[ « 134 135 136 137 138 » ]
Donnerstag, 4. Oktober 2007 18:08
Aus dem Nichts?
Die Taktik der modernen Ideologen besteht darin, ständig auf die Menschenrechte zu pochen und sie in der Praxis mit Füßen zu treten. Von Leo G. Schüchter.
Darstellung der "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" der Französischen Revolution vom 26. August 1789
Darstellung der „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ der Französischen Revolution vom 26. August 1789
(kreuz.net) Immer wieder wird behauptet, daß die Menschenrechte ohne oder gar gegen die Kirche erkämpft worden seien.

Erst kürzlich hat der Religionssoziologe Hans Joas (59) von der Universität Erfurt die These aufgewärmt, „die Menschenrechte seien historisch nicht aus der christlichen Idee heraus entstanden“.

Das sagte Joas im Rahmen eines Vortrags vor dem ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’.

Die Kirchenzeitungen im Nordverbund – etwa ‘Der Kirchenbote’ im Bistum Osnabrück – sorgten für die Verbreitung dieser Meldung.

Die These, daß die Menschenrechte gewissermaßen ahistorisch aus der Vernunft der Aufklärung geboren worden seien, wird durch die herrschende europäische Meinungsdiktatur wie ein Basiscode verankert.

Doch die Geschichte lehrt etwas anderes.

Bis in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts praktizierten die heidnischen Wikinger in Norwegen Dinge wie:

utbu – das „Hinausbringen“ kranker und mißgebildeter Kinder in den Wald
frilleliv – die sexuellen Vorrechte der Männer zu Brautnahme und Vielweiberei
• die Blutrache.

Tod des Heiligen Olav II. im Jahr 1030
Tod des Heiligen Olav II. im Jahr 1030
Kurz nach der Jahrtausendwende segelte der zum Christentum bekehrte Wikingerhäuptling Olav Haraldsson († 1030) von Fjord zu Fjord und versuchte, die anderen Anführer zu überzeugen, das Christentum anzunehmen.

Olav wurde als König Olav II. bekannt und nach seinem Tod heiliggesprochen.

Den gewalttätigen und kriegerischen Wikingern erschien das Christentum zunächst als völlig abwegig.

Aber der Heilige Olav erreichte einen Wandel im Denken.

So wiederholte sich bei den Nordmännern in Norwegen, Schweden und Island, was neunhundert Jahre vorher im Römischen Reich geschehen war.

Damals verweigerten sich die römischen Christen den Gladiatoren-Schauspielen, lehnten Sklavenausbeutung, Kinderaussetzungen und Abtreibungen ab.

Letztere wurde sogar vom großen griechischen Philosophen Aristoteles († 322) im siebten Buch seiner ‘Politeia’ gerechtfertigt.

Die Menschenwürde ergab sich aus der Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau sowie aus der Erlösung durch Christus.

In dieser gibt es weder Juden noch Griechen, Herren oder Sklaven, Mann oder Frau, wie der Heilige Paulus im Galaterbrief schreibt.

Das Hochmittelalter sprach von der Menschenwürde als universale menschliche „dignitas“.

Angesichts der Unterdrückung der indianischen Völker durch die spanischen Eroberer entwickelte die spanische Scholastik im 16. Jahrhundert eine moderne Rechtstheorie.

Diese stellte fest, daß die Indianer die gleichen natürlichen Rechte besitzen wie Spanier.

Statue des Dominikaners Francisco de Vitoria in Salamanca
Statue des Dominikaners Francisco de Vitoria in Salamanca
Der Dominikanerpater Francisco de Vitoria († 1546) formulierte auf scholastischer Grundlage Menschen- und Völkerrechte in modernen Begriffen.

Wegen seiner bahnbrechenden Rechtstheorie wird Pater de Vitora gelegentlich als „Vater des internationalen Rechts“ gefeiert. Er war der Gründer der Schule von Salamanca.

Diese Denk- und Rechtsschule hat in den romanischen Ländern großen Einfluß ausgeübt. In den protestantischen Mächten Mittel- und Nordeuropas wurden ihre Gedanken verdrängt.

Dort wurde der englische Gesellschafts- und Staatsphilosoph John Locke († 1704) als Begründer einer modernen Menschenrechtstheorie angesehen.

Locke entwickelte die Menschenrechte aus dem Naturrecht einer ursprünglichen Gleichheit und Freiheit.

Der britische Philosoph John Locke († 1704)
Der britische Philosoph John Locke († 1704)
Das Naturrecht, das dem Staat vorausgeht, erkennt die Vernunft aus der Schöpfungsordnung. Es wird von Locke mit dem Vernunft- und Gottesrecht gleichgesetzt.

Auch darin zeigt sich der christliche Ursprung der Menschenrechtstradition.

Locke erklärte, daß die Menschen im Zuge der Vergesellschaftung nur ihre politischen Ursprungsrechte wie Richten und Entscheiden für die Gesamtheit an die staatliche Macht abgeben.

Der Staat hat diese zum Wohle der einzelnen Menschen treuhändlerisch wahrzunehmen und dadurch Sicherheit zu gewährleisten – ansonsten besitzt der Bürger ein Widerstandsrecht.

Menschenrechte, die auch nach dem Gesellschaftsvertrag beim Individuum verbleiben, sind nach Locke:

• das Recht auf Leben
• Selbstbestimmung über die eigene Arbeitskraft
• die freie Verfügung über das erarbeitete Vermögen.

Diese englische Tradition ist im Artikel 2 der „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ der Französischen Revolution vom 26. August 1789 deutlich erkennbar:

„Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung“.

Doch die fanatischen, antikirchlichen Einflüsterungen von Jean-Jacques Rousseau und Voltaire warfen diese schönen Prinzipien im Verlauf der Revolution über den Haufen.

Darum wurde das kirchliche Eigentum geplündert, Freiheit und Sicherheit unter Robespierres Terror begraben und das Leben der Bürger im jakobinischen Blutbad erstickt.

© Bild Statue in Salamanca: Jacob Burckhardt, GNU
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 99 Lesermeinungen:
Samstag, 6. Oktober 2007 23:45
Seefeldt: Christus gründete EINE Kirche
Um das hier klarzustellen: Christus gründete eine Kirche, nicht mehr!
Und diese eine Kirche kann nur die katholische Kirche sein, denn alle Abspaltungen von der katholischen Kirche (um Abspaltungen handelte es sich immer) sind ihrerseits wieder gespalten (kein Wunder auch, daß der Spaltpilz unter den Abspaltungen virulent ist).
So sind die Protestanten gespalten in Lutheraner, Zwinglianer, Calvinisten usw., die Orthodoxen gespalten in zahlreiche nationale Kirchengemeinschaften.

Übrigens tat die Kirche durchaus gut daran, das private Lesen des „Alten Testaments“ einzuschränken.
Denn diese Schriftensammlung hat so ihre Tücken.
An anderer Stelle beschrieb ich, wie fatal das Bibellesen sich bei der Eroberung Nordamerikas auswirkte, als die bibelbelesenen Protestanten sich im „Gelobten Land“ wähnten und sich für berechtigt hielten, die Indianer ebenso auszurotten, wie es die Israeliten mit den Kanaanitern getan hatten.

Die Lektüre der beiden „Schöpfungsberichte“ ist ob deren Widersprüchlichkeit und gelegentlichen Falschheit nicht geeignet, die Glaubwürdigkeit der Kirche zu stärken, ebenso wie einige sehr häßliche andere Stellen im AT.
Samstag, 6. Oktober 2007 23:17
Bruder Theophil: Wir können ja deutlich sehen,…
…wohin die Reise geht. Mit amnesty international auch in den freien schwangerschaftsabbruch. Toller Schutz der Menschenrechte…
Freitag, 5. Oktober 2007 23:58
Rudolfus: @GerdEric / Es geht immer um die Macht,
da schließlich Gott der Allmächtige ist, und es auch um die Gottesherrschaft geht, sowohl im Alten wie auch im Neuen Bund.
Freitag, 5. Oktober 2007 23:56
GerdEric: @Rudolfus
na, und vom Dienen haben die Katholiken sicher Ahnung…

Nur das Geplärre um das Geplärre zeigt schon worum es geht, Rechthaberei – MACHT!

(Hallo Flori, wo ist denn das Hundchen )
Freitag, 5. Oktober 2007 23:51
Rudolfus: @GerdEric / Wer der Erste unter den Jüngern ist
Hierzu antwortete Christus, daß nicht Er den ersten Platz zu vergeben hätte, sondern Sein Vater Gott, der Christus gesandt hat.

Wer allerdings der Erste sein wollte, so lehrte Christus, soll der Diener aller sein.

Deswegen lautet ein Titel des Petrusnachfolgers, des von Gott bestimmten Ersten unter den Jüngern, bis heute servus servorum Dei (Diener der Diener Gottes).

Christus gründete die Kirche deswegen auf Simon Petrus, weil Gott Vater ihn zum Ersten erwählt hatte.
Freitag, 5. Oktober 2007 23:48
Florian Geyer: Gerd Erick – was wird das hier eigentlich bei ihnen
Machen sie mit Leblhuber einen Wettkampf wer zuerst die Kippa bekommt oder was ?

shalom
Alle Lesermeinungen anzeigen 93 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net