[ « 154 155 156 157 158 » ]
Freitag, 28. September 2007 10:09
Spaltung statt Erneuerung
„Manche evangelische Ökumeniker erwecken den Eindruck, als könnte die evangelische Seite im Status quo verharren und der katholischen Kirche dennoch auf Augenhöhe begegnen.“ Von Friedrich Wilhelm Beckmann, evangelischer Pfarrer in Börninghausen. UPDATE
Martin Luther vor der Dresdner Frauenkirche.
Martin Luther vor der Dresdner Frauenkirche.
(kreuz.net) Auf die römischen Verlautbarungen zur Ökumene reagieren evangelische Kirchenführer und Christen in aller Regel mit einem lauten Aufschrei und äußern Vorwürfe zur katholischen Lehre.

Bei allen Unterschieden im Einzelnen fordert die evangelische Seite, als Kirche im Vollsinn anerkannt zu werden.

Es scheint in Vergessenheit geraten zu sein, daß am Anfang der Reformation ein Bußruf steht. Die 1. der 95 Thesen lautet:

Die 95 Thesen Luthers.
Die 95 Thesen Luthers.
„Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße, so will er, daß das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete Buße sei.“

Und im Ökumenismusdekret des Zweiten Vatikanums heißt es treffend: „Es gibt keinen echten Ökumenismus ohne innere Bekehrung.“

Tatsache ist, daß die Kirche eine göttliche Stiftung ist, die sich auf die Lehre der Apostel gründet, wie sie in der Heiligen Schrift enthalten ist.

Klar ist auch, daß sich in den ersten 1500 Jahren manche Mißstände in der Kirche ergeben hatten.

Doch der gute Ansatz von Martin Luther, die eine Kirche zu erneuern, ist fehlgeschlagen und erst recht in den Jahrhunderten nach ihm pervertiert worden.

Das Bischofsamt wurde in die Hände der Landesfürsten gelegt. Am Ende der Reformation steht eben nicht Erneuerung aus dem Geist des Evangeliums, sondern Spaltung und Zersplitterung in viele Glaubensrichtungen.

Die konfessionelle Aufspaltung Europas.
Die konfessionelle Aufspaltung Europas.
Im Gefolge sicher gut gemeinter Reformbestrebungen sind leider Kennzeichen der Kirche, die 1500 Jahre in Geltung standen und sich in Übereinstimmung mit allgemeinen Konzilien befanden, verloren gegangen.

Zu den Fehlentwicklungen auf evangelischer Seite gehören:

• Das einheitsstiftende Dienstamt des Nachfolgers des Apostels Petrus, das im Papstamt fortlebt und 1500 Jahre lang für die gesamte Christenheit in Geltung stand, wird abgelehnt.

• Die Ordination durch Handauflegung und Gebet in apostolischer Sukzession und die Dreigliedrigkeit des Amtes als Bischof, Pfarrer und Diakon sind aufgegeben worden.

• Das „Allgemeine Priestertum aller Gläubigen“ wird gegenüber dem Amt, zu dem die Ordination der Kirche befähigt, so stark überbetont, daß die Notwendigkeit und Bedeutung des ordinierten Amtes in der Kirche so gut wie verschwunden sind.

• Der hergebrachte Gottesdienst des Abendlandes als Messe mit Verkündigung des Wortes Gottes und Feier des Altarsakraments ist fast überall aufgegeben worden.

• Der subjektive Predigtgottesdienst überwuchert alles und läßt die in der Regel nur einmal im Monat gefeierte Eucharistie in den Hintergrund treten – entgegen biblischem Ursprung und urchristlicher Praxis.

• Die reformatorischen Bekenntnisschriften wie etwa das Augsburger Bekenntnis von 1530 sind in der Theologie der evangelischen Kirche heute so gut wie außer Acht gelassen.

Man denke nur an die neuerliche Unterscheidung von Ordination und Beauftragung für die Leitung eines eucharistischen Gottesdienstes.

• In einseitig verstandener Christuszentriertheit werden Marienverehrung, Heiligenverehrung – wie es den Reformatoren noch wichtig war – abgelehnt.

• Durch die Abschaffung biblisch begründeter Gedenktage wird das evangelische Kirchenjahr immer ärmer.

• Während Martin Luther noch empfohlen hat, sich täglich in Erinnerung an die Taufe zu bekreuzigen, ist das Kreuzzeichen seltsamerweise zum Unterscheidungsmerkmal geworden. Evangelische Christen lehnen dies rundum ab.

• Auch die sinnvolle altkirchliche Gottesdienstgewandung ist ganz und gar aus der Mode gekommen, während der von einem preußischen König eingeführte schwarze Gelehrtentalar die evangelische Kirche dominiert und so gerade zum Unterscheidungsmerkmal von der katholischen Kirche geworden ist.

Wer Äußerlichkeiten gering schätzt, der mißachtet, daß Form und Inhalt in der Tiefe eins sind.

• Typisch evangelisch ist auch in der Liturgie des Gottesdienstes eine weit verbreitete Formlosigkeit und ausgerechnet in der Kirche, die das „Allgemeine Priestertum aller Gläubigen“ so betont, schweigt die Gemeinde in aller Regel bei den Responsorien.

• Der reiche Schatz von Ordinariumsstücken zu Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus ist meistens auf eine noch praktizierbare Form zusammen geschrumpft.

• Der Sakramentsbegriff ist einseitig biblizistisch geprägt, so daß von den sieben Sakramenten gerade mit Taufe und Altarsakrament noch zwei übrig geblieben sind, obgleich Luther die Beichte noch beibehalten wollte.

• Das Mysterium, das Geheimnis des Glaubens, ist weitgehend ausgewandert.

• Im evangelischen Gottesdienst gibt es im Allgemeinen kaum noch Ehrfurcht und Anbetung. Der heilige Raum der Kirche wird oft als Versammlungshalle mißverstanden.

In der wirklich weiterführenden geistlichen Ökumene kann es nicht darum gehen, daß man nur Forderungen an die jeweils andere Seite hat.

Auch „Toleranztheorien“ führen nicht weiter. Gerade wir als evangelische Kirche müssen uns viele Schwachpunkte eingestehen.

Natürlich ist Kirche zu allen Zeiten reformbedürftig. Aber Maßstäbe der Reform dürfen nicht Zeitgeist, Trend und allgemeine Liberalität sein. Allen Christen – und ganz besonders uns evangelischen Christen – tut eine Gewissenserforschung gut.

Die Frage muß doch lauten: Wie können wir als Christen aller Konfessionen unseren Glauben an den dreieinigen Gott auf der Grundlage des gesamten Glaubensgutes der Kirche von Anfang an, wie es in der Heiligen Schrift verbindlich bezeugt ist, so leben und weitergeben, daß Gott wieder für uns im Mittelpunkt steht, daß immer mehr Menschen bereit werden zur Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus und sich vom Heiligen Geist leiten lassen?

Wo können wir unsere Tradition mit ihren Fehlentwicklungen so korrigieren, so daß daraus mehr Christus-Nähe entsteht und zwischen den Kirchen mehr Verbindungen wachsen als Abgrenzungen?

Die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche bei der ökumenischen Bibelübersetzung im September 2005 war ein völlig falsches Signal.

Was 1978 möglich war, müßte auch 27 Jahre später möglich sein. Wer ein gemeinsames Abendmahl anstrebt, der müßte auch zu einer gemeinsamen Übersetzung der Heiligen Schrift stehen.

Auch gilt es, den reichen Gebetsschatz der Kirche von Anfang an – nicht nur aus katholischer, sondern auch aus orthodoxer Tradition – neu zu entdecken und vor allem auch für die Sakramentsliturgie mit Epiklese – Anrufung des Heiligen Geistes – und Anamnese – Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Jesu – fruchtbar zu machen.

Die Tagzeitengebete wie Laudes, Vesper und Komplet sind vorwiegend biblisches Gebet und sollten in unserer evangelischen Kirche wieder gewonnen werden.

Manche evangelische Ökumeniker erwecken den Eindruck, als könnten wir auf der evangelischen Seite im Status quo verharren und der katholischen Kirche dennoch auf „Augenhöhe“ begegnen und von ihr erwarten, als vollständige und gleichberechtigte Kirche anerkannt zu werden.

Bild Martin Luthers von Lucas Cranach dem Älteren († 1553).
Bild Martin Luthers von Lucas Cranach dem Älteren († 1553).
Zum ehrlichen Umgang in der Ökumene gehört auch, daß wir bei allem geistlichen Reichtum, den Martin Luther in die gesamte abendländische Christenheit eingebracht hat, auch seine einseitigen und überzogenen Positionen erkennen und uns eingestehen.

Dazu gehört auch die Erkenntnis, daß Luther-Zitate nicht dieselbe Dignität haben können wie Worte aus der Heiligen Schrift.

Kein einziger Mensch allein kann Vollhörer der ganzen Heiligen Schrift sein.

Es kann nur der mit den Brüdern und Schwestern reden, der auch bereit ist, auf die Väter und Mütter im Glauben zu hören.

Auch in den ersten 1500 Jahren der Kirche vor Martin Luther ist gültig getauft und geglaubt worden.

Nachdem durch die Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ am 31. Oktober 1999 in Augsburg eine Grundkontroverse zwischen katholischen und evangelischen Christen beigelegt ist, sind jetzt in der Ökumene die Themen „Kirchenverständnis“ und „Ämter“ an der Reihe.

Wir brauchen noch viel wissenschaftliche Aufarbeitung in der Theologie, wo allerdings der Bogen weit genug gespannt wird und die gesamte Kirchengeschichte von Anfang an mit allen Lehrentwicklungen in den Blick kommen muß.

Einseitigkeiten und Engführungen dürfen keine Axiome werden.

Aber noch dringender brauchen wir in beiden großen Kirchen in Deutschland ein Bewußtsein, daß die seit fast 500 Jahren fortbestehende Spaltung der Kirche eine schlimme Wunde am Leib Christi, der Kirche, ist, die dem Willen unseres Herrn, der nur eine einzige Kirche gegründet hat, zutiefst zuwider ist.

Folge dieses Bewußtseins der Abnormität der Kirchenspaltung kann nur vermehrtes Gebet in ökumenischer Gemeinschaft für die Einheit aller Christen in der Wahrheit sein.

Bei der weiteren geistlichen Ökumene sollten wir uns in allen Teilkirchen leiten lassen von der Weisung des Apostels Paulus: „Prüft alles, und behaltet das Gute!“ (1. Thess. 5, 21) und so die protestantische Selbstgenügsamkeit überwinden.

Der Verfasser ist evangelischer Pfarrer in Börninghausen bei Preussisch Oldendorf im Nordosten des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.
© Titelbild: flickr-Benützer „ff137“, CC
Richtigstellung zu „Spaltung statt Erneuerung“
Von Friedrich Wilhelm Beckmann, evangelischer Pfarrer in Börninghausen

(kreuz.net) Am 28. September 2007 veröffentlichte ‘kreuz.net’ meinen Artikel „Spaltung statt Erneuerung“.

Der Beitrag gibt in einigen Punkten Anlaß zu unguten Mißverständnissen.

Martin Luther wollte die damalige Kirche reformieren. Sein Grundanliegen war, die Mißstände wie Ablaßhandel und falsch verstandene Gottesdienstpraktiken abzustellen.

Er hat keine neue Kirche gründen wollen, sondern die eine Kirche Christi aus dem Geist des Evangeliums erneuern wollen. Einzige Richtschnur war ihm die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testamentes.

Sein Grundanliegen war die Befreiung der Kirche von unbiblischen Zutaten.

Leider nahm die damalige Kirchenleitung seine berechtigten Anliegen nicht auf, so daß – gegen die Absicht Martin Luthers – Spaltungen entstanden.

Landesfürsten haben leider im Gefolge der Reformation geistliche Anliegen mit weltlichen Machtinteressen verknüpft.

Wenngleich die Kirche nach den lutherischen Bekenntnisschriften, wie der evangelische Theologieprofessor Harding Meyer schlüssig darlegt, eine „Stiftung Gottes“ und „Dienerin und Werkzeug“ göttlichen Heilshandelns ist, muß dennoch beachtet werden, daß die Kirche zu allen Zeiten auch menschliche Seiten und damit Schwächen hat.

Dem Willen Gottes, der nur eine Kirche gegründet hat, entspricht die Einheit der Kirche, die so oft im Neuen Testament als wesentlich für die Kirche genannt wird.

Die Wahrheit, die Gott uns Menschen mit unserem Glauben an den Dreieinigen Gott anvertraut hat, ist so groß und umfassend, daß sie keine Kirche allein für sich haben kann.

In jeder Teilkirche gibt es Stärken und Schwächen. Was der einen Teilkirche wichtig ist, nimmt möglicherweise in anderen Teilkirchen eine untergeordnete Stellung ein.

Unsere evangelische Kirche
Das einheitsstiftende Dienstamt des Nachfolgers des Apostels Petrus, das im Papstamt fortlebt, ist in der gegenwärtigen Form für uns als evangelische Christen so nicht annehmbar.

Natürlich stand das Papstamt in den ersten 1500 Jahren für die gesamte Christenheit in Geltung.

Martin Luther wollte das Papstamt nicht abschaffen. Seine berechtigte Kritik richtete sich gegen die unbiblische Amtsführung der Päpste seiner Zeit.

1995 hat Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika „Ut unum sint“ – Auf daß alle eins seien – alle nichtkatholischen Christen eingeladen, in einen Dialog über das Papstamt einzutreten, wie dies Amt christusgemäßer ausgeübt werden könnte, so daß alle Christen dem Bischof von Rom einen „Vorsitz in der Liebe“ gleichsam als eine Art „Ehrenvorsitzender“ und „Sprecher der Christenheit“ zubilligen könnten.

Aus der Lektüre der Kirchenväter wird deutlich, daß der Bischof von Rom schon in früher Zeit einen Ehrenvorsitz hatte. In all den Jahrhunderten hat sich das Papstamt gewandelt, so daß der Papst heute einen Jurisdiktionsprimat innehat und er damit höchste Lehrgewalt in der katholischen Kirche hat.

Ein Papstamt mit Jurisdiktionsprimat und Unfehlbarkeitsdogma (1870) ist für evangelische Christen unannehmbar.

Die evangelischen Theologen Landesbischof Johannes Friedrich, Harding Meyer und Gunther Wenz haben sich unter anderem an einer wissenschaftlichen Diskussion beteiligt, unter welchen Voraussetzungen der Bischof von Rom einen Ehrenvorsitz auch für die evangelische Kirche innehaben könnte.

Hier sind jedoch noch viele offene Fragen zu klären.

Die Lima-Texte, die als Konvergenz-Texte allen Kirchen des Ökumenischen Rates – und somit auch unserer evangelischen Kirche – zur Prüfung vorgelegt wurden, befassen sich mit Taufe, Eucharistie und Amt und wollten zu größerer Gemeinsamkeit unter den einzelnen Teilkirchen beitragen.

Dort wird auf die apostolische Sukzession für das ordinierte Amt verwiesen.

Die apostolische Sukzession, die der katholischen Kirche für die Amtsweitergabe sehr wichtig ist, besagt, daß sich jeder Amtsträger in der Kirche durch seine Ordination durch Handauflegung und Gebet in einer Traditionskette bis auf die Urchristenheit zurückführen kann.

Lutherische Kirchen in Schweden und Finnland etwa haben die apostolische Sukzession beibehalten.

Es gibt also lutherische Kirchen, die sich für diese Amtsnachfolge geöffnet haben.

Viel entscheidender als der äußerliche Ritus ist die inhaltliche Sukzession, daß durch alle Ordinierten der Glaube der Apostel, wie er in der Bibel enthalten ist, weiter gegeben wird.

Um in der Amtsfrage in der Ökumene weiterzukommen, so daß wir in den einzelnen christlichen Kirchen zu einer gegenseitigen Anerkennung unserer Ämter kommen, wurde auch von verschiedenen Seiten der Vorschlag gemacht, daß wir uns bei Ordinationen gegenseitig die Hände auflegen beziehungsweise auflegen lassen, auch von Ordinierten der jeweils anderen Kirchen.

Wenn so mehr Einheit entstände, wäre das eine gute Sache.

Das „Allgemeine Priestertum aller Gläubigen“ und das „Priestertum des Dienstes“ gehören zusammen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Diese beiden Formen ergänzen einander. Durch die Taufe sind alle Gläubigen wie auch Amtsträger miteinander verbunden. Die Ordinierten üben das Dienstamt aus, was nach der Confessio Augustana – dem Augsburger Bekenntnis – mit Amt in der Kirche gemeint ist und bezeugen der Gemeinde den apostolischen Glauben in Wort und Sakrament.

Die Hochschätzung der Predigt im evangelischen Gottesdienst betont die Bibel als Quelle und Norm unseres Glaubens.

Martin Luther hat in der mittelalterlichen Kirche große Defizite im Hinblick auf die Predigt vorgefunden, wo der Ritus und das Sakramentale im Vordergrund standen.

Daß gemäß dem Zeugnis der Heiligen Schrift – besonders der Apostelgeschichte – schon der urchristliche Gottesdienst die Verkündigung des Wortes Gottes und des Heilige Abendmahls umfaßte, ist außer Zweifel.

Natürlich ist Jesus Christus als Heiland und Erlöser die Mitte des christlichen Glaubens.

Ein gesundes biblisches Gedenken an Maria, die Mutter Jesu, und an die Heiligen darf niemals die zentrale Bedeutung Christi schmälern. Allein der dreieinige Gott ist anbetungswürdig.

Nach Artikel 21 des Augsburger Bekenntnisses gibt es auch für evangelische Christen ein Gedenken an die Heiligen: „Über die Verehrung der Heiligen wird von den Unseren gelehrt, daß man der Heiligen gedenken soll, damit unser Glaube dadurch gestärkt wird, daß wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren ist und ihnen durch den Glauben geholfen worden ist.

Außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen, jeder für seinen Lebensbereich.“

Maßstab für schriftgemäße Heiligenverehrung kann das Wort des lutherischen Erzbischofs Nathan Söderblom von Schweden († 1931) sein: „Heilige sind Menschen, durch die es anderen leichter wird an Gott zu glauben.“

Die Hochschätzung, die Martin Luther für Maria hatte, wird unter anderem deutlich an seiner Auslegung des Magnificat, des Lobgesangs der Maria.

Äußerlichkeiten im Gottesdienst der Kirche müssen der Verkündigung der Heiligen Schrift selbstverständlich untergeordnet sein.

Aber im Blick auf die oft zu Recht beklagte Verkopfung unserer Gottesdienste kann die Entdeckung von Zeichen und Ritualen – Kerzen, Taufkerzen, Brautkerzen, Osterkerze, Schweigen – eine Hilfe sein, den Gottesdienst ganzheitlich zu feiern und Gott zu loben „mit Herzen, Mund und Händen“.

In der Liturgie des Gottesdienstes gibt es sicher unterschiedliche Formen.

Gerade die „Erneuerte Agende“ bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten, die auch eine Hilfe sein kann, die Gottesdienstgemeinde in der jeweiligen Situation besser abzuholen und sie mit der Heilsbotschaft zu erreichen.

Wichtig ist eine gut vorbereitete Liturgie. Unser Ratsvorsitzender Bischof Wolfgang Huber aus Berlin hat dem Sinne nach gesagt: Ein Gottesdienst mit einer niveauvollen Liturgie tut allen Christen und auch der Ökumene gut.

Für den lutherischen Sakramentsbegriff ist die Bibel maßgebend. Taufe und Altarsakrament – Heiliges Abendmahl – sind die beiden evangelischen Sakramente.

Zeitweise haben Martin Luther und Philipp Melanchthon auch die Beichte noch zu den Sakramenten gerechnet. Die Beichte, gerade auch die Einzelbeichte, war den Reformatoren sehr wichtig.

Aber zu Recht wird jede Form von Zwang zur Beichte abgelehnt.

Zu jedem christlichen Gottesdienst gehören Ehrfurcht und Anbetung in allen christlichen Kirchen. Gottesdienst ist nie nur mitmenschliche Zusammenkunft, sondern immer auch Verehrung des dreieinigen Gottes.

Der Raum der Kirche als Gotteshaus, als Versammlungsstätte für die christliche Gemeinde, ist insofern ein besonderer Raum, als hier Gott immer wieder gegenwärtig wird in der um Wort und Sakrament versammelten Gemeinde.

Aber seit Jesus Christus am Kreuz vor der Stadt gestorben ist, können wir Christen uns an jedem Ort zum Gottesdienst versammeln, obgleich alte und neue Kirchengebäude für unsere Gemeinden ein großer Reichtum sind.

Wer mit Psalm 26 bekennen kann „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt“, der wird die richtige Einstellung gewinnen zu seiner Kirche und zum Gottesdienstraum seiner Gemeinde.

In der geistlichen Ökumene geht es nicht um Rechthaberei und schon gar nicht darum, daß wir anderen aus einer anderen Kirchengemeinschaft die Ernsthaftigkeit absprechen.

Auch geht es in der Ökumene, in der Suche nach größerer Gemeinsamkeit im Glauben, niemals um den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den einzelnen Teilkirchen.

Zu jedem Christenleben gehören Besinnung, Gewissenserforschung und auch Buße – wie das alles am Anfang der 95 Thesen Martin Luthers und auch gleichsam als Überschrift des Ökumenismusdekrets zum Ausdruck kommt.

Gott hat allen Christen mit den Heilsgütern der Bibel einen so unermeßlich großen Schatz anvertraut, den keine Teilkirche für sich alleine besitzen kann und auch in den ihr bekannten Frömmigkeitsformen nicht angemessen darstellen kann.

Auch die Charta Oecumenica wie sie am 22. April 2001 in Straßburg von allen christlichen Kirchen unterzeichnet worden ist, wirbt dafür und lädt dazu ein, bei allen unterschiedlichen Ausprägungen des christlichen Glaubens in den verschiedenen Kirchen im Dialog über alle offenen Fragen und vor allem im Gebet füreinander beieinander zu bleiben und so konfessionelle Selbstgenügsamkeit zu überwinden.

Denn jeder von uns steht in der Gefahr, sich mit seiner Kirchenzugehörigkeit absolut zu setzen.

Die ökumenische Bewegung ist eine Chance, uns gegenseitig Anteil zu geben und Anteil zu nehmen am Christuszeugnis des jeweils anderen. Religionskriege und Aufkündigungen von Gemeinschaft müssen für uns als Christen endgültig der Vergangenheit angehören – erst recht heute, wo wir auch vor der Haustür mit Menschen anderer Weltreligionen in Berührung kommen. Oberstes Gebot muß doch für alle Menschen sein: Wir müssen in Frieden miteinander leben können.

Als Christen sind wir jedoch überzeugt: Heil liegt in unserem Glauben an Jesus Christus, der für uns geboren, gestorben und auferstanden ist und der uns, wenn wir ihn im Gebet darum bitten, seinen Heiligen Geist versprochen hat, der uns allein in die volle Wahrheit einführen kann.

Es wäre nicht gut, wenn wir Christen anderer Konfessionen begegnen und ihnen nur vortragen, wo sie sich ändern müssen und was wir von ihnen erwarten. Sich wirklich als Mitglieder verschiedener Kirchen auf Augenhöhe begegnen heißt doch: In demselben Maße zur Veränderung bereit sein, wie ich das vom anderen erwarte.

Ökumene ist recht verstanden eine Möglichkeit, sich gegenseitig zu bereichern und tiefer in den apostolischen Glauben hineinzuwachsen – zu ihm hin, der das Haupt ist (Epheser 4, 15).

Jemand hat mal gesagt: „Wer die Veränderung scheut, soll nicht um den Heiligen Geist beten!“ Das ist sicher ein bedenkenswertes Wort.

Als Kirche in dieser Welt sind wir alle unterwegs und gehören zum „wandernden Gottesvolk“, von dem der Hebräerbrief spricht. Für die Christen aller Konfessionen ist es so wichtig, daß wir uns nach Kräften bemühen, unseren Glauben durch unser Vorbild und Vorleben weiterzugeben.

So wichtig fundierte Lehrgespräche sind und wissenschaftliche Studien in Exegese und Dogmatik: entscheidend ist doch, daß die Christen in allen Konfessionen den Glauben entdecken als wirkliche Hilfe im Leben und im Sterben.

Daß wir in unserer materialistischen und diesseitsorientierten Zeit uns für die Tatsache offenhalten, daß angesichts aller Probleme heute Gott immer der Größere ist und wir daran glauben, daß der Ostersieg Jesu alle unsere Leiderfahrungen übersteigt und wir berufen sind zu einem ewigen Leben bei Gott.

Der Glaube ist die einzige Kraft, mit der ich mein begrenztes vergängliches Leben annehmen kann. Jeder, der es mit seinem Christsein ernst meint, gehört zur wahren Kirche, wobei Gott bei der Wiederkunft Christi das letzte Urteil zusteht.

Mir geht es darum, auch zu bedenken, was der damalige Ratsvorsitzende Bischof Martin Kruse von Berlin am 4. Mai 1987 beim Papstbesuch in Augsburg gesagt hat – dem Sinne nach: „Das ökumenische Feuer darf nicht zu Asche werden. Die Gefahr ist groß, daß wir uns alle wieder in unsere konfessionellen Häuser zurückziehen.“

Ökumene heißt nicht, angesichts vielschichtiger Probleme in unserer heutigen Welt einfach harmonisieren und Unterschiede der Konfessionen übergehen. Im Dialog über Unterschiede lernen wir. Der Vorrang der Heiligen Schrift im Gefolge von Martin Luther darf dabei für uns evangelische Christen niemals fehlen.

Abschließend möchte ich noch betonen, daß sich ökumenische Gespräche für uns nicht nur auf die evangelische Kirche und auf die katholische Kirche beziehen dürfen.

Gerade auch die Stimme der orthodoxen Kirche des Ostens mit ihrem Reichtum an Spiritualität darf nicht fehlen. Auch die Freikirchen und alle Gemeinschaften, die sich auf Jesus Christus gründen, gehören zur Ökumene. Denn Ökumene grenzt ja niemals aus und meint immer das Ganze.

Für die Wegstrecke der weiteren Ökumene sollten wir auch das Wort des Kirchenlehrers Augustinus beachten:

Im Notwendigen Einheit,
Im Übrigen Freiheit,
in allem die Liebe!
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 15 Lesermeinungen:
Samstag, 29. September 2007 13:31
Alkuin: Protestanten sollen
ihre eigene Darsein hinterfragen!

Jeder Protestant muss sich immerwieder die Fragen stellen:

1. Warum bin ich nicht Katholisch?
2. Gegen was protesteiere ich eigentlich?
3. Woher kommt die Bibel?
4. Warum ist ihre Bibel „dünner“ als die der Kirchenväter?
5. Welcher Autorität ist ihre Ligitimierung?
Samstag, 29. September 2007 03:53
Benedikt: Der Herr Pfarrer…
…ist leider ein Rufer in der Wüste. Die offizielle Vertretung des Protestantismus in Deutschland war ja nicht mal in der Lage (oder nicht willens) das Dokument der Glaubenskongregation theologisch zu kontern und die eigene Position darzustellen, obwohl Huber vor und nach der Veröffentlichung nachdrücklich eine „Ökumene der Profile“ forderte. Stattdessen spielte man lieber den Beleidigten, wohlwissend, dass der derzeitige Mainstream (auch unter Katholiken) dieses – sorry – mimosenhafte Verhalten auch noch sympathisch finden würde.
Samstag, 29. September 2007 01:55
misterunknown: @landorganist
…da haben Sie völlig Recht… er wird lästig
Freitag, 28. September 2007 23:51
Johannes Damaszenus: @DonCamillo
dann müßte man sie ja wohl konsequenterweise Katechumenengemeimschaft nennen.
Freitag, 28. September 2007 23:33
Don Camillo: @Johannes Damaszenus
Die Berner evangelische Landeskirche hat sich – wenn ich mich recht erinnere – als „offene und suchende Weggemeinschaft“ umschrieben.
Freitag, 28. September 2007 23:28
Lorenz: Das Schuldbekenntnis
Für mich der vielleicht größte Skandal der jüngeren liturgischen Entwicklung in den ev. Kirchen: Es wurde klangheimlich abgeschafft. In den 70er und 80er Jahren lagen die Protestanten beim Confiteor sogar vorn. Jetzt heisst es vielerorts nichtmal mehr „uns bedrückt Schuld – in der Stille bringen wir vor Dich, was uns bewegt“. Für mich ist Eucharistie ohne ein explizites Schuldbekenntnis (ein stilles ist irgendwie eine Kapitulation vor der Sprache und unseren Unsäglichkeiten) eine Farce. Dass das Confiteor im NOM disponibel ist, ist für mich einer der zu wenig beachteten Gründe, die für die Alte Messe und ihre größere Striktheit in den Abläufen sprechen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 9 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net