Ökumene
Ja oder doch eher nein
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz benützte vorgestern das bekannte Säurebad der Dialektik, um das Kirchendokument der Glaubenskongregation in sein Gegenteil zu verkehren.
Karl Kardinal Lehmann von Mainz
Karl Kardinal Lehmann von Mainz
© pixelio.de
(kreuz.net) Karl Kardinal Lehmann von Mainz ist mit der Kritik an dem Juli-Dokument der Glaubenskongregation scharf ins Gericht gegangen.

Der Kardinal äußerte sich in seinem langen Eröffnungsreferat vor der gegenwärtig in Fulda tagenden Deutschen Bischofskonferenz.

Die Kritik an dem Dokument der Glaubenskongregation trage „Züge einer regelrechten Kampagne“. Diese habe die Erinnerung an „alte antikatholische Positionen“ wachgerufen.

Diese deutlichen Worte ergänzte der Kardinal mit einer nicht weniger deutlichen Antithese.

Um sie zu formulieren, wühlte er sich durch die Redaktionsgeschichte des Konzilsdokumentes ‘Lumen Gentium’. Er benützte sie als theologischen Ort, um nachzuweisen, daß das letzte Konzil keine eindeutige Identifikation der Kirche mit der katholischen Kirche vorgesehen habe.

Das Konzil formuliere „kein absolutes, exklusives Identitätsurteil“ – erklärte Kardinal Lehmann, um sogleich wieder dialektisch verschleiernd umzuschwenken:

„Aber es wird auch keine Unklarheit gelassen über die Erkennbarkeit der Kirche Jesu Christi, und darüber, wo diese geschichtlich-konkret zu finden ist.“

Kardinal Lehmann sieht das Problem seiner vernebelnden Darstellung in der Lehre des Konzils selber:

„Es war gewiß eine Art von Kunststück, ohne Zweideutigkeiten und Unklarheiten einerseits daran festzuhalten, daß die Kirche Jesu Christi ihre konkrete Existenzform in der Katholischen Kirche hat, und anderseits, daß es unbeschadet dieser grundsätzlichen Position Raum für die Auffassung gibt, es gebe in den von der katholischen Kirche getrennten Kirchen echte kirchliche Elemente, so daß diese Kirchen auch irgendwie am Kirchesein teilhaben.“

Alte Messe während des Zweiten Vatikanischen Konzils
Alte Messe während des Zweiten Vatikanischen Konzils
Der Kardinal kommt sodann auf die Aussage in Lumen Gentium zu sprechen, wonach außerhalb des kirchlichen Gefüges „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ zu finden seien.

Er interpretiert sie ebenfalls dialektisch und in einem maximalistischen Sinn:

„Bei allen Einschränkungen und notwendigen Differenzierungen ist hier eine ganz grundlegende Anerkennung der authentischen ekklesialen Realität und, bei aller Unvollkommenheit, des Kircheseins ausgesprochen“ – behauptet der Kardinal und fügt hinzu:

„Die katholische Kirche erblickt in den anderen christlichen Glaubensgemeinschaften eine wirkliche Anteilnahme am Kirchesein.“

Gleichzeitig kritisiert er das Dokument der Glaubenskongregation, diesen angeblichen „Meilenstein“ im Zweiten Vatikanum nicht stärker beachtet zu haben.

Das letzte Konzil habe die Gleichsetzung „Kirche Jesu Christi = katholische Kirche“ in einem exklusiven Sinn eingeschränkt:

„Dies ermöglicht eine echte Ergänzung und einen aufrichtigen Dialog.“

Es werde auch deutlich, daß es „nach beiden Seiten“ hin ein „gewiß verschiedenes Defizit“ in der „»Vollständigkeit«“ der eigenen kirchlichen Existenz und ein Sollen zu einer tieferen Einheit gebe – formuliert der Kardinal paritätisch.

Nach einem längeren dialektischen Verwirrspiel dieser Art kommt der Kardinal zum Schluß:

„Im Grunde sind, so darf man wohl feststellen, die Ausführungen des Konzils ausreichend klar.“

Diese Aussage hindert ihn nicht, kurz darauf, die Aussagen des Konzils vernebelnd als „bleibende Norm“ und gleichzeitig als „keine abschließende Endstation“ zu bezeichnen.

Auch die Frage des „Apostolischen Amtes“ – gemeint ist die apostolische Sukzession – löst sich im dialektischen Säurebad des Kardinals auf.

Zu diesem Thema zitiert er, offenbar zustimmend, Meinungen, wonach das Amt außerhalb der Kriterien für das Kirchesein stehe.

Am Schluß des Vortrages verteilt Kardinal Lehmann – wie immer mit dialektischen Verschnörkelungen – Schläge an die Adresse Roms.

Es sei nicht angebracht, „sogar notwendige“ Erinnerungen und Mahnungen verbindlicher kirchlicher Aussagen, besonders im ökumenischen Gespräch, im Abstand von wenigen Jahren „nur zu wiederholen“.

Der Juni-Text der Glaubenskongregation erfordere „viele Voraussetzungen für das Verständnis“.

Es bedürfe darum intensiven Nachdenkens, wie man einen Text zu derartigen Themen veröffentlichen könne, „ohne daß es zu erheblichen Mißverständnissen und Pannen in einer weltweiten Öffentlichkeit kommt“.

Hier werde man „radikal neue“ Überlegungen anstellen müssen.
      
9 Lesermeinungen
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#9   Pünktchen   12:01:18 | Freitag, 28. September 2007
Aus dem Pfarrbrief der Gemeinde St. Josef in Mainz:
.
Hl. Messe im tridentinischen Ritus (Messe im überlieferten Ritus)
Mit Erlaubnis unseres Kardinals Karl Lehmann wird die Messe in unserer Pfarrei dienstags (18.00 Uhr) und sonntags (8.30 Uhr) im überlieferten Ritus gefeiert.
Genaue Vorgaben sind bei der Feier im alten Ritus einzuhalten und es darf keine Vermischung der Riten geben. So wird z.B. die Hl. Kommunion allein als Mundkommunion gereicht.
Die >>>> Homepage der Pfarrei St. Josef, Mainz www.st-joseph-mainz.de/<<<<
.
Adresse und Kontaktmöglichkeiten:
Pfarrgemeinde St. Joseph
Josefstr. 74
55118 Mainz
Tel.: 06131/611451
FAX: 06131/9725109
Der Pfarrer Josef Mohr hat die e-mail-Adresse:
pfarrer@st-joseph-mainz.de
Seine Tel.nr. lautet: 06131/9725108
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#8   Nachtlaterne   18:29:52 | Donnerstag, 27. September 2007
jede wette,
er hält gott selber für ein schlitzohr, weil er selber ja auch eines ist.
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#7   Hyazinth   17:03:06 | Donnerstag, 27. September 2007
Respekt!!!
Respekt, Eminenz, da hat aber einer bei seinem Lehr- (oder doch besser Leer-???)meister Rahner so einiges an verbaler Verschleierungstaktitk abgeguckt. Wenn nur alle Schüler nach der Pisa-Studie so wären. Setzen – 1+!
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#6   Nachtlaterne   12:37:45 | Donnerstag, 27. September 2007
diser merkwürdige …
…kardinal hat sehr sehr viel unheil angerichtet und wird es wohl bis zum letzten atemzug tun. es bleibt mir ein ewiges rätsel warum ein so guter papst wie johannes paul den lehmann zum kardinal erklärte. wir brauchen endlich ein schwarzbuch so genannter friedensfürsten.
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#5   Liborius   01:32:51 | Donnerstag, 27. September 2007
Der Kardinal der nicht mehr an die Kirche glaubt!
Was will man von einem Kardinal erwarten, der nicht an die Kirche glaubt? (vergl. Fernsehdiskussion der Sendung „Quergedacht“ Thema: Zwischen Himmel und Hölle – Gibt es ein Leben nach dem Tod, SWR 07.03.2007)
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#4   möchtegern-kathole   20:24:32 | Mittwoch, 26. September 2007
Konzil?
Solange ein Konzil bestimmte Aussagen nicht dogmatisiert, handelt es sich nur um mehr oder weniger fromme Texte, wie bei jedem anderen Papier aus dem Vatikan auch.
Man darf sich da von dem Begriff „Konzil“ nicht einschüchtern lassen und nicht mehr Autorität hineininterpretieren als enthalten ist.
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#3   Florian Geyer   18:10:44 | Mittwoch, 26. September 2007
hat das
fassl da oben kein ventil wo es druck ablassen kann ?
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#2   santo domingo 2   17:50:11 | Mittwoch, 26. September 2007
Und Bischof Algermissen?
Ich glaub’, mich streift ein Bus. Das gibt’s doch nicht!
Da hatte es doch Bischof Algermissen aus Fulda gewagt, offene Kritik an seinem Regensburger Kollegen www.kreuz.net/article.5916.html zu üben, exakt im Vorfeld der Bischofskonferenz, und dann kein Wort darüber im Artikel?
Wie kommt das?
Oder sollte ich den Passus zu Algermissen nur übersehen haben? :-O
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#1   semper reformandus   17:35:59 | Mittwoch, 26. September 2007
Wann …
… wird dieser Verräter endlich zum Schweigen gebracht? Der Mann geriert sich als Gegenpapst. In der Rezension über den jüngsten Küngschen Über-Sich-Selbst-Erguß im Spiegel wurde aus einem Brief des verräterischen heutigen Kardinals aus den späten 60er Jahren zitiert, sinngemäß: „Bleiben Sie standhaft gegen Rom, Sie sind unsere lezte Hoffnung“. Wieso wird so jemand Kardinal? Wieso wird so jemad immer wieder Vorsitzender DBK? Es ist zum Verzweifeln.
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