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Donnerstag, 3. Februar 2005 08:33
Interkommunion in der Schweiz: Der Glaube spielt keine Rolle
Priester des Dekanates Rorschach in der Ostschweiz laden alle – gleich welcher Religion oder Konfession – zur Heiligen Messe. Dies gebiete die Gastfreundschaft. Natürlich kann man niemanden einladen und ihm dann das „Mitessen“ verweigern. Die Interkommunion ist in der Schweiz normal: „Wieso es also nicht offen sagen?“
(kreuz.net, Rorschach) Im Dekanat Rorschach im Bistum St. Gallen fragen sich „Seelsorger und Seelsorgerinnen“, ob Nichtkatholiken an der Eucharistie teilnehmen sollen. Erwartungsgemäß beantworten sie die Frage mit „Ja“. Im Dekanat Rorschach – und nicht nur dort – seien alle ungeachtet ihrer konfessionellen und religiösen Überzeugungen zur Eucharistiefeier eingeladen. Dies berichtete das täglich erscheinende „St. Galler Tagblatt“ in seiner gestrigen Ausgabe. Rorschach liegt am Bodensee, unweit der Grenze zu Deutschland und zu Österreich.

Beatrice Mock, eine Pastoralreferentin in der Pfarrei Rorschach, meinte auf die Frage, ob man jemandem die Kommunion verweigern solle: „In dieser Frage sind wir uns einig: wir verweigern niemandem die Kommunion“. Da die Interkommunion in der Schweiz sowieso üblich sei, stellt sich die pastorale Mitarbeiterin die Frage: „Wieso es also nicht offen sagen?“

Entsprechend haben die „Seelsorgerinnen und Seelsorger“ des Dekanats Rorschach jetzt eine Stellungnahme im „St. Galler Tagblatt“ veröffentlicht, in der sie jedermann – ungeachtet ihrer Konfession und Religion – zur Eucharistiefeier einladen. Der Brief wurde vergangenen Januar bei der Dekanatsversammlung diskutiert und zur Veröffentlichung freigegeben.

Der Brief im Wortlaut:

Liebe Mitmenschen anderer Konfessionen und Religionen im Dekanat Rorschach,

Angesichts der Diskussionen um die eucharistische Gastfreundschaft möchten wir Folgendes festhalten: In unseren Gottesdiensten feiern wir Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Von dieser Gemeinschaft möchten wir niemanden ausschließen, der daran teilhaben möchte.

Wir vertrauen darauf, daß jene Menschen, die den Gottesdienst mitfeiern und auch am Mahl teilnehmen wollen, für den Empfang der Kommunion offen und bereit sind. Diese innere Bereitschaft zählt für uns mehr als die Konfessions- oder Religionszugehörigkeit auf dem Papier. Es war gerade Jesus, der sein Heil allen zugesprochen hat. Diesem Vorbild fühlen wir uns als katholische Kirche am Ort verpflichtet.

Papst Johannes Paul II. setzte bereits 1995 in seiner Enzyklika ‘Ut unum sint’ Impulse und bezeichnete die eucharistische Gastfreundschaft als ‘Grund zur Freude’. In seiner Enzyklika ‘Ecclesia de Eucharistia’ vom 17. April 2003 ging er einen Schritt weiter und erklärte ausdrücklich, daß ‘keine Zurückhaltung’ geboten sei ‘hinsichtlich der Spendung der Eucharistie unter besonderen Umständen und gegenüber einzelnen Personen, die zu Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften gehören, welche nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen’.

Im Bewußtsein, daß die Konfessionen verschieden sind und eine volle Einheit noch nicht besteht, freuen wir uns über alle Schritte, die in Richtung einer solchen Einheit möglich werden. Wir hoffen, mit dieser Einladung einen solchen kleinen Schritt zu tun.


Der im „St. Galler Tagblatt“ veröffentlichte Brief wurde nicht von allen Mitgliedern des Dekanats unterschrieben. „Nicht alle haben mit ihrem Namen unterschrieben“, erklärt Beatrice Mock. Dafür gebe es Gründe, die sie verstünde. Man wolle keinen Wirbel machen und keine Rüge vom Bischof riskieren.

Die Pastoralreferentin meinte, sie möchte, daß Katholiken und Nichtkatholiken einmal etwas über die katholische Kirche lesen könnten, das sich „nach Aufbruch“ anhöre: „In Rorschach sind wir sehr offen und darauf sind wir stolz. Wieso sollen wir dies nicht auch einmal öffentlich sagen?“

Frau Mock erklärte, daß die katholische Kirche im Innerschweizer Kanton Luzern noch viel offensiver vorgehe. Deshalb dürfe man auch in Rorschach etwas mutiger sein. Die Argumente dafür, daß nur Katholiken die Kommunion empfangen dürften, seien unehrlich. Für die Interkommunion sprächen auch theologische Gründe. „Ich finde, die Bibel ist auf unserer Seite.“

Es sei nicht „gastfreundlich“, evangelische Christen zum Gottesdienst einzuladen, ihnen aber das „Mitessen“ zu verweigern. „Wenn wir sie einladen, sollten sie auch teilnehmen dürfen. Wenn wir nichts geben wollen, müssen wir niemanden einladen.“ Wenn jemand in die Kirche komme, habe er einen Grund oder ein Bedürfnis dazu. Vielleicht sei die Person neugierig oder mit einem katholischen Partner verheiratet. „Ich bin überzeugt, diese Person weiß, was die Kommunion wert ist, sie hat sich informiert.“

Schließlich, glaubt Frau Mock, sei es auch aus praktischen Gründen kaum möglich, die Eucharistie den Katholiken vorzubehalten. „Man müßte ja eine Personenkontrolle einführen. Das gäbe einen Wirbel.“

Beatrice Mock ist auf die Reaktionen ihrer Einladung gespannt und erklärte ihre Gesprächsbereitschaft.
1 Lesermeinung:
Donnerstag, 3. Februar 2005 20:29
Yersinia: wie schon Lumpazvagabundus wußte:
„Die Wölt steht auf kan Foll mehr laung!“
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