Die Katholiken haben sich damit abgefunden, daß ihre Gemeinden schrumpfen und schrumpfen. Es könnte auch anders sein. Von Dr. med. Wolfgang B. Lindemann.
(kreuz.net) Der klassische Römische Meßritus ist ein Kunstwerk. Das gilt auch für dessen Musik – den
Gregorianischen Choral.
Es gibt viele Berichte von Menschen, die durch schön und geistlich gesungene
Gregorianik zu einem tieferen Glauben fanden – oder sich sogar zum Glauben bekehrten.
Das Singen der
Gregorianik erleichtert es, die in diesen Melodien enthaltenen geistlichen Schätze zu heben. Das Singen
in einer gregorianischen Schola ist darum auch eine spirituelle Erfahrung.
Zugleich bietet die Gregorianik
Gläubigen wie Nichtgläubigen einen Zugang zur Liturgie und zum Heiland.
Aus diesem Grund ist es doppelt
wichtig, daß sich Pfarrer um die Ausbildung einer Gregorianik-Schola kümmern. Das muß der Priester
nicht selber tun.
Es genügt, wenn er die Hilfsmittel benützt, die bereits existieren: CD-Aufnahmen
mit den gregorianischen Melodien des Kirchenjahres sowie Ausbildungsseminare für Scholasänger.
Der
Gregorianische Choral ist auch ein effektives Mittel des Gemeindeaufbaus und der Neuevangelisierung.
Beide, Gemeindeaufbau und Neuevangelisierung, sind komplex.
Das Singen der Gregorianik ist ein Beitrag,
die Prinzipien eines inspirierenden Gottesdienstes und einer leidenschaftlichen Spiritualität zu begreifen.
Im Horizont einer Gemeinde, die wachsen will, ist es Aufgabe des Priesters, die Gläubigen für ihren
Dienst auszubilden.
Das gleiche tut ein Fußballtrainer, ein Kompaniechef oder ein Kaufhausmanager mit
seiner Mannschaft.
Und wenn sich kein Gläubiger für das Singen in einer Schola interessiert?
Dann
muß der Priester eine Motivation aufbauen. Um das zu bewerkstelligen, kann er seinen Leuten in Predigten
oder Vortragsabenden einen Einblick in die Schönheit der Gregorianik geben. Schlimmstenfalls wird er
Gemeindeaufbau an einer anderen Stelle beginnen, wo seine Gemeinde bereit dazu ist – Gemeindeaufbau ist
eben komplex und kann an vielen Punkte begonnen werden.
Zu viele Priester sehen ihre Gemeinde als Ansammlung
individuell betreuter Einzelner.
In Wahrheit ist eine Gemeinde ein Team, das gemeinsam und koordiniert
für das Reich Gottes arbeitet.
Die überpfarrlichen geistlichen Gemeinschaften machen uns das schon
lange vor.
Es ist bei der Legio Mariae, dem Drittorden der Franziskaner, der Gemeinschaft Emmanuel oder
dem Opus Dei selbstverständlich, die eigenen Mitglieder auszubilden und nach Außen tätig werden zu
lassen. In der Alten Kirche war es nicht anders.
Solange normale Altritusgemeinden das nicht tun, wird
ein ungeheures Potential zur Neuevangelisierung ungenutzt bleiben – und die Entchristlichung weiter rasant
fortschreiten.
Der Verfasser ist praktizierender Arzt im Nordelsaß.
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#28 Freinsberg 17:13:53 | Freitag, 5. Oktober 2007
@ Artois Doch! Haben Sie die Choralscholen in Mariazell und in Heiligenkreuz beim Besuch des Papstes erlebt?
Die Grazer Schola bei der Vesper in Mariazell war eindeutig besser.
#26 Freinsberg 16:02:26 | Freitag, 5. Oktober 2007
@ palestrina >>Besonders gut gelingt das übrigens, wenn man den Choral schlicht und sakral nach der Art
von Solesmes singt, also NICHT die adiastematischen Neumen darüberschreibt und sich nicht mit den eitlen
semiologischen Spielchen belastet.<< Hier geht es um Textvortrag, nicht um Spielchen. Die Solesmenser
Methode, allein angewandt, macht den Text kaputt.
#23 Benedikt 10:28:53 | Donnerstag, 4. Oktober 2007
Desweiteren… …sei beiläufig daran erinnert, dass es in etlichen ganz normalen Gemeinden Choralscholen
gibt. Die müssten ja dann alle ganz außerordentlich blühen. Vielleicht belegt Hr. Dr. Lindemann seine
Thesen ja mal anhand einer solchen Pfarrei.
#22 Artois † 09:39:15 | Donnerstag, 4. Oktober 2007
Es sei nur beiläufig daran erinnert, daß das „2. Vatikanum“ (Liturgiekonstitution Artikel 116) den „Gregorianischen
Gesang“ nicht mehr als „eigentlichen Gesang der Römischen Kirche“, sondern angesichts des Ambrosianischen
Gesangs und der ostkirchlichen Liturgien etc. als „Gesang der römischen Liturgie“ bezeichnet.
#16 palestrina 20:23:23 | Mittwoch, 3. Oktober 2007
Sehr geehrter Herr Artois, in aller Form bitte ich Sie, zu argumentieren oder still zu sein. Ich schreibe
auch nicht, ob ich Sie für blöde halte oder nicht. Denken Sie sich’s einfach und lassen Sie das Persönliche.
Im übrigen höre ich nicht nur Palestrina-Messen, sondern dirigiere regelmäßig solche. MfG Palestrina
#15 Brandenburgis 20:18:47 | Mittwoch, 3. Oktober 2007
Den Begriff „Gregorianischer Gesang“ gibt es überhaupt erst seit 1800 etwa. Da hat die Kirche also 1.000
Jahre lang überhaupt nicht gewußt, was ihr Gesang ist, so so …
#13 palestrina 19:41:14 | Mittwoch, 3. Oktober 2007
@Artois Ich hatte nicht erwartet, dass Ihnen mehr dazu einfällt. Aber irgend jemand hatte nach einem
Experten gerufen. Da hab ich halt geschrieben… o^/
#11 palestrina 19:25:11 | Mittwoch, 3. Oktober 2007
Dr. Lindemann hat recht und man muß nur die kirchlichen Dokumente zur Kirchenmusik kennen, um das zu
wissen. Die Gregorianik ist DER Gesang der Kirche, schon allein deshalb, weil alles, was der Priester
singt, gregorianischen Ursprungs ist. Es gibt eben kein „Dominus vobiscum“ von Mozart und kein „Ite missa
est“. Letzteres ist übrigens ein gutes Beispiel: Auch dann, wenn eine Messe von, sagen wir mal Bruckner
gesungen worden ist, muß am Schluß ein Ite missa est gesungen werden, dass irgend einem bestimmten Choralordinarium
entnommen ist und mit dessen Kyriemelodie korrespondiert. So wird dieses Ite zu einem Verweis (Windows:
„Verknüpfung“) auf das Eigentliche, auf den gregorianischen Choral. Die Kirche läßt alle Stile zu,
aber postuliert den Choral als Ideal. Als solches ist er tatsächlich besser als jede andere Musik geeignet,
jenes Sursum corda in uns auszulösen, welches letztlich auch Gemeinden wachsen läßt. Besonders gut
gelingt das übrigens, wenn man den Choral schlicht und sakral nach der Art von Solesmes singt, also NICHT
die adiastematischen Neumen darüberschreibt und sich nicht mit den eitlen semiologischen Spielchen belastet.
#9 Tridentinus 17:41:20 | Mittwoch, 3. Oktober 2007
@HeinrichderZweite Leichte Ironie schwingt mit. Aber im Unternehmensmanagement gilt wirklich Leadership
und Changement als der Zugang der Zukunft. Warum soll man das nicht auf Gemeindestrukturen übertragen
können? Die Autoren sind mir gerade nicht präsent, aber ich empfehle das Buch: Harte Schnitte, neues
Wachstum.
Lieber Tridentinus, Mutatis mutandis kann man von den evangelikalen Gemeindestrukturen viele Impulse aufgreifen.
Ein Beispiel für gelungene Ökumene. Und natürlich muss eine Gemeinde gemanaget werden, dafür ist Changement
und Leadership das aktuelle Stichwort. … was soll denn dieses sonderbare Geschreibsel? Oder zogen Sie
nur mal die (selbst-)ironische Karte?
Wieder mal Lindemann… Die Katholiken haben sich damit abgefunden, daß ihre Gemeinden schrumpfen und
schrumpfen. Es könnte auch anders sein. Und Doktor Lindemann sagt uns wie. Mit Gregorianik „Gemeinde-Aufbau“
(was ist das überhaupt?)… Ich fasse es nicht… Dieser Doktor ist in patoraler Hinsicht ein glänzender
Theoretiker, mehr nicht.
#6 Tridentinus 17:16:33 | Mittwoch, 3. Oktober 2007
@Artois Sie haben länger nachgedacht, ehe Sie mir antworteten, gefruchtet hat es nicht. Welche Aspekte
gut sind, ist für den Verständigen ziemlich evident. Mutatis mutandis kann man von den evangelikalen
Gemeindestrukturen viele Impulse aufgreifen. Ein Beispiel für gelungene Ökumene. Und natürlich muss
eine Gemeinde gemanaget werden, dafür ist Changement und Leadership das aktuelle Stichwort. Selbstverständlich
ist der Gregorianische Gesang die Musik der lateinischen Liturgie in ihrer Römischen Ausprägung. Mit
SPC hat Papst Benedikt XVI. die Liturgie Pauls VI. an diese Tradition rückgebunden. Was dieser Anspruch
praktisch erbringt, kann man erst beurteilen, wenn die Editio typica Quarta des paulinischen Missale vorliegt.
Darauf müssen wir aber wohl noch warten. Wenn Benedikt XVI. nicht mehr selber veranlassen kann, glückt
es nur, wenn sich die Hermeneutik der Kontinuität bei den „Ordinariern“ wirklich durchsetzt. Dum spiro,
spero.
@Tridentinus: Es ist typisch, für den sterilen Traditionalismus, daß auf Argumente überhaupt nicht
mehr eingegangen wird. Welche Aussagen sind den „gut“ an den Aufsatz von Ohrenarzt Lindemann? Von einer
Agentur erwarte ich, daß Experten und nicht gutwillige Laien publizieren. Gut gemeint ist noch immer
das Gegenteil von gut. Bitte denken Sie erst einmal nach, bevor Sie sich äußern!
#4 Tridentinus 16:34:02 | Mittwoch, 3. Oktober 2007
@Artois: Dieser Artikel von Dr. Lindemann ist grundsätzlich gut und trifft viele richtige Aussagen. Choralforschung
ist sehr wichtig. In der Praxis muss vielerorts überhaupt wieder Choral gepflegt werden. Da darf man
nicht überstreng historisch-kritische Hemnisse konstruieren. In diesem Fall ist es Ihr „Geschreibsel“,
Artois, das nicht angeht und das Sie einstellen sollten, gleichgültig, welcher Profession Sie sich stattdessen
zuwenden!
Es geht nicht an, die Hl. Messe zu ästhetisieren. Es geht nicht an, zu behaupten, der „gregorianische
Choral“ wäre „die“ Musik „des“ klassischen Meßritus. Das sind sinnlose Behauptungen von Fanatikern,
die KEINER Überprüfung standhalten, genau so wenig wie die hier letztens vielfach widerlegte Behauptung
der G.C. wäre für die Volkssprachen nicht geeignet. Er ist für (fast) jede Sprache geeignet. Wenn es
„die“ Musik für den klassischen Meßritus gibt, dann ist es die Vokalpolyphonie von Palestrina über
Mozart und Haydn bis hin zu Bruckner. Dieser ganze „Bericht“ ist auch nur ein Advertisement für drittklassige
G.C.-Interpretation, die abschreckend wirkt. Der Begriff „Gemeindeaufbau“ stammt aus dem Extrem-Protestantismus
und ist für die katholische Kirche in keiner Weise anwendbar. „Dr. Lindemann“ sollte sich seinen Patienten
zuwenden und sein Geschreibsel über den Gottesdienst der Kirche einstellen. Wo wohnt er überhaupt? Meint
er Oberelsaß mit Nordelsaß?
Tolle Hörprobe Von den ältesten Neumenhandschriften haben die Menschen von der Hörprobe aber auch noch
nie etwas gehört oder sich damit beschäftigt. Ergebnis: Schwules Gesäusel, bei dem man den Takt mitklatschen
kann. Mit Gregorianischem Choral hat das herzlich wenig zu tun.