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Montag, 22. Oktober 2007 13:53
Im Kampf gegen die Häretiker zu ängstlich
Kardinal Scheffczyk bezog in den theologischen Wirren nach dem letzten Konzil immer als erster klar und mutig Position. Er selber sei feiger gewesen – so der Papst.
Benedikt XVI - ein theologischer Bruder Kardinal Scheffczyks.
Benedikt XVI – ein theologischer Bruder Kardinal Scheffczyks.
(kreuz.net) Bereits im November 2006 sprach Pater Johannes Nebel mit Papst Benedikt XVI. über den bedeutenden deutschen Theologen Leo Kardinal Scheffczyk.

Pater Nebel gehört zur geistlichen Familie „Das Werk“ und verwaltet den geistlichen Nachlaß des am 8. Dezember 2005 verstorbenen Kardinals.

Kardinal Scheffczyk stand dem „Werk“ nahe. Er liegt auf dem Friedhof im Mutterhaus der Ordensgemeinschaft in Vorarlberg begraben.

Das jetzt bekannt gewordene Interview ist Teil eines Buches von Pater Nebel über die Arbeit des späten Kardinals. Es erscheint im November
Benedikt XVI. über die Nachkonzilswirren:
„Die Zeit war damals verworren und unruhig, und der Lehrstand der Kirche war nicht mehr ganz klar.“
in der italienischen Reihe „Vita e Pensiero“.

Am Samstag publizierte die Mailänder Tageszeitung ‘Corriere della Sera’ einen Auszug aus dem Gespräch.

Die deutsche Tageszeitung ‘Welt’ veröffentlichte nun einen Teil des deutschen Originaltextes.

In dem Interview lobt der Heilige Vater mehrmals die außergewöhnliche Gelehrsamkeit von Kardinal Scheffczyk.

Papst Benedikt XVI. erinnert sich auch an die gemeinsame Zeit im Priesterseminar Freising: „Er steht noch sehr deutlich vor mir als ein stiller und sozusagen feinnerviger Mann.“

Leo Kardinal Scheffczyk
Leo Kardinal Scheffczyk
Damals hielt man die Häresie für „möglich“

Erst nach dem Zweiten Vatikanum lernten sich die beiden Theologieprofessoren näher kennen. Beide waren Mitglieder der Glaubenskommission der Deutschen Bischöfe, die in jener Zeit eingerichtet wurde:

„Die Zeit war damals verworren und unruhig, und der Lehrstand der Kirche war nicht mehr ganz klar.“

„Es wurden Thesen in die Luft gesetzt, von denen man sich einbildete, sie seien jetzt möglich, obwohl sie in Wirklichkeit mit dem Dogma nicht übereinstimmten.“

Die Diskussionen in der Glaubenskommission seien anspruchsvoll und schwierig gewesen.

Der stille und eher schüchterne Kardinal Scheffczyk habe immer als erster „ganz klar“ Positionen bezogen:

„Ich selbst war da fast zu ängstlich, als daß ich mich getraut hätte, gleich so direkt ‘drauflos’ zu gehen.“

Der spätere Kardinal Scheffczyk war nach den Worten des Papstes der „Eisbrecher“ in diesen Diskussionen.

Bei gemeinsamen Busfahrten setzten sich die beiden nebeneinander, um die „theologische Geschwisterlichkeit“ zu vertiefen.

Die Erinnerung an die gemeinsame Arbeit in der Glaubenskommission ist die stärkste persönliche Erinnerung, die der Papst an den Kardinal besitzt.

Garant für den rechten Glauben
Als Benedikt XVI. Erzbischof von München und Freising wurde, war Kardinal Scheffczyk in München Professor für Dogmatik. Er war für den Papst die Garantie, daß die Dogmatik dort richtig gelehrt wurde.

Auch als Präfekt der Glaubenskongregation bat der
Fähig und fleißig
Benedikt XVI. wußte, daß Kardinal Scheffczyk „erstens die Arbeit wirklich macht und sie zweitens gut erfüllt.“
Papst Kardinal Scheffczyk öfter um Vota: „Dabei wußten wir immer, daß er – wenn man ihn um etwas bittet – erstens die Arbeit wirklich macht und sie zweitens gut erfüllt.“

Der Heilige Vater erwähnt auch, daß Kardinal Scheffczyk für Österreich viel getan habe. So sei er für den konservativen Linzer Priesterkreis „die Säule überhaupt“ gewesen.

Kleiner Schuster wird Kardinal
Eines Tages fragte Johannes Paul II. den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, ob es in Deutschland einen über 80jährigen Theologen gäbe, der des Kardinalspurpurs würdig wäre.

Benedikt XVI. hatte mit Johannes Paul II. schon öfter über Hw. Scheffczyk gesprochen: „Wir wissen alle, wie gut es war, daß Leo Scheffczyk Kardinal wurde.“

Hw. Scheffczyk erhielt den Kardinalshut zusammen mit den liberalen deutschen Theologen, Bischof Karl Lehmann von Mainz und Kurienerzbischof Walter Kasper.

Erst durch das Kardinalat sei die Theologie von Kardinal Scheffczyk für Deutschland „so richtig ‘kirchenöffentlich’“ geworden.

Seine Stimme habe nicht mehr überhört oder von irgendeinem Professor beiseite geschoben werden können.

Von Johannes Paul II. erfuhr Benedikt XVI., daß der Name „Scheffczyk“ polnisch ist und „kleiner Schuster“ bedeutet.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 17 Lesermeinungen:
Dienstag, 6. November 2007 01:11
Olorin †: Von der Redaktion entfernt
Montag, 22. Oktober 2007 23:05
Dr. Christoph Heger: „natürliche Gotteserkenntnis“
P. Lingen:

Erzhäretiker Scheffczyk war der „Doktorvater“ des Erzhäretikers Günther Storck („Widerlegung“ des Dogmas von der natürlichen Gotteserkenntnis).

Zu den Häresievorwürfen gegen Kardinal Scheffczyk und Bischof Günther Storck will ich mich mangels theologischer Kompetenz nicht äußern.

Die Behauptung allerdings, Storck habe eine „Widerlegung“ des Dogmas von der natürlichen Gotteserkenntnis versucht, kann nur jemand aufstellen, der unter „natürlicher Gotteserkenntnis“ eine Art „physikalischer“ oder wie man sich früher ausdrückte „physiko-theologischer“ Gotteserkenntnis versteht. Das ist jedoch Unsinn. Die natürliche Erkenntnis erstreckt sich auf das Ganze der Wirklichkeit.

MfG
Christoph Heger
Montag, 22. Oktober 2007 22:29
Agiafortuni: Scheffczyk und sein Schüler Kasper
zufälligerweise bin ich auf Kaspers Habilitationsschrift gestossen. Sein erster Zensor war Scheffczyk und sein zweiter Küng. Das Thema: die römische Theologie.
Artois: Ein Leisetreter war Scheffczyk bestimmt. Sobald ihm eine unangenehme Frage gestellt wurde, wusste er ihr geschickt auszuweichen
Montag, 22. Oktober 2007 21:01
Artois †: KArdinal Scheffczyk
ist möglicherweise in Sachen rechtgläubigkeit nichts vorzuwerfen (zum letzten Richter möchte ich mich da nicht augschwingen), ganz gewiß jedoch in Sachen Opportunismus und Leisetreterei. Insoferne hätte er bei der letzten Papstwahl gewiß keinen „Schaden“ angerichtet. Im Übrigen walten in einem Konklave völlig andere Gesetze …
Montag, 22. Oktober 2007 20:51
Agiafortuni: schöne Bescherung
Lehmann und Kasper waren trotz ihrer zweifelhaften Rechtgläubigkeit stimmberechtigt im Konklave während
Kerdinal Scheffczyk, dem in Sachen Rechtgläubigkeit nichts vorzuwerfen ist, es nicht war. Eine Art Büchse der Pandora
Montag, 22. Oktober 2007 18:59
mariokin: Hervorhebungen im Artikel!
Danke an die Redaktion für die Hervorhebung der Zitate, amit wird deutlich, dass sowohl Überschrift als auch Inhalt mit dem Interview identisch sind!
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