Für alle da sein? Zwei Bischöfe über die Kirchenaustritte in ihrem Land
Eine linksliberale Tageszeitung befragte zwei österreichische Bischöfe zu den gehäuften Kirchenaustritten in ihrem Land. Im vergangenen Jahr haben rund 50.000 Menschen die Kirche in Österreich mehrheitlich wegen der Kirchensteuer verlassen. „Wir sollen und wollen wieder für alle da sein.“
(kreuz.net, Wien) Die linksliberale österreichische Tageszeitung „Der Standard“ veröffentlichte in ihrer
Dienstagausgabe ein Interview mit Bischof Egon Kapellari von Graz und ein zweites mit Bischof Manfred
Scheuer von Innsbruck zum drastischen Anstieg der Kirchenaustritte in Österreich. Beide Bischöfe sehen
einen „Reformbedarf“. Manchmal kämen die Reformen leider arg verspätet. Viele Menschen hätten sich
von der Kirche entfernt.
Eine Ursache für die Kirchenaustritte sind laut Bischof Kapellari (69) „Auseinandersetzungen
betreffend einiger Personen und Strukturen“. Kenner sehen darin eine Anspielung auf den ehemaligen Bischof
von St. Pölten. Zur Frage, ob sich die Kirche von ihren Gläubigen entfernt habe, meinte der Bischof:
„Das stimmt.“ Vielen sei die Kirche fern geworden: „Wir sollen und wollen aber wieder für alle da sein.“
Der tiefste Grund für das Schrumpfen der großen christlichen Kirchen in Westeuropa sei aber, daß Gott
zahlreichen Getauften fremd geworden sei.
Auf die Frage, ob Reformen nicht längst überfällig seien,
meinte der Grazer Bischof, daß Reformen immer notwendig seien. Manchmal kämen sie leider arg verspätet.
Gleichzeitig warnte Bischof Kapellari, daß gut gemeinte Anpassungen an Zeitströmungen zu einer Verflachung
führen könnten.
Dem Vorschlag der Kirche eine Art „Imagepolitur“ zu verpassen konnte Bischof Kapellari
nur teilweise etwas abgewinnen: „Um ein gutes Image sollten wir uns als Kirche zwar bemühen, es darf
dabei aber nicht bloß um ein ‘Facelifting’ gehen auf Kosten eines ernsthaften Versuchs zur Nachfolge
Christi. Wörter wie ‘liberal’ und ‘modern’ greifen da zu kurz.“
Der Innsbrucker Bischof Scheuer (50)
meinte im „Standard“-Interview, daß die Kirchenaustritte „medialen Unterhaltungswert“ hätten. Die Vorfälle
in St. Pölten als monokausale Erklärung vorzuschieben, greife angesichts der jüngsten Kirchenaustritte
zu kurz. In Briefen von Ausgetretenen lese er von persönlichen Verletzungen. Ein anderer Grund sei, daß
Glaubensüberzeugungen der Kirche nicht mehr mitvollzogen werden könnten: „In manchen Bereichen fällt
es uns schwer, das Evangelium zu vermitteln.“ Manche Probleme seien hausgemacht, aber nicht alle.
Die
Kirche ist auch nach Bischof Scheuer immer reformbedürftig. Reformen könnte sich Scheuer beispielsweise
in einer vertieften Kommunikation zwischen der Ortskirche und Rom vorstellen. Auch wünsche er sich eine
stärkere Mitsprache bei den Bischofsernennungen, allerdings ohne die päpstlichen Rechte in Frage zu
stellen.
Zur Frage, ob es angesichts der sinkenden Zahl von Diözesanpriestern Änderungen geben solle,
meinte der Bischof von Innsbruck: „Es braucht nicht mehr Funktionäre, sondern mehr Christuszeugen. Es
geht für mich zuerst darum, daß der Wert der ehelosen Lebensform erkannt wird. Über das andere kann
man streiten.“
Gleichzeitig sieht Bischof Scheuer „neue Ansätze, daß auch junge Menschen sich vom Evangelium
wieder packen lassen“.
Im Innsbrucker Dom wird am 30. Januar eine Gottesdienstreihe nach dem Vorbild
der Wiener „Geist ist Geil“ Gottesdienste starten. Unter dem Motto „wundern, warten, werden, wirken“ wirbt
die Diözese Innsbruck für ‘außergewöhnliche’ Jugendgottesdienste mit atemberaubendem Sound, beeindruckenden
Lichteffekten, tanzender Begeisterung und gespürtem Miteinander.
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8 Lesermeinungen
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#9 Jan Maroske 19:08:50 | Mittwoch, 3. August 2005
Freiheit Guten Tag. Ich bin auf diesen Artikel gestoßen, als ich nach einer Möglichkeit des Kirchenaustritts
gesucht habe. Ich bin als evangelischer Christ getauft, habe mich nach reichlichen Überlegungen jedoch
stark von der Kirche distanziert. Ich möchte mit diesem Schreiben niemanden provozieren, nur meinen Standpunkt
darlegen, da ich den Eindruck hatte, junge Menschen, die aus der Kirche austreten würden vornehmlich
als popkultur-verseuchte, irregeleitete, unerfahrene Menschen gesehen. Meine Gründe liegen anders. Ich
sehe zum Beispiel keinen Grund, einen Teil meines Gehaltes für etwas zu bezahlen, das mir keinen Gegenwert
gibt. Gott kann nicht gekauft werden, oder? Wer wird gekauft? Die Pfarrer? Lieber lade ich von dem mir
dann erhaltenem Geld, Bedürftige ein, eine warme Mahlzeit mit mir einzunehmen. Ich sehe Jesus Christus
nicht als Heiligen. Schon gar nicht als eine Art „Sohn Gottes“. Er ist ein äußerst(!) weiser Philosoph,
ein Mann, der grundlegendes Gedankengut angestoßen und verbreitet hat. Die Kirche hat ihren Teil dazu
beigetragen, Ideale und Werte zu festigen. Doch sie ist überholt. Die Welt hat neue Medien. Es ist nicht
mehr die Kirche, in der sich die Menschen ihre Richtlinien holen. Ein Mann Gottes ist in meinen Augen
nicht jemand, der hinter einemgoldenen Altar steht und predigt, sondern jemand, der tut. Jemand, der dort
ist, wo Not herrscht. Unsere Ärzte, Krankenschwestern, Psychologen, Feurwehrleute, Polizisten.
#8 Uwe Schmidt 07:17:58 | Samstag, 5. Februar 2005
Kirchenaustritt Also wer aus der Kirche austritt, scheint sie nicht zu brauchen, diese Leute denken sich
offenbar „wozu brauche ich die, kostet mich nur unnötig Geld!“…scheinen eher abgestumpfte Zeitgenossen
zu sein, die leichtere Kost wie Unterhaltung und Spaß den eigentlichen Fragen des Lebens vorziehen. Naja,
vielleicht treten sie ja auch noch einmal ein…
die Kirche hat alle Antworten – hören wir sie! Es wurde schon mehrfach; hier jetzt wieder geschrieben:
>>>>Die katholische Kirche hat zu vielen Fragen unserer Zeit keine fundierten Antworten<<<< Blödsinn!
Die Kirche hat Antworten; sogar ALLE Antworten – aber sie traut sich oft nicht mehr sie zu geben, weil
sie zu Recht totales Unverständnis heutiger Sozial-Christen kennt, denen Kirche unerwünschter Lehrer
ist für Antworten, die man, noch bevor man sie erfasst hat ablehnt, und mit so beifallheischendem wie
inhaltslosem Gegenwort, eigenen Ungeist über den Geist der Kirchenlehre zu setzen. Bruno-Maria Schulz
#6 Vetter Taferl 19:53:56 | Mittwoch, 2. Februar 2005
Austritt ist nicht gleich Austritt, denn das Siegel der Hl. Taufe kann nicht entfernt werden, auch wenn
die Taufgnade verloren gehen sollte. Darum wird jemand, wenn er „aus der Kirche austritt“ (in Wahrheit
aus der Kirchenbeitragszahlergemeinschaft öffentlichen Rechts) nicht wieder getauft, wenn er wieder eintritt.
Irriger Weise ignorieren das heute die Ehegerichte und nehmen bei ausgetretenen Personen zunächst die
sakramentale Gültigkeit einer standesamtlich geschlossenen Ehe an (ein Witz!), obwohl Katholiken die
kirchenrechtlichen Formvorschriften bei Eheschließung einhalten müssen. Aufgrund der wahnwitzigen Verwendung
der Kirchenbeitragsmittel kann ein Katholik heute schon aus Gewissensgründen aus der öffentlichrechtlich
als juristische Person eingerichteten Kirchenbeitragszahlergemeinschaft („Kirche“) austreten und bleibt
dennoch Katholik. Die Bischöfe unterschätzen die Erbitterung vieler konservativer, besonders der traditionalistischen
Katholiken und glauben, auf diese und deren Beiträge verzichten zu können. Wir werden sehen, ob das
so bleibt…
Jeder Austritt ist ein Verlust! Glaubwürdigkeitsverlust: Die katholische Kirche hat zu vielen Fragen
unserer Zeit keine fundierten Antworten. Mag ja sein das es für manch einen Gerechten kein Problem ist,
die Menschen die mitten im Leben stehen und mit alltäglichen Problemen zu kämpfen haben sehen sich nach
Sinn im Leben, sehnen sich nach Gott. Und für diese Menschen muß die katholische Kirche da sein mit
Rat und Tat. Und da dürfen auch unangenehme Wahrheiten keine Hürde sein und manchmal muß man auch über
den eigenen Schatten springen.
Ein Mangel der angesprochenen Reihe von Jugendgottesdiensten ist, … daß die Jugendlichen mit Eindrücken
abgespeist werden, die an ihrer tiefsten Sehnsucht vorbeigehen. Solche Abende (Events) können andere
Veranstalter sicher noch kurzweiliger gestalten. Nachhaltiger wäre ein Konzept der Jugendarbeit, bei
dem die persönliche Begegnung mit der Hl. Schrift und der Eucharistie möglich sind, der eigene Glaube
in Kleingruppen ausgetauscht werden kann. Sakralität wird gegen Popkultur eingetauscht, doch der Schaden
bei kirchlich Unbedarften sollte sich in Grenzen halten: wie die Erfahrungen in Wien zeigen, finden sich
unter den Besuchern des Spektakels kaum Jugendliche von außerhalb der Gemeinden. Man fragt sich aber
schon, weshalb die Verantwortlichen für diesen Effekte-Zirkus unbedingt eine Eucharistiefeier einbauen
müssen. Nur weil man die Liturgie schon soweit deformiert hat, ist der Rest nicht auch noch egal.
na bravo zum treffenden Kommentar des Vorredners, das auf die Kirche des gesamten deutschsprachigen Raumes
passt, wage ich hinzuzufügen, dass vielleicht ganz gut ist, wenn alle die austreten, denen Kirche nichts
sagt. Dann ist endlich „die Urkirche“ wieder unter sich, mit Priestern wie dem Pfarrer von Ars, die nichts
Anderes im Sinn haben, als das Wort Gottes und das Ganze – nämlich die einzige, und ewige Wahrheit wieder
auf festen Füßen stehen wird. Christus sagte uns oft, dass nur Wenige ins Himmelreich kommen. Ok – gut –
die andern wollen nicht. Ihr Problem. Mehr als die einzig existierende Wahrheit ihnen sagen, können wir
nicht. Wenn sie’s ablehnen – haben sie ihren Lohn hier gehabt. Bruno-Maria Schulz
Na bravo, mir tränt das Auge bei dem Gedanken der Kinderfängerei. Das naheliegenste (Jesus den Auferstandenen
zu predigen, Messe zu feiern, sakramentale Anbetung) ist wohl im das schwierig zu Begreifende. Motto „wundern,
warten, werden, wirken“ Die Kids wundern sich über die Art die Wahrheit zu verkünden Die Kids warten
bis einer kommt der mit Vollmacht spricht um zu verkünden. Mk1,22 Die Kids werden in jeder „weltlichen
Disco“ mehr Spass haben. Die Kids wirken nach dem sie der Geist geil gemacht hat enttäuscht und verraten.
Klgl 4,4 Dem Säugling klebt seine Zunge an seinem Gaumen vor Durst; die kleinen Kinder verlangen nach
Brot, und niemand ist da, der’s ihnen bricht.