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Samstag, 6. Oktober 2007 16:56
Die Schöpfung als Weltwerdung Gottes
Wenn der Unterschied zwischen Gott und der Welt plötzlich verschwimmt, dann weiß man, daß man bei der „modernen“ Theologie gelandet ist. Von Christian L. Schutzer.
Pater Karl Rahner SJ 1975 in Rom.
Pater Karl Rahner SJ 1975 in Rom.
(kreuz.net) Pater Karl Rahner SJ († 1984) war davon überzeugt, daß sich seine Anthropologie, Christologie und Erlösungslehre in die „evolutive Weltanschauung“ einfügen.

Pater Rahner war Dogmatiker in Innsbruck, München und Münster und ein führender Theologe am Zweiten Vatikanischen Konzil.

Ausgangspunkt für Pater Rahner waren nicht unbedingt die Bibel oder die Lehre der Kirche, sondern ein für ihn vorgegebener evolutiver Werde-Prozeß der Welt.

Diesem zog er seine theologische Wort-Bekleidung über.

Aus der „Einheit der Welt“ folgert Pater Rahner, daß deren Grundprinzipien – Materie und Geist – aufeinander bezogen und verbunden sein müßten.

Die Dialektik der Geist-Materie ist nach Pater Rahner der Ausgangspunkt eines Werdeprozesses auf ein „Mehrwerden“ hin.

Das nennt der Theologe „Selbsttranszendenz“ und „Selbstüberbietung“.

Dabei holt „ein Seiendes und Wirkendes seine ausstehende höhere Vollkommenheit“ aktiv ein.

Anders gesagt: „Materie entwickelt sich auf das Leben und auf den Menschen hin.“ Dabei kann auch das Höchste – also das menschliche Bewußtsein – „als Abwandlung des Früheren verstanden werden“.

Das schreibt Pater Rahner in seinem Spätwerk „Grundkurs des Glaubens“. Es wurde im Jahr 1984 im Verlag Herder publiziert.

Pater Rahner verknüpft auch die sich zu Bewußtsein entwickelnde Materie mit dem Schöpfergott.

Dabei geht Pater Rahner hegelianisch vor:

„Wir dürfen ruhig das, was wir Schöpfung nennen, als ein Teilmoment an jener Weltwerdung Gottes auffassen, in der faktisch, wenn auch frei, Gott sich selbst aussagt in seinem welt- und materiegewordenen Logos“ – erklärt er auf Seite 197 seines „Grundkurses“.

Die Behauptung der Schöpfung als „Weltwerdung Gottes“ ist eine schwerwiegende Abwendung von der katholischen Theologie.

Damit unterstellt Pater Rahner, daß die Welt ein Ausfluß Gottes sei in der Form eines dialektischen Umschlags vom weltlosen Gott zu einer Welt, die Gott enthält.

Doch diese Vermengung von Gott und Welt stellt sich der biblischen Schöpfungstheologie entgegen.

Pater Rahner insinuiert dagegen eine gottenthaltende Welt, wenn er im nächsten Satz nach Hegel-Art ausführt:

„Wir dürfen uns Schöpfung und Menschwerdung in der wirklichen Welt […] als zwei Momente und zwei Phasen eines […] Vorgangs der Selbstentäußerung und Selbstäußerung Gottes denken.“

Die Erschaffung der Dinge wäre somit in Analogie zur Hegelschen Geist-Philosophie so zu denken:

Am Anfang war Gott absoluter Geist. Dieser geistige Gott entäußerte sich in seine materielle Welt, die Schöpfung.

Die Welt wäre dann das Anderssein Gottes – die Antithese zu ihm.

Damit wäre die Welt gut und würde Geist enthalten – nicht als Werk Gottes, sondern aufgrund ihrer Teilhabe am Göttlichen.

Das Göttlich-Geistige in der Welt wäre die dynamische Triebkraft der Materie. Diese würde in einem evolutiven Werdeprozeß der Selbsttranszendenz zu ihren geistigen Potenzen aufsteigen und in dem geistbegabten Menschen zur manifesten Wirklichkeit werden.

Im Menschen käme so der ursprüngliche Geist an sich über die Materie – also die Körperlichkeit – zu sich selbst.

Damit ist die evolutive Menschwerdung sowohl ein Prozeß der göttlichen Selbstentäußerung wie auch ein Moment der göttlichen Selbsteinholung.

Der Geist-Mensch selbst wird dann als wahrer Mensch auch wahrhaft göttlich.

Wie im letzten Satz angedeutet, sind die „Menschwerdung“ des Menschen und die Inkarnation Gottes im Menschen Jesus für Pater Rahner dem Wesen nach gleich.

Dagegen definiert die katholische Theologie Christus als „wahren Menschen und wahren Gott“, dessen Wesensnaturen in der hypostatischen Union „ungetrennt und unvermischt“ sind.

Pater Rahner sieht das anders: „Diese hypostatische Union darf im ersten Ansatz nicht so sehr als etwas gesehen werden, was Jesus von uns Menschen unterscheidet.“

Wir Menschen hätten damit ebenfalls etwas Göttliches in uns oder könnten das Göttliche in uns zur letztgültigen Wirklichkeit werden lassen.

„Der Gottmensch ist der erste Anfang des endgültigen Gelungenseins, der Bewegung der Selbsttranszendenz der Welt in die absolute Nähe zum Geheimnis Gottes.“

„Von da aus erscheint die Inkarnation als der notwendige, bleibende Anfang der Vergöttlichung der Welt im ganzen.“

Wenn aber diese Welt und die Menschen ein Ergebnis der „Selbstentäußerung“ oder der „Weltwerdung“ Gottes sind, dann haben darin Sündenfall und Erbsünde keinen Platz.

Entsprechend müssen die Menschen auch nicht durch Christus erlöst werden.

„Die Bewegung der Entwicklung des Kosmos ist von vornherein und in allen Phasen getragen von dem Drang nach der größeren Fülle und Innigkeit.“

Auf die Anthropologie angewandt hieße das:

Auch der Mensch kann seine eigene „ausstehende höhere Vollkommenheit aktiv einholen“. Einen Erlösungs-Mittler braucht er nicht wirklich.

Hier kommt die alte gnostische Verblendung zum Ausdruck, wonach der Mensch letztlich göttlich sei und so seine eigene Erlösung schaffen kann.

Die Philosophie von Pater Rahner ist darum keine christliche Lehre, sondern eher eine theologische Verbrämung einer verhegelten Evolutions-Weltanschauung.

© Titelbild: Vatikanische Nachrichtenagentur Fides
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 13 Lesermeinungen:
Montag, 8. Oktober 2007 02:15
Seraphim †: Philon von Alexandrien war ein Bekannter des Paulus http://www.bautz.de/bbkl/p/philon_v_a.shtml
Anthropos im AT

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gab es die Platonische Akademie in Florenz, mit Giovanni Pico della Mirandola an ihrer Spitze, der glaubte, die Göttlichkeit Jesu mit Mitteln der Kabbala beweisen zu können. Durch Pico inspiriert, versuchter sich wenig später der deutsche Johannes Reuchlin an der Materie, der als erster Nichtjude eigene Schriften über die jüdische Mystik veröffentlichte, namentlich ,,De verbo mirifico“(1494) und ,,De arte cabbalistica“(1517), und 1516 veröffentlichte Paulus Riccius, zum Christentum konvertierter Jude und Leibarzt des Kaisers Maximilian, die ,,Portae Lucis“, eine lateinische Übersetzung der ,,Scha’arei Ora“ von Joseph ben Abraham Gikatilla. Das Titelblatt zierte ein Mann, der einen Sefiroth-Baum hält.
Um die Wende zum 17. Jahrhundert war es der Mystiker Jakob Böhme, in dessen Arbeiten man innere Verwandtschaft mit der Kabbala fand, und in der geistigen Nachfolge Böhmes veröffentlichte Christian Knorr von Rosenroth seine ,,Cabbala denudata“(1677), in der erstmalig Originaltexte des Sohar und der Mystik des Isaak Luria ihre Übersetzung ins Lateinische fanden. Im siebzehnten Jahrhundert war es auch, daß der Jesuit Athanasius Kircher den Begriff ,,christliche Kabbala“ prägte.
Der Einfluß dieser Bewegung war recht groß; so veranlaßte Prinzessin Antonia von Würtemberg 1663 die Anbringung einer Lehrtafel zur christlichen Kabbala in der Kirche von Bad Teinach im Schwarzwald.
Auch der Katholik Athanasius Kircher wäre zu nenne…
Sonntag, 7. Oktober 2007 16:52
Florian Geyer: Goebbelix
dein Satz Satz „Wunder sind ein bedauerlicher Mangel an naturwissenschaftlicher Forschung.“ ist wenigstens ein ehrliches bekennis, dahingehend dass sie nicht an Wunder als mögliche supernaturelle Ereignisse glauben.

Viel spass mit ihrem zur Zivilreligion zurechgestutzten Pseudokatholizismus.
Sonntag, 7. Oktober 2007 02:37
obelix: @Geyer @Konrad
Geyer: der irrlehrende neotheologe spricht:

jesus war ein großartiger mensch und vorbild


Kein Vorbild? Schade, gerade diese Geschichte in Kanaan, Sie wissen schon das mit dem Wein bei der Hochzeit … und das soll kein Vorbild sein?

wunder sind phantasieprodukte der nachösterlichen gemeinde

Nein! Wunder sind ein bedauerlicher Mangel an naturwissenschaftlicher Forschung.

religiosität ist psychologische lebenshilfe

Wenn ich einige „religiöse“ Teilnehmer hier vor mein geistiges Auge führe, kann ich dieser Aussage nur widersprechen. Denen geht es viel zu schlecht, die haben viel zu viel Probleme im Leben, als dass es einen Hinweis darauf gäbe, dass Religiosität bei der Psychohygiene nützlich sein könnte. Ganz im Gegenteil!

religiosität muß zeitgeistgemäß demokratisch eingegliedert sein

Dann wäre sie vielleicht verständlicher. Aber das soll sie gar nicht sein; oder?

die gehirnwäsche zum unglauben wird dabei immer so raffiniert-subtil und intelligent scheinplausibel angewendet dass man meint sie stammt vom teufel selbst.

Zuviel der Ehre!

Der teufel tritt oft als theologe auf und zitiert die bibel !

Schade, trifft auf mich nicht zu; und ich hab mich schon so gefreut auf meine Rolle als „Teufel“.

Auf alle Fälle hätte Jesus die Umschalttaste gedrückt!

Konrad: Wenn Dummheit (transitiv) weh täte
müßte jeder gebildete Leser dieses Artikel schreien!
Man sieht hier, wie primitiv das Niveau dieses Forums ist.


Einer der Vorteile des Netzes: der Dumme sitzt meist ausser Hörweite
Samstag, 6. Oktober 2007 22:57
Konrad: Wenn Dummheit (transitiv) weh täte
müßte jeder gebildete Leser dieses Artikel schreien!
Man sieht hier, wie primitiv das Niveau dieses Forums ist.
Samstag, 6. Oktober 2007 20:07
Nachtlaterne: sie reden mit sehr glatten…
…zungen, die schwerter zwischen ihren lippen, wer nimmt sie wahr? so sagt es die bibel!
Samstag, 6. Oktober 2007 19:52
nonnobisdomine: Da braucht man nicht irgendwelche Theologen wie den Pater Rahner heranholen.
Schon die Hl. Schrift bezeugt die Gottessohnschaft Jesu Christi im Philipperbrief im 2. Kapitel:

5 Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
6 Er war Gott gleich, / hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
7 sondern er entäußerte sich / und wurde wie ein Sklave / und den Menschen gleich. / Sein Leben war das eines Menschen;
8 er erniedrigte sich / und war gehorsam bis zum Tod, / bis zum Tod am Kreuz.
9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht / und ihm den Namen verliehen, / der größer ist als alle Namen,
10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde / ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
11 und jeder Mund bekennt: / «Jesus Christus ist der Herr» – / zur Ehre Gottes, des Vaters.


Und Kol 1,15 ff. bezeugt:

15 Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, / der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
16 Denn in ihm wurde alles erschaffen / im Himmel und auf Erden, / das Sichtbare und das Unsichtbare, / Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; / alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
17 Er ist vor aller Schöpfung, / in ihm hat alles Bestand.
18 Er ist das Haupt des Leibes, / der Leib aber ist die Kirche. / Er ist der Ursprung, / der Erstgeborene der Toten; / so hat er in allem den Vorrang.
19 Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, /
20 um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, / der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.
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