09:35:01 | Montag, 1. Oktober 2007
In einer großen italienischen Diözese hat sich die Affäre um einen unzüchtigen Pfarrer auf die Person des dortigen Weihbischofs ausgeweitet.

Der Weihbischof von Florenz, Mons Claudio Maniago.
© www.webdiocesi.chiesacattolica.it(kreuz.net) Vor über drei Jahren wurden in Florenz die ersten Vorwürfe gegen den heute 84jährigen Priester
Lelio Cantini laut.
Hw. Cantini war der bekannte Pfarrer der Florentiner Gemeinde Regina della Pace.
Dort wollte er ein Bollwerk gegen die linkskatholische Unterwanderung seiner Diözese errichten.
Aus
seiner Pfarrei gingen zahlreiche Priesterberufungen hervor, die er – angeblich teilweise unter Druck –
ins Seminar schickte, um eine neue Priestergeneration heranzubilden, weil er die diözesanen Strukturen
für „verdorben“ hielt.
Doch seit Januar 2004 wird Hw. Cantini beschuldigt, Pfarrjugendliche beiden Geschlechtes
im Alter von 10 bis 17 Jahren sexuell mißbraucht zu haben.
Den Mädchen soll er vor der Schändung erklärt
haben, daß sie auf diese Weise „die vollkommenste eucharistische Gemeinschaft verwirklichen“ oder daß
die Muttergottes Jesus schon mit zwölf Jahren geboren habe.
Um Druck auf die Gewissen auszuüben, benützte
der Pfarrer auch seine langjährige Haushälterin Rosanna Saveri, welche als „die Seherin“ bekannt war.
Die dem Priester zur Last gelegten sexuellen Mißbräuche sollen sich in den Jahren 1975 bis 1985 zugetragen
haben.
Aufgrund der Anklagen wurde Hw. Cantini im September 2005 von seinem Erzbischof in eine dreißig
Kilometer entfernte Gemeinde versetzt.
Offiziell wurde dieser Schritt mit der Gesundheit des betagten
Priesters begründet.
Zudem erklärte der kirchliche Vorgesetzte des Priesters, Ennio Kardinal Antonelli
von Florenz, die bloße Versetzung des Priesters mit der Tatsache, daß die Beschuldigungen gegen ihn
verjährt waren.
Doch angesichts des Ausmaßes der Anklagen wurde die Verjährung aufgehoben und ein
kirchlicher Strafprozeß eingeleitet.
Der Prozeß wurde im Januar 2007 abgeschlossen.
In Zukunft darf
der hochbetagte Priester keine Beichte mehr hören, die Messe nicht mehr öffentlich lesen und keine kirchlichen
Ämter bekleiden. Er muß ein Jahr lang eine Hilfsorganisation unterstützen und täglich den Bußpsalm
51 oder die Lauretanische Litanei beten.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte keines der ungefähr zwanzig meist
weiblichen Opfer des Priesters Anzeige gegen ihn erstattet.
Da sie die kirchlichen Strafmaßnahmen aber
als unzureichend empfanden, wurde in der Zwischenzeit eine Strafklage gegen Hw. Cantini eingereicht.
Der beschuldigte Priester hat bisher keine Erklärung abgegeben.
Im vergangenen Frühling wurde der Medienrummel
gegen den Priester so massiv, daß er sich mit seiner Haushälterin Rosanna Saveri in ein Kloster flüchtete.
Hw. Cantini wird inzwischen auch beschuldigt, bei zahlreichen Pfarreiangehörigen Geld oder Immobilien
erschlichen zu haben.
Die Sache schien schon fast erledigt zu sein. Da fiel Mitte September ein Verdacht
auf den Weihbischof von Florenz, Mons. Claudio Maniago (48).
Mons. Maniago, stammt aus der ehemaligen
Pfarrei von Hw. Cantini und gilt als sein Lieblingszögling und enger Vertrauter.
Zwei Angestellte der
Bischöflichen Kurie und zwei Priester beschuldigen Mons. Maniago, über die Aktivitäten von Hw. Cantini
im Bild gewesen zu sein.
Hw. Cantini sei sein geistlicher Vater gewesen, und der Weihbischof habe ihn
gedeckt.
Sie behaupteten auch, daß Mons. Maniago sie bedroht habe und zum Schweigen zwingen wollte.
Die Ankläger des Weihbischofs stammen aus dem altliberalen Lager, dem schon Hw. Cantini aus ideologischen
Gründen ein Dorn im Auge war.
Nach Zeitungsberichten werden die gegen den Weihbischof gemachten Angaben
von den Behörden als zuverlässig eingestuft.
Offiziell gilt der Weihbischof nicht als Verdächtiger.
Dennoch begann die Polizei, das Verhältnis zwischen ihm und dem fehlbaren Priester auszuleuchten.
Die
Behörden besorgten sich die Liste der Telephongespräche, die von Mons. Maniago in den letzten Monaten
geführt wurden.
Dabei stellte sich heraus, daß der Weihbischof zwischen Januar und Juni mehrmals mit
der Haushälterin von Hw. Cantini und zweimal mit ihm selber telephoniert hat. Jetzt will die Polizei
die Gründe für diese Anrufe wissen.
Auch die Bankkonten des Weihbischofs wurden überprüft.
Am 21.
April meldete sich ein gewisser Paolo C. (40) bei der Polizei.
Er gab sich als Homo-Unzüchtiger aus,
der im August 1996 eine Anzeige für „sadomasochistische Treffen“ aufgegeben habe.
Darauf sei es zu einem
Kontakt mit einem Priester gekommen, der sich als „Don Andrea“ vorgestellt habe.
Der Priester habe ihn
zu einem Schlafzimmer in einem Pfarrhaus gebracht, wo ein weiterer Priester und zwei Jugendliche gewartet
hätten.
Der Homo-Unzüchtige erklärte, in dieser Nacht widernatürliche Perversitäten ausgeführt
zu haben.
Am nächsten Tag sei ein weiterer Priester erschienen, den alle „Chef“ genannt hätten. Aufgrund
von Photos habe er diesen Geistlichen später als Weihbischof Claudio Maniago erkannt.
In seiner abenteuerlichen
Erzählung berichtete der Homo-Unzüchtige auch, daß ihm damals ein Schweigegeld von etwa drei Millionen
Lire – etwa 1500 Euro – ausgezahlt worden sei.
Angeblich ist es der Polizei gelungen, die Bewegung dieser
Summe auf einem Konto des Weihbischofs nachzuvollziehen.
Die Erzdiözese Florenz hat indessen alle Anschuldigungen
gegen Mons. Maniago kategorisch zurückgewiesen.
Am 24. September veröffentlichte Kardinal Antonelli
einen Brief an die Gläubigen. Darin bezeichnet er die Anschuldigungen gegen seinen Weihbischof als „absolut
unzuverlässig und unwahrscheinlich“.
Inzwischen hat die Erzdiözese gegen die italienische Justiz auch
eine Anzeige wegen Rufmord gestellt.
Doch eines ist jetzt schon klar. Unabhängig vom Ausgang des gegenwärtigen
Sturmes, dürfte Mons. Maniago keine Chancen mehr auf den im Laufe des Jahres 2008 freiwerdenden Bischofssitz
von Pisa haben.
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