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Montag, 15. Oktober 2007 18:51
Eine Abrechnung mit dem Unglauben der Elterngeneration
„Ich möchte wissen, woher ich komme und wohin ich gehe, und wenn ich es schon nicht weiß, möchte ich mich wenigstens nicht mit Idiotien beruhigen“. Von Esther Maria Stallmann, Vatican Magazin.
Maiausgabe 2007 des Vatican Magazin
Maiausgabe 2007 des Vatican Magazin
(kreuz.net) Ich finde, alte Leute haben so was Jämmerliches, wenn ihnen mit 80 das erste Mal einfällt: „Oh, ich muß ja sterben“, und dann anfangen zu klagen, als ob das so etwas Ungerechtes sei.

Ach, was sage ich, viel peinlicher ist noch die Generation, die jetzt um die 50 ist und der zum Tod nichts anderes einfällt, außer daß er einen irgendwie traurig macht.

Das ist die gleiche Generation, die auf Kondolenzkarten den kleinen Prinzen zitiert mit den tröstenden Worten, der Tote sei jetzt ein Stern, der von oben auf uns hinunterschaut. Ah ja. Das ist doch schon etwas, was äh, Handfestes.

Oder sie sagen: Er lebt in unseren Herzen weiter. Das hieße, daß sich also das Leben meiner Oma nach ihrem Tod um rund fünfzig, na, sagen wir lieber sechzig Jahre (wir wollen ihr ja nichts von der kostbaren Zeit stehlen) verlängert. So lange wie mein Herz eben noch schlägt. Herz hört sich ja immer irgendwie gut an.

Das ist so entwürdigend. Das ist so wenig. Wie kann man von Menschenwürde sprechen, wenn es ein Trost sein soll, daß die Erinnerung an jemanden sein Leben ersetzt.

Fest steht, daß auf den Tod oft Antworten gegeben werden, die sich auf etwas beziehen, was sehr weit weg ist. So weit, daß ich es nicht mehr verstehen muß. So weit wie die Sterne und so weit wie die Herzen der nachfolgenden Generationen. Mich beruhigt das nicht.

Ich finde das lächerlich und unwürdig für einen erwachsenen Menschen.

Ich möchte wissen, woher ich komme und wohin ich gehe, und wenn ich es schon nicht weiß, möchte ich mich wenigstens nicht mit Idiotien beruhigen.

Daß ich mir diese Frage nach dem Tod überhaupt stellen kann, unterscheidet mich unter anderem von unserem verfressenen dicken Hund, den wir mal hatten, und von allen möglichen anderen Tieren, und ich schließe die Affen da jetzt mal mit ein, in der Hoffnung, niemandem zu nahe zu treten, der sich mit ihnen verwandt fühlt.

Menschen, die sich das nicht fragen, dieses „Woher komme ich und wohin gehe ich?“, und vor allem die Frage, die sich im Anschluß daran stellt: „Was soll ich hier eigentlich?“, befremden mich.

Ich kann schlecht die Not im Anderen erzeugen, die ihn dazu bringt, nach dem Sinn und Ziel seines Lebens zu fragen. Ich kann so einen Menschen nur genauso verständnislos leer anglotzen, wie er leer in die Welt und aufs Leben glotzt.

So jemandem kann ich nicht erklären, warum ich an Gott glaube. Meine Generation ist verwirrt. Viele sind sich nicht sicher, ob Jesus Jude oder Christ war und daß man das anhand der Bibel ja gar nicht mehr feststellen könne, denn die hat ein Papst im Mittelalter geschrieben, ohne die Schriftrollen von Qumran zu berücksichtigen.

Diese Bildungslücke haben viele, die keinen Religionsunterricht hatten. Diese Bildungslücke haben viele, die Religionsunterricht hatten. Das ist ein bißchen peinlich manchmal, aber was soll’s, dafür sind wir wenigstens kritisch, gegen was, wissen wir nicht genau, aber nein nein, da macht uns keiner was vor …


Auszug aus einem Artikel der Maiausgabe des ‘Vatican Magazin

Nächstes Mal: Im Prinzip verdient hier jeder einen weißen Kittel
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Eine Abrechnung mit dem Unglauben der Elterngeneration
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 27 Lesermeinungen:
Dienstag, 16. Oktober 2007 20:08
Peter-Pan: @Ansgar
Sie „erlauben“ mir, mich wieder zu Wort zu melden. Wie großzügig von Ihnen . (Da fühlt sich wohl einer größer als er ist )

Aber was meinen Sie mit „Was regen Sie sich auf?“. Ich reg mich doch gar nicht auf. Und relevante Erlebnisse liegen wohl im Auge des Betrachters. Aber wie nahezu jeder volljährige Mensch auf der Welt, habe auch ich schon den Tod verwandter und bekannter Menschen erlebt. Das gehört nun mal leider zum Leben dazu.

Auch wenn ich den Tod keine Majestätswürde zubilligen oder ihn auf andere Weise vermenschlichen würde.

Außerdem greife ich Frau Stallmann’s Sicht ja gar nicht an. Nur ihre grenzenlose Verachtung jeden gegenüber, der die Sache eben anders sieht als sie.

Aber jetzt „echauffieren“ Sie sich nicht
Dienstag, 16. Oktober 2007 19:28
Mens Sana: @Ansgar
Mit Verlaube
ich mir erlaube
dass mir ist schaube

Mit Verlaube
ich mir erlaube
dass mir ist schaube
ob Sie glauben
Sie hätt’n and’ren
was zu erlauben.

Weder zu verbieten
noch zu erlauben
steht Ihnen zu!,
Punkt.
Dienstag, 16. Oktober 2007 13:55
Ansgar: @ peter panne
Der Text ist eine hübsche kleine Polemik. Erfrischend, aber wenig bedeutungsschwer. Was regen Sie sich auf? Aus Ihren echauffierten Zeilen spricht deutlich, daß Sie das Privileg genießen, in Ihrem Leben noch nichts Relevantes erlebt zu haben. Jedenfalls sind Sie garantiert noch nie der erschütternden Majestät des Todes begegnet. Wenn es so weit ist, erlaube ich Ihnen, sich wieder zu Wort zu melden.
Dienstag, 16. Oktober 2007 13:16
Peter-Pan: Worauf will Sie hinaus
Ich habe mir den vollständigen Beitrag durchgelesen – er ist ja schließlich online verfügbar. Und ich habe immer noch keine Ahnung worauf um alles in der Welt diese Frau hinaus will.

Ich habe den Eindruck sie verachtet oder bemitleidet alles und jeden der in Bezug auf den Tod anderer Meinung ist als sie. Welche Meinung das so genau auch immer sein mag.

Ich weiß auch nicht, was daran falsch sein soll, Literaturzitate auf Kondolenzkarten zu schreiben. Machen nur Bibelsprüche glücklich? Muss man im Ernst über „den kleinen Prinzen“ herziehen um den eigenen Gotteswahn zu verteidigen?

Dass Frau Stallmanns Bruder so jung gestorben ist, ist traurig genug. Und vermutlich erklärt es, warum sie unbedingt eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem Jenseits wissen möchte.

Aber deswegen gleich mit Verachtung auf jeden herabblicken, der auf den religiösen Hokuspokus verzichten kann…
Dienstag, 16. Oktober 2007 11:01
Elchblut: Säkularisierung
Das von Ihnen beschriebene ist soweit richtig. Es geht nur noch nicht weit genug. Warum sich einen Ersatzglauben bei Todesfällen suchen?
Es läuft doch auch wunderbar ganz ohne.
Ich hoffe mal, das erkennen noch viiieel mehr Eltern und lassen ihre Kinder unindoktriniert aufwachsen.
Ich werde es so machen.
Dienstag, 16. Oktober 2007 01:02
methusalix †: @Rudolfus
Rudolfus: @D. Stöhr / Affe und Mensch sind auch nach Lehre der Kirche verwandt

Die Evolutionstheorie des Karl Darwin ist dagegen ein unbewiesener Gedankengang aus dem 19. Jahrhundert.


Die Evolutionstheorie ist ein Erklärungsmodell für das Charles Darwin den Grundstein gelegt hat und das im Lauf der letzten hundertfünfzig Jahre durch neue Entdeckungen und Forschungsergebnisse immer besser belegt wurde. Die gefundenen fossilen Verbindungen (Links) sind inzwischen in grosser Zahl bestimmt und eingeordnet und täglich kommen neue dazu (aus der Grube Messel z. B.). Während die Paläontologen dabei sind die äusseren Formen der Species zu erforschen, sind die Molekularbiologen dabei immer mehr innere Zusammenhänge, wie zum Beispiel genetische Analogien (Verwandtschaftsbeziehungen) aufzudecken.

Da die Evolutionstheorie die Grundlage aller Lebenswissenschaften bildet, wurde und wird auf diesem Gebiet natürlich intensiv geforscht von allen beteiligten Fachrichtungen. Kaum ein Forschungsbereich berührt so viele andere Fächer wie die Evolution. Daher kann man mit Fug und Recht sagen, dass der Stand der heutigen Erkenntnisse zur Evolution der Arten wohl der am besten belegte von allen Wissenschaftszweigen ist. Besser als die Paradigmen der Astronomen, die hauptsächlich die Mathematik als erste Hilfswissenschaft verwenden, im Gegensatz zu den Biologen, die die Chemie verwenden.

Der Affemensch war niemals ein Elternteil des Menschen.

Das kommt drauf an, welchen Affenmenschen Sie meinen.
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