14:13:52 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
Das Bistum Limburg hätte es verdient, nach zwei altliberalen Bischöfen wieder einen papsttreuen und glaubensfrommen Oberhirten zu erhalten. Von Hubert Hecker.

Die letzten beiden Limburger Bischöfe
Links: Mons. Wilhelm Kempf († 1982)
Mitte: Mons. Franz Kamphaus
(75)
(kreuz.net, Limburg) Am 21. August 1773 verbot Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden. Damit war den kirchenfeindlichen
Aufklärern ein wichtiger Schlag gegen die Kirche gelungen.
Das Verbot schwächte das Papsttum massiv.
Es zerstörte den größten katholischen Schulorden. 5.000 jesuitische Schulen, Kollegs und Universitäten
wurden geschlossen.
Der Papst wurde von den Herrschern Portugals, Spaniens und Frankreichs zum Verbot
der Jesuiten gedrängt. Deren Autonomie paßte nicht in ihr absolutistisches Herrschaftskonzept.
So hatten
die Jesuiten in den Reduktionen von Paraguay den Indios gestattet, sich zu bewaffnen, um den berüchtigten
Sklavenjägern aus Sao Paulo Widerstand zu leisten.
In Frankreich empörten sich aufgeklärte Kreise,
Stadtpfarrer Johann Wilhelm Bausch
lehnte Ende des 18. Jahrhunderts den Katechismus des Heiligen Jesuiten
Petrus Canisius ab. Ihn störte der Grundsatz, daß es außerhalb der Katholischen Kirche kein Heil gibt.
daß
die französischen Jesuitenpatres dem Papst mehr gehorchten als der französischen Krone.
Ein Pariser
Gericht verbot den Jesuiten im Jahr 1764 jegliche Verbindung mit ihren römischen Generaloberen. König
Ludwig XV. verlangte von ihnen einen Treueid auf die Krone. Gerade mal sechs Patres leisteten ihn.
Aber
der Feind hätte nie in die Bastion der Kirche einbrechen können, wenn nicht viele aufgeklärte Theologen
und Amtsträger die katholischen Positionen von innen unterminiert hätten.
Theologischer Minenleger
Einer dieser theologischen Minenleger war der katholische Priester, Gymnasialdirektor und Stadtpfarrer
von Hadamar, Johann Wilhelm Bausch († 1828).
Als junger Priester publizierte
der ehemalige Jesuitenschüler im Jahr 1783 eine Denkschrift. Darin rechtfertige er das Jesuitenverbot.
Darüber hinaus wollte er allen Orden die theologische und kirchliche Legitimität entziehen.
Seine theologische
Gedankenwelt offenbarte Hw. Bausch als Gründungsdirektor für das städtische Gymnasium in Hadamar 1792:
„Frühe muß der Mensch überzeugt werden, dass der Glaube an die Christuslehre das wirksamste Mittel
sey, das menschliche Geschlecht zu beglücken.“
Im Sinn der Ökumene
Der aufgeklärte Katechismus von Johann
Ignaz von Felbinger († 1788) zollte dem Protestantismus Respekt und Anerkennung.
Für Hw. Bausch sind Glaube
und Kirche dem „Ziel des menschlichen Daseyns“ untergeordnet. Dieses bestehe für ihn in der „fortschreitenden
Vervollkommnung des Menschen“.
Um dieses Ziel zu erreichen, formuliert Hw. Bausch als Aufgabe des Faches
Religion:
„Durch alles, was du thuest, oder unterlassest, musst du Besserung zu bewirken streben an dir,
oder andern Wesen.“
Heute fordern die Lehrpläne vom katholischen Religionsunterricht, „menschliche und
soziale Kompetenz“ zu vermitteln.
Schon 1784 polemisierte Hw. Bausch gegen den Katechismus des Heiligen
Jesuiten Petrus Canisius.
An ihm störte ihn vor allem der Grundsatz, daß es außerhalb der Katholischen
Kirche kein Heil gibt.
Hw. Bausch empfiehlt statt dessen den aufgeklärten Katechismus des Saganer Chorherrn
Johann Ignaz von Felbinger († 1788).
Grund: Dieses Glaubensbuch zeige besonders gegenüber dem Protestantismus
und den protestantischen Fürsten Respekt und Anerkennung.
Das weichgespülte Felbinger-Glaubenswerk
entsprach in etwa dem berüchtigten ‘Holländischen Katechismus’ der Nach-Konzilszeit.
1802 kündigt
Hw. Bausch die Publikation des „Journals für katholische Theologie“ an.
Darin wollte er „die
Schon der
zweite Bischof
des 1827 neugegründeten Bistums Limburg forderte die Abschaffung der lateinischen Messe
und die Priesterehe.
gemeinsame Entwicklung von Protestanten und Katholiken im Sinne des reinen Christentums“
aufzeigen und zur „Predigt im Sinne der Aufklärung“ anregen.
Schließlich ediert Hw. Bausch im Hadamarer
Verlag Hergt das Buch „An die unbescheidenen Verehrer der Heiligen besonders Mariae“.
Heute wird die
Autorenschaft dieses Buches dem katholischen geistlichen Rat Benedikt Leonhard Maria Werkmeister († 1823)
zugeschrieben.
Der gelehrte Aufklärer und Vielschreiber Werkmeister plädierte für die Ehescheidung
sowie gegen den Zölibat und die päpstliche Unfehlbarkeit – gewissermaßen der geistige Urvater von Hw.
Hans Küng.
Fragwürdiges Staats-Kirchen-ModellIn einer kirchenrechtlichen Denkschrift von 1789 zieht
Hw. Bausch die rechtlich-politischen Folgerungen aus seiner Aufklärungs-Ideologie:
Wenn die Vervollkommnung
der Gesellschaft das Ziel des menschlichen Daseins ist, Kirche und kirchliche Lehre aber nur Mittel zu
diesem Zweck seien, dann müßten Kirche, Schule und andere Kultureinrichtungen vom Staat geleitet werden.
Schon 1763 propagierte der Trierer Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim († 1790) unter dem Pseudonym
Febronius ein ähnliches staatskirchliches Modell.
In den habsburgisch regierten Landen setzte Kaiser
Joseph II. († 1790) ein massives Staatsregiment über die Kirche ein.
Das Staatskirchentum war die kirchenpolitische
Lieblingsidee der Aufklärung. Diese wurde in Frankreich schon zu Anfang der Revolution in einem Meer
von Blut durchgesetzt.
In einer Publikation von 1802 ermahnt Hw. Bausch die „ungeschworenen“ französischen
Pfarrer, „ihre Gemeinden vernünftiger als bisher zu behandeln und sich dem Staat redlich zu unterwerfen“.
Selber bekleidete Hw. Bausch etwa ab 1800 in Dillenburg als Konsistorialrat im Dienste der nassau-oranischen
Regierung das Aufsichtsamt über die Kirche.
Später wurde die von ihm propagierte staatliche Oberaufsicht
über die Kirche zum staatskirchlichen Modell. Es diente dem Herzogtum Nassau, um über das 1827 gegründete
Bistum Limburg zu regieren.
Letztes Aufflackern der Aufklärer in LimburgDer erste
Bischof der neuen Diözese, Mons. Jacob Brand, wurde nur deshalb von Herzog Wilhelm von Nassau († 1839)
akzeptiert, weil er sich als Gymnasiallehrer und Pfarrer mit Aufklärungsschriften hervorgetan hatte.
Auch der zweite Bischof, Mons. Johann Wilhelm Bausch († 1840), – mit dem Hadamarer Aufklärer nur namensverwandt –
hatte sich durch Aufklärungspositionen für sein Amt empfohlen.
Im Jahr 1818 hatte der nachmalige Bischof
für die Pfarrer des Landdekanates Hadamar eine Resolution entworfen, in der er die Abschaffung der lateinischen
Messe forderte sowie das „zu hart und unausführbar sich zeigende Eheverbot für Geistliche“ anprangerte.
Aber die Zeit der Aufklärer in der Kirche neigte sich dem Ende entgegen.
Im Jahr 1830 führte ein Kaplan
im Städtchen Weilburg nahe Limburg wieder den Katechismus des Heiligen Petrus Canisius ein.
1835 indizierte
Papst Gregor XVI. Lehre und Werke des Dogmatikprofessors Hw. Georg Hermes († 1831).
Seine Theologie beruhte
auf den Theorien des Königsberger Philosophen Immanuel Kant († 1804).
Hw. Hermes war gewissermaßen
der Karl Rahner der kirchlichen Aufklärung.
1842 wählte das Limburger Domkapitel den frommen Priester
Peter Joseph Blum († 1884) zum neuen Bischof. Mons. Blum führte das Bistum Limburg als papsttreuer –
damals ultramontan genannter – Oberhirte zur langersehnten Blüte.
Damals war den Aufklärungs-Ideologen
ein Zeitraum von etwa sechzig Jahren zubemessen.
Das könnte ein Hinweis sein, daß sich auch die gegenwärtige
altliberale Aufklärungsepoche in der Kirche zu Ende neigt.
Folglich wäre auch der Zeitpunkt gekommen,
daß das Bistum Limburg nach den beiden altliberalen Bischöfen Wilhelm Kempf († 1982) und Franz Kamphaus
(75) wieder einen papsttreuen und glaubensfrommen Bischof
verdient hätte.
Der Autor ist Lokalhistoriker
in der Region unterer Westerwald.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.