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Sonntag, 14. Oktober 2007 14:16
Abkehr von der Monokultur
Die Freigabe der Alten Messe ist eine postmoderne Rückkehr zur mittelalterlichen Vielfalt, die durch die Moderne verteufelt wurde.
Sühnemesse in New York am 29. September.
Sühnemesse in New York am 29. September.
(kreuz.net) Mitte September beschäftigte sich der Jesuit, Pater Eckhard Bieger (68), auf der Webseite ‘kath.de’ mit den Folgen der Freigabe der Alten Messe.

Pater Bieger arbeitet seit 1971 in der kirchlichen Medienarbeit. Seit 1982 ist er Beauftragter der katholischen Kirche beim ZDF und seit 1984 Leiter des Medienprogramms der philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt.

Durch die Freigabe der Alten Messe bekomme die Neue Liturgie „Konkurrenz“- erklärt der Jesuit in seinem Beitrag.

Das betreffe weniger den im Meßbuch festgelegten Ablauf und die Auswahl der Lesungen als die Feier selber.

Die „Performance“ in der Neuen Messe lasse nämlich zu wünschen übrig.

Dagegen habe die Alte Messe dem Zelebranten einen engeren Spielraum vorgegeben. Allein durch die Ausrichtung des Altars sei sie stärker auf Gott bezogen gewesen, während der Aspekt der feiernden Gemeinde „zu kurz“ gekommen sei.

Viele Kritiker der Neuen Messe würden dagegen bemängeln, daß die Zelebranten zu gemeindebezogen agierten und die transzendente Dimension des Gottesdienstes zu wenig zum Tragen komme:

„Allein, daß es die Tridentinische Messe wieder gibt, wird die Gewichte innerhalb der jetzigen liturgischen Praxis verschieben.“

Weiter glaubt der Pater, daß der Zelebrationsstil „weniger lässig“ sein werde, „wie es sich, parallel zu Entwicklungen der Gesellschaft, an vielen Orten eingebürgert hat.“

Pater Bieger glaubt, daß die Messe durch die Freigabe des Alten Ritus wieder „als Kunstwerk“ entdeckt wird:

„Prozessionen werden als Feiergestalt wieder deutlicher akzentuiert, die Musik wird anspruchsvoller werden.“

Die Reform nach dem Trienter Konzil habe im Sinne des damaligen Zeitgeistes die spätmittelalterliche Vielfalt reduziert:

„Sola Scriptura – nur die Schrift – ist nicht nur eine theologische Option gewesen, sondern auch eine Forderung des Zeitgeistes.“ So habe auch das Konzil das Mittelalter beendet, indem es klare Regelungen verlangt habe.

Das Mittelalter und die mittelalterliche Liturgie seien vielgestaltiger gewesen als die Moderne.

Weil sich die Postmoderne nicht mehr auf den einen Menschen- und damit Katholiken-Typ festlegen lasse, „braucht sie auch eine größere Variationsbreite der Liturgie und die Abkehr von der Monokultur der Eucharistiefeier.“

Diese führt der Pater vor allem auf die jüngste Liturgiereform zurück: „Denn anders als die Liturgiereform nach dem letzten Konzil bleibt die Vielgestaltigkeit der Frömmigkeitsformen nach dem Trienter Konzil erhalten.“

Die Liturgie und die Pastoral können nach seiner Ansicht „sehr viel“ vom Mittelalter lernen:

„Die Postmoderne ermöglicht einen neuen Blick auf die Epoche, die von der Moderne abgelehnt und als finster verteufelt wurde.“

© Bild: tabbaad, CC
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 24 Lesermeinungen:
Donnerstag, 25. Oktober 2007 10:36
Tridentinus: Im röm. Ritus
muss eine weisse Wachskerze auf der Epistelseite etwa in 50-100cm Entfernung vom Altar auf einem Ständer stehen, der so hoch ist, dass die Kerze (wohl die Flamme) die Höhe der Mensa erreicht. Der Ministrant, der zum Sanctus dreimal geleutet hat, soll sie daraufhin anzünden. Möglichst so, dass sie beim Benedictus, qui venit schon brennt (wobei vorausgesetzt ist, dass Sanctus und Benedictus nicht getrennt werden, sonst würde die Kerze ja erst nach der Wandlung brennen). Die Kerze wird nach der Kommunion des Priesters wieder gelöscht beziehungsweise, wenn nach der Kommunionspendung der Tabernakel wieder geschlossen wird. An sich Vorschrift im 1962iger Usus, Nichtbeachtung nur toleriert.
Mittwoch, 24. Oktober 2007 16:35
Benedikt: @ Tridentinus
Oh, dann hab ich da wohl etwas verwechselt. Das die Bräuche nicht gleich sind (früher wurde die Kerze wohl auf den Altar gestellt?) war mir klar, ich dachte, dass wäre so eine Art Abwandlung.
Mittwoch, 24. Oktober 2007 10:00
Tridentinus: @Benedikt
Das, was Sie meinen, ist auch fast verschwunden, ist aber nicht das, was man Sanctus- oder Wandlungskerze nennt.
Dienstag, 23. Oktober 2007 16:34
Benedikt: @ Tridentinus
Sanctuskerze? Also bei uns werden zum Sanctus weiterhin Kerzen hereingebracht. Aber stimmt, jetzt wo Sie es sagen, dass ist anderswo wirklich selten geworden.
Dienstag, 23. Oktober 2007 15:52
Tridentinus: @Benedikt
Aus dem von Ihnen genannten Gerunde würde es mirja auch nie im Traume einfallen, die vorkonziliare LB auch nur überwiegend pauschal positiv zu bewerten. Etwas anderes ist es, einen örtlich längst bestehenden Usus zu tolerieren. Das hat die Ritenkongregation auch getan (Beispiel: Verzicht auf Sanctuskerze). Beides trifft bei Handkommunion und Ministrantinnen nicht zu.
Sonntag, 21. Oktober 2007 15:28
Benedikt: @ Tridentinus
Gehorsam hat Pünktlichkeit bei sich. Vorauseilender Gehorsam darf nicht funktionieren und gerade in der Kirche nicht auch noch belohnt werden.

Im Prinzip richtig, nur ist die umgekehrte Praxis auch schon in der vorkonziliaren liturgischen Bewegung wwohl an der Tagesordnung gewesen.
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