Kultur
Gregorianisches Urgestein
Was die Kirche nach dem Konzil sorglos und kurzsichtig auf die Müllkippe warf, wird jetzt von Idealisten in mühseliger Kleinarbeit wieder zusammengetragen.
Gregor der Große († 604) diktiert einem Schreiber die vom Heiligen Geist eingeflösten Gregorianischen Choräle.
Gregor der Große († 604) diktiert einem Schreiber die vom Heiligen Geist eingeflösten Gregorianischen Choräle.
(kreuz.net) Vor sechs Jahren gründete der Deutsche Niklaus Schröder in Heidelberg den ‘Hartker Verlag’.

Schröder hat Theologie, Sprache, Musik und Theater studiert. Das führte ihn schließlich zum Gregorianischen Choral.

Im vergangenen April veröffentlichte die Schweizer Regionalzeitung ‘St. Galler Tagblatt’ eine Reportage über ihn.

Webseite des 'Hartker Verlags'
Webseite des ‘Hartker Verlags’
Der ‘Hartker Verlag’ will wichtige Quellen und Sekundärliteratur zum Gregorianischen Choral und der geistlichen Musik, vor allem des Mittelalters, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Schröders Verlag ist nach dem St. Galler Benediktinermönch Hartker benannt, der um das Jahr 1000 gewirkt hat.

Hartker ließ sich sogar dreißig Jahre lang in eine niedrige Zelle einmauern, um sich dort ganz dem Schreiben zu widmen.

Dem Verleger hat es vor allem Hartkers zweibändige Antiphonar angetan.

Es enthält die Gesänge der St. Galler Mönche während des Stundengebets. Hartker schrieb es und versah es mit feinsten Neumen.

Neumen sind Punkte und Striche, die zur Notation Gregorianischer Melodien verwendet werden.

Das Antiphonar von Hartker gilt als graphisches Meisterwerk und als wichtigste aller mittelalterlichen Choralhandschriften.

Antiphonar des St. Gallener Mönchs Hartker
Antiphonar des St. Gallener Mönchs Hartker
© Cod. Sang. 390, Stiftsbibliothek St. Gallen/ Codices Electronici Sangallenses
Es kann online eingesehen werden.

„In diesem Codex spricht einem die Gregorianische Musik am ursprünglichsten an“ – erklärt Schröder vor dem ‘St. Galler Tagblatt’:

„Doch eigentlich ist Gregorianik gar nicht Singen, sondern Beten“.

Schröder hat in seinem Verlag ein gregorianisches „Nocturnale“ publiziert.

Es enthält die gregorianischen Gesänge, welche das nächtliche Stundengebet der Mönche begleiteten.

Anders als die früh schon recht komplizierten Meßgesänge ist die Gregorianik des monastischen Stundengebets nüchtern.

Der reichste Schatz an solchen Gregorianischen Gesängen findet sich im Codex Hartker. Dort sind die Texte in fein säuberlicher, miniaturhafter Schrift verzeichnet. Noch zarter sind die Neumen darübergesetzt.

Das vom Hartker Verlag publizierte Nokturnale umfaßt sechshundert Seiten. Es ist zugleich das erste Buch des Verlags.

Die Gesänge zu den nächtlichen Gebeten waren in jüngerer Zeit kaum noch aufzutreiben.

Praktisch alle Klöster haben sie entsorgt, als sie begannen, das Stundengebet auf Deutsch und mit anspruchslosen Melodien zu halten, wobei dieser Schritt als „Erneuerung der Liturgie“ gepriesen wurde.
      
14 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#16   Aurelius   19:47:32 | Freitag, 9. November 2007
Zu den Verleumdungen gegen H.P.S.: Zum Kotzen!
HPS ist mit Sicherheit nicht an an AIDS gestorben. Diese Verleumdungen gegen ihn, die hier verbreitet werden, sind echt zum Kotzen und zeigen, wo kreuz.net und einige seine Leser stehen.
Christlich ist das mit Sicherheit nicht.
Da hilft wohl nur noch beten!
Redaktion benachrichtigen
#13   Typ   22:28:32 | Dienstag, 6. November 2007
@ möchtegern-kathole, @ Allgemeinheit
Die Legende besagt nun mal, dass er eingemauert sein Antiphonale geschrieben habe.
Zum Aufstieg und Fall des Holger Peter Sandhofe, des Erfinders der Bonner Indultmesse:
Das verschweigt uns kreuz.net also einfach mal eben den Namen des Editors eines hochgepriesenen Nocturnale und nennt uns nur den Herausgeber, während sonst bei jeder Meldung jeder Kaplan, der irgendwas predigt, gleich namentlich genannt wird.
Und was ist nun mit H P Sandhofe, dem Bearbeiter des Nocturnale? [von der Redaktion zensuriert]
Das ist also einer der Protagonisten des einzig wahren, nämlich tridentinischen Katholizismus?
Na bravo. Der Name fällt im Artikel wohl nur deswegen nicht, weil kreuz.net merkt, dass hier die eigene Ideologie wie ein Kartenhaus zusammenstürzt… :-S
Redaktion benachrichtigen
#12   möchtegern-kathole   19:51:30 | Dienstag, 6. November 2007
@Typ: Selbst wenn …
… das Antiphonale von mindestens vier Schreibern verfasst wurde, dann ist das keine Widerlegung dieser „Legende“. Vielleicht hat er noch was anderes geschrieben? Vielleicht für seinen Anteil so lange gebraucht? Oder die „Legende“ ist wirklich widerlegt, aber dann muss aus Gründen der Logik eine andere Begründung her.
Redaktion benachrichtigen
#11   Typ   18:17:22 | Dienstag, 6. November 2007
Auweh
Hartker ließ sich sogar dreißig Jahre lang in eine niedrige Zelle einmauern, um sich dort ganz dem Schreiben zu widmen.
Die Legende ist schon lange widerlegt, weil erwiesenermaßen das Harker zugeschriebene Antiphonale von mindestens vier Schreibern verfasst wurde.
Redaktion benachrichtigen
#10   Benedikt   17:06:59 | Dienstag, 6. November 2007
@ Samurai
Wieso bezweifeln Sie, dass der Choral für den normalen Sonntagsgottesdienst geeignet ist? Der Choral ist jahrhundertlang in Sonntagssmessen erprobt worden, weswegen sich ein Nachweis seiner Eignung erübrigt. Wenn ein kleines Örtchen wie Kiedrich eine Choraltradition aufrecht erhalten soll, so ist es der Beweis, dass man nur wollen muss.
116. Die Kirche betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen.
(II. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium)
Redaktion benachrichtigen
#9   Trueffelschwein   16:04:48 | Dienstag, 6. November 2007
misterunknown
da, wo Sie meinen es gefunden zu haben, da liegt es ganz gut
Verstehe! :-)
Redaktion benachrichtigen
#8   misterunknown   15:42:49 | Dienstag, 6. November 2007
@Trueffelschwein
haben Sie es mit Ihrer Trüffelschwein-Nase aufgespürt? Dann lassen Sie es da wo es ist!
außerdem: was hat Sulpicius damit zu tun, und es wären dann ja drei, nicht zwei… hmm… Sie können vielleicht nicht bis drei zählen? Naja, egal: aber lassen Sie bitte vermeintliches Kriegsbeil da, wo Sie meinen es gefunden zu haben, da liegt es ganz gut
Redaktion benachrichtigen
#7   Trueffelschwein   15:38:40 | Dienstag, 6. November 2007
Sulpicius/misterunknown/M.Kirschbaum
Habt ihr zwei das Kriegsbeil begraben?
Redaktion benachrichtigen
#6   misterunknown   15:23:06 | Dienstag, 6. November 2007
@M. Kirschbaum
Keine Ahnung wo die hin ist!…
nehme an, daß Du ihn auch kennst??
Redaktion benachrichtigen
#5   M. Kirschbaum   15:16:07 | Dienstag, 6. November 2007
@ Misterunknown
Sandhofe passt eben in keiner Weise in das Bild der hetz-netter, zumal er in der Anfangszeit dieser Internetseite sogar Artikel für hetz-net geschrieben hat. Es ist überhaupt erstaunlich, wieviele Homophile und Homosexuelle sich auf dieser Seite engagieren.
Ganz nebenbei: wohin ist die Werbung für „Paramentum“ verschwunden? :-D :-D
Redaktion benachrichtigen
#4   misterunknown   14:32:24 | Dienstag, 6. November 2007
Nocturnale
^^Schröder hat in seinem Verlag ein gregorianisches „Nocturnale“ publiziert.^^
Mich wundert, daß hier kein Wort verloren wird über den Editor dieser großen Arbeit, der 5 Jahre Arbeit dafür investiert hat. Der vor zwei Jahren an Aids verstorbene rennomierte Musikwissenschaftler Holger-Peter Sandhofe.
Redaktion benachrichtigen
#3   Sulpicius   14:28:57 | Dienstag, 6. November 2007
Es wäre schlimm, wenn die Liturgie…
… „Massen begeistern“ würde. Denn dann würde mit ihr etwas nicht stimmen.
Redaktion benachrichtigen
#2   Samurai   14:22:47 | Dienstag, 6. November 2007
@ aleph
So sehe ich das auch.
Persönlich habe ich mehrere CD’s mit Gregorianik und mit Gesängen der frühen keltisch-christlichen Liturgie, die ich sehr gerne höre.
Aber es sind Melodien und Harmonien, die eben für das monastische Gebet (Laudes etc.) optimal geeignet sind, oder beim Gemeindegottesdienst zu besonderen Anlässen (Osternacht oder dergleichen).
Ob die Gregorianik aber für den normalen Sonntagsgottesdienst geeignet ist, wage ich zu bezweifeln.
Gruß,Pit
Redaktion benachrichtigen
#1   Aleph †   13:27:36 | Dienstag, 6. November 2007
Begeisterung bei den Massen
Das ist eine bewundernswerte Arbeit, der man den Respekt nicht verweigern kann. Trotz habe ich Bedenken, dass durch die Publikation der Gregoianische Choral Begeisterung bei den Massen auslösen wird, etwa bei den Ostermessen auf dem Petersplatz in Rom oder auf der Festwiese bei Regensburg… nur um zwei Orte für Mammutgottesdienste zu nennen. Der GC ist meines Erachtens in erster Linie für klösterliche Gemeinschaften bestimmt. Da hat er seinen Sinn, nicht aber in jedweder Pfarrei, wo ab und an vielleicht auch einmal eine Messe gefeiert wird. Dafür leistet das Gotteslob ganz hervorragende Dienste.
Redaktion benachrichtigen
Es wurden 2 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
Weiterlesen:
Angebliche KunstSigniert mit einer Brustwarze HalloweenAlles Neue und Fremde ist gut KulturEine Demokratie, wo auch die Toten mitreden Kölner DomKardinal Meisner wollte das Fenster nicht KulturGläserne Geschichte Walter Marinovic„Beschimpfungen rund um meine Vorträge sind häufig“ KulturBewußtseins-Spaltung oder normal deppert? KulturHäng Deine Unterhosen unter die Schüttbilder Kultur„Wir sind tiefreligiös“ KulturWeihwasser für einen Religionsbeschmutzer KulturKasten als Kunst verkauft Linzer MariendomAuf der Suche nach Ziereremiten HalloweenWozu brauchen wir keltische Gespenstergötzen? HalloweenAsozialer Kulturschrott aus Amerika KulturDer Triumph der Religion in den Künsten
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net