Lieben Sie eigentlich Ihre Frau?
Mich hat die Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit, die sich hinter dem Unglauben meiner Elterngeneration verborgen hat, immer abgeschreckt. Von Esther Maria Stallmann, Vatican Magazine.
(kreuz.net) Die meisten Menschen, auch Gläubige, egal welcher Religion, verstummen, wenn ihnen die eine
oder andere naturwissenschaftliche Theorie entgegengehalten wird.
Ich glaube, man verstummt, weil man sich so schämt für den Menschen, der da vor einem sitzt, eine Theorie, oder besser gesagt einen Zeitungsartikel verteidigt und dabei seinen eigenen Wert als Mensch zu Brei redet.
Ich erinnere mich noch an eine Situation, als ich fünfzehn Jahre alt war. Ein Geschäftsessen mit meinem Vater. Alle saßen an einem runden Tisch, weiße gestärkte Servietten, leicht blau gefärbte Zähne vom Rotwein und Zigarrenqualm. Da sich alle gut kannten und der geschäftliche Teil des Essens wohl darin bestanden hatte, sich gegenseitig zu bestätigen, daß man sich noch gewogen sei, gingen die Gespräche bald wie üblich von Wirtschaft über Politik zu Gesellschaft und Kunst und dann zur Religion, was sich eigentlich nicht gehört, aber so war’s.
Und ich erinnere mich ganz deutlich an einen dieser Männer, der zurückgelehnt in seinem Stuhl saß, leicht graue Haare, sehr groß, ein bißchen dick, um die sechzig, die blauen Zähne habe ich schon erwähnt, und immer wieder zog er an seiner Zigarre, während die anderen der Gesellschaft über Gott sprachen.
Ich weiß nicht mehr, was der Auslöser für seinen Monolog war, aber ich weiß, wovon er gesprochen hat. Über Theorien: über den Urknall, über die Evolution, daß der Mensch ein hoch entwickeltes Tier sei und so weiter.
Es war nicht dieses ganz ordinäre Geschwätz, das man sonst oft hört. Dieser Mann klang gut. Alle hörten aufmerksam zu, seine Frau saß ein bißchen stolz neben ihm, er machte sich breit.
Es ging dann um die Beweisbarkeit Gottes, und daß, da niemand ihn beweisen könne, er nicht glaubte. Er sagte es überzeugt und sicher – weltmännisch.
Ich habe selber nicht geglaubt in der Zeit, aber ich habe nie die Existenz des Menschen als biologischen Zufall betrachtet und deshalb auch nie die Existenz Gottes oder irgendeiner schöpferischen Kraft außerhalb der Natur negiert. Ich fand es nicht intelligent, das zu tun.
Ich erinnere mich, daß ich mich geschämt habe für den Mann, weil ich ihn so dumm fand. „Lieben Sie eigentlich Ihre Frau?“, habe ich ihn gefragt.
Das war natürlich ein peinlicher Moment, auch für mich. Er sah kurz seine Frau an, die blickte unsicher lachend in die Runde, dann lachten alle, und dann habe ich gesagt:
„Ich glaube Ihnen das nicht. Sie können es nicht beweisen. Sie können sagen, daß sie einen Geruch hat, der Sie anlockt, daß Ihre Treue zu ihr gesellschaftlicher Zwang oder eigener Nutzen ist, weil sie Nestwärme brauchen und sie ihre Jungen großzieht. Ich wäre sehr traurig wenn, ich ihre Frau wäre.“
Ich hatte Glück, daß alle schon viel Wein getrunken hatten und mir diese Worte als pubertäre Keßheit ausgelegt wurden. (Frech sein wurde in meiner Generation auch oft mit Intelligenz verwechselt. Bei meinen Eltern nicht, ich habe ziemlichen Ärger bekommen.)
„Jaaa, die Liebe, das ist so ein Thema“, sagte er, und dann begannen alle noch mehr Wein zu trinken und zitierten irgendwelche großen Schriftsteller.
Solche Themen enden oft damit, daß jemand ein Schlußwort bringt mit lächelndem Seufzen: „Ach ja, man weiß es einfach nicht. Es wird sich zeigen, wer recht hat.“ Mich hat die Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit, die sich hinter dem Unglauben meiner Elterngeneration verborgen hat, immer abgeschreckt.
Dieser mangelnde Ernst, diese Widersprüche zwischen dem eigenen Leben und dem, woran sie glaubten. So entstehen absurde Kondolenzkarten. DAS war meine Pubertät. Nicht die Strenge jener Generation und ihre altmodischen Ansichten zu verurteilen, sondern ihr konsequenzloses „Philosophieren“ zu verachten.
Auszug aus einem Artikel der Maiausgabe des ‘Vatican Magazin’.
Nächstes Mal: Die Gewißheiten einer Pubertierenden
Ich glaube, man verstummt, weil man sich so schämt für den Menschen, der da vor einem sitzt, eine Theorie, oder besser gesagt einen Zeitungsartikel verteidigt und dabei seinen eigenen Wert als Mensch zu Brei redet.
Ich erinnere mich noch an eine Situation, als ich fünfzehn Jahre alt war. Ein Geschäftsessen mit meinem Vater. Alle saßen an einem runden Tisch, weiße gestärkte Servietten, leicht blau gefärbte Zähne vom Rotwein und Zigarrenqualm. Da sich alle gut kannten und der geschäftliche Teil des Essens wohl darin bestanden hatte, sich gegenseitig zu bestätigen, daß man sich noch gewogen sei, gingen die Gespräche bald wie üblich von Wirtschaft über Politik zu Gesellschaft und Kunst und dann zur Religion, was sich eigentlich nicht gehört, aber so war’s.
Und ich erinnere mich ganz deutlich an einen dieser Männer, der zurückgelehnt in seinem Stuhl saß, leicht graue Haare, sehr groß, ein bißchen dick, um die sechzig, die blauen Zähne habe ich schon erwähnt, und immer wieder zog er an seiner Zigarre, während die anderen der Gesellschaft über Gott sprachen.
Ich weiß nicht mehr, was der Auslöser für seinen Monolog war, aber ich weiß, wovon er gesprochen hat. Über Theorien: über den Urknall, über die Evolution, daß der Mensch ein hoch entwickeltes Tier sei und so weiter.
Es war nicht dieses ganz ordinäre Geschwätz, das man sonst oft hört. Dieser Mann klang gut. Alle hörten aufmerksam zu, seine Frau saß ein bißchen stolz neben ihm, er machte sich breit.
Es ging dann um die Beweisbarkeit Gottes, und daß, da niemand ihn beweisen könne, er nicht glaubte. Er sagte es überzeugt und sicher – weltmännisch.
Ich habe selber nicht geglaubt in der Zeit, aber ich habe nie die Existenz des Menschen als biologischen Zufall betrachtet und deshalb auch nie die Existenz Gottes oder irgendeiner schöpferischen Kraft außerhalb der Natur negiert. Ich fand es nicht intelligent, das zu tun.
Ich erinnere mich, daß ich mich geschämt habe für den Mann, weil ich ihn so dumm fand. „Lieben Sie eigentlich Ihre Frau?“, habe ich ihn gefragt.
Das war natürlich ein peinlicher Moment, auch für mich. Er sah kurz seine Frau an, die blickte unsicher lachend in die Runde, dann lachten alle, und dann habe ich gesagt:
„Ich glaube Ihnen das nicht. Sie können es nicht beweisen. Sie können sagen, daß sie einen Geruch hat, der Sie anlockt, daß Ihre Treue zu ihr gesellschaftlicher Zwang oder eigener Nutzen ist, weil sie Nestwärme brauchen und sie ihre Jungen großzieht. Ich wäre sehr traurig wenn, ich ihre Frau wäre.“
Ich hatte Glück, daß alle schon viel Wein getrunken hatten und mir diese Worte als pubertäre Keßheit ausgelegt wurden. (Frech sein wurde in meiner Generation auch oft mit Intelligenz verwechselt. Bei meinen Eltern nicht, ich habe ziemlichen Ärger bekommen.)
„Jaaa, die Liebe, das ist so ein Thema“, sagte er, und dann begannen alle noch mehr Wein zu trinken und zitierten irgendwelche großen Schriftsteller.
Solche Themen enden oft damit, daß jemand ein Schlußwort bringt mit lächelndem Seufzen: „Ach ja, man weiß es einfach nicht. Es wird sich zeigen, wer recht hat.“ Mich hat die Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit, die sich hinter dem Unglauben meiner Elterngeneration verborgen hat, immer abgeschreckt.
Dieser mangelnde Ernst, diese Widersprüche zwischen dem eigenen Leben und dem, woran sie glaubten. So entstehen absurde Kondolenzkarten. DAS war meine Pubertät. Nicht die Strenge jener Generation und ihre altmodischen Ansichten zu verurteilen, sondern ihr konsequenzloses „Philosophieren“ zu verachten.
Auszug aus einem Artikel der Maiausgabe des ‘Vatican Magazin’.
Nächstes Mal: Die Gewißheiten einer Pubertierenden
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
3. Lieben Sie eigentlich Ihre Frau?
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Donnerstag, 1. November 2007 20:22
matt2 †: Armleuchter können nicht lesen…
sonst wüßten sie, dass ich ihre Einwände vorweggenommen habe. Also auch dumm, wie die Wiss.
Donnerstag, 1. November 2007 18:26
Nachtlaterne: hallo doc röntgen,
gott ist geduldig aber verwechseln sie niemals ein eingeschlafenes gewissen und schwere irtümer mit einem guten ruhekissen. nur scheinbar ruht es sich darauf gut aus. zur wahrheiut umkehren heist unmissverstndlich ICH bn ein armer sünder und habe die gnade gottes nicht verdient. ich rufe aber gott gegen mich selbst um hilfe an. wir brauchen einen inneren wandlungsprozess zum reich der liebe und der schützenden gerechtigkeit gottes in. wenn wir uns gott nicht üergeben werden wir uns irgendwann wegen der eigenen sünden schwer übergeben.
Donnerstag, 1. November 2007 17:17
DocRöntgen: Ach Nachtlaterne, als IQ-Meter taugen Sie nicht, sorry!
Das ich als Ungläubiger von vornherein aus dem Schema des für Sie erträglichen Menschen herausfalle,
ist mir doch klar. Das haben Sie mir und anderen Forumsteilnehmern oft genug mitgeilt. Gott hat offenbar
weniger Probleme mit mir, als Sie. oder sind Sie sein Apostel, der mir Mitteilung über meinen Gesiteshorizont
machen soll?
Sie schreiben:
von der schöpfung läßt sich auf den schöpfer schließen, schreibt die bibel und sagt ganz unmissverständlich, dass unentschuldbar ist wer nicht glaubt
Ähnliche Ansprüche erheben sämtliche Sekten, die ihre Mitglieder mental, finanziell oder sonstwie an sich binden möchten. Die katholische Kirche ist älter und erfolgreicher als Scientology oder der Islam. Im Kern ist es für mich dennoch nichts anderes, als eine geschickt konstruierte Sekte, die es halt geschafft hat, einen Gott zu kreieren, der eine größere gesellschaftliche Akzeptanz
gefunden hat, als die Götzen kleinerer Sekten. Die Trennung vom Staat ist und bleibt deshalb oberste Priorität, die Einflußnahme auf politische Entscheidungen
muß entsprechend überschaubar bleiben. „Da kann ja jeder kommen!“
Sie schreiben:
von der schöpfung läßt sich auf den schöpfer schließen, schreibt die bibel und sagt ganz unmissverständlich, dass unentschuldbar ist wer nicht glaubt
Ähnliche Ansprüche erheben sämtliche Sekten, die ihre Mitglieder mental, finanziell oder sonstwie an sich binden möchten. Die katholische Kirche ist älter und erfolgreicher als Scientology oder der Islam. Im Kern ist es für mich dennoch nichts anderes, als eine geschickt konstruierte Sekte, die es halt geschafft hat, einen Gott zu kreieren, der eine größere gesellschaftliche Akzeptanz
gefunden hat, als die Götzen kleinerer Sekten. Die Trennung vom Staat ist und bleibt deshalb oberste Priorität, die Einflußnahme auf politische Entscheidungen
muß entsprechend überschaubar bleiben. „Da kann ja jeder kommen!“
Donnerstag, 1. November 2007 17:14
Sirilo: matt2
matt2 hält die Wissenschaft für „ziemlich dumm“ und gibt dies der Welt kund per PC und Internet – Dinge,
die auf den Ergebnissen der „ziemlich dummen“ Wissenschaft beruhen.
Vgl. die Karte 0 im Tarot „Le matt – der Narr“.
Matt2, mit Ihrer Argumentation sind Sie ein Narr, eine Null.
Vgl. die Karte 0 im Tarot „Le matt – der Narr“.
Matt2, mit Ihrer Argumentation sind Sie ein Narr, eine Null.
Donnerstag, 1. November 2007 17:07
Rudolfus: Grabtuch, weinende Madonnen, nicht verwesende Leichen, etc
All diese Dinge sind Indizien auf ein übernatürliches Wirken – das Gesamtbild ist klar, daß es ein
übernatürliches Wirken gibt: Es ist aber nicht immer klar, wer dahintersteckt:
In vielen Fällen gehen übernatürliche Phänomene auch auf widergöttliche Einflüsse zurück.
Christus warnte vor den falschen Christussen, die kommen würden.
In vielen Fällen gehen übernatürliche Phänomene auch auf widergöttliche Einflüsse zurück.
Christus warnte vor den falschen Christussen, die kommen würden.
Donnerstag, 1. November 2007 17:06
Gotthard: @kurt k.
Wenn beim Forschen herauskommt, dass die Genesis eben nur EINE Geschichte ist und nicht DIE Geschichte,
Die Genesis muss niemand erforschen. Der „Schöpfungsbericht“ ist kein Bericht und keine Beschreibung , sondern ein Lobgesang auf die Größe Gottes und seine Schöpfung
Die Genesis muss niemand erforschen. Der „Schöpfungsbericht“ ist kein Bericht und keine Beschreibung , sondern ein Lobgesang auf die Größe Gottes und seine Schöpfung
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