Kinderabtreibung
Gegen das Vergessen: Was der katholische Erzbischof der sozialistischen Genossin schrieb
Letztes Jahr schickte der Erzbischof von Salzburg der sozialistischen Präsidentin der dortigen Lokalregierung einen persönlichen Brief. Das war die letzte öffentliche Anstrengung des Erzbischofs im Kampf gegen die drohende Einführung der Kinderabtreibung im Salzburger Landeskrankenhaus. Das Dokument im Wortlaut.
(kreuz.net/JfdL, Salzburg) Die österreichische Lebensschutz-Organisation ‘Jugend für das Leben’ dokumentiert einen persönlichen Brief des Erzbischofs von Salzburg, Dr. Alois Kothgasser, an Frau Gabriele Burgstaller, die sozialistische Präsidentin der Salzburger Landesregierung.

Das Schreiben wurde Ende Dezember in der Kirchenzeitung der Erzdiözese Salzburg veröffentlicht. Es trägt das Datum vom 30. November 2004. Seitdem unternahm der Erzbischof keine größeren Anstrengungen, die entschlossene Genossin von ihrem blutigen Vorhaben abzubringen, im Landeskrankenhaus Salzburg ab April ungeborene Kinder absaugen und zerstückeln zu lassen.

Immer noch schöpfen Salzburgs Katholiken aus dem zwei Monate alten Schreiben Nahrung für ihren Widerstand gegen die grausame Wirklichkeit der Kinderabtreibung.

Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau!

Ich bin soeben von Exerzitien der Österreichischen Bischofskonferenz aus Velehrad zurückgekehrt und finde in unserem „Pressespiegel“ eine Stellungnahme von Ihnen, in der Sie deutlich machen, daß mit Beginn des kommenden Jahres Abtreibungen an den Landeskrankenanstalten möglich sein sollen und alle Vorkehrungen dafür getroffen werden. Angesichts dieser Entwicklungen ist es mir ein dringendes Bedürfnis, Ihnen noch einmal meine Sicht der Dinge darzulegen.

Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an Ihre Stellungnahme bei unserer ersten Sitzung des „Forums Neues Leben“, als Sie erklärten, daß Sie froh sind über jeden Schwangerschaftsabbruch, der verhindert werden kann. Als Landeshauptfrau und damit oberste politische Repräsentantin unseres Landes Salzburg sind Ihnen in besonderer Weise die Menschen, ihre Freiheitsrechte, insbesondere aber der Schutz jedes menschlichen Lebens anvertraut. Ich denke, daß Sie eine Erstverantwortung für die Einhaltung der grundlegenden Menschenrechte in unserem Land haben. Wenn dem so ist, wird es nicht gerade auch für Sie immer mehr zu einer Gewissensfrage, wenn eine Institution geschaffen wird, deren erklärtes Ziel die Tötung des schutzwürdigsten und schutzbedürftigsten, nämlich des ungeborenen Lebens ist?

Wie immer die Möglichkeit der Abtreibung im Land Salzburg gestaltet wird und wer immer sie durchführt, so bleiben doch Sie die Hauptverantwortliche für alle Maßnahmen, die hier gesetzt werden. Wie ist dies vereinbar mit der Erstverantwortung, die Sie als Landeshauptfrau haben, nämlich die Menschenrechte zu schützen, und hier natürlich in besonderer Weise das Recht auf Leben? Ich frage mich allen Ernstes, ob Abtreibung an den Landeskliniken wirklich ein Beitrag zu einer humaneren Gesellschaft sein kann, wenn das schutzbedürftigste menschliche Leben, nämlich das ungeborene, an einer öffentlichen Einrichtung zur Tötung freigegeben wird.

Als der Gesetzgeber 1975 die Fristenlösung einführte, war es ihm offensichtlich sehr wohl bewußt, daß Abtreibung ein schweres Unrecht ist und deshalb dieser strafrechtliche Tatbestand nach wie vor im StGB als solcher aufscheint. Wenn schon jetzt nach 30 Jahren allzu oft zu hören ist, daß Abtreibung erlaubt wäre, um wie viel mehr wird in der Bevölkerung der Eindruck entstehen, daß Abtreibung ein ganz legaler Vorgang sei, wenn selbst in den Landeskrankenanstalten dieser Eingriff vorgenommen wird. Das Unrechtsbewußtsein der Öffentlichkeit wird also weiter schwinden. Wer einmal den Todeskampf eines ungeborenen Kindes bei einer Abtreibung in Bildern gesehen hat, wird verstehen, daß hier nicht „etwas“ beseitigt wird, sondern daß ein Mensch, auch wenn er noch nicht in allem voll entwickelt ist, getötet wird. Die Tötung eines ungeborenen Kindes ist aber immer schwerstes Unrecht. Dieses Bewußtsein dürfen wir nicht verlieren, ja es muß wieder neu geweckt werden.

Mit Abtreibung wird den schwangeren Frauen in Not nicht jene Hilfe zuteil, die sie wirklich brauchen. Wird der Druck auf jene Frauen nicht noch größer, wenn gleichsam von der öffentlichen Hand ein „einfacherer Einstieg“ zur Abtreibung angeboten wird? Die Humanität erfordert eine Hilfe, die eine wirkliche Perspektive für die Zukunft darstellt. Ich bin der festen Überzeugung, daß Abtreibung nicht nur in Hinblick auf das ungeborene Kind ein Übel darstellt, sondern daß auch die Frau letztlich die Leidtragende ist. Die persönlichen Zeugnisse von Frauen, die mir von ihrer Abtreibung (auch mehreren) berichtet haben, geben diesbezüglich erschütternde Einblicke.

Ich darf nicht verschweigen, wie vielen Ärzten an den Landeskliniken dieses Thema immer mehr zu einer schweren Gewissensbelastung wird. Entgegen ihrem Hippokratischen Eid, der sie verpflichtet, Menschenleben zu retten, zu heilen, es am Leben zu erhalten, werden nun Ärzte in eine Situation gebracht, wo sie genau das Gegenteil von dem tun sollen: Abtreibung bedeutet immer Tötung menschlichen Lebens. Die Landeskrankenanstalten waren bisher immer ein Ort, wo Menschen Heilung suchten. Dieses Bild würde mit der Aktion „Abtreibungen an den Landeskliniken“ schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau, Sie wissen, ich bin gerne bereit, mit Ihnen auf den verschiedensten Gebieten zusammenzuarbeiten. Im Bereich des Lebens kann es aber für die Kirche und damit natürlich auch für mich selbst keine Kompromisse geben, wenn es um den Schutz des menschlichen Lebens, vor allem des schutzbedürftigsten, des ungeborenen menschlichen Lebens, geht. Das Päpstliche Schreiben „Evangelium Vitae“, aber auch Stellungnahmen von Kardinal König und der Österreichischen Bischofskonferenz, vor allem aber der Herr und Schöpfer allen Lebens verpflichten mich eindeutig, und ich kann und will mich dieser Verpflichtung nicht entziehen. Sein Auftrag „Du sollst nicht töten“ ist Grundlage für den Bestand einer jeden Gesellschaft.

Gerne bin ich auch zu einem persönlichen Gespräch zu dieser Thematik bereit. Ich gestehe, ich habe meinen Traum noch nicht aufgegeben, mit Ihnen gemeinsam für das menschliche Leben, vor allem für das ungeborene in unserm Land zu kämpfen, alles zu tun, daß keine Frau in unserem Lande gezwungen ist, ihr Kind abtreiben zu lassen, weil wir ihr keine Perspektive anbieten konnten.

In diesem Sinne grüße ich Sie ganz herzlich Ihr

+ Alois Kothgasser
Erzbischof
      
3 Lesermeinungen
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#3   Vetter Taferl   20:00:31 | Mittwoch, 2. Februar 2005
Et portae inferi non praevalebunt eam
Dieses Zitat der Ausführungen des hwst. Herrn Alterzbischofs von Salzburg, Ex. Dr. Georg Eder, sind speziell Thomisticus gewidmet; dies, damit er die Möglichkeit hat, auch diesem Verschwörungstheorien vorzuhalten. Die Original-Fundstelle des Kath.net-Kommentars ist www.kath.net/detail.php?id=8576.
Ein kath.net-Kommentar von Alterzbischof Georg Eder (Salzburg), veröffentlicht am 29. September 2004 (hier nur ein Auszug):
„Werde also wach und stärke, was noch übrig ist“ (Offb 3,2) oder Wo die Kirche heute am meisten gefährdet ist
Die Gefahren von außen sind es nicht. Sie sind einigermaßen abschätzbar und die Gegner sind uns nicht unbekannt. Die Französische Revolution hat zwar ihre Ziele noch nicht völlig erreicht; doch würden sich die Initiatoren darüber freuen, dass die Kirche zum Großteil ihr Programm übernommen hat: Liberté, Egalité, Fraternité.
Die Freimaurerei ist seit dem II. Vatikanum auch tief in die Kirche eingedrungen und hat viel Terrain erobert (z.B. im Bereich der Liturgie). Der massenhafte Abfall von Gott, nicht nur von der Kirche (!) macht diese nur zur kleinen Herde, die sich aber nicht zu fürchten braucht (vgl. Lk 12, 32).

Bleibt freilich noch die größte und unheimlichste Macht zu nennen: der Teufel. Er greift die Kirche von außen und innen an und hat heute noch den Vorteil, dass er weithin geleugnet und daher nicht mehr ernst genommen wird. Eine Chiffre für das Böse, mehr nicht.- Aber gegen alle diese Gefahren, die der Kirche von außen drohen, hat sie das Wort des Herrn: „Et portae inferi non praevalebunt eam“ (Mt 16, 28).
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#2   Midshipman Casey   14:44:57 | Mittwoch, 2. Februar 2005
Vorsicht
Also, mit dem was kath.net so schreibt wäre ich vorsichtig.
Ich habe das ungute Gefühl, daß man sich dort vom idealistischen Einsatz losgelöst hat und nur mehr persönliche Rechnungen mit Progressiven begleicht sowie sich selber inden Vordergrund zu spielen versucht. Insbesondere Aufrufe zur Vernaderung der Modernisten sowie eine eigens dafür eigerichtete Anlaufstelle beim kath.net-Homepageverein, den niemand als Religionswächteramt legitimiert hat, werden gerade den vom Verein als Feinde auserkorenen gute Argumente gegen den an sich zutreffenden Unmut der Homepagebetreiber liefern.
Stolz, Zorn und Neid sind Gevatter, welche sich gerade bei Traditionalistenvereinen leicht einschleichen.
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#1   Stimme aus dem Tradiland   13:50:28 | Mittwoch, 2. Februar 2005
Noch besser sind die Aussagen, die der
Vorgänger des jetzigen Erzbischofs, S. Ex. Dr. Georg Eder, zu den Problemen zu sagen wußte… Vermutlich ist das von kreuz.net deshalb nicht gebracht worden, weil Erzbischof Eder (so im September des Vorjahres) in seiner öffentlichen Stellungnahme (die aber auf kath.net veröffentlicht wurde!) den Zustand der Kirche und insbesondere der Liturgie auf den Einfluß der Freimaurer seit dem Konzil zurückführte. Vermutlich ist aber der Alterzbischof Eder in den Augen von Thomisticus & Co nur ein blöder Verschwörungstheoretiker – so wie ich halt.
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