von Mainz
© pixelio.de(kreuz.net) Karl Kardinal Lehmann von Mainz ist mit der Kritik an dem
Juli-Dokument der Glaubenskongregation
scharf ins Gericht gegangen.
Der Kardinal äußerte sich in seinem langen Eröffnungsreferat vor der
gegenwärtig in Fulda tagenden Deutschen Bischofskonferenz.
Die Kritik an dem Dokument der Glaubenskongregation
trage „Züge einer regelrechten Kampagne“. Diese habe die Erinnerung an „alte antikatholische Positionen“
wachgerufen.
Diese deutlichen Worte ergänzte der Kardinal mit einer nicht weniger deutlichen Antithese.
Um sie zu formulieren, wühlte er sich durch die Redaktionsgeschichte des Konzilsdokumentes ‘Lumen Gentium’.
Er benützte sie als theologischen Ort, um nachzuweisen, daß das letzte Konzil keine eindeutige Identifikation
der Kirche mit der katholischen Kirche vorgesehen habe.
Das Konzil formuliere „kein absolutes, exklusives
Identitätsurteil“ – erklärte Kardinal Lehmann, um sogleich wieder dialektisch verschleiernd umzuschwenken:
„Aber es wird auch keine Unklarheit gelassen über die Erkennbarkeit der Kirche Jesu Christi, und darüber,
wo diese geschichtlich-konkret zu finden ist.“
Kardinal Lehmann sieht das Problem seiner vernebelnden
Darstellung in der Lehre des Konzils selber:
„Es war gewiß eine Art von Kunststück, ohne Zweideutigkeiten
und Unklarheiten einerseits daran festzuhalten, daß die Kirche Jesu Christi ihre konkrete Existenzform
in der Katholischen Kirche hat, und anderseits, daß es unbeschadet dieser grundsätzlichen Position Raum
für die Auffassung gibt, es gebe in den von der katholischen Kirche getrennten Kirchen echte kirchliche
Elemente, so daß diese Kirchen auch irgendwie am Kirchesein teilhaben.“

Alte Messe während des Zweiten Vatikanischen Konzils
Der Kardinal kommt sodann auf
die Aussage in Lumen Gentium zu sprechen, wonach außerhalb des kirchlichen Gefüges „vielfältige Elemente
der Heiligung und der Wahrheit“ zu finden seien.
Er interpretiert sie ebenfalls dialektisch und in einem
maximalistischen Sinn:
„Bei allen Einschränkungen und notwendigen Differenzierungen ist hier eine ganz
grundlegende Anerkennung der authentischen ekklesialen Realität und, bei aller Unvollkommenheit, des
Kircheseins ausgesprochen“ – behauptet der Kardinal und fügt hinzu:
„Die katholische Kirche erblickt
in den anderen christlichen Glaubensgemeinschaften eine wirkliche Anteilnahme am Kirchesein.“
Gleichzeitig
kritisiert er das Dokument der Glaubenskongregation, diesen angeblichen „Meilenstein“ im Zweiten Vatikanum
nicht stärker beachtet zu haben.
Das letzte Konzil habe die Gleichsetzung „Kirche Jesu Christi = katholische
Kirche“ in einem exklusiven Sinn eingeschränkt:
„Dies ermöglicht eine echte Ergänzung und einen aufrichtigen
Dialog.“
Es werde auch deutlich, daß es „nach beiden Seiten“ hin ein „gewiß verschiedenes Defizit“
in der „»Vollständigkeit«“ der eigenen kirchlichen Existenz und ein Sollen zu einer tieferen Einheit
gebe – formuliert der Kardinal paritätisch.
Nach einem längeren dialektischen Verwirrspiel dieser Art
kommt der Kardinal zum Schluß:
„Im Grunde sind, so darf man wohl feststellen, die Ausführungen des
Konzils ausreichend klar.“
Diese Aussage hindert ihn nicht, kurz darauf, die Aussagen des Konzils vernebelnd
als „bleibende Norm“ und gleichzeitig als „keine abschließende Endstation“ zu bezeichnen.
Auch die Frage
des „Apostolischen Amtes“ – gemeint ist die apostolische Sukzession – löst sich im dialektischen Säurebad
des Kardinals auf.
Zu diesem Thema zitiert er, offenbar zustimmend, Meinungen, wonach das Amt außerhalb
der Kriterien für das Kirchesein stehe.
Am Schluß des Vortrages verteilt Kardinal Lehmann – wie immer
mit dialektischen Verschnörkelungen – Schläge an die Adresse Roms.
Es sei nicht angebracht, „sogar
notwendige“ Erinnerungen und Mahnungen verbindlicher kirchlicher Aussagen, besonders im ökumenischen
Gespräch, im Abstand von wenigen Jahren „nur zu wiederholen“.
Der Juni-Text der Glaubenskongregation
erfordere „viele Voraussetzungen für das Verständnis“.
Es bedürfe darum intensiven Nachdenkens, wie
man einen Text zu derartigen Themen veröffentlichen könne, „ohne daß es zu erheblichen Mißverständnissen
und Pannen in einer weltweiten Öffentlichkeit kommt“.
Hier werde man „radikal neue“ Überlegungen anstellen
müssen.
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