17:51:01 | Donnerstag, 18. Oktober 2007
Die von Fäulnis befallenen Glieder der Kirche können und wollen der Tötungsmaschinerie keinen Einhalt gebieten. Von Dr. Josef Preßlmayer, Steinbach bei Schrems.

Stephanie Merckens präsentiert sich vor der kirchlichen Nachrichtenagentur ‘kathpress’ als gemäßigte Lebensschützerin.
(kreuz.net) Die Wiener Rechtsanwältin Stephanie Merckens ist auch sogenannte Lebensschutz- beauftragte
der Erzdiözese Wien.
Frau Merckens stammt aus dem adligen Geschlecht derer von Heine-Geldern und ist
eine Nichte des Wiener Erzbischofs.
Kürzlich intervenierte sie als Lebensschutzbeauftragte beim Familienreferat
der Niederösterreichischen Landesregierung.
Ihr Anliegen: Eine gesetzliche Trennung von beratendem Arzt
und Kinderabtreiber soll in Österreich verhindert werden.
Frau Merckens Intervention wurde mir vom Leiter
des Familienreferates der Niederösterreichischen Landesregierung, Mag. Dr. Peter Pitzinger, mitgeteilt.
Zur Zeit ist es in Österreich erlaubt, daß die vor der Abtreibung gesetzlich notwendige Beratung vom
Kindertöter selber vorgenommen werden kann.
Eine Perspektivengruppe der christdemokratischen ‘Österreichischen
Volkspartei’ hatte eine Trennung der beiden Bereiche als „flankierende Maßnahme“ zur Fristenregelung
vorgeschlagen.
Die Wiener Erzdiözese will nichtFrau Merckens hat sich nun gegen diesen Vorschlag gestellt.
Die Lebensschutzbeauftragte der Wiener Erzdiözese begründete ihren Schritt damit, daß für die vorgeschlagene
Trennung von Berater und Abtreiber eine Regelung nach Art des in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen
Beratungsscheines erforderlich wäre.
Doch das wollen die Bischöfe in Österreich nicht.
Man möchte
nämlich verhindern, daß kirchliche oder von der Kirche finanziell unterstützte Beratungsstellen – zum
Beispiel der „Aktion Leben Österreich“ – damit beginnen, Beratungsscheine auszustellen.
Dadurch würden
sie – ähnlich wie in Deutschland – Gefahr laufen, vom Papst gebannt zu werden und ihre kirchlichen Förderungen
zu verlieren.
Die Intervention von Frau Merckens war übrigens von Erfolg gekrönt.
Die Trennung von
beratendem Arzt und Abtreiber soll nicht mehr verpflichtend, sondern nur „auf freiwilliger Basis“ erfolgen.
Das teilte mir Frau Ursula Kroczek von der ÖVP-Bundespartei mit.
Die Christdemokraten sind für die
AbtreibungZum Thema äußerte sich auch der österreichische Landwirtschaftsminister Josef Pröll bei
der Vorstellung des Endberichtes seiner Arbeitsgruppe.
Pröll bekannte sich dabei „klar zur Fristenlösung“.
Gleichzeitig möchte er „den Frauen“ mehr Unterstützung bei ihrer Entscheidung geben und mehr flankierende
Maßnahmen setzen.
Doch nach Angaben der ‘Wiener Zeitung’ will er keine verpflichtende Beratung: „Wir
machen keinen Zwang zum Beratungsgespräch“.
In der Vergangenheit hatte der ÖVP-Parteivorsitzende Willi
Molterer noch erklärt, daß das Papier „Perspektiven 2010“ keine Diskussionsgrundlage darstelle, sondern
„umzusetzen“ sei.
Dennoch wurde die darin enthaltene Lebensschutzmaßnahme „Trennung von beratendem und
abtreibendem Arzt“ unterhöhlt und zu einer unverbindlichen Absichtserklärung abgestuft, wie wir sie
von der ÖVP seit Jahrzehnten kennen.
„Die Kirche hat uns im Stich gelassen“Daß die Kirche – wie jüngst
Frau Merckens – der ÖVP in Sachen Kinderabtreibung in den Rücken fällt, hat ebenfalls Tradition.
Ein
Beispiel ist die Abtreibungspille Mifegyne/RU 486.
Die ÖVP opponierte zunächst gegen dieses „Mordikament“,
knickte aber ein, als sich Margit Hauft – Vorsitzende der ‘Katholischen Frauenbewegung Österreichs’ –
für die Tötungspille aussprach.
Der damalige ÖVP-Klubobmann Andreas Khol erklärte dazu: „Wir wollen
nicht päpstlicher sein als der Papst“.
Dabei schwenkte er mit erhobener Hand die Stellungnahme der ‘Katholischen
Frauenbewegung’ und verkündete die Zustimmung zu der Tötungspille.
„Die Kirche hat uns im Stich gelassen“
klagte der frühere christdemokratische Nationalratspräsident Werner Fasslabend, als ich mit ihm im Parlament
über die langjährige Stagnation in dieser Frage sprach.
Fasslabend bezog sich dabei auf die mangelnde
Unterstützung von Kardinal Franz König von Wien († 2004) in der Abtreibungsfrage.
Der Rektor des Katechetischen
Amtes in Salzburg, Raimund Sagmeister, hat die Tatenlosigkeit der Kirche Österreichs in seinem Werk „Fristenlösung –
wie kam es dazu?“ eingehend dokumentiert.
Ein qualitativer SchrittDoch die jüngste
Intervention von Frau Merckens stellte einen qualitativen Schritt dar.
Denn dieses Mal hat sich die Erzdiözese
Wien nicht mit ihrer langjährigen Passivität zufrieden gegeben, sondern über ihre sogenannte Lebensschutzbeauftragte
aktiv dazu beigetragen, eine gesetzliche Trennung von beratendem Arzt und Kinderabtreiber zu verhindern.
Die Lebensschutzbeauftragte ist keine Einzeltäterin, sondern Teil eines Netzwerkes innerhalb der Erzdiözese
Wien.
So pflegt die Erzdiözese enge Beziehungen zur umstrittenen „Aktion Leben Österreich“. Diese hält
unerschütterlich an der Fristenlösung – der straflosen Tötung bis in die 14. Schwangerschaftswoche –
fest.
Gleichzeitig verteidigt sie die Abtreibung von Behinderten und von Kindern, die für die Mutter
ein angebliches Gesundheitsrisiko darstellen oder deren Mutter minderjährig ist.
Die umstrittene ‘Aktion
Leben Österreich’ begleitet die schwangeren Mütter sogar zum Kinderschlachthof.
Aufgrund der Initiative
von Frau Merckens wurde die Vereinigung auch zur ersten, von der Erzdiözese Wien veranstalteten
„Woche
des Lebens“ eingeladen.
Das geschah unbeschadet der Tatsache, daß Martina Kronthaler – Vorsitzende von
‘Aktion Leben Österreich’ – sich beim jüngsten Papstbesuch über die Worte Benedikts XVI. gegen die
Abtreibung ärgerte und vor der kirchenfeindlichen Zeitung ‘Der Standard’ erklärte:
„Das bringt uns
keinen Schritt weiter“. Das Hinterfragen der Fristenlösung führe nur zu „altem Lagerdenken“.
Kirchliche
Ehren für Befürworter der FristenlösungWie groß die Macht dieser kinderfeindlichen Koalition in
der Erzdiözese Wien ist, zeigt sich darin, daß Gertraude Steindl – langjährige Vorsitzende von ‘Aktion
Leben Österreich’ – aus der Hand von Kardinal Schönborn den päpstlichen St. Gregorius-Orden erhielt
und durch die Verleihung der „Kardinal-Opilio-Rossi-Medaille“ geehrt wurde.
Bischof Klaus Küng von St.
Pölten hielt die Laudatio.
So können die Abtreiber nach Jahrzehnten der Ausmordung ungeborener Kinder
weiterhin ungestört ihre Tötungshonorare kassieren.
Die von Fäulnis befallenen Glieder der Kirche
können und wollen der Tötungsmaschinerie der Kinderabtreiber keinen Einhalt gebieten.
Dr. Josef Preßlmayer
ist Gesundheitspsychologe und Kurator des „1. Europäischen Lebensschutz-Museums“
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