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Mittwoch, 3. Oktober 2007 16:07
War das Motu Proprio überflüssig?
Für den früheren Fuldaer Stadtdechanten war die Alte Messe nur ein Thema fürs vergangene Sommerloch. Von Daniel Schneider.
Schuldbekenntnis in einer Vigilmesse in Oxford.
Schuldbekenntnis in einer Vigilmesse in Oxford.
(kreuz.net, Fulda) Der ehemalige Fuldaer Stadtdechant Winfried Abel empfand den Beginn der diesjährigen Urlaubstage als einen „doppelten Paukenschlag“, der „aus Rom zu uns herübertönte“.

Ein sogenanntes „Motu Proprio“ zur Feier der Lateinischen Messe im Alten Ritus und einige Klarstellungen zum Thema „Kirche“ seien fast gleichzeitig erschienen und hätten das Sommer-Nachrichten-Loch gefüllt.

Hw. Abel ist Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Andreas in Fulda-Neuenberg.

Dort fanden bis Ende August dieses Jahres auch die vom Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen genehmigten Indultmessen nach dem Missale Romanum von 1962 statt.

Pfarrer Abel ist neokonservativ-charismatisch ausgerichtet. Er gilt als dezidierter Feind der Alten Messe.

Zum Motu Proprio gab der Geistliche in seinem Gemeindebrief vom 20. August „eine kurze Erklärung“.

Hw. Abel weist zunächst darauf hin, daß seit einigen Jahren in der Fuldaer St. Andreaskirche zweimal monatlich die lateinische Messe im tridentinischen Ritus gefeiert werde.

Der Bischof habe als „Ort des Geschehens“ (sic!) eigens „unsere Kirche benannt und zwei Priester bestimmt, welche die Messen zelebrieren“.

Diese Regelung sei relativ restriktiv, weil sie weltweit an die genaue Vorgabe des Ortsbischofs gebunden gewesen sei.

Nun habe Papst Benedikt XVI. „aus eigenem Antrieb“ einen Schritt auf diejenigen zu getan, denen die Pflege des Alten Ritus besonders am Herzen liege.

Dazu gehöre auch die von Rom getrennte Lefevbre-Bewegung. Von nun an könnten sich die Freunde der Alten Messe selber einen Ort, eine Zeit oder einen Priester wählen.

Das Rad der Geschichte werde also nicht zurückgedreht, ist Pfarrer Abel überzeugt.

Der neue Meßritus bleibe weltweit – „natürlich auch in unserer Gemeinde“ – die ordentliche Form der Eucharistiefeier.

Es werde wohl in keiner Gemeinde unseres Bistums eine so große Gruppe von „Liebhabern des alten Ritus“ geben, daß dort die tridentinische Messe als „normaler“ Gemeindegottesdienst eingeführt werde, ist sich der Geistliche sicher.

Also bleibe es bei der überpfarrlichen Gruppe, die sich bisher freitags in St. Andreas getroffen habe, die aber ihre Messen ab September nicht mehr dort zelebrieren werde.

Mit keinem Wort erwähnt der Geistliche, daß mit dem Inkrafttreten des Motu Proprio am Fest Kreuzerhöhung die Meßfeiern nach dem Missale Romanum von 1962 nunmehr jeden Sonntag in der Fuldaer Pfarrkirche St. Sturmius stattfinden.

Mons. Heinz Josef Algermissen hat dies per Dekret vom 15. August 2007 eigens bestätigt.

In der Gottesdienstordnung der Pfarrei St. Andreas wurde für den 24. August um 19:00 Uhr lediglich die „Letzte Abendmesse im tridentinischen Ritus“ erwähnt.

„Mir liegt die würdige Feier der Eucharistie auch sehr am Herzen, dazu braucht es meines Erachtens nicht unbedingt den Alten Ritus“, betont Pfarrer Abel abschließend.

Noch im Frühjahr dieses Jahres hatte der Priester verkündet, daß die Erwartungen traditionalistischer Katholiken vom Papst „bitter enttäuscht“ worden seien.

Offenbar hatte der Fuldaer Stadtdechant das im März veröffentlichte Apostolische Schreiben ‘Sacramentum caritatis’ mit dem damals bereits angekündigten, aber erst am 7. Juli publizierten Motu Proprio verwechselt.

‘Sacramentum caritatis’ sei auf dem Hintergrund zahlreicher Spekulationen und Wünsche traditionalistischer Katholiken interpretiert worden, die vom Papst erwartet hätten, daß er die Alte Messe wieder allgemein zulassen werde – so Pfarrer Abel in seinem Gemeindebrief vom 21. März.

Genau das ist nun allerdings eingetreten. Eigentlich müßte sich Pfarrer Abel jetzt seinerseits darüber „bitter enttäuscht“ zeigen.

Bedauern für seine offenkundige Fehleinschätzung zeigt Hw. Abel, der 1964 im Alten Ritus zum Priester geweiht wurde, indes nicht.

Im Gegenteil: Er scheint mehr als erleichtert darüber zu sein, daß er die „Liebhaber des Alten Ritus“ nun endgültig los ist.

© Titelbild: Lawrence OP, CC
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 19 Lesermeinungen:
Freitag, 5. Oktober 2007 12:43
Benedikt: @ googler
Es gibt auch fanatische „Neumessler“ nur sind diese nicht so organisiert und hetzen nicht derart gegen die alte Messe wie hetz.net gegen die Neue!

Das kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein. Gruppen wie „Wir sind Kirche“ etc. tauchen in der 20 Uhr-Ausgabe der Tagesschau auf, um dort ihre Sicht der Dinge zum Besten zu geben. Diese Gruppen haben praktisch das Meinungsmonopol für alle Laien übernommen (ob die das wollen oder nicht). Besser organisiert als die ist in Deutschland höchstens die DBK selber.
Freitag, 5. Oktober 2007 12:35
Googler: @Toby
Man muss differenzieren: „Ich mag Traditionalisten nicht“ oder „Ich mag die Traditionalistischen Fanatiker nicht“.

Ich war selbst 4 jahre Messdiener im Alten Ritus und kann durchaus verstehen, wenn er von manchen als Spirituel „reich“ empfunden haben. Nur gibt es auch solche fanatischen Plattformen wie Kreuz.net, die gegen die Neue Messe hetzen. Und darauf hab ich keine Lust! Es gibt auch fanatische „Neumessler“ nur sind diese nicht so organisiert und hetzen nicht derart gegen die alte Messe wie hetz.net gegen die Neue!
Freitag, 5. Oktober 2007 10:43
Gotthard: Feinde
waru, regen sich eigentlich „Feinde der ordentlichen Form“ der heiligen Messe darueber auf, dass die meisten Katholiken keine Freunde der ausserordentlichen Form sind. Warum wird die ueberwiegende Mehrzahl als „Feinde der ausserordentlichen Form“ beschimpft?
Donnerstag, 4. Oktober 2007 22:28
Toby: Googler und prawda
Googler schrieb: Menschenkenntniss und Achtung der Gefühle anderer spielen hier leider keine Rolle mehr.

Da haben Sie Recht. Es kommt nur darauf an, wie das gemeint ist. Dass Pfarrer Abel die Gefühle der traditionsverbundenen Katholiken geachtet hätte, kann man nicht gerade behaupten.

prawda schrieb: Er [Pfarrer Abel] sorgt sich ganz aufrichtig um die Menschen und ihre Nöte.

Schön, wenn er sich auch aufrichtig um die traditionsverbundenen Gläubigen und deren Nöte aufrichtig hätte. Davon kann nun allerdings nicht die Rede sein.

Warum stempeln Sie traditionsverbundene Katholiken als Christen zweiter Klasse ab? Was haben die denn Böses getan?

Egal, wie man denkt und zur Ritenfrage steht: Den ganz normalen menschlichen Anstand und Respekt könnte man den bösen, bösen Traditionalisten ruhig einmal entgegenbringen.

Wo bleibt hier die Geschwisterlichkeit? Wo bleibt hier der Dialog?
Donnerstag, 4. Oktober 2007 22:06
Googler: Menschenkenntnis
und Achtung der Gefühle anderer spielen hier leider keine Rolle mehr. Und das Wingenfeld behauptet, das Pfarrer Abel sich gegen die extraord messe ausgesprochen hat, dafür hätte ich dann doch gerne den Beweis! Es ist wohl eindeutig, dass hier viel rumgelogen wird. Deshalb will ich beweise. Sie können ja bei Pfr. Abel anrufen und nach dem Pfarrbrief fragen!

Ansonsten stimme ich Pwrada voll zu!
ich kann Pfarrer Abel verstehen, wenn er sagt, dass die Kirche nicht für die alte Mese ausgelegt sei, dafür gäb ees ja den schönen Sturmiusbunker hehe… Aber ansonsten: Der Gemeinde wurden durch die Tradis 2 Freitagsgodis geklaut, und die leute sind dann einfach gar nicht mehr gekommen. Dass nenn ich mal integration der alten Messe. Und da soll Pfr. abel froh sein, dass die alte Messe gefeiert wird? Dann wird auch noch gesagt, dass geheizt werden muss für nicht mehr als 20 (sic!) personen, in einer Kirche, die relativ groß ist! Die tridentiner hättens ja gerne bezahlen können, genauso Strom und so, aber nein, das musste alles die Gemeinde tragen, obwol SIE nicht gefragt wurde, ob gefeiert werden soll. Und dieselben Probleme haben die Tridentiner in Sturmius au.
Donnerstag, 4. Oktober 2007 21:50
prawda: @ toby
wir verstanden uns schon immer ganz prima. Gut, das sie sich mit ihrer Fratze (Ausdruck stammt von toby) an die Rechtgläubigen der Piusbruderschaft oder an die SJM’ler wenden können.
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