11:33:51 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
In den USA entsteht eine katholische Universität samt Musterstadt. Doch geht es dort um den katholischen Glauben oder nur um die neokonservative Privatideologie der Gründer?

Webseite der Ave-Maria-Universität
(kreuz.net)
„Ave Maria“ nennt sich eine US-Universität, die gegenwärtig im Bundesstaat Florida samt
Kleinstadt aus dem Boden gestampft wird.
Hinter dem Projekt steht der in den USA bekannte Pizza-Magnat
Tom Monaghan (69). Er hat mit der von ihm gegründeten und inzwischen verkauften Imbißkette ‘Domino Pizza’
viel Geld verdient.
Dieses Geld will er jetzt nach eigenen Angaben für das Reich Gottes einsetzen.
Deshalb gründete er im US-Bundesstaat Florida eine katholische Universität. Um sie herum entsteht zugleich
eine katholische Musterstadt mit strengen moralischen Prinzipien.
Elftausend Häuser will dort ein Generalunternehmer
auf eigene Rechnung bauen.
Im Herzen der Anlage befindet sich die Kirche in Form einer überhöhten Tunnelröhre.
Ihre Architektur ist von Anfang an scharf kritisiert worden.
Noch ist es der Universität, die sich als
Elite-Institution versteht, nicht gelungen, die notwendigen Studenten zu finden. 6000 Studienplätze sind
vorhanden. Bisher sind gerade mal 600 Studenten da.
Brutale PersonalpolitikUniversitäts-Gründer Monaghan
ist für sein autoritäres Gehabe und seine rücksichtslosen Personalentscheide bekannt.
Er betrachtet
die Universität als „seine Schule“ und regiert sie über einen ehemaligen Wirtschaftsanwalt, den er zum
Präsidenten der Universität erkoren hat.
Aufgrund dieser Art der Betriebsführung ist ‘Ave Maria’ immer
wieder in den Schlagzeilen.
Inzwischen gibt es eine
eigene Webseite, welche die Ungereimtheiten in der
Universitätsverwaltung offenlegt.
Neokonservatives RegimeMonaghan und seine Getreuen vertreten eine
streng neokonservative Richtung.
Diese zeichnet sich durch ein neoprotestantisches Liturgieverständnis,
eine moderat liberale Glaubenslehre und einen scharfen moralischen Rigorismus aus.
Eine liturgische Erneuerung
wird von diesem Ort nicht ausgehen.
Jüngstes Beispiel war die Affaire um Pater Joseph Fessio SJ (66).
Sie erreichte sogar die internationalen Medien.
Pater Fessio promovierte bei Professor Joseph Ratzinger
in Regensburg und ist Gründer des bekannten US-Verlages ‘Ignatius Press’.
Von seinem Orden wurde er
wegen seiner katholischen Haltung immer wieder bedrängt und zuletzt als zweiter Kaplan in eine kleine
Klinik strafversetzt.
Als ‘Ave Maria Universität’ den Pater zum Kanzler ernannte, schien das die langersehnte
Wiedergutmachung zu sein.
Doch die Minne dauerte nicht lange. Ende März dieses Jahres wurde Pater Fessio
von Monaghan fristlos entlassen und aufgefordert, das Universitätsgelände noch gleichentags zu verlassen.
Durch die Studentenschaft ging ein Sturm der Entrüstung.
Zwei Tage später mußte Monaghan einen Rückzieher
machen. Der Jesuit verlor zwar seinen Posten als Kanzler, wurde aber als „residierender Theologe“ angestellt
und wird sich zukünftig um kleinere Projekte der Universität – vorwiegend in Europa – kümmern.
Offiziell
gab es keine Erklärung für diese brutale Vorgangsweise.
Doch interne Quellen erklärten, daß die Ursache
des Konfliktes liturgischer Natur war.
Den neokonservativen Universitätsgewaltigen war die Messe von
Pater Fessio ein Dorn im Auge, die er immer zum Tabernakel hin zelebriert und die von vielen Studenten
besucht wurde.
Letztere zogen diese Messe den von der Universitätsleitung offiziell geforderten charismatischen
Gitarren-Gottesdiensten vor.
Universitätsleitung gegen StudentenschaftDaß das liturgische Problem
in ‘Ave Maria’ immer noch nicht gelöst ist, zeigt ein Beitrag, der am 10. Oktober auf der ‘Ave Maria’-kritischen
Webseite ‘avemariawatch.com’ publiziert wurde. Titel: „Weitere liturgische Kompetenzüberschreitungen“.
Es handelt sich um ein internes Dokument. Es berichtet über eine unter den Studenten durchgeführte
Umfrage über die Liturgie.
Die Initiative scheint die Universitätsleitung sehr erzürnt zu haben.
Das Ergebnis der Umfrage zeigte eine – zu erwartende – weitverbreitete Sympathie der ‘Ave Maria’-Studenten
für römische Dokumente wie ‘Musicam Sacram’ (1967), ‘Sacrosanctum Concilium’ (1963) und natürlich ‘Summorum
Pontificum’ (2007).
Mit anderen Worten: Die Studenten wünschen sich den Gregorianischen Choral, die
Zelebration der Messe zu Gott hin und auch den Alten Ritus.
Dieses Ergebnis widerspricht allerdings der
Liturgiepolitik der Administration. Diese zwingt die Priester, sich beim Gottesdienst – mit Ausnahme einer
einzigen Messe um 7.50 Uhr – dem Volk zuzuwenden.
Latein und Gregorianik sind in 18 von 21 Wochentagsmessen
streng verboten, obwohl es an der Universität zwei Choralscholas gibt.
Die Kommunionbänke wurden auf
persönliche Anordnung des Präsidenten der Universität entfernt. In einem Schreiben erklärte er, daß
der kniende Kommunionempfang „nicht ermutigt“ werden solle.
Kampf gegen die Alte MesseEs gibt in ‘Ave
Maria’ keine Bemühungen, das Motu proprio von Papst Benedikt XVI. zur Freigabe der Alten Messe umzusetzen.
Einem Priester der Priesterbruderschaft St. Petrus wurde sogar verboten, die Alte Messe auf dem Universitätsgelände
zu lesen oder einem Priester der Universität die Alte Messe beizubringen.
Das Problem liegt – so das
auf ‘avemariawatch’ publizierte Schreiben – nicht bei den Priestern der Universität, sondern bei deren
Präsidenten.
Dieser maße sich eine liturgische Autorität an, die er einer großen Gruppe „universell
orthodoxer Katholiken“ aufzwinge.
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