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Freitag, 26. Oktober 2007 15:53
Anarchie und Totalitarismus gleichzeitig
In der Diözese St. Pölten ist der Bischof dabei, Geister zu rufen, die er so schnell nicht wieder loswerden wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er und seine Priester davon ganz überrollt werden.
Bistum St. Pölten
Bistum St. Pölten
(kreuz.net, St. Pölten) Der Bischof von St. Pölten, Mons. Klaus Küng, hat Vorgaben für eine Zusammenlegung von Pfarreien veröffentlicht.

Der Bischof hat sich zum Thema „Pastoralplan“ in einem längeren Hirtenwort vom 12. September erklärt.

Darin kündigt Mons. Küng auch zwei neue Modelle für den Ersatz des bisherigen Pfarreiwesens an.

Der entsprechende Textabschnitt steht unter der nichtssagenden Unterüberschrift „Rahmen vorgeben, Wege suchen“:

„Entweder wird aus mehreren Pfarren ‘EINE PFARRE’, in der es nur einen Pfarrgemeinderat und eventuell nur einen Kirchenrat gibt. Oder es entsteht ‘EIN PFARRVERBAND’ mit intensiver Zusammenarbeit mehrere Orte beziehungsweise Gemeinden.“

Bischof Küng wünscht sich in den einzelnen Pfarreien „gut funktionierende Teams“.

Sie sollen von einem Priester geleitet werden. In jedem Pfarrverband soll es mindestens eine Messe geben.

Das „Team“ soll dem Priester die „seelsorgliche Leitung“ überlassen. In organisatorischen Belangen und „auch in einzelnen seelsorglichen Aufgaben“ soll das Team den Priester unterstützen.

Mons. Küng grenzt die Kompetenz des „Teams“ gegenüber dem Pfarrer nicht ab.

In einer Anmerkung im Anschluß an den Hirtenbrief nennt der Bischof mehrere Gremien, die den von ihm gewollten „Prozeß der Erneuerung“ vorbereiten sollen.

Es gibt eine Leitungsgruppe bestehend aus Priestern, ständigen Diakonen und Zentralangestellten, eine Personalkommission, eine „engagierte Gruppe“, eine „Kommunikationsgruppe“ sowie Treffen der Pastoraleassistenten, der Äbte und der Dechanten.

Ängste der Geistlichen
In der Diözes St. Pölten wird jetzt befürchtet, daß der Bischof die Zusammenlegung der Pfarreien auch dazu benützt, um seine Verantwortung abzuschieben und sich hinter dem „Prozeß“ zu verstecken. Das erklärte ein Kenner der Diözese auf Anfrage von ‘kreuz.net’.

Die Leitungsverantwortung werde durch einen synodalen Prozeß ersetzt. Der Pastoralplan steuere sich selber und verordne gleichzeitig mit totalitärem Anspruch.

Bei den Pfarrern geistert auch die Furcht herum, daß sie ihr Hirtenamt bald nicht mehr ohne die Zustimmung von Laiengremien ausüben dürfen.

Das Rätewesen berge die Tendenz, die faktische Leitungskompetenz des Priesters auszuhöhlen.

Ferner werde durch den Pastoralplan der Trend zu sonntäglichen Wortgottesdiensten mit Kommunionspendung verstärkt.

Bischof Küng spreche zwar von mindestens einer Messe pro Pfarrverband.

Doch er verschweige, daß die Messen in den anderen Pfarreien – die im Pfarrverband formal erhalten bleiben – durch Wortgottesdienste ersetzt werden könnten.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 20 Lesermeinungen:
Sonntag, 28. Oktober 2007 10:58
Hermi: Schwimmen
Wo ist eigentlich Dr. Pytlik? Mal wieder beim Schwimmen?
Sonntag, 28. Oktober 2007 00:35
Gotthard: ach möchtegern-K
die katholischen Sonntage sind geprägt von einer festen Leseordnung im Drei-Jahres-Rythmus … die Form des Gottesdienstes ist dabei unerheblich.
Vielleicht nimmst du mal Kontakt zu Pfarreien in den „jungen Kirchen“ auf, die oft aus vielen Gemeinden bestehen – mit einem Priester.
Eine Erweiterung Deines Horizontes kann Deinem Denken und Deiner Einschätzung von Situationen bestimmt nicht schaden!
Nimm bitte zur Kenntnis: die Hochform des Gottesdienstes – die Eucharistiefeier – ist niemals in der Kirchengeschichte in allen Gemeinden am Sonntag möglich gewesen – bis heute nicht!
Die Kirche hat niemals Strukturen derart gehabt, dass das Sonntagsgebot von allen Katholiken hätte erfüllt werden können!
Volkskirchliche Strukturen á la „katholisch von der Wiege bis zur Bahre“ waren absolute Minderheiten Strukturen – und niemals weltweites Modell!
Sonntag, 28. Oktober 2007 00:24
ich habe nichts gegen Rosenkränze, Vespern, Maiandachten, auch ein Rekapitulieren der Lesung und des Evangeliums sind gut und vernünftig. Da haben Sie mich falsch verstanden – absichtlich nehme ich an.

Aber wenn man eine Liturgie mit den gewohnten Texten zur gewohnten Stunde an gewohntem Ort macht – nur ohne Wandlung, dann ist das ganz sicher absichtliche Irreführung.

Wozu denn sonst diese Textwahl?
Samstag, 27. Oktober 2007 20:12
Typ: @ möchtegern-kathole
Ich weiß nicht, für wie dumm Sie die Leute halten, aber der Unterschied zwischen einer Eucharistiefeier und einer Wort-Gottes-Feier, in der dieselben Lesungen verkündet werden, ist durchaus erkennbar.

Übrigens wird das Tagesevangelium seit jeher für Benedictus- und Magnificat-Antiphonen genutzt. Sehen Sie da auch eine Verwechslungsgefahr?

Ist doch gut, wenn diejenigen, die keine Eucharistie feiern, zumindest dieselben Lesungen hören wie die anderen.

Dass WGFs zur gewohnten Messzeit stattfinden, ist nicht durch „Protestantisierung“ bedingt, sondern pastoral: Wie schnell laufen die Gläubigen davon, wenn sie zur gewohnten Zeit vor verschlossenen Kirchentüren bzw. einer leeren Kirche stehen! Deshalb kann ich nichts Anrüchiges daran erkennen, sich am Sonntagvormittag um das Wort des Herrn zu versammeln – es ist kein Ersatz für die Eucharistie, aber es ist nicht verwerflich, im Gegenteil. Im Preußen des Kulturkampfs haben Gläubige ohne Priester sonntags Rosenkranz oder andere Andachten gebetet – alles „protestantisch“?

Ich kenne Gläubige, die durch die regelmäßige Teilnahme an einer Sonntagsvesper in einem Kloster wieder zum Glauben gefunden haben. Meinen Hinweis, dass Vesper nicht Eucharistie sei, haben sie nicht verstanden, für sie ist alles das „zur Kirche gehen“. Nach der Logik, die Sie hier verbreiten, müsste man jetzt den Nonnen die Sonntgsvesper verbieten, bloß weil es Menschen gibt, die den Unterschied zur Messe nicht kennen?

So ein Schwachsinn.
Samstag, 27. Oktober 2007 19:40
möchtegern-kathole: @Typ: Da …
… machen Sie es Sich zu einfach. Spätestens, wenn der „Wortgottesdienst“ am Sonntagvormittag stattfindet und aus den Messtexten – freilich ohne Wandlung – besteht, dann ist das der Versuch, die Messe durch was anderes zu ersetzen. Und das ist zumindest nicht unüblich.

Oder glauben Sie, die Leute, die das veranstalten, wären so blöd, die Verwechslungsgefahr nicht zu erkennen?

Natürlich dürfen und sollen die Laien auch beten, aber bitte nicht so, dass mit Absicht eine Verwechslung provoziert wird.
Samstag, 27. Oktober 2007 19:29
Hermi: Wir sind Kirche
Küng sollte mit der Ehrenmitgliedschaft bei „Wir sind Kirche“ ausgezeichnet werden. Er spricht deren Sprache und macht deren Arbeit.
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