Preisverleihung mit Sprengstoffladung
Der Schriftsteller Martin Mosebach hat seinem deutschen Publikum eine gesunde Dosis Schocktherapie verpaßt. Wie der Patient reagieren wird, ist im Augenblick noch nicht abzusehen.
(kreuz.net) Am Samstag wurde dem Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach (56) der ‘Georg Büchner Preis’
verliehen.
Mosebach profiliert sich seit Jahren als Verteidiger der Alten Messe.
Der Preis ist nach dem früh-revolutionären deutschen Dichter, Karl Georg Büchner († 1837), benannt.
Heute sprach die ‘Neue Zürcher Zeitung’ im Zusammenhang mit der Dankesrede des Preisträgers von einer „Mosebach-Büchner-Kontroverse“.
„Sie war intellektuell fordernd, brillant, gerade weil sie dem gewöhnlichen Büchner-Enthusiasten schwer zu schlucken gab“ – so die wirtschaftliberale ‘Neue Zürcher Zeitung’.
Mosebach ließ Büchners bedrohliche Schattenseite und seine Rhetorik des Massenmordes im Dienste der angeblichen Menschheitsbefreiung hervortreten.
Die Revolutionärswitwe Lucile in Büchners Drama „Dantons Tod“ bezeichnete Mosebach als die „liebenswürdigste Figur“ des Stücks.
Lucile bricht im Stück in ein Hoch auf den König aus und behält damit das letzte Wort.
Mosebach interpretierte dieses „Es lebe der König!“ als letzte Bastion gegen den Nihilismus – der König als das letzte kompakte Ich in einer Welt der Nichtse.
In dieser Aussage erkennt die ‘Neue Zürcher Zeitung’ Mosebachs vergifteten Pfeil.
Der Schriftsteller entdecke durchaus humane Züge am „Früh-Kommunisten“ Büchner, aber nur dort, wo dessen Werk zu der Einsicht dränge, daß der König das individuelle Subjekt garantiert und verkörpert.
Dagegen vernichtet die blutsaufende Revolution nach Mosebach das Individuum.
„Eine fulminante gedankliche Volte, für Republikaner freilich nur mit Bauchgrimmen genießbar“ – so die ‘Neue Zürcher Zeitung’.
Die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ kommt zum Schluß, daß eine „so spannungsvolle Rede“ unter den Schriftstellerreden der vergangenen Jahre ihresgleichen „lange suchen muß“.
Dann kommt die Tageszeitung aus deutscher Perspektive auf die „Schrecksekunde“ während der Mosebach-Rede zu sprechen.
Der Schriftsteller habe seinem Publikum den Atem geraubt, als er einen Bogen von Büchners Drama zur Rede des Reichsführers-SS, Heinrich Himmler († 1945), spannte, die er im Oktober 1943 in Posen hielt.
In Büchners Drama „Dantons Tod“ versucht Saint-Just, die Massenmorde der Französischen Revolution zu rechtfertigen.
In der Rede Himmlers ging es darum, wie die Moral der SS die offenen angesprochene Ermordung der Juden verkraften würde. Dabei benützte Himmler die Formulierung: „Dies durchgehalten zu haben und dabei anständig geblieben zu sein…“.
Für die ‘Frankfurter Allgemeine’ bleibt nur noch die Frage:
„Warten wir ab, welche Nachbeben die Zusammenstellung der beiden Terror-Sätze, des Pariser und des Posener, in den kommenden Wochen, vielleicht Jahren, auslösen wird.“
Mosebach profiliert sich seit Jahren als Verteidiger der Alten Messe.
Der Preis ist nach dem früh-revolutionären deutschen Dichter, Karl Georg Büchner († 1837), benannt.
Heute sprach die ‘Neue Zürcher Zeitung’ im Zusammenhang mit der Dankesrede des Preisträgers von einer „Mosebach-Büchner-Kontroverse“.
„Sie war intellektuell fordernd, brillant, gerade weil sie dem gewöhnlichen Büchner-Enthusiasten schwer zu schlucken gab“ – so die wirtschaftliberale ‘Neue Zürcher Zeitung’.
Mosebach ließ Büchners bedrohliche Schattenseite und seine Rhetorik des Massenmordes im Dienste der angeblichen Menschheitsbefreiung hervortreten.
Die Revolutionärswitwe Lucile in Büchners Drama „Dantons Tod“ bezeichnete Mosebach als die „liebenswürdigste Figur“ des Stücks.
Lucile bricht im Stück in ein Hoch auf den König aus und behält damit das letzte Wort.
Mosebach interpretierte dieses „Es lebe der König!“ als letzte Bastion gegen den Nihilismus – der König als das letzte kompakte Ich in einer Welt der Nichtse.
In dieser Aussage erkennt die ‘Neue Zürcher Zeitung’ Mosebachs vergifteten Pfeil.
Der Schriftsteller entdecke durchaus humane Züge am „Früh-Kommunisten“ Büchner, aber nur dort, wo dessen Werk zu der Einsicht dränge, daß der König das individuelle Subjekt garantiert und verkörpert.
Dagegen vernichtet die blutsaufende Revolution nach Mosebach das Individuum.
„Eine fulminante gedankliche Volte, für Republikaner freilich nur mit Bauchgrimmen genießbar“ – so die ‘Neue Zürcher Zeitung’.
Die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ kommt zum Schluß, daß eine „so spannungsvolle Rede“ unter den Schriftstellerreden der vergangenen Jahre ihresgleichen „lange suchen muß“.
Dann kommt die Tageszeitung aus deutscher Perspektive auf die „Schrecksekunde“ während der Mosebach-Rede zu sprechen.
Der Schriftsteller habe seinem Publikum den Atem geraubt, als er einen Bogen von Büchners Drama zur Rede des Reichsführers-SS, Heinrich Himmler († 1945), spannte, die er im Oktober 1943 in Posen hielt.
In Büchners Drama „Dantons Tod“ versucht Saint-Just, die Massenmorde der Französischen Revolution zu rechtfertigen.
In der Rede Himmlers ging es darum, wie die Moral der SS die offenen angesprochene Ermordung der Juden verkraften würde. Dabei benützte Himmler die Formulierung: „Dies durchgehalten zu haben und dabei anständig geblieben zu sein…“.
Für die ‘Frankfurter Allgemeine’ bleibt nur noch die Frage:
„Warten wir ab, welche Nachbeben die Zusammenstellung der beiden Terror-Sätze, des Pariser und des Posener, in den kommenden Wochen, vielleicht Jahren, auslösen wird.“
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Freitag, 2. November 2007 19:58
Pius XII: @Montfalcone: Korrektur
Ich räume ein, mich verrannt zu haben.
Ich denke aktuell über diesen Carl-Schmitt-Satz nach, wonach die Epoche der Staatlichkeit zu Ende sei. Wenn ich den Staat national begründe, was wohl der Standard der letzten drei Jahrhunderte bis in die 50er gewesen sein dürfte, mit einer klaren Trennung von innen und außen, und einem Verständnis als (nach innen) des Staates als totalem und umfassenden Status des Volkes, dann wäre der so verstandene Staat tatsächlich durch die Verlagerung von Kompetenzen a) nach oben (EU, supranationale Org.), b) nach unten (Regionen) und c) zu NGOs (Pluralismus) in einer Krise. Historisch habe ich diesen Ausstieg aus dem herkömmlichen System immer als Folge des Ausstiegs der Deutschen aus der nationalen Idee verstanden. Denn wenn das größte Volk im geogr. Zentrum nicht mehr will und nun ein zumindest vorrevolutionär inspiriertes Europa-Modell verfolgt, ist eben das nationalstaatliche System nicht zu halten.
Rechtlich habe ich mich gefragt, was nun kommt. Denn natürlich haben Sie recht: Weder Pluralismus, noch die liberale Reduktion des Staates, noch die Verlagerung auf die supranationale Ebene können aus katholischer Sicht überzeugen. Was also kommt? Die EU als „Reich“, als quasi-staatlicher Großraum? Und wie will ich diesen Staat begründen? Als Status des Volkes ja wohl mangels Volk kaum. Als Bund? Haben wir eine brauchbare Reichstheorie?
Sie sehen, ich bin an meinen Grenzen.
Ich denke aktuell über diesen Carl-Schmitt-Satz nach, wonach die Epoche der Staatlichkeit zu Ende sei. Wenn ich den Staat national begründe, was wohl der Standard der letzten drei Jahrhunderte bis in die 50er gewesen sein dürfte, mit einer klaren Trennung von innen und außen, und einem Verständnis als (nach innen) des Staates als totalem und umfassenden Status des Volkes, dann wäre der so verstandene Staat tatsächlich durch die Verlagerung von Kompetenzen a) nach oben (EU, supranationale Org.), b) nach unten (Regionen) und c) zu NGOs (Pluralismus) in einer Krise. Historisch habe ich diesen Ausstieg aus dem herkömmlichen System immer als Folge des Ausstiegs der Deutschen aus der nationalen Idee verstanden. Denn wenn das größte Volk im geogr. Zentrum nicht mehr will und nun ein zumindest vorrevolutionär inspiriertes Europa-Modell verfolgt, ist eben das nationalstaatliche System nicht zu halten.
Rechtlich habe ich mich gefragt, was nun kommt. Denn natürlich haben Sie recht: Weder Pluralismus, noch die liberale Reduktion des Staates, noch die Verlagerung auf die supranationale Ebene können aus katholischer Sicht überzeugen. Was also kommt? Die EU als „Reich“, als quasi-staatlicher Großraum? Und wie will ich diesen Staat begründen? Als Status des Volkes ja wohl mangels Volk kaum. Als Bund? Haben wir eine brauchbare Reichstheorie?
Sie sehen, ich bin an meinen Grenzen.
Freitag, 2. November 2007 18:25
Montfalcone: @PXII: Staat und Reich II
Teil II:
Den Staat untergehen zu lassen, indem man eine Krise des Nationalstaats postuliert (nicht belegt) und supranationale, klar staatliche Ebenen (funktionell wie theoretisch) als nichtstaatlich apostrophiert, ist zwar ein üblicher Topos in gewissen Kreisen der mainstream-Literatur, aber es ist natürlich völlig abwegig.
In jedem Falle wundert mich diese Ihre Argumentation aber doch schon sehr, weil Sie mit Ihren anderen postings so überhaupt nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Weder die spezielle Art von Wirtschaftsfreundlichkeit im Sinne eines libertären Ansatzes noch die anglo-amerikanische politologisch-intellektuelle Staatskritik lassen sich mit katholischem Denken jeglicher Art (traditionell oder nicht, Romtreu wie es sich gehört oder nicht) m.E. vereinbaren. Und in Ihren früheren Bemerkungen zum Vierebenenmodell, der interessanten Parallelen EU-HRR usw., der Herleitung (eben nicht nur) des Nationalstaates aus den Ideen von 1789 und deren Problematik etwa zu MOE, scheinen Sie doch auch eine andere Linie zu vertreten…?
Den Staat untergehen zu lassen, indem man eine Krise des Nationalstaats postuliert (nicht belegt) und supranationale, klar staatliche Ebenen (funktionell wie theoretisch) als nichtstaatlich apostrophiert, ist zwar ein üblicher Topos in gewissen Kreisen der mainstream-Literatur, aber es ist natürlich völlig abwegig.
In jedem Falle wundert mich diese Ihre Argumentation aber doch schon sehr, weil Sie mit Ihren anderen postings so überhaupt nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Weder die spezielle Art von Wirtschaftsfreundlichkeit im Sinne eines libertären Ansatzes noch die anglo-amerikanische politologisch-intellektuelle Staatskritik lassen sich mit katholischem Denken jeglicher Art (traditionell oder nicht, Romtreu wie es sich gehört oder nicht) m.E. vereinbaren. Und in Ihren früheren Bemerkungen zum Vierebenenmodell, der interessanten Parallelen EU-HRR usw., der Herleitung (eben nicht nur) des Nationalstaates aus den Ideen von 1789 und deren Problematik etwa zu MOE, scheinen Sie doch auch eine andere Linie zu vertreten…?
Freitag, 2. November 2007 16:01
Trithemius †: Ich empfehle…
…bezüglich einer Widerlegung der postmodernen Ideologie mal in den Leserzeitungs-Bereich zu schauen.
Ferner empfehle ich den Philosophen Philon von Alexandrien (zum Logos und Anthropos im AT Begriff) als Bekannter der Paulus…
Pythagoräische Zahlenmystik findet sich schon im AT – Christus stand als Metathron in der Tradition der jüdischen Propheten Ezechiel und Henoch (siehe auch apokryphes Henoch-Buch und im NT zitierter Henoch Brief zu den Engelsnamen…er verkündete EL bzw. Elohim als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs mit dem Ruach Elohim als heiligem Geist).
Philosophisch siehe auch Duns Scotus und Scotus Eriugena sowie Nikolaus von Kues bzw. Cusanus als Neuplatoniker.
Politisch mache ich mir eher Sorgen um die Einrichtung eines EU-Überwachungsstaates…NWO: New World Order…siehe auch die Bücher von Rothkranz („Warum ja zu Europa NEIN zu Maastricht heißt“) und die des Kopp-Verlages dazu.
Entdemokratisierung durch Zentralisierung
von Prof. Dr. rer. pol. Eberhard Hamer, Mittelstandsinstitut Hannover*
Ist «Globalisierung das Ende der Demokratie» (Jean Guéhenno)? Oder dient umgekehrt die Globalisierung «der Verbreitung von Freiheit, Menschenwürde und Demokratie»? Die Antwort auf diese gegensätzliche Frage liegt in dem Verhältnis von dezentraler oder zentraler politischer Macht.
http://www.swg-hamburg.de/…rung_durch_zent.html
Ferner empfehle ich den Philosophen Philon von Alexandrien (zum Logos und Anthropos im AT Begriff) als Bekannter der Paulus…
Pythagoräische Zahlenmystik findet sich schon im AT – Christus stand als Metathron in der Tradition der jüdischen Propheten Ezechiel und Henoch (siehe auch apokryphes Henoch-Buch und im NT zitierter Henoch Brief zu den Engelsnamen…er verkündete EL bzw. Elohim als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs mit dem Ruach Elohim als heiligem Geist).
Philosophisch siehe auch Duns Scotus und Scotus Eriugena sowie Nikolaus von Kues bzw. Cusanus als Neuplatoniker.
Politisch mache ich mir eher Sorgen um die Einrichtung eines EU-Überwachungsstaates…NWO: New World Order…siehe auch die Bücher von Rothkranz („Warum ja zu Europa NEIN zu Maastricht heißt“) und die des Kopp-Verlages dazu.
Entdemokratisierung durch Zentralisierung
von Prof. Dr. rer. pol. Eberhard Hamer, Mittelstandsinstitut Hannover*
Ist «Globalisierung das Ende der Demokratie» (Jean Guéhenno)? Oder dient umgekehrt die Globalisierung «der Verbreitung von Freiheit, Menschenwürde und Demokratie»? Die Antwort auf diese gegensätzliche Frage liegt in dem Verhältnis von dezentraler oder zentraler politischer Macht.
http://www.swg-hamburg.de/…rung_durch_zent.html
Freitag, 2. November 2007 08:07
Montfalcone: @PXII: Staat und Reich
Lieber Pius, Sie wollen doch im Jahre 2007 nicht einer so antiquierten Mode wie der Postmoderne oder dem
Postmodernismus das Wort reden? So reaktionär sind wir doch beide nicht, daß das ein Wort wäre, daß
die Realität oder einen relevanten Theorieansatz umschriebe! Da ist Carl Schmitt schon mehr „der Hit“,
auch wenn sein Staatspessimismus zu einer ganz bestimmten Zeit nicht zutreffend war – man sollte ihn aber
eben pessimistisch-dystopisch verstehen und nicht als Zustandsbeschreibung. Jedenfalls: Hollow state meint,
und zwar immer im pejorativen Sinne, die Aushöhlung des Staates dadurch, daß ihm in den Augen der Bürger
legitimisierende und positive Aufgaben entzogen werden, und er ist insofern eine Kritik daran. Mit mitfühlendem
Konservatismus hat das überhaupt nicht zu tun – mit Konservatismus an sich jedoch schon, da ein ausgehöhlter
Staat kein konservatives Interesse sein kann. Jedenfalls: Ein Ende des Staates, und zwar durchaus streng,
aber – um an den Anfang unserer Konversation zurückkommend – eben nicht unbedingt nationalstaatlich überzeichnet
verstanden (wenn Ihre Jellinek-Definition doch auch nicht schlecht ist), und gerade wenn ich an Reichskonzepte
denke, ist aber nicht nur nicht wünschenswert, sondern auch empirisch nicht festzumachen, schon gar nicht
angesichts der Entstehung einer vierten staatlichen Ebene.
[So, das ist gerade mal die Hälfte meiner Replik, aber mehr geht eben erst mal nicht – das ist eben keine Konversation für kreuz.net…
]
[So, das ist gerade mal die Hälfte meiner Replik, aber mehr geht eben erst mal nicht – das ist eben keine Konversation für kreuz.net…
Donnerstag, 1. November 2007 15:39
Pius XII: @ Montfalcone
Sie treiben mich dem Ende meines sicheren Wissens entgegen.
Hollow state hielt ich immer für den Begriff, mit dem die zunehmende Differenz zwischen den Leistungen, die der Staat mit eigenen Kräften vornimmt und denen, die von wohltätigen Organisationen erfüllt werden, obwohl sie im staatlichen Interesse sind, umschrieben wird. Politisch hieß das dann „mitfühlender Konservatismus“. Aber daß hollow state etwa Platz für, sagen wir mal, die Gloire des Staates oder überhaupt etwas anderes als eine schlichte Funktionsbeschreibung des Staates lassen würde, war mir bislang unbekannt geblieben.
Auch im übrigen muß ich mich erst schlau machen. Ich werde mal bei Möllers anfragen, ob er noch ein Exemplar seines „Der Staat als Argument“ hat; wenn ich da alle Argumente, gegen die M. anstinkt, nehme, müßte ich eigentlich einen ganz guten Überblick über alles haben, was über die pluralistische Theorie hinausgeht, oder? Und immer nur Carl Schmitt ist ja auch nicht der Hit, zumal der in seinem Vorwort zur 1963er Auflage des „Begriffs des Politischen“ ja auch vom „Ende der Staatlichkeit“ schrieb, über die „es kein Wort mehr zu verlieren“ gibt.
Womit wir bei der spannenden Frage nach einem brauchbaren, konservativen Staatsbegriff in der Gegenwart wären. Denn „Der Staat ist der umfassende politische Status eines in territorialer Geschlossenheit lebenden Volkes (Nation)“ paßt angesichts von EU, mannigfaltigen supranationalen Organisationen etc. nicht mehr; er ist zu modern, zu wenig postmodern.
Hollow state hielt ich immer für den Begriff, mit dem die zunehmende Differenz zwischen den Leistungen, die der Staat mit eigenen Kräften vornimmt und denen, die von wohltätigen Organisationen erfüllt werden, obwohl sie im staatlichen Interesse sind, umschrieben wird. Politisch hieß das dann „mitfühlender Konservatismus“. Aber daß hollow state etwa Platz für, sagen wir mal, die Gloire des Staates oder überhaupt etwas anderes als eine schlichte Funktionsbeschreibung des Staates lassen würde, war mir bislang unbekannt geblieben.
Auch im übrigen muß ich mich erst schlau machen. Ich werde mal bei Möllers anfragen, ob er noch ein Exemplar seines „Der Staat als Argument“ hat; wenn ich da alle Argumente, gegen die M. anstinkt, nehme, müßte ich eigentlich einen ganz guten Überblick über alles haben, was über die pluralistische Theorie hinausgeht, oder? Und immer nur Carl Schmitt ist ja auch nicht der Hit, zumal der in seinem Vorwort zur 1963er Auflage des „Begriffs des Politischen“ ja auch vom „Ende der Staatlichkeit“ schrieb, über die „es kein Wort mehr zu verlieren“ gibt.
Womit wir bei der spannenden Frage nach einem brauchbaren, konservativen Staatsbegriff in der Gegenwart wären. Denn „Der Staat ist der umfassende politische Status eines in territorialer Geschlossenheit lebenden Volkes (Nation)“ paßt angesichts von EU, mannigfaltigen supranationalen Organisationen etc. nicht mehr; er ist zu modern, zu wenig postmodern.
Donnerstag, 1. November 2007 13:48
Montfalcone: @PXII: Familie und Staatsleistung
Aber Pius, die Korrektur ist natürlich herzlich willkommen, aber Sie wollen sich doch, zumal in unserem konservativ-/katholischen Diskurskontext (oder…?), nicht wirklich eine „pluralistische Theorie“ von Staat und Gesellschaft zueigen machen, also doch am Ende einen schlichten Governance-Ansatz plus Dahl und 68? In dem ist ja bereits die Staatskritik verortet, sie ist also zum Reflektieren des Staates ganz und gar untauglich. Ich möchte den Staat natürlich auch ganz präzise vom Gemeinwesen unterscheiden (mit Hegel gegen die Taschenbuchausgabe von Althusius, sozusagen), sonst haben wir doch noch mehr Wischi-Waschi und kommen zu gar nichts. Nein, Staatsleistungen sind sicherlich wichtig (und gerade in der neuesten Governance-Theorie geht man ja wieder davon aus, daß es positiv besetzte Staatsleistungen geben muß, Stichwort hollow state), aber die Leistungen (meinetwegen im Sinne von Forsthoff) bestimmen und definieren ja nicht den Staat, sondern sind nur Funktion desselben und Ausfluß der polis. Insofern würde ich Ihrer Gleichsetzung „Staat = staatliches Handeln“ auch untechnisch keinesfalls zustimmen wollen. Das heißt aber auch, daß nicht nur Kern und Wesen des Staates durch eine sinnvolle und nicht mit destruktivem Impetus vorgenommene Aufgabenkritik gar nicht tangiert werden.
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