Alte Messe
Die Liturgie wird von der Administration diktiert
In den USA entsteht eine katholische Universität samt Musterstadt. Doch geht es dort um den katholischen Glauben oder nur um die neokonservative Privatideologie der Gründer?
Webseite der Ave-Maria-Universität
Webseite der Ave-Maria-Universität
(kreuz.net) „Ave Maria“ nennt sich eine US-Universität, die gegenwärtig im Bundesstaat Florida samt Kleinstadt aus dem Boden gestampft wird.

Hinter dem Projekt steht der in den USA bekannte Pizza-Magnat Tom Monaghan (69). Er hat mit der von ihm gegründeten und inzwischen verkauften Imbißkette ‘Domino Pizza’ viel Geld verdient.

Dieses Geld will er jetzt nach eigenen Angaben für das Reich Gottes einsetzen.

Deshalb gründete er im US-Bundesstaat Florida eine katholische Universität. Um sie herum entsteht zugleich eine katholische Musterstadt mit strengen moralischen Prinzipien.

Elftausend Häuser will dort ein Generalunternehmer auf eigene Rechnung bauen.

Im Herzen der Anlage befindet sich die Kirche in Form einer überhöhten Tunnelröhre. Ihre Architektur ist von Anfang an scharf kritisiert worden.

Noch ist es der Universität, die sich als Elite-Institution versteht, nicht gelungen, die notwendigen Studenten zu finden. 6000 Studienplätze sind vorhanden. Bisher sind gerade mal 600 Studenten da.

Brutale Personalpolitik

Universitäts-Gründer Monaghan ist für sein autoritäres Gehabe und seine rücksichtslosen Personalentscheide bekannt.

Er betrachtet die Universität als „seine Schule“ und regiert sie über einen ehemaligen Wirtschaftsanwalt, den er zum Präsidenten der Universität erkoren hat.

Aufgrund dieser Art der Betriebsführung ist ‘Ave Maria’ immer wieder in den Schlagzeilen.

Inzwischen gibt es eine eigene Webseite, welche die Ungereimtheiten in der Universitätsverwaltung offenlegt.

Neokonservatives Regime

Monaghan und seine Getreuen vertreten eine streng neokonservative Richtung.

Diese zeichnet sich durch ein neoprotestantisches Liturgieverständnis, eine moderat liberale Glaubenslehre und einen scharfen moralischen Rigorismus aus.

Eine liturgische Erneuerung wird von diesem Ort nicht ausgehen.

Jüngstes Beispiel war die Affaire um Pater Joseph Fessio SJ (66). Sie erreichte sogar die internationalen Medien.

Pater Fessio promovierte bei Professor Joseph Ratzinger in Regensburg und ist Gründer des bekannten US-Verlages ‘Ignatius Press’.

Von seinem Orden wurde er wegen seiner katholischen Haltung immer wieder bedrängt und zuletzt als zweiter Kaplan in eine kleine Klinik strafversetzt.

Als ‘Ave Maria Universität’ den Pater zum Kanzler ernannte, schien das die langersehnte Wiedergutmachung zu sein.

Doch die Minne dauerte nicht lange. Ende März dieses Jahres wurde Pater Fessio von Monaghan fristlos entlassen und aufgefordert, das Universitätsgelände noch gleichentags zu verlassen.

Durch die Studentenschaft ging ein Sturm der Entrüstung.

Zwei Tage später mußte Monaghan einen Rückzieher machen. Der Jesuit verlor zwar seinen Posten als Kanzler, wurde aber als „residierender Theologe“ angestellt und wird sich zukünftig um kleinere Projekte der Universität – vorwiegend in Europa – kümmern.

Offiziell gab es keine Erklärung für diese brutale Vorgangsweise.

Doch interne Quellen erklärten, daß die Ursache des Konfliktes liturgischer Natur war.

Den neokonservativen Universitätsgewaltigen war die Messe von Pater Fessio ein Dorn im Auge, die er immer zum Tabernakel hin zelebriert und die von vielen Studenten besucht wurde.

Letztere zogen diese Messe den von der Universitätsleitung offiziell geforderten charismatischen Gitarren-Gottesdiensten vor.

Universitätsleitung gegen Studentenschaft

Daß das liturgische Problem in ‘Ave Maria’ immer noch nicht gelöst ist, zeigt ein Beitrag, der am 10. Oktober auf der ‘Ave Maria’-kritischen Webseite ‘avemariawatch.com’ publiziert wurde. Titel: „Weitere liturgische Kompetenzüberschreitungen“.

Es handelt sich um ein internes Dokument. Es berichtet über eine unter den Studenten durchgeführte Umfrage über die Liturgie.

Die Initiative scheint die Universitätsleitung sehr erzürnt zu haben.

Das Ergebnis der Umfrage zeigte eine – zu erwartende – weitverbreitete Sympathie der ‘Ave Maria’-Studenten für römische Dokumente wie ‘Musicam Sacram’ (1967), ‘Sacrosanctum Concilium’ (1963) und natürlich ‘Summorum Pontificum’ (2007).

Mit anderen Worten: Die Studenten wünschen sich den Gregorianischen Choral, die Zelebration der Messe zu Gott hin und auch den Alten Ritus.

Dieses Ergebnis widerspricht allerdings der Liturgiepolitik der Administration. Diese zwingt die Priester, sich beim Gottesdienst – mit Ausnahme einer einzigen Messe um 7.50 Uhr – dem Volk zuzuwenden.

Latein und Gregorianik sind in 18 von 21 Wochentagsmessen streng verboten, obwohl es an der Universität zwei Choralscholas gibt.

Die Kommunionbänke wurden auf persönliche Anordnung des Präsidenten der Universität entfernt. In einem Schreiben erklärte er, daß der kniende Kommunionempfang „nicht ermutigt“ werden solle.

Kampf gegen die Alte Messe

Es gibt in ‘Ave Maria’ keine Bemühungen, das Motu proprio von Papst Benedikt XVI. zur Freigabe der Alten Messe umzusetzen.

Einem Priester der Priesterbruderschaft St. Petrus wurde sogar verboten, die Alte Messe auf dem Universitätsgelände zu lesen oder einem Priester der Universität die Alte Messe beizubringen.

Das Problem liegt – so das auf ‘avemariawatch’ publizierte Schreiben – nicht bei den Priestern der Universität, sondern bei deren Präsidenten.

Dieser maße sich eine liturgische Autorität an, die er einer großen Gruppe „universell orthodoxer Katholiken“ aufzwinge.
      
10 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#10   Tridentinus   09:27:11 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
@Gotthard
Der letzte Satz Ihres unmittelbar vorausgehenden Postings ist ebenso bemerkenswert wie erfreulich, gerade, weil er von Ihnen stammt.
Im übrigen finde ich, dass die Personen, die auf der Website dieser Uni posieren und zur Illustration des kreuz.net-Artikels dienen, in Mimik und Kleidung den Bilderbuchzeichnungen der Publikationen der Zeugen Jehowas sehr nahe kommen. Vielleicht spielen zu ihren Füssen auch noch fröhliche Kinder mit Nattern und schmusen mit Löwen, der untere Bildteil ist ja nicht sichtbar.
Redaktion benachrichtigen
#9   Gotthard   21:19:19 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
Privat-Uni
Das Problem liegt nicht bei den Priestern der Universität, sondern bei deren Präsidenten.
Dieser maße sich eine liturgische Autorität an, die er einer großen Gruppe „universell orthodoxer Katholiken“ aufzwinge.
Wer zwingt denn Priester oder Studenten an eine solche Uni zu gehen?
Die Verwendung des außerordentlichen Ritus zur Privatzelebration wird wohl kein Uni-Präsident verwehren …
Redaktion benachrichtigen
#8   obelix †   20:09:52 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
@Benedikt
Benedikt: Das ich das noch erlebe
Methusalix macht Werbung für eine neokonservative Zeitung, preist deren glorreiche Vergangenheit, …
Das halten Sie für „Werbung“ für die Washington Post? Das soll „anpreisen der glorreichen Vergangenheit“ dieser Zeitung sein?
Wenn das wahr wäre, müssten Sie jetzt ein Telegramm nach Rom schicken. Wer ist dort noch gleich für die Anerkennung von Wundern zuständig? Aber ich kann Sie beruhigen, Sie müssen nichts nach Rom melden.
Wenn ich etwas anpreise, liest sich das doch ein klein wenig anders. Dass Sie das nicht kennen können, liegt daran, dass es bei der römisch-katholischen Kirche im allgemeinen und bei kreuz.net im besonderen so verzweifelt wenig gibt, was des anpreisens wert ist. Bei kreuz.net eigentlich gar nichts.
Redaktion benachrichtigen
#7   Benedikt   18:29:27 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
Das ich das noch erlebe
Aus „The Washington Post“ (die Zeitung, in der der Watergate Skandal aufgedeckt wurde!)
Methusalix macht Werbung für eine neokonservative Zeitung, preist deren glorreiche Vergangenheit, die spätestens zuende war, als das Blatt die Kriegsgründe für den Irakfeldzug völlig kritiklos akzeptiert und sich zueigen gemacht hat. Was empfehlen Sie als nächstes? Focus? Den Bayernkurier? Wegn mir müsssen Sie kein Neocon werden, bleiben Sie, wie Sie sind!
Redaktion benachrichtigen
#6   methusalix †   18:13:14 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
@all …
Ein Blick aus dem katholischen Denk-Ghetto mag für hardcore-Katholiken möglicherweise ein ganz klein wenig erhellend sein, nach dem Motto: „Da gibts ja noch ganz andere, die Antworten auf Fragen wisen, die niemand stellt“.
Aus „The Washington Post“ (die Zeitung, in der der Watergate Skandal aufgedeckt wurde!)
Transcript
Books: ‘God’s Harvard’
Exploring the Bible School to Executive Branch Pipeline at Virginia’s Patrick Henry College www.washingtonpost.com/…DI2007091701617.html
Hanna Rosin
Washington Post Style Reporter
Wednesday, September 19, 2007; 3:00 PM
Redaktion benachrichtigen
#5   Seminarist   17:22:55 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
Kiko-Jünger?
Nach den hier zu hörenden Berichten, steckt vermutlich das in den USA mächtige (weil finanzstarke) Neokatechumenat hinter den Verantwortlichen der Universität.
Die ablehnende Haltung ggü. dem ausserordentlichen Ritus, Vorzug von Klampfengedudel und ähnliches spräche dafür.
Redaktion benachrichtigen
#4   DocRöntgen   17:20:30 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
Mal „altliberal“, mal „neokonservativ“…
Die kreuz.net-schen Schublädchen sind schon putzig. Jetzt fehlt halt nur noch die passende Selbsteinschätzung. Vorschläge mache ich nicht, die würden als Affront empfunden, weil ich ja nun mal wahrheitsgemäß schreibe.
Redaktion benachrichtigen
#3   Christian Hüller   16:13:14 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
Celestial City
Eine „Stadt auf dem Hügel“ mit katholisch-laikalen Allgewaltigen, ohne Trennung von weltlich ausgerichteter Administration und protestantisch ausgerichteter Religion, so einer Stadt dürfte eine sehr geringe Halbwertszeit beschieden sein. Celestial cities haben seit den Puritanern einen üblen Stallgeruch. Der Katholik bewährt sich da, wo er eben ist. Er braucht dazu keinen gold’nen Käfig, schon gar nicht mit Gitarrenmusik.
Redaktion benachrichtigen
#2   litterae sunt divitiae   15:19:45 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
Todsünde @ Kurt K
Also:
Damit eine Todsünde eine Todsünde ist, müssen 3 Bedingungen erfüllt sein:
1. Sie muss bei vollem Bewusstsein der schwere der Schuld vrübt werden.
2. Sie muss aus freiem Willen verübt werden.
3. Es muss eine schwere Materie zugrunde liegen, nämlich Diebstahl, Mord, Unkeuschheit oder Glaubensabfall (und vielleicht noch ein paar andere Sachen).
Das, was Sie als 7 Todsünden bezeichnen sind eigentlich die sieben Hauptlaster, die schnell zu Sünde führen können, für sich genommen aber keine Todsünden im eigentlichen Sinne sind.
Redaktion benachrichtigen
#1   Tridentinus   14:26:35 | Mittwoch, 24. Oktober 2007
Lieber gar keine religiöse Praxis
als die von „Katholiken“, die in diesem widerlichen Sinn „konservativ“ sind!
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Alte MesseAbkehr von der Monokultur Alte MesseBöse Unterdrücker Alte MesseLeitlinien der Schweizer Bischöfe zum Motu Proprio Prälat Georg RatzingerSchönheitsfehler in der Alten Messe Alte MesseViel Lärm um nichts? Alte MesseAber wer hat sie in dieses Ghetto gesperrt? Alte MesseLeitlinien der deutschen Bischöfe zum Motu Proprio Hw. Gero WeishauptWas tun, wenn der Bischof dem Motu Proprio nicht gehorcht? Motu Proprio in ItalienKeine Ausführungsbestimmungen Alte MesseKeine großzügige Umsetzung des Motu Proprio Alte Messe„Kein Freund der Alten Messe“ Alte MesseWarnung an die Bischöfe Alte MesseEin durchschlagender Erfolg Alte MesseEin Kardinal erinnert sich an die Messe seiner Jugend Alte MesseWovor fürchten sich die Bischöfe?
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net