Alte Messe
Seit wann ist das Meßbuch von 1970 die Norm?
Die unaufrichtige Haltung der französischen Bischöfe dem Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ gegenüber ist offensichtlich. Von Denis Crouan, Pro Liturgia.
Eigenständiges Eintauchen der Hostie in den Kelch durch die Gläubigen ist heute gang und gäbe.
Eigenständiges Eintauchen der Hostie in den Kelch durch die Gläubigen ist heute gang und gäbe.
© Flickr-Benützer „swperman“, CC
(kreuz.net) Am 7. Juli wurde das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ zur Freigabe der Alten Messe veröffentlicht.

Wenige Tage später beruhigte der Erzbischof von Bordeaux, Jean-Pierre Kardinal Ricard (63), seine Priester und sagte:

„Ich möchte den Katholiken und besonders den Priestern sagen: Beunruhigt euch nicht! An der Art und Weise eurer Meßzelebration hat sich nichts geändert. Das Meßbuch von 1970, das aus dem Konzil hervorging, wird die Norm bleiben.“

Diese Aussage enthält in sich die ganze Heuchelei, mit welcher der französische Klerus versucht, die Gläubigen, welche sich nichts anderes als die Liturgie der Kirche wünschen, zu betrügen.

Studentenmesse in Brasilien, März 2007
Studentenmesse in Brasilien, März 2007
© Flickr-Benützer „swperman“, CC
Die Aussage des Kardinals enthält – gezielt? – gleich drei Fehler.

Erster Fehler: „Beunruhigt euch nicht“. In Wahrheit sind die Kirchen leer – in der Erzdiözese Bordeaux so gut wie in den anderen französischen Bistümern.

Man ersetzt 75jährige Priester mit Gruppen von 80jährigen Laien. Die Priesterseminare sind verlassen. Man weiht frenetisch halb ausgebildete Diakone, um die Leute glauben zu machen, daß es noch Weihen gibt.

Gegenwärtig bezeichnen sich 53% der Franzosen als katholisch. Vor zwanzig Jahren waren es noch 75%.

Aber Hauptsache, daß „ihr euch nicht beunruhigt“. Alles in Butter auf dem sinkenden Kutter.

Der französische Klerus hält die Politik des Vogels Strauß für eine Tugend.

Zweiter Fehler: „In der Art und Weise eurer Meßfeier hat sich nichts geändert“.

Anders gesagt: Seit über vierzig Jahren zelebriert ihr die Messe, man weiß nicht wie. Beharrt auf die Art und Weise, eure Trari-Trara-Messen zu fabrizieren, welche die Gläubigen in die Flucht treiben.

Dritter Fehler: „Das Meßbuch von 1970 ist die Norm“. Die „Norm“? Diese Erklärung ist grotesk, da allgemein bekannt und leicht feststellbar ist, daß man in den französischen Diözesen nicht einmal mit der Lupe einen Priester auf hundert findet, der die Messe nach dem Meßbuch von 1970 liest – oder dazu überhaupt im Stande wäre.

Ordentlich – außerordentlich
Ordentliche Trauungsmesse in Estland im August 2007.Trauungsmesse im außerordentlichen Ritus.Ordentliche Jugendmesse im Freien bei der Kolping-Bewegung.

Man könnte die französischen Bischöfe vor die Herausforderung stellen, in ihren Diözesen mehr als fünf Pfarreien zu finden, welche die Normen des gegenwärtigen römischen Meßbuches aus dem Jahr 2002 nach Geist und Buchstaben respektieren. Ein hoffnungsloses Unterfangen.

„Doch, das existiert“ – werden die Bischöfe uns entgegnen.

Aber diese Antwort ist der schlagende Beweis, daß sie das Meßbuch der Kirche selber nicht mehr kennen und es für normal halten, daß jeder die Liturgie seinen Phantasievorstellungen anpaßt.

Dr. Denis Crouan ist Theologe und Präsident von ‘Pro Liturgia’ in Rosheim bei Straßburg. Die Vereinigung setzt sich für eine echte Reform der Liturgie nach den Beschlüssen des Zweiten Vatikanums ein.
      
18 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#18   r.ruhrgebietler   08:31:20 | Freitag, 26. Oktober 2007
@schulschwänzer – der Nick ist Program
…und was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Redaktion benachrichtigen
#17   Bernd Stromberg   23:32:31 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
@Gotthard
Die Verwendung des lat. Messbuchs widerspricht nun aber auch nicht der liturgischen Gesetzgebung. Und ist ganz im Sinne von $36, 1 der Liturgiekonstitution: Lingua Latina in ritibus Latinis servetur. Ich halte es für sehr sinnvoll, der Volkssprache einen größeren Raum zu gewähren, wie es SC formuliert, die weitgehende praktische Abschaffung der lat. Liturgiesprache erfolgte gegen den ausdrücklichen Willen von SC. Daran kommt man nicht vorbei, sofern man die Texte des Konzils ernstnimmt und nicht willkürlich umdeutet. Und genau hiergegen hat sich in anderen Zusammenhängen der Hl. Vater sehr deutlich ausgesprochen. Für die Anhänger des mysteriösen „konziliaren Geistes“, die allerdings langsam aussterben, ist die „Hermeneutik der Kontinuität“ immer noch geächtet.
Ihre Bezugnahme auf eine Einheitsliturgie, die es so nicht gab, ist in Bezug auf meine Stellungnahme so nicht treffend. Denn es ist eine kirchenrechtliche Norm, dass Priester und Bischöfe in der Liturgie weder etwas hinzufügen noch wegnehmen dürfen. Es gibt im Rahmen des Messbuchs gewisse Wahlmöglichkeiten, aber sämtliche Texte sind vorgegeben. Es ist z.B. unstatthaft, einen nicht approbiertes Hochgebet zu verwenden. Und Erscheinungen wie solche würde ich als Mißbrauch bezeichnen, die gegen die liturgische Gesetzgebung der Kirche erfolgt. Und im letzten die Liturgiereform in ein schlechtes Licht rückt, als ob Liturgie etwas beliebiges wäre. Der Klerus ist nicht Herr der Liturgie.
Redaktion benachrichtigen
#16   Maria Escorial   22:44:38 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
Das sind die zwei Extreme…
der Art und Weise einer Messzelebration. Die Tridentinische Messe versus die absolut verhunzte neue Messfeier. Das ist die Ausnahme! Tatsächlich gibt es gute und andächtig gefeierte neue Messen, mit dem korrekten liturgischen Text und anständig gekleideten TeilnehmerInnen. Bilder wie die im Artikel gezeigten sind eben die äussersten rechten und linken Flügel könnte man es nennen.
Redaktion benachrichtigen
#15   GerdEric   22:39:07 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
@Rüdesheim
Da gab es keine Hostien,
es gab Mazzen und eben: Fleisch.
Irgendwie katholische war es sicher nicht. ^-^
Redaktion benachrichtigen
#14   Joseph von Eichendorff   22:32:06 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
Wie weiht man denn
frenetisch Priester?
Redaktion benachrichtigen
#13   Gotthard   21:41:19 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
@Stromberg
Eine Liturgie im Geiste von Sacrosanctum Concilium (und der liturgischen Gesetzgebung) würde u.a. bedeuten:
Sowohl Volkssprache als auch die lat. Sprache werden verwendet.
Der Gregorianische Choral ist der der römischen Liturgie eigene Gesang und wird besonders gepflegt.
Die ausschließliche Verwendung des deutschen Messbuches entspricht durchaus den liturgischen Gesetzen!
Der Gregorianische Choral hat in Deutschland NIE den Stellenwert gehabt wie in zB Frannkreich. Die deutschen Gesangbücher hatten einen viel höheren Stellenwert!
Daran kann jeder sehen, dass es NIE eine Einheitsliturige gab. Deutschland hatte schon immer – beeinflußt durch die evangelische Kirchenmusik – einen Sonderweg.
Redaktion benachrichtigen
#12   Bernd Stromberg   20:11:19 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
@Messbuch von 1970 als Norm?
Vermutlich sind die Verhältnisse in Frankreich ähnlich wie in Deutschland. Denn auch hier gibt es sehr viele Priester, die sich ihre eigene Liturgie basteln. Natürlich dient der Ordo von 1970 meist als Rahmen, aber die liturgischen Texte z.B. werden nicht selten nach eigenem Gusto verwendet. Eine Vereinigung, die sich für eine Liturgiereform im Geiste des 2. Vatikanums einsetzt, ist mittlerweile an vielen Orten absolut notwendig geworden. Die Liturgie droht zu verwildern und sich immer mehr aufzulösen. Was wir brauchen, ist eine neue liturgische Bewegung. Eine Liturgie im Geiste von Sacrosanctum Concilium (und der liturgischen Gesetzgebung) würde u.a. bedeuten:
Sowohl Volkssprache als auch die lat. Sprache werden verwendet.
Der Gregorianische Choral ist der der römischen Liturgie eigene Gesang und wird besonders gepflegt.
Priester und Bischöfe sind nicht Herren der Liturgie, sondern halten sich an die liturgischen Bücher der Kirche, ohne aus eigenem Gusto Dinge hinzuzufügen oder wegzunehmen.
Was man in vielen Gemeinden (zum Glück nicht allen) erleben muss, hat mit dem Zweiten Vatikanum und der liturgischen Ordnung der Kirche nur mehr allgemeine Parameter gemein. Hier ist eine dringende Reform nötig, wenn sich die Liturgie nicht von innen her selbst auflösen soll. Vor allem muss ein Schlusstrich unter die Bastelliturgie und die ständigen Profanierungen (Kirchenmusik als Beisp.) gezogen werden. Das Zweite Vatikanum wollte keinen liturgischen Verfall, wie er jetzt oft da ist
Redaktion benachrichtigen
#11   juergen   19:25:25 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
Keine Bassgeige
…als wenn schon Jesus beim Letzten Abendmahl mit den Jüngern eine Art tridentinische Liturgie gefeiert hätte.
Hat er doch. Nur hat er sich nicht genau an die Vorschriften gehalten, sondern es so gemacht, wie er es für richtig hielt.
Weiter hatte er natürlich keine Messgewand in Form einer Bassgeige an, sondern eines in Form einer Harfe, da es damals noch keine Bassgeigen gab.
Redaktion benachrichtigen
#10   Rüdesheim   19:24:30 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
Samurai
Ja, dieses Argument kenne ich, als ob Jesus seinen Aposteln kleine Hostien ausgeteilt hätte!!
Redaktion benachrichtigen
#9   Samurai   19:21:43 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
@ rüdesheim
Genau das ist ja die Crux an der Sache. Die tridentinische Liturgie ist im Rahmen des Tridentinischen Konzils entstanden (!), aber die radikalen Vertreter eben dieser Liturgie verhalten sich nicht selten, als wenn schon Jesus beim Letzten Abendmahl mit den Jüngern eine Art tridentinische Liturgie gefeiert hätte.
Samurai
Redaktion benachrichtigen
#8   Rüdesheim   19:10:01 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
So ein Käse…
Nicht der tridentinische Ritus ist die wahre und reine Liturgie…denn auch dieser Ritus ist gewachsen und nicht vom Himmel gefallen…!
Menschen, die diesen außerordentlichen Ritus schätzen, sollte man nicht in eine bestimmte Ecke stellen…genauso wenig möchte ich aber in eine bestimmte Ecke gestellt werden, wenn ich den ordentlichen Ritus schätze und liebe!!
Redaktion benachrichtigen
#7   raindance1 †   19:09:05 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
@ juergen
meine Ausführungen waren nicht mal halb so ernst gemeint wie deine
Redaktion benachrichtigen
#6   juergen   19:06:50 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
ordentlich, außerordentlich
Ausserordentlich wäre eine Steigerung von ordentlich. Demnach wäre ordentlich gut und ausserordentlich besser.
Nein,
ordentlich (ordinatus) ist der Ritus, der in der Ordnung (ordinatio) steht, während außerordentlich (extraordinatus) der Ritus ist, der außerhalb (extra) der Ordnung (ordinatio) steht.
Redaktion benachrichtigen
#5   raindance1 †   18:58:47 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
das Gegenteil von ordentlich ist nicht
ausserordentlich sondern unordentlich. Ausserordentlich wäre eine Steigerung von ordentlich. Demnach wäre ordentlich gut und ausserordentlich besser.
Redaktion benachrichtigen
#4   Typ   18:53:18 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
Wieder mal…
…dieselbe „Fotomeile“ und wieder mit den völlig eingeschüchterten außerordentlichen Kindern auf Bild 6.
Redaktion benachrichtigen
#3   Samurai   18:46:47 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
„Fotomeile“ zur Messliturgie
UNd was sagt uns die „Fotomeile“ zur Liturgie mal wieder?
Richtig:
Die ordentliche Liturgie ist Murks, die ausserordentliche ist die wahre, reine Liturgie.
Zumindest, wenn man kreuz.net glauben darf.
Das für die Bilder des ordentlichen Ritus ganz nebenbei Bilder genutzt wurden, auf denen mehr oder weniger ausgeprägte liturgische Fehler zu sehen sind, ist natürlich (!) reiner Zufall. Aber ob man das glauben darf?
Samurai
Redaktion benachrichtigen
#2   schulschwänzer   18:37:48 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
Altarsakrament?
„Was ihr auch nur dem geringsten unter euch getan habt,
das habt ihr mir getan“
Bei dem Ausspruch ist aber nirgends wo ein
Altarsakrament gemeint!
Redaktion benachrichtigen
#1   r.ruhrgebietler   17:15:07 | Donnerstag, 25. Oktober 2007
yeap – und deswegen das Motu Proprio!
Damit mit der ewig gültigen und nie „abgeschafften“ trid, Ofpermesse Gott die Ehre gegeben wird und nicht jeder dahergelaufe sich seinen eigenen Krams basteln braucht und tut.
Gelobt sei Jesus Christus im allerheiligsten Altarsakrament!
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Alte MesseDie Liturgie wird von der Administration diktiert Alte MesseAbkehr von der Monokultur Alte MesseBöse Unterdrücker Alte MesseLeitlinien der Schweizer Bischöfe zum Motu Proprio Prälat Georg RatzingerSchönheitsfehler in der Alten Messe Alte MesseViel Lärm um nichts? Alte MesseAber wer hat sie in dieses Ghetto gesperrt? Alte MesseLeitlinien der deutschen Bischöfe zum Motu Proprio Hw. Gero WeishauptWas tun, wenn der Bischof dem Motu Proprio nicht gehorcht? Motu Proprio in ItalienKeine Ausführungsbestimmungen Alte MesseKeine großzügige Umsetzung des Motu Proprio Alte Messe„Kein Freund der Alten Messe“ Alte MesseWarnung an die Bischöfe Alte MesseEin durchschlagender Erfolg Alte MesseEin Kardinal erinnert sich an die Messe seiner Jugend
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net