Buchbesprechung
Buchbesprechung: „Christen und Heiden“
Ein Buch, das dem universitären „Christentum light“ nicht räuchert: Michael Fiedrowiczs „Christen und Heiden“ zeigt ihre Auseinandersetzung in der Antike auf und führt zu den Quellen des christlichen Glaubens.
(kreuz.net) Die von Prof. Michael Fiedrowicz vorgelegte Sammlung von Texten kann gar nicht genug gelobt werden. Sie legt Vätertexte aus dem 2. bis 5. Jahrhunderts vor, die teilweise zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wurden.

Anhand dieses patristischen Florilegiums (= Blütenlese) möchte Prof. Fiedrowicz zeigen, auf welche Weise die frühesten Theologen (Apologeten) den christlichen Glauben vor den Heiden verteidigten.

Bekanntlich waren der hl. Apostelfürst Petrus und der hl. Völkerapostel Paulus die ersten, die sich mit ihrer Predigt an die Heiden wandten. Die Pfingstpredigt des ersten Papstes und die Areopagrede (Athen) des Völkerapostels sind darum die Urform und das Vorbild des christlichen „Dialogs mit den nichtchristlichen Religionen“.

Durch die ganze Spätantike verstummt die Rede ad gentes (= zu den Heiden) nicht. Im Mittelpunkt dieser Predigt stehen Jesus Christus und die Auferstehung.

Das Buch von Prof. Fiedrowicz ist selbst Apologie. Indem es den Wahrheitsanspruch des Christentums unterstreicht, ist es auch ein wirksames Gegengift gegen die semantischen Tricks, die leider nicht selten im „interreligiösen Dialog“ angewendet werden.

Schon vor drei Jahren hat es der Autor gewagt, mit der Monographie „Apologie im frühen Christentum“ (Paderborn 2001, 2. Auflage), dem gigantischen Mißbrauch der Patristik im interreligiösen Dialog entgegenzutreten. Dafür mußte Fiedrowicz die Schelte seiner betupften Zunft einstecken, die sehr empfindlich reagiert, wenn dem universitären „Christentum light“ nicht geräuchert wird.

In seiner neuesten Veröffentlichung hat Fiedrowicz nun seine Quellen offengelegt. Es wird den damaligen Kritikern schwer fallen, dieser Textsammlung ihre Aufmerksamkeit zu versagen. Darum ist „Christen und Heiden“ auf dem besten Weg ein Standardwerk im akademischen Unterricht zu werden. Jeden Nachwuchstheologen, der seine Disziplin als Suchen und Finden der Wahrheit versteht und nicht bloß als universitäre Aufarbeitung der religiösen Geistesgeschichte, wird das Buch in die Tiefe führen.

Fiedrowicz hat in „Christen und Heiden“ echte Schätze gehoben, Kostbarkeiten der Tradition. Seine Reise beginnt bei den frühen Apologeten und reicht bis zum hl. Augustinus. Mit eindrücklicher Deutlichkeit führen die Texte die Lehre von der Unveränderlichkeit der katholischen Glaubenslehre vor.

Ein systematischer Teil und ein präziser Kommentar durchdringen den patristischen Stoff meisterhaft. Ein Buch, das in jede Theologenbibliothek gehört.

Michael Fiedrowicz (45) ist Priester und Professor für Alte Kirchengeschichte und Patrologie in Trier.

Michael Fiedrowicz
Christen und Heiden
Wissenschaftliche Buchgesellschaft
gebunden, 800 Seiten
Euro 128,00
ISBN 3-534-15790-7
      
1 Lesermeinung
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#1   henning †   19:25:24 | Sonntag, 4. Dezember 2005
meine meinung.
die kristlich katholische kirche hat ganz genau sowenig einen vollkommenen wahrheitsanspruch wie der islam oder der hinduismus.
für diejenigen gläubig sind soll es die ganze wahrheit sein aber der generelle anspruch das eine religion für alle gelten soll ist mittelalterlich.
denn der mensch hat das recht und die plicht sich selbst zu entscheiden und eigene entscheidungen zu fällen.
das sind die errungenschaften der aufklärung.
Redaktion benachrichtigen
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net